Sigmund Freud

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Sigmund Freud (* 6. Mai 1856 in Freiberg in Mähren, damals Kaisertum Österreich, heute tschechisch Příbor als Sigismund Schlomo Freud; † 23. September 1939 in London), war ein österreichischer Neurologe, Tiefenpsychologe, Kulturtheoretiker und Religionskritiker, der als Begründer der Psychoanalyse weltweite Bekanntheit erlangte. Freud gilt als einer der einflussreichsten Denker des 20. Jahrhunderts; seine Theorien und Methoden werden bis heute kontrovers diskutiert.

Sigmund Freud auf einer Fotografie von 1921 (Aufnahme von Max Halberstadt)
Unterschrift Sigmund Freud

Leben[Bearbeiten]

Familie und Herkunft[Bearbeiten]

photograph
Freuds Geburtshaus in Freiberg (Mähren)
Der junge Sigmund Freud mit seiner Mutter Amalie

Freud wurde als Sohn jüdischer Eltern geboren. Er sah sich trotz seiner atheistischen und religionskritischen Einstellung im Grunde zeit seines Lebens dem Judentum zugehörig.[1]

Sein Vater, der Wollhändler Kallamon Jacob Freud (* 18. Dezember 1815 in Tysmenitz, Galizien; † 23. Oktober 1896 in Wien), war bei Sigmunds Geburt schon über vierzig Jahre alt und in dritter Ehe mit Amalia Freud (1835–1930; geborene Nathansohn) verheiratet. Freud hatte zwei ältere Halbbrüder aus den vorangegangenen Ehen seines Vaters und sieben jüngere Geschwister aus der Ehe seiner Eltern.[2]

Umzug der Familie Freud – 1859 nach Leipzig – 1860 nach Wien[Bearbeiten]

Als Jacob Freuds bis dahin florierendes Wollhandelgeschäft in der 1857 einsetzenden Wirtschaftskrise bankrottging, bedeutete dies für die bisher wohlhabende Familie einen sozialen Abstieg. Aus wirtschaftlicher Bedrängnis zog sie 1859 zunächst nach Leipzig und kurze Zeit später nach Wien. Dort besuchte Freud ab 1865 das Leopoldstädter Communal-Realgymnasium. Freud war ein hervorragender Schüler. Er bestand seine Matura 1873 mit Auszeichnung.

Medizinstudium in Wien – Forschungsstipendium in Triest[Bearbeiten]

Freud verwarf seine ursprünglichen Pläne, Jura zu studieren und immatrikulierte sich 1873 an der Universität Wien für das Studium der Medizin. Seit 1874 begleitete Carl Claus, Professor für Zoologie in Wien, Freuds Forschungsarbeiten. Carl Claus ermöglichte Freud ein Stipendium. Während dieses Forschungsstipendiums ab 1876 an der Zoologischen Versuchsstation in Triest, unternahm Freud Untersuchungen der Aal-Hoden und konnte damit seine erste wissenschaftliche Arbeit bei Carl Claus vorlegen. Noch im selben Jahr kehrte Freud nach Wien zurück und wechselte an das Physiologische Institut unter der Leitung von Ernst Wilhelm Brücke. Unterbrochen von seinem abzuleistenden einjährigen Militärdienst im Jahr 1879, konnte Freud 1881 nach erfolgreicher Disputation über seine vorgelegte Dissertation zum Thema Über das Rückenmark niederer Fischarten zum Doktor der Medizin promoviert werden.

Das Haus Berggasse 19 in Wien. Hier lebte Freud mit seiner Familie von 1891 an 47 Jahre lang, bis zum Tage seiner Emigration nach London im Jahr 1938
Ornate staircase, a landing with an interior door and window, staircase continuing up
Aufgang zu Freuds psychoanalytischer Praxis in der Wiener Berggasse 19, über diesen Zugang kamen und gingen Patienten zu Freuds Arbeitsraum, mit der berühmten Couch, fast ein halbes Jahrhundert. Die Mehrzahl der Bücher, Sammlungsstücke und Möbel, einschließlich der berühmten Couch, befindet sich heute im Freud Museum London, das seine Tochter Anna in der Londoner Exilwohnung der Freuds einrichtete

Neurophysiologie und Pharmakologie – Untersuchungen mit Kokain[Bearbeiten]

1882 trat Freud eine Stelle im Wiener Allgemeinen Krankenhaus unter Theodor Meynert an, die er bis 1885 innehatte. Dort arbeitete er im Laboratorium für Gehirnanatomie im Bereich der Neurophysiologie. Von 1884 bis 1887 befasste sich Freud eingehend mit der Pharmakologie des Stimulans Kokain, einer damals wenig bekannten Droge, die ein deutscher Militärarzt eingesetzt hatte, um die körperliche Ausdauer seiner Männer zu steigern.[3] Seine Studie über Cocain, für die Freud auch Selbstversuche unternommen hatte, wurde 1884 veröffentlicht und war Grundlage der damals revolutionären Entdeckung der lokalanästhetischen Wirkung des Cocains am Auge, nachgewiesen durch Versuche von Carl Koller.[4] Versuche, seinen morphiumsüchtigen Freund und Kollegen Ernst von Fleischl mit Cocain zu heilen, misslangen und Fleischl wurde kokainabhängig, was Freud jedoch nicht in seinen Publikationen zugab, sondern nur in privaten Briefen an seine Verlobte Martha Bernays, bekannt durch Freuds Freund und Biograph Ernest Jones, der den Briefwechsel ausgewertet hat. Freud selbst nutzte über Jahre die therapeutische Wirkung des Cocains, ohne eine Toleranzentwicklung.[5] Freuds inzwischen vollständig veröffentlichte Korrespondenz mit Wilhelm Fließ bestätigt, dass er bis 1895 Cocain, das Fließ ihm verschrieb, zur lokalen Behandlung von Nebenhöhlenentzündungen verwendete.[6]

Jean-Martin Charcot – Hysterie und Hypnose[Bearbeiten]

Charcot demonstriert die Wirkung der Hypnose an einer „Hysterikerin“, der Patientin „Blanche“ (Blanche Wittmann), Charcot hinterfragte seine eigenen Arbeiten zur Hysterie gegen Ende seines Lebens

Während einer Studienreise nach Paris 1885 besuchte er u. a. die psychiatrische Klinik am Hôpital Salpêtrière, wo Jean-Martin Charcot wirkte, ein bekannter Professor für Pathologische Anatomie, der die Hysterie als echte Krankheit diagnostiziert hatte und Hypnose für ernste Zwecke der psychischen Heilung einsetzte.[7] Dieser gab ihm Anschauungsunterricht über Hysterie, und vermittelte ihm die Auswirkung von Hypnose und Suggestion. Schon einige Jahre zuvor hatte der junge Freud auch den Arzt Josef Breuer kennengelernt. Der Fall der „Anna O.“ (Bertha Pappenheim), die bei Breuer seit 1880 in Behandlung war, führte zur gemeinsamen Erarbeitung der sogenannten „Sprechtherapie“, einer Art Vorstufe der Psychoanalyse.

Freud erforschte und benutzte den hypnotischen Zustand zunächst, um den „Zensor“ zu umgehen, der den Analytiker daran hindert, unterdrückte Erfahrungen aufzudecken, die seines Erachtens die Neurosen hervorbringen. Nach einem im Oktober 1886 gehaltenen Vortrag über männliche Hysterie schlug Freud heftige Kritik entgegen. Zu den Kritikern gehörte auch Theodor Meynert, der sich mit dem mit Freud zusammenarbeitenden Hypnosearzt Dr. Leidesdorf überworfen hatte. Meynert behandelte Freud, als sei er „nur“ ein Hypnotiseur, der „als ausgebildeter Hypnosearzt arbeitet.“ Freud wandte sich nach seinem Besuch bei Bernheim 1889 von Charcot ab. Nun sprach er sich gegen eine materialistische Interpretation der Hypnose aus, verteidigte sie gegen alle Verleumdungen ihrer Gegner und übersetzte Bernheims Buch über die Suggestion.[8]

Abwendung von der Hypnose

Schließlich wandte sich Freud von der Hypnose u. a. wegen der peinlichen Entdeckung ab, dass sich seine Patientinnen, als Nebenwirkung der hypnotischen Trance, in den Therapeuten verliebten. Im Anschluss entwickelte er als alternative Methode, um in verborgene unterbewusste Bereiche vorzudringen, seine Behandlungsform, die u. a. auf freien Assoziationen und Traumdeutung beruhte, um die seelische Struktur des Menschen zu verstehen und zu behandeln (Psychoanalyse).[9]

Nach ihm ist der „Freudsche Versprecher“ als offensichtlichstes Beispiel einer Fehlleistung benannt.[10]

Habilitation – Privatdozentur an der Universität Wien[Bearbeiten]

Nach seiner Habilitation 1885 erhielt Freud im September eine Privatdozentur für Neuropathologie an der Universität Wien. Parallel dazu ließ sich Freud am 25. April 1886 in Wien als Arzt nieder. Unter der Leitung von Max Kassowitz wurde Sigmund Freud Vorstand der Abteilung für Neurologie am Ersten öffentlichen Kinder-Krankeninstitut im 1. Wiener Gemeindebezirk. Freud leitete die Abteilung für Neurologie von 1886 bis 1896.[11] Freuds im Oktober 1886 gehaltener Vortrag »Über männliche Hysterie« vor dem Publikum der Gesellschaft der Ärzte traf in diesem Kreis auf Ablehnung.

