Metal Storm

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Metal Storm Limited
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1994 / AG seit 2006
Sitz Brisbane / Australien und Arlington / USA
Leitung Terry J O’Dwyer (Non-Executive Chairman), John Nicholls (Non-Executive Director), Trevor Tappenden (Non-Executive Director)[1]
Mitarbeiter 32 (2008)[2]
Umsatz 7,4 Millionen[3]
Branche Waffenhersteller
Produkte SchusswaffensystemeVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website Website eingesehen am 14. Juli 2013 www.metalstorm.com

Die Firma Metal Storm war ein australisches Unternehmen, das sich auf die Herstellung von elektronischen Waffensystemkomponenten spezialisiert hatte. Der Firmensitz war in Brisbane/Australien, mit einer Zweigstelle in Arlington/USA[4]. Das Metal-Storm-System ist ein neuartiges Waffensystem, das durch eine besondere Art der Munitionszuführung, Munitionszündung und Anzahl der Läufe extrem hohe Feuergeschwindigkeiten erreichen kann.[5]

Am 20. Juli 2012 wurde der Handel mit Unternehmensanteilen auf Bitten des Unternehmens ausgesetzt. In Folge unterwarf sich das Unternehmen freiwillig der Fremdverwaltung nach australischem Insolvenzrecht (voluntary administration).[6]

Funktionsweise[Bearbeiten]

Das System basiert darauf, dass die Munition nicht wie bisher üblich aus einem normalen Magazin, einem Trommelmagazin oder einem Munitionsgurt zugeführt wird, sondern aus einem Röhrenmagazin, in dem die Geschosse hintereinander liegen. Jedes Geschoss hat eine eigene Treibladung und wird, statt mit einem Schlagbolzen, durch einen elektrischen Impuls gezündet. Dieses System wurde durch die Funktion eines simplen Tintendruckers inspiriert.[7]

Vorteile[Bearbeiten]

Durch die elektronische Geschosszündung ist es möglich, aus jedem Lauf hintereinander folgend mehrere Geschosse abzufeuern, ohne dass nachgeladen werden muss. Die verschiedenen Waffensysteme, bei denen das Metal-Storm-System verwendet werden kann (Sturmgewehre, Pistolen, Granatwerfer, Maschinenkanonen, Abwehr- und Wachsysteme) besitzen außer den beweglich gelagerten Läufen (um den Rückstoß zu dämpfen) keinerlei bewegliche Teile wie übliche Feuerwaffen. Sie sind daher verschleißunempfindlicher und wartungsarm. Selbst der Mechanismus zum Ausstoßen der abgefeuerten Patronen entfällt. Das Metal-Storm-System verwendet Hülsenlose Munition, das heißt, dass die Treibladung nicht in einer Patronenhülse sitzt, sondern sich die Treibladung direkt im Geschoss befindet. Die effektive Reichweite und Durchschlagskraft wird im Vergleich zu herkömmlicher Munition nicht herabgesetzt. Die Feuerrate (Kadenz) der Metal-Storm-Systeme wird nur durch die Lauflänge und der Anzahl der Läufe beschränkt. Nach heutigen Erfahrungen sind damit Feuerstöße mit einer theoretischen Kadenz von bis zu 1.000.000 Schuss pro Minute möglich. Die Geschossart kann, wie bei den heute im Einsatz befindlichen Systemen, dem jeweiligen Einsatzzweck angepasst werden (z. B. Sprenggranaten, Splittergranaten, Reizgaspatronen, nicht tödliche Munition u.s.w.). Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die enorme Feuergeschwindigkeit auch auf die Handhabung und die Treffergenauigkeit positiv auswirkt. Beim Test der Prototypversion der Metal-Storm-Pistole konnten drei Schuss abgegeben werden, bevor die Rückstoßwirkung spürbar wurde. Durch zusätzliche Hard- und Software können die verschiedenen Systeme ausgebaut werden (automatische Zielsuche, tragbares Nachtsichtgerät und Restlichtverstärker u.s.w.). Der größte Unterschied zu anderen Feuerwaffen ist, dass mit diesem Waffensystem auch Ladungen zum Löschen von Feuer verschossen werden können.[8]