1889 besuchte Freud Hippolyte Bernheim in Nancy, der Versuche mit der sogenannten posthypnotischen Suggestion durchführte. Aus diesen Versuchen schloss Freud, dass es ein Unbewusstes geben müsse, welches verantwortlich für einen Großteil menschlicher Handlungen sei.

Private Wege[Bearbeiten]

Nach vierjähriger Verlobungszeit heirateten Sigmund Freud und Martha Bernays (1861–1951) am 13. September 1886 standesamtlich im Rathaus von Wandsbek bei Hamburg. Seine Verlobte stammte aus einer angesehenen Rabbiner- und Gelehrtenfamilie.[12] Am nächsten Tag folgte die Trauung nach jüdischem Ritus.[13] Freuds Schwester Anna heiratete den Bruder Marthas, Ely Bernays. Somit wurde Sigmund Freud auch Onkel des 1891 geborenen Edward Bernays, des „Vaters der Public Relations“.

Martha Bernays und Sigmund Freud hatten gemeinsam sechs Kinder:

  • Mathilde (1887–1978)
  • Martin (Jean Martin) (1889–1967)
  • Oliver (1891–1969)
  • Ernst (Ernst Ludwig) (1892–1970)
  • Sophie (1893–1920)
  • Anna (1895–1982).

Den Söhnen gab Freud die Vornamen historischer Persönlichkeiten: Martin (Jean Martin), nach seinem berühmtesten Lehrer, dem Pariser Hysteriespezialisten Jean-Martin Charcot. Oliver, nach Oliver Cromwell, der England für die Juden geöffnet hatte. Ernst (Ernst Ludwig), nach dem Physiologen Ernst Wilhelm von Brücke. Der Architekt Ernst L. Freud (1892–1970) ist der Vater des bedeutenden Porträtmalers Lucian Freud aus London (1922–2011).

1891 bezog Freud die später legendär gewordene Wohnung in der Berggasse 19, in einem Haus, in dem vorher Victor Adler, der Eigentümer des Hauses und Begründer der österreichischen Sozialdemokratie, als Armenarzt praktiziert hatte.[14] Freud wohnte und wirkte die nächsten 47 Jahre hier.

Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert trat er der jüdischen B’nai-B’rith-Loge in Wien bei.[15]

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges ließ sich Freud von der allgemeinen Kriegseuphorie mitreißen und verstieg sich sogar zu der Bemerkung, seine „ganze Libido“ gehöre Österreich-Ungarn.[16] Später wich seine Begeisterung allmählich Ernüchterung und Resignation angesichts des Kriegsverlaufs.

Jahrzehntelang rauchte Freud ungefähr 20 Zigarren pro Tag.[17] 1922 erkrankte Freud an Gaumenkrebs. 1923 wurden deshalb der rechte Oberkiefer und Gaumen operativ entfernt, und es musste eine Prothese eingesetzt werden. Im Laufe der folgenden fünfzehn Jahre wurden dreiunddreißig weitere, unterschiedlich schwere Operationen durchgeführt. Die Erkrankung verschlimmerte sich gleichwohl beständig bis zu seinem Tod.[18]

Die Entstehung der Psychoanalyse[Bearbeiten]

Von „Psychoanalyse“ sprach Sigmund Freud erstmals im Jahr 1896, und zwar als „dem etwas subtilen Ausforschungsverfahren von Josef Breuer“; diesem war es in der Behandlung von Bertha Pappenheim gelungen, deren Symptome aufzulösen, indem er Pappenheim die eigentlichen Traumatisierungen, die sich hinter ihren Symptomen verbargen, aufspüren und aussprechen ließ. Es ging um die Benennung dessen, was sie tatsächlich an Verletzung, Kränkung, Ekel, Entwertung, Gewalt usw. erlebt hatte, jedoch aufgrund der 'guten Erziehung' nicht benennen durfte.

Breuers Vorgehen entsprach ziemlich exakt demjenigen des König Ödipus im Theaterstück von Sophokles: Ödipus durchdringt mit großer Aufrichtigkeit am Ende die wahren Zusammenhänge. Schiller hatte 1797 in einem Brief an Goethe den König Ödipus eine „tragische Analysis“ genannt, weil aus der Rückschau die Zusammenhänge aufgelöst werden. Möglicherweise schlug Breuer Freud vor, zur Betonung dieser Parallele das entwickelte Verfahren „Psychoanalyse“ zu nennen.

Sigmund Freud-Stele am Cobenzl in Grinzing

Bis zum September 1897 nannte Freud sein Verfahren mehrfach „Psychoanalyse“, hielt aber dabei immerhin an dem Prinzip der Breuerschen Behandlung fest, indem er seine Patienten Gewalterfahrungen erforschen und benennen ließ. Jedoch war er in dieser Zeit einseitig fixiert auf Gewalt sexueller Natur, konkretisiert zuletzt als Vergewaltigung durch den Vater im Alter zwischen zwei und acht Jahren (siehe Verführungstheorie). Diesen Ansatz verwarf er dann im September 1897 (Brief vom 21. September 1897 an Fliess) und verkehrte ihn quasi in sein Gegenteil: Jetzt erwog er, die außer Kontrolle geratenen triebhaften Wünsche und Phantasien des Kindes gegenüber seinen Eltern seien der Ursprung zahlreicher Störungen. Einen Monat später formulierte er gegenüber Wilhelm Fließ (Brief vom 15. Oktober 1897) nach selbstanalytischen Betrachtungen erstmals die These vom „Ödipus-Komplex“: Er postulierte das Phänomen unbewusster libidinöser Bindungen an die eigene Mutter bei einem gleichzeitigen Rivalitätsverhältnis zum Vater: „Ich habe die Verliebtheit in die Mutter und die Eifersucht gegen den Vater auch bei mir gefunden und halte sie jetzt für ein allgemeines Ereignis früher Kindheit [...]. Wenn das so ist, so versteht man die packende Macht des König Ödipus“.[19]

1895 verbrachte Freud den Sommer bei der Familie Ritter von Schlag in deren Schloss Belle Vue am Cobenzl, oberhalb Grinzings, in Wien. Am 24. Juli enthüllte sich ihm in der Deutung des Traumes von ‚Irmas Injektion‘, wie er es mit einer gewissen Selbstironie in einem Brief an Wilhelm Fließ ausdrückte‚ „das Geheimnis des Traumes“,[20] woran eine Stele mit Inschrift an der Stelle des 1963 abgerissenen Schlosses erinnert.

„Glaubst Du eigentlich, daß an dem Hause dereinst auf einer Marmortafel zu lesen sein wird?: ‚Hier enthüllte sich am 24 Juli 1895 dem Dr. Sigm. Freud das Geheimnis des Traumes‘ Die Aussichten sind bis jetzt hiefür gering.“

Sigmund Freud, 12. Juni 1900
Sigmund Freud auf einer Porträt-Fotografie um 1905 von Ludwig Grillich

Am 4. November 1899[21] erschien Freuds frühes Hauptwerk, Die Traumdeutung, vordatiert auf 1900. Es folgten in kurzen Abständen die Schriften Zur Psychopathologie des Alltagslebens (1901), Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten (1905) und Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905).

Zum 1. April 1902 wurde Freud zum außerordentlichen Titular-Professor ernannt, nachdem seine Patientin Baronin Marie von Ferstel den zuständigen Minister Wilhelm von Hartel mit der Schenkung eines Kunstwerks dazu 'angeregt' hatte.[22] Im gleichen Jahr gründete Freud die „Psychologische Mittwochs-Gesellschaft“, aus der 1908 die Wiener Psychoanalytische Vereinigung hervorging: Alfred Adler, Wilhelm Stekel und andere Kollegen und Schüler versammelten sich jede Woche in seiner Wohnung zur Erlernung der neuen Methode und Diskussion. Im Laufe der nächsten Jahre schlossen sich Paul Federn, Carl Gustav Jung, Otto Rank, Sándor Ferenczi und andere dem Kreis um Freud an.

1908 berief Freud den ersten psychoanalytischen Kongress nach Salzburg ein. Hier kam es zu einem leisen Eklat: Otto Gross, ein Psychiater, der sich schon seit einigen Jahren öffentlich für Freuds Lehre eingesetzt hatte, zog gesellschaftspolitische Schlussfolgerungen aus ihr. Freud, der sich kurz zuvor in seiner Schrift Die ‚kulturelle‘ Sexualmoral und die moderne Nervosität konträr geäußert hatte, setzte dem entgegen, dass eine Veränderung der Gesellschaft nicht die Aufgabe von Ärzten sei, und sorgte dafür, dass Gross aus der Gruppe gedrängt und aus ihren Annalen getilgt wurde.[23] 1910 gründete Freud die „Internationale Psychoanalytische Vereinigung“ (IPV), es folgten 1911 die „amerikanische psychoanalytische Vereinigung“ sowie 1919 die „britische psychoanalytische Vereinigung“.

1913 erschien die Schrift Totem und Tabu, in der sich Freud mit dem kulturgeschichtlichen Phänomen des Inzestverbots auseinandersetzte.

1917 stellte er im 18. Kapitel der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse seine Entdeckung der Macht des Unbewussten in eine Reihe mit den Theorien von Nikolaus Kopernikus und Charles Darwin und bezeichnete alle drei Theorien als „Kränkungen der Menschheit“.

1920 wurde Freud zum ordentlichen Professor ernannt.[22]

Religionskritiker Freud[Bearbeiten]

Das Unbehagen in der Kultur, Erstdruck
»Eine besondere Bedeutung beansprucht der Fall, daß eine größere Anzahl von Menschen gemeinsam den Versuch unternimmt, sich Glückversicherung und Leidensschutz durch wahnhafte Umbildung der Wirklichkeit zu schaffen. Als solchen Massenwahn müssen wir auch die Religionen der Menschheit kennzeichnen. Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.« (S. 33)

Freud, der einer jüdischen Familie entstammte, stand als Atheist und Religionskritiker in einem zwiespältigen Verhältnis zu seiner angestammten Religion.[24] Erst durch den gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstärkt auflodernden Antisemitismus fand eine Rückbesinnung auf seine jüdischen Wurzeln statt, die auch in der Mitgliedschaft in einer B’nai B’rith-Loge ihren Ausdruck fand. Auch stand er später den zionistischen Aktivitäten in Palästina wohlwollend gegenüber, ohne sich selbst als Zionist zu verstehen.[25] Am 18. Februar 1926 schrieb Freud an Enrico Morselli: „Obwohl der Religion meiner Voreltern längst entfremdet, habe ich das Gefühl für die Zusammengehörigkeit mit meinem Volk nie aufgegeben“. Eine Relevanz seiner Religionsherkunft für seine Wissenschaft verneinte er hingegen, ohne die Gefahr zu verkennen, dass eine solche von seinen Gegnern postuliert werden könne, was später auch geschah.[15][26]

Freud bezeichnet sich selbst als einen Feind der Religion „in jeder Form und Verdünnung“ und steht somit in der Tradition Ludwig Feuerbachs (dessen Thesen er als seine philosophische Grundlage ansieht) und Friedrich Nietzsches (dem er zugesteht, etliche Einsichten der Psychoanalyse intuitiv vorweggenommen zu haben). Auch Arthur Schopenhauers Schriften hatten großen Einfluss auf den jungen Freud.

Freud bekräftigt die Religionskritik der Philosophen durch Einsichten, die er als naturwissenschaftlich geprägter Mediziner bei der Entwicklung der klinischen Psychoanalyse gewonnen hat. Dabei drängte sich ihm die Auffassung auf, dass die Religion einer Kindheitsneurose vergleichbar sei.

Hierbei argumentiert er anthropologisch, ontogenetisch und phylogenetisch:

Das anthropologische Argument definiert die Religion als infantiles (=kindliches) Abwehrverhalten gegen die menschliche Unterlegenheit: Der Mensch habe die Naturkräfte personalisiert und zu schützenden Mächten erhoben. Somit helfen sie ihm in seiner Hilflosigkeit. Das zugrunde liegende Verhaltensmuster knüpfe an die frühkindliche Erfahrung der schützenden Eltern, besonders die des Vaters, an.[27]

Auf die frühkindlichen Erfahrungen geht auch Freuds ontogenetischer Ansatz ein: Das ambivalente Verhältnis des Kindes gegenüber dem Vater setzt sich im Glauben des Erwachsenen fort. Er erkennt, dass er auch als solcher sich nicht völlig gegen fremde Übermächte wehren kann, weswegen er seinen Schutz im Gottesglauben sucht. Die Götter fürchtet er, trotzdem überträgt er ihnen seinen Schutz.

Das Motiv der Vatersehnsucht setzt sich bei der stammesgeschichtlichen (phylogenetischen) Erklärung fort. Freud greift in Totem und Tabu (1913) das von Charles Darwin eingeführte Modell einer Urhorde auf, deren Stammesvater als absoluter Despot von den Söhnen sowohl verehrt als auch gehasst wurde, insbesondere aufgrund seines Anspruches, alle Frauen der Horde zu besitzen. Aus Eifersucht hätten sie ihr Oberhaupt gemeinsam umgebracht (Ödipuskomplex). Eine Nachfolge sei aufgrund der wechselseitigen Blockade der Söhne und der nachträglichen Idealisierung des ermordeten Urvaters nicht möglich gewesen. Als Gemeinschaft sollen sich die Söhne der Urhorde darauf verständigt haben, sich die Endogamie, den Besitz der Frauen der eigenen Gruppe zu versagen, so dass lediglich Frauen fremder Stämme und Sippen geheiratet werden durften (Exogamie-Gebot). Anschließende rituelle Mahlzeiten sollen an den vorangegangenen Mord bzw. die darauf folgende Etablierung elementarer Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens erinnern. Das menschliche Schuldbewusstsein sei somit der Anfang sozialer Organisation, von Moral, Religion, sittlicher Beschränkung und damit der Kultur überhaupt.

Freud setzte sich bis zu seinem Lebensende mit dem Thema Religion auseinander. Sein letztes Werk (1939), wenige Tage vor seinem Tod veröffentlicht, war eine Studie über den Religionsgründer Moses: Der Mann Moses und die monotheistische Religion.

Freud und Jung[Bearbeiten]

Gruppenfoto 1909 vor der Clark University. Vorne: Sigmund Freud, Granville Stanley Hall, C. G. Jung. Hinten: Abraham A. Brill, Ernest Jones, Sandor Ferenczi
Sigmund Freud 1926 auf einem Porträt-Foto von Ferdinand Schmutzer

1906 tritt Freud in einen Briefwechsel mit seinem Fachkollegen Carl Gustav Jung ein. Bei einem Treffen 1907 reden beide 13 Stunden lang ohne Unterbrechung. Freud möchte in Jung seinen „Kronprinzen“ sehen, schon deshalb, damit man seine ohnehin stark angefeindete Lehre nicht als eine jüdische Angelegenheit abtun kann. 1909 reist Freud mit Jung und Ferenczi auf Einladung dortiger Interessenten an seiner Lehre in die USA. 1910 wird Jung zum Präsidenten der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung gewählt. 1913/14, nachdem sich schon 1911 Alfred Adler von Freud getrennt hatte, kommt es auch zum Bruch mit Jung. Freud veröffentlichte seine Sicht der beiden Trennungen in der Schrift Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung.