Waffensysteme nach dem Metal Storm Prinzip[Bearbeiten]

  • Pistolen

Die halbautomatischen Pistolen im Kaliber 9 mm, die nach dem Metal-Storm-Prinzip konstruiert werden, besitzen einen oder mehrere Läufe, die mit einem Röhrenmagazin zu je vier Schuss geladen sind (je nach Lauflänge). Durch das Metal-Storm-System kann eine höhere Feuergeschwindigkeit erreicht werden als bei herkömmlichen Handfeuerwaffen. Die Zielgenauigkeit wird verbessert, da sich der Rückstoß erst auswirkt nachdem drei Geschosse den Lauf verlassen haben. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei mehreren Läufen jeder Lauf mit einer anderen Munitionsart bestückt werden kann. Eine weitere Neuerung besteht darin, dass diese Feuerwaffen mit einem elektronischen Sicherungssystem ausgestattet werden können, das nur einem einzelnen Benutzer oder einer Benutzergruppe die Verwendung der Waffe ermöglicht. Dazu ist der Griff der jeweiligen Waffe mit Sensoren ausgestattet, die die Identität des Benutzers bestätigen oder ablehnen können. Im Falle der Ablehnung bleibt die Waffe funktionsuntüchtig.[9]

  • Schrotgewehr „MAUL“

Das System Maul ist eine einläufige, fünfschüssige, halbautomatische Schrotflinte im Kaliber 12 (18,35 mm) und 5,56 mm. Sie ist für den militärischen, aber auch den Einsatz bei Polizeikräften entwickelt worden. Sie kann als Einzelwaffe oder als Zusatzwaffe unter Sturmgewehren (mit Montageschiene) benutzt werden. Das Gewicht des Systems beträgt nur 1,8 lbs. (816,45 Gramm). Die Munition kann situationsbedingt angepasst werden. Das Nachladen durch das Röhrenmagazinsystem kann wesentlich schneller erfolgen als bei herkömmlichen Schrotflinten.[10]

  • Granatpistole „3GL“

Das 3 GL System ist ein tragbarer, dreischüssiger, halbautomatischer Granatwerfer im Kaliber 40 mm. Das 3 GL ist in der Lage drei Schuss hintereinander halbautomatisch abzuschiessen. Der Vorteil besteht darin, dass der Schütze sein Ziel nicht, wie bei herkömmlichen, einschüssigen Granatwerfern, aus dem Auge lassen muss um nachzuladen. Dadurch wird die Chance eines möglichen Treffers (pH = possible Hit) oder eines tödlichen Treffers (pK = possible Kill) stark erhöht. Ebenfalls erhöht die multiple Feuermöglichkeit den Kampfwert der 3 GL, da leicht gepanzerte Ziele (Fahrzeuge, Stellungen etc.) leichter oder schneller bekämpft werden können. Die Munition ist situationsbedingt anpassbar. Das System 3 GL kann bei Bedarf an einer Picatinny-Schiene unter verschiedenen Sturmgewehren montiert werden.[11]