Auf dem Höhepunkt des Schaffens[Bearbeiten]

In den 1920er Jahren erscheinen weitere von Freuds zentralen Werken, die seinen - bereits durch die Traumdeutung begründeten – internationalen Ruhm als Begründer und wichtigster Vertreter der Psychoanalyse festigen. Zu nennen sind insbesondere:

1930 verlieh die Stadt Frankfurt Freud – auch gegen Protest – den Goethepreis. 1932 untersuchte er in einem Briefwechsel mit Albert Einstein auf Anregung des Völkerbunds die Möglichkeiten der Wissenschaft, Kriege zu verhüten: „Warum Krieg?“. 1935 wird er Ehrenmitglied der British Royal Society of Medicine. Zu Freuds 80. Geburtstag hält Thomas Mann 1936 den Festvortrag „Freud und die Zukunft“. Ebenso gratulieren die Alten Herren der jüdischen Studentenverbindung Kadima Wien, der Freuds Sohn Martin angehörte, Freud zu diesem Jubiläum; er wurde kurz darauf selbst Ehrenmitglied.[28][29]

Verfolgung, Emigration und Tod im Exil[Bearbeiten]

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland fielen auch Freuds Werke der Bücherverbrennung vom Mai 1933 anheim. Ein Jahr später wurde in Österreich die Demokratie in einen klerikalfaschistischen Ständestaat transformiert. Freud scheint die Gefahr, die ihm drohte, nicht wirklich wahrgenommen zu haben. Er meinte zunächst, der reaktionäre Katholizismus in Österreich sei der damals beste Schutz gegen die Nazis. In Verkennung des Ernstes der Lage ließ er sich sogar zwecks Fortbestands der Psychoanalyse in Deutschland auf allerlei organisatorische Kompromisse mit den Nationalsozialisten ein.[30]

In dieser Zeit verschärfte sich auch Freuds Konflikt mit dem – zu dieser Zeit – kommunistisch orientierten Wilhelm Reich, einem ursprünglich von ihm geschätzten Schüler, der 1930 in die KPD eintrat und in Wort und Schrift gegen den Nationalsozialismus agitierte. Freud ließ Reich 1934 aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausschließen. Ob dies sozusagen als Bauernopfer zwecks Appeasement gegenüber den Nationalsozialisten geschah, wie einige Historiker meinen,[31] oder doch primär aus „wissenschaftlichen Gründen“, wie Freud selbst – allerdings nur in einem privaten Brief – angab, blieb bislang ungeklärt.[32]

„Anschluss“ Österreichs[Bearbeiten]

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich am 12. März 1938 wurde Anna Freud durch die Gestapo verhört. Sie war vom Hausarzt Max Schur für den Notfall mit Veronal versorgt worden. Als Anna durch Glück wieder heimkommen konnte, war Freud letztlich überzeugt, dass es Zeit sei, das Land zu verlassen. Einflussreiche Anhänger wie Ernest Jones und Marie Bonaparte initiierten diplomatischen Druck von Seiten Großbritanniens und der Vereinigten Staaten, sodass Freud und die meisten seiner Familienmitglieder nach Zahlung der „Reichsfluchtsteuer“ ausreisen konnten.[33] Freud unterschrieb, um ausreisen zu dürfen, dass sie gut behandelt worden wären, und ergänzte angeblich handschriftlich: „Ich kann die Gestapo jedermann auf das beste empfehlen.“[34] Er emigrierte am 4. Juni 1938 nach London, wo er ein Haus im Stadtteil Hampstead bezog (20 Maresfield Gardens).

Anna Freud begann in London eine Werkausgabe in der von John Rodker für diesen Zweck gegründeten Imago Publishing Company herauszugeben.

Die fünf Schwestern Freuds[Bearbeiten]

Gedenktafel für Marie Freud aus der Reihe »Mit Freud in Berlin«, Berlin-Schöneberg, enthüllt am 9. Januar 2005

Vier der fünf Schwestern Freuds, Regine Debora (Rosa), Marie (Mitzi), Esther Adolfine (Dolfi) und Pauline Regina (Paula), blieben in Wien zurück. Nach gescheiterten Versuchen, auch ihnen die Flucht zu ermöglichen, wurden sie in Konzentrationslagern interniert und in den Jahren 1942 und 1943 von den Nazis ermordet.[35]

Tod im Exil[Bearbeiten]

Im Exil setzte Freud seinem Leben durch Suizid ein Ende. Er war vom Krebs schwer gezeichnet, konnte kaum mehr reden und verlangte von seinem Arzt Sterbehilfe. Am 23. September 1939 um drei Uhr morgens stellte Max Schur nach einer von Freud gewünschten tödlichen Dosis Morphin dessen Tod fest.[36] Sigmund Freud ist mit seiner Frau Martha und seiner Tochter Anna im Kolumbarium des Golders Green Crematorium im Nordwesten von London beigesetzt.

Das Erbe[Bearbeiten]

Sigmund Freud war der Begründer und unbestritten der bestimmende Theoretiker der Psychoanalyse. Er hat dadurch auf nahezu alle Vertreter dieses Fachs und darüber hinaus auf viele Humanwissenschaftler einen starken Einfluss ausgeübt. Nach Freuds Tod hat sich die Psychoanalyse in zahlreiche Schulen diversifiziert. Sie ist heute durch eine Pluralität der Konzepte und Konstrukte gekennzeichnet. In psychoanalytischen Diskussionen und Veröffentlichungen ist es gleichwohl üblich, sich auf das Werk Freuds als gemeinsame Referenz zu beziehen. Auf diese Weise haben Freuds Schriften trotz zahlreicher Korrekturen, Modifikationen und Weiterentwicklungen auch heute noch eine hohe Bedeutung.

Auszeichnungen zu Lebzeiten[Bearbeiten]

Postume Ehrungen[Bearbeiten]

Sigmund Freud auf der österreichischen 50-Schilling Banknote 1987

Lebenswerk[Bearbeiten]

Der psychische Apparat nach Freud

Um zu klären, wie die menschliche Psyche funktioniert, entwickelte Freud eine damals ungewöhnliche Technik, bei der er die Träume seiner Patienten und deren Assoziationen dazu analysierte und hermeneutisch (textauslegend) deutete. Aus diesen Beobachtungen und Interpretationen entwickelte er sein Modell einer dreiteiligen psychischen Struktur. Seinem Vorschlag zufolge setzt sich die Struktur der Psyche eines Menschen aus drei Teilen (Instanzen) zusammen, dem Es, dem Ich und dem Über-Ich. Er vertrat die Ansicht, dass der überwiegende Teil der menschlichen Entscheidungen „unbewusst“ und nur ein geringer Teil „bewusst“ motiviert ist.

Sein „Strukturmodell der Psyche“ entwickelte Freud in zwei Schritten. So veröffentlichte er im Laufe seiner Forschungen verschiedene topische Modelle über die Struktur und die Dynamik des psychischen Apparates.

Es, Ich und Über-Ich[Bearbeiten]

In der ersten Topik unterschied er das „Bewusste“ vom größeren und einflussreicheren „Unbewussten“ und legte dar, wie das Unbewusste das Bewusstsein beeinflusst. In der zweiten Topik, die er vor allem in seiner Schrift Das Ich und das Es (1923) entwickelte, führte Freud erstmals seine Theorie über das Es, das Ich und das Über-Ich näher aus. Den Begriff Es übernahm Freud von dem Arzt und Wegbereiter der Psychosomatik Georg Groddeck, allerdings mit einer veränderten Bedeutung.

  • Das Es bildet das triebhafte Element der Psyche und kennt weder Negation noch Zeit oder Widerspruch. Damit bezeichnet Freud jene psychische Struktur, in der die Triebe (z. B. Hunger, Sexualtrieb), Bedürfnisse und Affekte wie Neid, Hass, Vertrauen oder Liebe gründen. Die Triebe, Bedürfnisse und Affekte sind auch Muster (psychische „Organe“), mittels derer wir weitgehend unwillentlich bzw. unbewusst wahrnehmen und durch die unser Handeln geleitet wird.
  • Das Ich, Randgebiet des „Es“, bezeichnet jene psychische Strukturinstanz, die mittels des vernünftigen und selbstkritischen Denkens sowie mittels kritisch-rational gesicherter Normen, Wertvorstellungen und Weltbild-Elemente realitätsgerecht vermittelt „zwischen den Ansprüchen des Es, des Über-Ich und der sozialen Umwelt mit dem Ziel, psychische und soziale Konflikte konstruktiv aufzulösen (= zum Verschwinden zu bringen).“ (Rupert Lay, Vom Sinn des Lebens, 212)
    • Denken, Erinnern, Fühlen, Ausführen von Willkürbewegungen
    • Vermittler zwischen impulsiven Wünschen des Es und des Über-Ich
    • sucht nach rationalen Lösungen
    • ist zum größten Teil bewusst

Das Ich und das Über-Ich entstehen aus dem Es. Die Verdrängung von Vorstellungen (insbesondere solchen aus dem Es) wird dem Über-Ich zugeschrieben. Dieses ist ein Teil des Ich und beurteilt die Gedanken, Gefühle und Handlungen des Ich. Das Über-Ich entsteht nach Freud mit der Auflösung des Ödipus-Komplexes (ca. im 5. Lebensjahr). Nach Freud entsteht ein Großteil der Motivation menschlichen Verhaltens aus dem unbewussten Konflikt zwischen den triebhaften Impulsen des Es und dem strengen bewertenden Über-Ich (vgl. die Konzepte zur Abwehr und Sublimierung). Nach Freud unterliegen auch manche Aspekte der Gesellschaft einer solchen Triebdynamik.