  • Überwachungs- und Abwehrsystem: „Redback“

Das Redback ist eine vierläufige, sechzehnschüssige vollautomatische Schusswaffe im Kaliber 40 mm, die in Zusammenarbeit der Firmen Electro Optic Systems (EOS), Metal Storm (MS) und der Firma Singapore Technology Kinetiks (STK) entwickelt wurde. Redback kann Ziele selbständig anvisieren, verfolgen und bekämpfen. Das Zielsystem besteht aus einem Entfernungsmesser, einem optischen Kamerasystem mit Nachtsichtgerät, Zoomobjektiv, Freund-Feind-Kennung und Zielmarker. Die Beweglichkeit des Systems (zwei komplette Umdrehungen pro Sekunde) ist so hoch, dass sich kein Fahrzeug dem Sichtfeld entziehen kann. Die Munition ist vielfältig, und kann situationsbedingt angepasst werden (Hochexplosive Geschosse, Splittergranaten, Gaspatronen, Reizgas, Rauchgranaten, Blendgranaten, nicht tödliche Geschosse). Es kann stationär oder transportabel (z. B. auf einem LKW oder Humvee) eingesetzt werden, da es zusammen mit der sensorischen Ausrüstung nur 70 Kilogramm wiegt. Das Redback ist allwettertauglich, da die Betriebssysteme dementsprechend verbaut und geschützt wurden.[12]

  • Überwachungs- und Abwehrsystem: „Firestorm“ ADWS (Area Denial Weapon System)

Firestorm gleicht dem Redback, wird aber ohne die Ziel- und Feuerleitelektronik ausgeliefert. Es ist für den militärischen als auch polizeilichen Einsatz bestimmt. Ladeart, Technik und Munitionsvarianten sind die gleichen wie bei Redback.[13][14][15]

  • Aufklärungs-und Abwehrsystem „Dragonfly“

Das Dragonfly System besteht aus einem ferngesteuerten Miniaturhubschrauber, der als Waffen- und Instrumentenplattform dient. Der Dragonfly-Hubschrauber kann mit verschiedenen Waffensystemen aus dem Metal-Storm-Programm ausgerüstet werden. Bei einem Demonstrationsflug war er mit dem 40-mm-System ausgerüstet. Der Dragonfly dient als Drohne für Aufklärungseinsätze, Einsätze gegen Punktziele, und zur Gefechtsfeldüberwachung. Der Hubschrauber selbst wurde von der Firma Dragonfly Pictures (DPI) entwickelt. An technischen Geräten kann er mit Bildübertragungs-, Kommunikations- und Umgebungssensorischen Modulen ausgerüstet werden. Er wiegt 63,50 Kilogramm.[16][17]

  • Integrated Weapon System „AICW“ (Advanced Infantry Combat Weapon)

Das AICW ist eine kombinierte Feuerwaffe, die auf dem Metal-Storm-System basiert. Es wurde in Zusammenarbeit mit der DSTO (Government operated Defence Science and Technology Organisation) und den Privatunternehmen Metal Storm und Tenix Defense entwickelt. Das neu entwickelte Sturmgewehr basiert auf dem 5,56-mm-System von Steyr (Austr. F 88 Lizenzbau) und ist zusätzlich mit dem 40-mm-Granatwerfersystem von Metal Storm (3 GL) ausgerüstet ist. Außerdem besitzt es ein Laserzielgerät. Das Besondere ist das Abzugssystem, das gleichzeitig für beide Waffenarten arbeitet und durch ein elektronisches Modul gesteuert wird. Dadurch wird es möglich, von einer zur anderen Waffe umzuschalten und diese mit demselben Abzug zu bedienen.[18][19]

  • Raketenabwehr System „Phalanx“

Das Phalanx ist ein vollautomatisches Raketenabwehrsystem. Es fasst das Ziel mit einer eigenen Radarausstattung auf und hält es im Visier. Das Radarsystem erfasst den Flugkörper und dessen Abgase und schießt kurze Feuerstöße von etwa einhundert Geschossen ab. Die Funktion gleicht der eines menschlichen Schützen, nur um ein Vielfaches schneller.[20]

  • Unbemannte Waffenplattformen

Unbemannte Waffenplattformen sind Systeme, die mit verschiedensten Waffen- und Werkzeugoptionen ausgerüstet werden können. Die Plattformen können stationär (z. B. als Flugzeugabwehrstellung) oder mobil (z. B. Aufklärungseinheit) eingesetzt werden.[21]

Zukunft[Bearbeiten]