Entwicklungsmodell der Psyche[Bearbeiten]

Nach den ersten Lebensmonaten erfahre ein Neugeborenes immer deutlicher, dass es von Dingen und anderen Menschen unterschieden sei. Es entwickle ein erstes Bewusstsein von den eigenen Körpergrenzen und Selbstwahrnehmungen. „In den folgenden vier Lebensjahren lernt ein Kind (vorsprachlich und deshalb auch unbewusst) die Fragen zu beantworten: 'Wer bin ich?' – 'Was kann ich?' und somit sein Selbstbewusstsein auch inhaltlich zu füllen.“[39] Um das Es herum wird also eine Zone aufgebaut, die man als frühes Ich bezeichnen kann. Das frühe Ich, das sich wie eine Hülle um das Es legt, wird somit von den frühen Körperrepräsentanzen und den frühen Selbstrepräsentanzen gebildet. Die frühen Körperrepräsentanzen seien die kindlich grundgelegten Bewusstseins- und Gefühlsinhalte über Körperbereiche. Zu den frühen Selbstrepräsentanzen zählen die kindlich grundgelegten Bewusstseins- und Gefühlsinhalte bezüglich der eigenen Person. Sie bestimmten den Sozialcharakter und all unsere später erworbenen Selbstvorstellungen (wer wir sind, was wir fürchten und erhoffen, was wir uns zutrauen…) auf unterschiedliche Weise mit.

Diese Theorien werden heutzutage von den kognitiven Neurowissenschaften herausgefordert.

Gesellschaftliche Wertung und Kritik[Bearbeiten]

Ein historisches Verdienst Freuds besteht darin, die Bedeutung der Subjektivität (Persönlichkeit, Gefühle, Konflikte) und des Unbewussten wissenschaftlicher Betrachtung zugänglich gemacht zu haben. Darüber hinaus begründete er eine neue psychologische Disziplin und stellte grundlegende therapeutische Vorgehensweisen vor, die auch heute noch in abgewandelter Form in der psychotherapeutischen Behandlung von Neurosen und Psychosen eingesetzt werden. Die Psychoanalyse wird von vielen Anhängern als eine umfassende Theorie betrachtet, die das komplexe menschliche Erleben und Handeln umfassend beschreiben und erklären kann.

Dessen ungeachtet waren die Freudschen Theorien schon seit ihrer Begründung unterschiedlichster Kritik ausgesetzt. Diese Kritik hält bis heute an, wobei allerdings zu beachten ist, dass die Psychoanalyse seit Freud in vielfältige Richtungen weiterentwickelt wurde und in ihrer aktuellen Ausrichtung nicht in allen Punkten mit den ursprünglichen Freudschen Auffassungen übereinstimmt. Zu erwähnen sind die Ich-Psychologie von Anna Freud, die Objektbeziehungstheorie Melanie Kleins, die Selbstpsychologie Heinz Kohuts und die besonderes Augenmerk auf die Funktion des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse richtende Theorie Jacques Lacans.

Zentraler Kritikpunkt ist, dass verschiedene Annahmen der Psychoanalyse empirisch nicht bestätigt werden konnten, wie beispielsweise der Ödipuskomplex als zentrales Modell der Entwicklungskrise der Kindheit und der kindlichen Sexualität.

Die Existenz eines Todestriebs, den der späte Freud 1920 postulierte, wurde noch zu Freuds Lebzeiten von einigen (marxistischen) Psychoanalytikern bestritten oder stark angezweifelt.[40] Er wurde jedoch außerhalb der Psychoanalyse, etwa von dem Soziologen Franz Borkenau oder dem Philosophen Herbert Marcuse, zum Ausgangspunkt umfassender Kulturtheorien gemacht bzw. uminterpretiert.

Auch die klassische Triebtheorie, welche von einem Antagonismus zwischen Libido und Aggression ausging, wurde um die Annahme zusätzlicher menschlicher Grundbedürfnisse, wie z. B. Bindung, Individuation und Exploration, erweitert. Der Pansexualismusvorwurf, d. h. die Behauptung, die Psychoanalyse führe alles auf Sexualität zurück, übersieht zum einen, dass Freud einen sehr viel umfassenderen Begriff von „Sexualität“ hatte, als es heute üblicherweise der Fall ist, und zum anderen, dass die Sexualtheorie in manchen Versionen der modernen Psychoanalyse nur eine Randstellung innehat.

Für am Kritischen Rationalismus orientierte Wissenschaftler sind die Aussagen Freuds zu wenig wissenschaftlich fundiert, d. h. zu wenig empirisch. So sei auch festzustellen, dass einige Versuche, die Aussagen der Psychoanalyse empirisch zu überprüfen, gescheitert seien. Eine ähnliche Kritik an der Psychoanalyse besagt, dass sie nicht in hinreichendem Maße (natur-)wissenschaftlich formuliert sei, um überhaupt empirisch überprüfbar zu sein (vgl. Falsifikationismus).

Das vielleicht größte, ungelöste Problem der Theorie Freuds ist, dass er sich oft, manchmal sogar in derselben Publikation, widerspricht. Beispielsweise in Die Traumdeutung, die immer noch als einer der Eckpfeiler der Psychoanalyse gilt und vielleicht am wenigsten umstritten ist, behauptet Freud kategorisch, dass alle Träume immer auf infantilen Wünschen beruhen und meistens sexuell motiviert seien. Gleichzeitig sind seine Beispiele und Deutungen (vor allem eigener Träume) oft (fast ausschließlich) weder infantil noch sexuell motiviert.[41]

Freuds Werk zeigt deutliche Prägungen seiner Kindheits- und Jugendzeit im bürgerlichen Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts und seiner humanistischen Bildung. So benannte er viele innerpsychische Komplexe nach Vorbildern der griechischen Mythologie. Manche seiner Beschreibungen über den Zwiespalt zwischen den triebhaften und als bedrohlich erlebten Impulsen des Es auf der einen und den harten moralischen Vorgaben des Über-Ich auf der anderen Seite werden aus heutiger Sicht als Ausdruck der damals vorherrschenden gesellschaftlichen Tabuisierung bzw. strengen Normierung von Sexualität verstanden.

Seine Theorien und später auch seine Behandlungsmethoden erregten zunehmend Aufsehen, so dass er im Laufe der Zeit auch andere Ärzte in seiner Psychoanalyse ausbildete. Unter ihnen war auch C. G. Jung, der sich später von seinem Lehrer abwandte und mit der analytischen Psychologie eine veränderte Form der Tiefenpsychologie entwickelte. Im inzwischen publizierten Briefwechsel von Freud und Jung wird die anfängliche enthusiastische Annäherung und spätere Entfremdung bis hin zum Bruch deutlich.[42]

Freuds Aussagen zum Thema des sexuellen Missbrauchs, auf den er in seinen Analysen immer wieder durch Erinnerungen, Träume und andere Hinweise seiner Patientinnen gestoßen war, wurden von Anfang an kritisiert. Er ordnete die Aussagen seiner Patientinnen in späteren Veröffentlichungen oftmals als ‚ödipal gefärbte Wunschphantasien‘ ein. In diesem Punkt unterscheidet sich die Psychoanalyse von anderen Theorien: Unbewussten sexuellen Phantasien, Vorstellungen und Wünschen wird kein geringerer Stellenwert eingeräumt als manifesten Erlebnissen.

Eine der meist bezweifelten Theorien Freuds ist die vom sogenannten „Penisneid“: Dieser stehe in der psychischen Entwicklung von Mädchen symmetrisch der „Kastrationsangst“ der Jungen gegenüber. In seinen Analysen ergab sich für Freud, dass psychisch fehlgeleitete Handlungen von Frauen oft auf die mangelhafte psychische Verarbeitung der Beobachtung zurückgingen, dass ihnen der Penis eines Jungen unerreichbar fehle, woraus ein Gefühl des Neides resultiere.

Obwohl Freuds Theorien und Behandlungsmethoden in späteren Jahrzehnten von anderen Ärzten und Psychotherapeuten immer wieder kritisiert worden sind, wird sein Beitrag zum Verständnis des menschlichen Erlebens und Handelns meistens als außergewöhnliche Leistung eingeordnet. Viele der von ihm geprägten Begriffe wie „das Unbewusste“ oder „Ödipuskomplex“ sind im Laufe der Jahre in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen worden. Viele zentrale Konzepte der Psychoanalyse konnten auch nachträglich experimentell nachgewiesen werden.

Freuds Patienten[Bearbeiten]

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Es gibt hier keine einzige Quelle für diese Zuschreibungen. Freud war bestrebt, die Identität seiner Patienten vertraulich zu halten, vgl. Rattenmann, Einleitungspassage

Dies ist eine unvollständige Liste von Patienten, deren Behandlungsverlauf von Freud veröffentlicht wurde. Die richtigen Namen wurden durch die angegebenen Pseudonyme ersetzt.

  • Cäcilie M. = Anna von Lieben
  • Dora = Ida Bauer (1882–1945)
  • Frau Emmy von N. = Fanny Moser, geb. Sulzer-Wart (1848–1925)
  • Fräulein Katharina = Aurelia Kronich
  • Kleiner Hans = Herbert Graf (1903–1973)
  • Wolfsmann = Sergius Pankejeff (1887–1979)

Veröffentlichte psychoanalytische Beobachtungen an Personen, die keine Patienten Freuds waren:

Weitere Patienten:

Siehe auch[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sigmund Freud/Bibliographie

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Zu Freuds Veröffentlichungen zählen, in chronologischer Reihenfolge:

Unveröffentlichte Schriften[Bearbeiten]

Eine sehr große Sammlung von Originalschriften und Briefen Freuds befindet sich in der Sigmund Freud Collection der Library of Congress in Washington. Aus nicht näher genannten Gründen sind insbesondere Briefe, die Freud verfasst hat, teilweise bis über das Jahr 2060 hinaus unter Verschluss. Insbesondere für die Einsicht in Freuds Briefe benötigt man eine Sondergenehmigung des Leiters der Handschriftenabteilung nach Absprache mit den Sigmund Freud Archives in New York, welche aber nur in Ausnahmefällen erteilt wird. Für eine Reihe von Briefen gibt es nicht einmal ein Freigabedatum.[43]

Für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Freud ergibt sich daraus ein Problem: Zu Korrekturen und Auslassungen in früheren Veröffentlichungen seiner Schriften, wie etwa in den 1950 erschienenen Briefen von Freud an Wilhelm Fließ, besteht kein Zugang. In den Veröffentlichungen dieser Schriften hatten seine Tochter Anna Freud und Ernst Kris zahlreiche Retuschen vorgenommen, wie Jeffrey Masson im Jahr 1985 nachweisen konnte.

Sammelwerke[Bearbeiten]

  • Gesammelte Schriften. 12 Bde, Hrsg. v. Anna Freud, Psychoanalytischer Verlag, Leipzig 1924–1934.
  • Gesammelte Werke. Chronologisch geordnet. 17 Bände, dazu ein Registerband (Bd. 18) und ein Band mit Nachträgen (Bd. 19). Hrsg. v. Anna Freud u. a. Zuerst erschienen bei Imago, London 1940–1952, Registerband 1968, Nachtragsband 1987, mehrere Auflagen; Nachdruck beim Fischer Taschenbuch-Verlag 1999, ISBN 3-596-50300-0 („Imago-Ausgabe“; umfassendste Edition von Freuds Schriften, nach dieser Ausgabe wird am häufigsten zitiert).
  • Standard Edition of the Complete Psychological Works of Sigmund Freud. 24 Bde. Hrsg. v. James Strachey in Zusammenarbeit mit Anna Freud. Hogarth Press, London 1953–1974 (englische Übersetzung; die Ausgabe mit dem ausführlichsten editorischen Material).
  • Studienausgabe. 10 Bde. und ein Ergänzungsband. Hrsg. von Alexander Mitscherlich, Angela Richards, James Strachey. S. Fischer, Frankfurt am Main. Die Bände 1 bis 10 erschienen zuerst 1969 bis 1975. Der Ergänzungsband mit Freuds technischen Schriften wurde von Ilse Grubrich-Simitis herausgegeben und erschien 1975. (Die Studienausgabe enthält etwa zwei Drittel der Standard Edition. Die Studienausgabe ist die philologisch beste Ausgabe in deutscher Sprache, mit editorischen Vorbemerkungen zu jedem Text, Anmerkungen der Herausgeber zu Entwicklungen von Freuds Denken sowie dem Nachweis wichtiger Änderungen, die Freud in verschiedenen Auflagen seiner Schriften vorgenommen hat; jeder Band enthält eine Bibliographie sowie ein ausführliches Register. Der editorische Apparat dieser Ausgabe beruht überwiegend auf der von Strachey ab 1953 herausgegebenen Standard Edition.)
    • 1977 wurde die Studienausgabe um eine bereits 1975 außer der Reihe erschienene Arbeit von Ingeborg Meyer-Palmedo erweitert: Sigmund-Freud-Konkordanz und -Gesamt-Bibliographie, so dass die Studienausgabe vorübergehend zwei Ergänzungsbände umfasste, insgesamt also 12 Bände. Ein Nachdruck der 12bändigen Studienausgabe erschien 1982 im Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main, ISBN des ersten Bandes ISBN 3-596-27301-3.
    • 1989 veröffentlichte der S. Fischer-Verlag eine revidierte Neuausgabe der Studienausgabe, jetzt wieder ohne die Bibliographie, also in 11 Bänden, ISBN 3-10-822732-7. 2000 erschien im Fischer Taschenbuch-Verlag eine Lizenzausgabe der revidierten Neuausgabe der Studienausgabe von 1989, ISBN 3-596-50360-4 (Die Revision besteht vor allem in der Beseitigung von Druckfehlern und in der Verbesserung der Querverweise zu seitengenauen Querverweisen innerhalb der Ausgabe.)
    • Parallel zur revidierten Neuausgabe der Studienausgabe im Jahr 1989, aber außerhalb dieser Reihe, erschien im selben Jahr eine revidierte und erweiterte Version der Bibliographie; der Titel wurde dabei verändert in Freud-Bibliographie mit Werkkonkordanz, ISBN 3-10-022742-5; 1999 erschien eine verbesserte und erweiterte Auflage dieser Bibliographie, ISBN 3-10-022742-5.
  • Werkausgabe in zwei Bänden. Bd. 1: Elemente der Psychoanalyse. Bd. 2: Anwendungen der Psychoanalyse. Herausgegeben und kommentiert von Anna Freud und Ilse Grubrich-Simitis. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-596-17216-0.
  • Das Lesebuch. Schriften aus vier Jahrzehnten. Hrsg. & Komm. Cordelia Schmidt-Hellerau. Fischer, Frankfurt 2006, ISBN 3-10-073302-9.

Briefe[Bearbeiten]

  • Mit Carl Gustav Jung: Briefwechsel. Hrsg. von W. McGuire / W. Sauerländer. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1974.
  • Briefe 1873–1939. Ausgewählt und herausgegeben von Ernst u. Lucie Freud. 3. Aufl., S. Fischer, Frankfurt am Main 1980.
  • Briefe an Wilhelm Fließ 1887–1904. Ungekürzte Ausgabe, hrsg. von Jeffrey Moussaieff Masson. (Deutsche Fassung von Michael Schröter, Transkription von Gerhard Fichtner). Frankfurt am Main, S. Fischer Verlag 1986, ISBN 3-10-022802-2.
  • Brautbriefe: Briefe an Martha Bernays aus d. Jahren 1882–1886. Ausgew., hrsg. u. mit e. Vorw. vers. von Ernst L. Freud. Fischer-Taschenbuch-Verl., Frankfurt am Main 1987. ISBN 3-596-26733-1.
  • Mit Max Eitingon: Briefwechsel (1906–1939). edition diskord 2004.
  • Mit Anna Freud: Briefwechsel. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006.
  • Unterdeß halten wir zusammen. Briefe an die Kinder. Herausgegeben von Michael Schroeter unter Mitwirkung von Ingeborg Meyer-Palmedo und Ernst Falzeder, Aufbau Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-351-03302-6.

Literatur[Bearbeiten]

Biografien[Bearbeiten]

  • Irene Berkel: Sigmund Freud. Wilhelm Fink, Paderborn 2008, ISBN 978-3-7705-4605-3.
  • Birgit Lahann: Als Psyche auf die Couch kam. Das rätselvolle Leben des Sigmund Freud. Aufbau Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-351-02631-5.
  • Eva Weissweiler: Die Freuds. Biografie einer Familie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2006, ISBN 3-462-03617-3.
  • Christian Moser: Sigmund Freud – Die ganze Wahrheit. Carlsen, Hamburg 2006, ISBN 3-551-78195-8 (Comic).
  • Linde Salber: Der dunkle Kontinent. Freud und die Frauen. Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbek 2006, ISBN 3-499-62138-X.
  • Hans-Martin Lohmann: Sigmund Freud. Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbek 1998, ISBN 3-499-50601-7, Neuausgabe 2006, ISBN 3-499-50693-9.
  • Charles Rojzman: Freud. Un humanisme de l'avenir. Desclée de Brouwer, Paris 1998 (Freud, the humanist. Open Gate, London 1999, ISBN 1-871871-46-8).
  • Peter Gay: Freud. A life for our time. Norton, New York 1988, ISBN 0-393-02517-9 (Eine Biographie für unsere Zeit. Übersetzt von Joachim A. Frank. S. Fischer, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-596-17170-9, Lizenzausgabe im Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-596-12913-3).
  • Marianne Krüll: Freud und sein Vater. Die Entstehung der Psychoanalyse und Freuds ungelöste Vaterbindung. Psychosozial, Gießen 1979, 3. Auflage 2004, ISBN 3-89806-361-5.
  • Ronald W. Clark: Sigmund Freud. The man and the cause. Cape und Weidenfeld & Nicolson, London 1980, ISBN 0-224-01745-4 (Cape) und 0297776614 (Weidenfeld & Nicolson)(deutsch: Sigmund Freud. Übersetzt von Joachim A. Frank. S. Fischer, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-10-010802-7).
  • Max Schur: Freud. Living and dying. International University Press, New York 1972 (Sigmund Freud. Leben und Sterben. Übersetzt von Gert Müller. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-518-37278-5; Schur war Freuds letzter Arzt).
  • Ernest Jones: Sigmund Freud. Life and work. 3 Bde., Hogarth, London 1954–1957 (Spätere Auflagen erschienen unter dem Titel The life and work of Sigmund Freud.- Vollständige deutsche Übersetzung: Das Leben und Werk von Sigmund Freud. 3 Bde. Übers. v. Katherine Jones und Gertrud Meili-Doretzki. Huber, Bern 1960–1962. Ein Nachdruck dieser vollständigen Übersetzung erschien 1984 bei dtv, München, ISBN 3-423-04426-8, der Titel wurde hierbei verändert in Sigmund Freud. Leben und Werk.- Jones' Freud-Biographie umfasst im englischen Original etwas mehr als 1500 Seiten. 1961 erschien bei Hogarth, London, eine von Lionel Trilling und Steven Marcus auf etwa die Hälfte gekürzte Fassung unter dem Titel The life and work of Sigmund Freud, mit einem Vorwort von Lionel Trilling. Die Übersetzung dieser gekürzten Fassung erschien 1969 unter dem Titel Sigmund Freud. Leben und Werk bei S. Fischer, Frankfurt am Main.)
  • Siegfried Bernfeld, Suzanne Cassirer Bernfeld: Freuds frühe Kindheit (1944). In: Dieselben: Bausteine der Freud-Biographik. Hrsg. v. Ilse Grubrich-Simitis. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-518-07577-2, S. 78–92.
  • Werner Leibbrand: Freud, Sigmund. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 407–409 (Digitalisat).

Lexika[Bearbeiten]

  • Nador Fodor, Frank Gaynor (Hrsg.): Freud: Dictionary of psychoanalysis. A compilation of selections from Freud's work. Philosophical Library, New York 1950, Nachdruck Greenwood, New York 1969.
  • Jean Laplanche, Jean-Bertrand Pontalis: Das Vokabular der Psychoanalyse. Übersetzt von Emma Moersch. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972, zahlreiche unveränderte Auflagen, ISBN 3-518-07607-8. (Freud-Lexikon mit detaillierter Darstellung der Entwicklung der einzelnen Begriffe und mit Seitenverweisen auf die Gesammelten Werke und die Standard Edition; zuerst auf Französisch Paris 1967).
  • Wolfgang Mertens, Bruno Waldvogel (Hrsg.): Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe. Stuttgart: Kohlhammer, 3. überarbeitete und erweiterte Ausgabe, 2008, ISBN 978-3-17-018844-0.
  • Alain de Mijolla (Hrsg.): Dictionnaire international de la psychanalyse. 2 Bde., Calmann-Lévy, Paris 2002, ISBN 2-7021-2530-1 (erweiterte englische Übersetzung: International dictionary of psychoanalysis. 3 Bde., Thomson/Gale, Detroit 2005, ISBN 0-02-865924-4; die englische Übersetzung im Internet unter http://www.enotes.com/psychoanalysis-encyclopedia).
  • Humberto Nagera (Hrsg.): Psychoanalytische Grundbegriffe. Eine Einführung in Sigmund Freuds Terminologie und Theoriebildung. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1977 (zuerst englisch 1969 und 1970), ISBN 3-596-42288-4.
  • Elisabeth Roudinesco, Michel Plon: Dictionnaire de la psychanalyse. Fayard, Paris 1997 (Übersetzung: Wörterbuch der Psychoanalyse. Namen, Länder, Werke, Begriffe. Springer, Heidelberg, New York 2004, ISBN 3-211-83748-5).
  • Ross M. Skelton (Hrsg.): The Edinburgh International Encyclopaedia of Psychoanalysis. 1. Auflage. Edinburgh University Press, Edinburgh 2006, ISBN 978-0-7486-1265-9.

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Ballhausen, Günter Krenn, Lydia Marinelli (Hrsg.): Psyche im Kino. Sigmund Freud und der Film. Filmarchiv Austria, Wien. ISBN 3-901932-89-5.
  • Raymond Battegay: Psychologie: Freud und das Judentum. Ambivalenz und Zugehörigkeit. Freud und seine ambivalente Beziehung zum Judentum sowie seine Einstellung zu den Religionen im Allgemeinen. in: Aufbau. Das jüdische Monatsmagazin. Mai 2006. S. 6-11. ISSN 0004-7813.
  • Micha Brumlik: Sigmund Freud. Der Denker des 20. Jahrhunderts. Beltz Verlag, Weinheim 2006.
  • Mark Edmundson: The Death of Sigmund Freud: The Legacy of His Last Days. 276 S., Bloomsbury, New York 2007, ISBN 978-1-58234-537-6 (engl.)
  • F.-W. Eickhoff: Sigmund Freud. Abriss der Psychoanalyse. ISBN 3-596-10434-3.
  • Lydia Flem: Der Mann Freud. Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Campus Verlag, Frankfurt a. M./New York 1993, ISBN 3-593-34907-8.
  • Werner Greve und Jeanette Roos: Der Untergang des Ödipuskomplexes – Argumente gegen einen Mythos. Bern 1996.
  • Horst Gundlach: Sigmund Freud und die Lauterkeit. In: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte. 27, 3, 204, S. 175–185, ISSN 0170-6233.
  • Albrecht Hirschmüller: Freuds Begegnung mit der Psychiatrie. Von der Hirnmythologie zur Neurosenlehre. Edition diskord, Tübingen 1991.
  • Han Israëls: Der Fall Freud. Die Geburt der Psychoanalyse aus der Lüge. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1999, ISBN 3-434-50454-0.
  • Roland Kaufhold, Hans-Jürgen Wirth: Vor 70 Jahren emigrierte Sigmund Freud nach London. www.hagalil.com.
  • Christine Kirchhoff; Falko Schmieder (Hrsg.): Freud und Adorno. Zur Urgeschichte der Moderne. Berlin: Kulturverlag Kadmos 2014. LiteraturForschung Bd. 19. ISBN 978-3-86599-212-3.
  • Adriaan de Klerk: Die Bedeutung der Kastrationsangst und der Beschneidung in Freuds Werk und Leben. In: Matthias Franz (Hrsg.): Die Beschneidung von Jungen. Ein trauriges Vermächtnis. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, S. 190–210 ISBN 978-3525404553.
  • Jürg Koller: Der kranke Freud. Klett-Cotta, Stuttgart 2001, ISBN 3-608-91032-8.
  • Anton Leitner, Hilarion G. Petzold (Hrsg.): Sigmund Freud heute. Der Vater der Psychoanalyse im Blick der Wissenschaft und der psychotherapeutischen Schulen. Krammer Verlag, Wien 2009, ISBN 978-3-901811-52-4.
  • Hans-Martin Lohmann: Sigmund Freud zur Einführung. Junius, Hamburg 1986, 5. Auflage 2002, ISBN 3-88506-362-X.
  • Hans-Martin Lohmann, Joachim Pfeiffer (Hrsg.): Freud-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart u. a. 2006, ISBN 3-476-01896-2.
  • Paul Roazen: Sigmund Freud und sein Kreis. Eine biografische Geschichte der Psychoanalyse Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1976.
  • Sieglinde Eva Tömmel: Wer hat Angst vor Sigmund Freud? Wie und warum die Psychoanalyse heilt. Frankfurt am Main 2006.
  • Samuel Weber: Freud-Legende. Vier Studien zum psychoanalytischen Denken. Passagen Verlag, Wien 2002.
  • Eli Zaretsky: Freuds Jahrhundert. Die Geschichte der Psychoanalyse. Zsolnay Verlag, München 2006.
  • Jacques Le Rider: Das Ende der Illusion. Die Wiener Moderne und die Krisen der Identität, Wien 1990, ISBN 3-215-07492-3.
  • Wilhelm Salber: Entwicklungen der Psychologie Sigmund Freuds. 3 Bde., Bonn 1973, 1974.
  • Max Schur: Freud: Living and Dying. Hogarth, London 1972. Deutsche Ausgabe: Sigmund Freud. Leben und Sterben. Übersetzt von Gert Müller. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973 ISBN 3-518-07273-0.

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sigmund Freud – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Sigmund Freud – Quellen und Volltexte
Institutionen
Darstellungen von Freud und der Psychoanalyse

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. seine Selbstdarstellung von 1925: „... auch ich bin Jude geblieben“ (z. B. in Sigmund Freud: Selbstdarstellung - Schriften zur Geschichte der Psychoanalyse. Frankfurt am Main 1971 ff., S. 40); Peter Gay gab seiner Freud-Biographie den Titel Ein gottloser Jude (Frankfurt am Main 1988).
  2. Christfried Tögel: Bahnstation Treblinka. Zum Schicksal von Sigmund Freuds Schwester Rosa Graf
  3. Peter Gay: Freud – Eine Biographie für unsere Zeit. Fischer, 2006, ISBN 978-3-596-17170-5, S. 55.
  4. Jones, Ernest: Sigmund Freud Leben und Werk. Band 1, dtv 1984, ISBN 3-423-04426-8, S. 110–111.
  5. Peter Gay: Freud – Eine Biographie für unsere Zeit. Fischer, 2006, ISBN 978-3-596-17170-5, S. 57; Max Schur: Sigmund Freund. Suhrkamp 1982, ISBN 3-518-37278-5, S. 43, S. 191.
  6. Max Schur: Sigmund Freund. Suhrkamp, 1982, ISBN 3-518-37278-5, S. 43.
  7. Peter Gay: Freud – Eine Biographie für unsere Zeit. Fischer, 2006, ISBN 978-3-596-17170-5, S. 62
  8. James Webb: Das Zeitalter des Irrationalen. Politik, Kultur & Okkultismus im 20. Jahrhundert. Marix, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-86539-152-0, S. 411-413.
  9. James Webb: Das Zeitalter des Irrationalen. Politik, Kultur & Okkultismus im 20. Jahrhundert. Marix, Wiesbaden 2008, S. 413.
  10. Vgl. zur Theorie der Fehlleistungen: Sigmund Freud: Zur Psychopathologie des Alltagslebens (1901). Gesammelte Werke. Chronologisch geordnet. Hrsg. von A. Freud u.a., Fischer: Frankfurt am Main 1999, Bd. IV.
  11. www.freudiana.info
  12. Sigmund Freud Chronologie
  13. Albrecht Hirschmüller (Hrsg.): Sigmund Freud, Minna Bernays. Briefwechsel 1882–1938. (= Quellen und Abhandlungen zur Geschichte der Psychoanalyse, Band 3) Edition Diskord, Tübingen 2005, ISBN 3-89295-757-6, S. 171.
  14. Chronologie Sigmund Freud auf www.freud-museum.at; Julius Braunthal: Victor und Friedrich Adler – zwei Generationen Arbeiterbewegung. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, Wien 1965, S. 29ff. Peter Lhotsky: Victor Adler: Eine Kurzbiographie.
  15. a b taz: Sigmund Freuds Verhältnis zum Judentum blieb zeitlebens ambivalent. Jude wurde er erst durch den Antisemitismus, 16. Dezember 2006.
  16. Vgl. Bernd Ulrich: „Sigmund Freud“, in: Enzyklopädie Erster Weltkrieg, hrsg. von G. Hirschfeld/G. Krumeich/I. Renz, Paderborn 2003, S. 505 f.; siehe auch: Peter Büttner: Freud und der Erste Weltkrieg, Heidelberg 1975.
  17. M. Greaves: Krebs – der blinde Passagier der Evolution. Verlag Springer, 2002, ISBN 3-540-43669-3 S. 14. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  18. André Bourguignon: „Geschichte der Psychoanalyse - Sigmund Freud“. In: Illustrierte Geschichte der Medizin. Andreas & Andreas, Vaduz 1986.
  19. Brief vom 15. Oktober 1897 an Wilhelm Fließ, in: Sigmund Freud: Aus den Anfängen der Psychoanalyse. Briefe an Wilhelm Fließ, Abhandlungen und Notizen aus den Jahren 1897-1902, hrsg. von M. Bonaparte / A. Freud / E. Kris, Imago Publishing: London 1950, S. 238.
  20. Brief vom 12. Juni 1900 an Wilhelm Fließ, in: Sigmund Freud: Aus den Anfängen der Psychoanalyse. Briefe an Wilhelm Fließ, Abhandlungen und Notizen aus den Jahren 1897–1902, London 1950, S. 344.
  21. Literaturkritik.de: Freuds Jahrhundertbuch, abgefragt am 13. Oktober 2010
  22. a b Freuds Hassliebe zu Wien, abgefragt am 6. November 2011
  23. Bernd A. Laska: Otto Gross zwischen Max Stirner und Wilhelm Reich. In: Raimund Dehmlow & Gottfried Heuer (Hrsg.): 3. Internationaler Otto-Gross-Kongress. Marburg: LiteraturWissenschaft.de 2003, S. 125–162.
  24. Christfried Tögel (2006): Die Bedeutung der Religion im Leben von Sigmund Freud (pdf)
  25. Klaus Hödl: Als Bettler in die Leopoldstraße - Galizische Juden auf dem Weg nach Wien. Wien 1993, S. 197.
  26. Sigmund Freud und die Religion, Gastbeitrag von Susanne Heine am 21. April 2006.
  27. Sigmund Freud (1913/1956). Totem und Tabu. Frankfurt am Main: S. Fischer.
  28. Martin Freud: Sigmund Freud: man and father. Vanguard Press, 1958, S. 165.
  29. Sigmund Freud, Michael Molnar: The diary of Sigmund Freud, 1929–1939: a record of the final decade. Hogarth, 1992, ISBN 978-0-7012-0924-7, S. 206.
  30. Vgl. Hans-Martin Lohmann, Joachim Pfeiffer (Hrsg.): Freud-Handbuch. Metzler, Stuttgart/Weimar 2006, S. 72–73.
  31. Karl Fallend/Bernd Nitzschke (Hrsg.): Der „Fall“ Wilhelm Reich. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997.
  32. Anonym: Der Ausschluß Wilhelm Reichs aus der Internationalen Psychoanalytischen Gesellschaft. In: Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie, Band 2 (1935), Heft 1 (5), S. 54–61; vgl. auch Bernd A. Laska: Sigmund Freud contra Wilhelm Reich.
  33. Peter Gay: Freud. Eine Biographie für unsere Zeit. Fischer, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-596-17170-9, S. 699 ff.
  34. Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden. Die Jahre der Verfolgung 1933–1939. Die Jahre der Vernichtung 1939–1945. Beck, München 2007, ISBN 3-406-56681-2, S. 262.
    Diese Ergänzung wird allerdings inzwischen bezweifelt: Michael Thaler: Die Schrift des Dr. Indra. Die Presse vom 31. Mai 2013.
  35. Lisa Appignanesi, John Forrester: Die Frauen Sigmund Freuds. List, München/Leipzig 1994, ISBN 3-471-77023-2, S. 34.
  36. Peter Gay: Freud. Eine Biographie für unsere Zeit. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-596-17170-9, S. 732 f.
  37. 4342 Freud (1987 QO9) JPL Small-Body Database Browser, zuletzt abgerufen am 30. April 2010.
  38. Neuer „Freudplatz“ in Wien, ORF, 11. Februar 2014; Planauschnitt
  39. Rupert Lay: Ethik für Wirtschaft und Politik, S. 68.
  40. Wilhelm Reich: „Der masochistische Charakter. Eine sexualökonomische Widerlegung des Todestriebes.“ In: Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse. Band 18 (1932), S. 303-351; Otto Fenichel: „Zur Kritik des Todestriebes“. In: Imago. Bd. 21 (1935), S. 458-466.
  41. Gerald Mackenthun: Freuds „Traumdeutung“ von 1900 – wieder gelesen, zusammengefasst und kritisiert 100 Jahre später.S. 327 und passim im Wiederabdruck der 1. Auflage
  42. Vgl. Sigmund Freud und Carl Gustav Jung: Briefwechsel. Hrsg. von W. McGuire / W. Sauerländer. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1974.
  43. Siehe Sigmund Freud. A Register of His Papers in the Sigmund Freud Collection in the Library of Congress (PDF; 312 kB)
  44. Filmbericht aus Venedig. In: Tages-Anzeiger vom 3. September 2011, abgerufen am 2011.