Metal Storm arbeitete an der Weiterentwicklung und Nutzungserweiterung der verschiedenen Systeme sowie an der Neuentwicklung. In Planung sind Systeme zur: Scharfschützenverwendung, Raketenabwehr, Torpedoabwehr, Brandbekämpfung, Flugzeug- und Lenkwaffenabwehr, Schiffsverteidigung, Geschossentwicklung, Fahrzeugverteidigung, automatische Waffenplattformentwicklung und der Entwicklung nichttödlicher Waffen.[22]

Partnerunternehmen[Bearbeiten]

Metal Storm betrieb Firmenpartnerschaften mit einer Anzahl von Rüstungsunternehmen und Forschungsinstituten, darunter American Defense International, das New Jersey Institute of Technology (NJIT), Northrop Grumman und Raytheon.[23]

Auswahl an Kunden[Bearbeiten]

Folgende Unternehmen stellen eine Auswahl aus der Kundenliste dar.[24]

  • Boeing
  • Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA)
  • Department of Energy
  • Lockheed Martin
  • National Institute of Justice (NIJ)
  • Naval Sea Systems Command
  • Naval Surface Warfare Command Dahlgren
  • Office of Naval Research (ONR)
  • Picatinny
  • Space and Naval Warfare Command (SPAWAR)
  • U.S. Missile Defense Agency
  • U.S. Army Armaments Research, Development, Engineering Command (ARDEC)
  • U.S. Marine Corps Warfighting Laboratory
  • U.S. Special Operations Command (SOCOM)

Patentnachweise[Bearbeiten]

Das Metal-Storm-Grundprinzip ist in einer Reihe von Staaten durch Patente geschützt. Eine größere Anzahl weiterer Patente betrifft Details der waffentechnischen Umsetzung.[25]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.hoovers.com/metal-storm/--ID__104834--/free-co-factsheet.xhtml/ Website eingesehen am 8. August 2009
  2. http://www.hoovers.com/metal-storm/--ID__104834--/free-co-factsheet.xhtml/ Website eingesehen am 8. August 2009
  3. http://www.hoovers.com/metal-storm/--ID__104834,period__A--/free-co-fin-income.xhtml/ Website eingesehen am 8. August 2009
  4. http://www.metalstorm.com/content/view/17/32/ Website eingesehen am 8. August 2009
  5. http://www.metalstorm.com/content/view/66/110/ Website eingesehen am 8. August 2009
  6. vgl. z.B. Metal Storm up for sale theaustralian.com.au
  7. http://blogs.techrepublic.com.com/geekend/?p=837/ Website eingesehen am 8. August 2009
  8. http://www.youtube.com/watch?v=8DRmuljq9yw&feature=related/ Website eingesehen am 8. August 2009
  9. http://www.popularmechanics.com/technology/military/1281426 eingesehen am 8. August 2009
  10. http://www.metalstorm.com/content/view/83/167/ Website eingesehen am 8. August 2009
  11. http://www.metalstorm.com/content/view/37/92/ Website eingesehen am 8. August 2009
  12. http://www.metalstorm.com/content/view/38/98/ Website eingesehen am 8. August 2009
  13. http://www.metalstorm.com/content/view/82/166/ Website eingesehen am 8. August 2009
  14. http://www.metalstorm.com/content/view/72/120/ Website eingesehen am 8. August 2009
  15. http://www.metalstorm.com/content/view/71/119/ Website eingesehen am 8. August 2009
  16. http://gizmodo.com/009335/ Website eingesehen am 8. August 2009
  17. Website eingesehen am 8. August 2009
  18. http://www.vvfact.org.au/?p=507/ Website eingesehen am 8. August 2009
  19. http://www.defensereview.com/internal-view-of-metal-storm-aicw-advanced-individual-combat-weapon/ Website eingesehen am 8. August 2009
  20. http://www.theregister.co.uk/2007/11/19/metal_storm_robot_machinegun_grenade_gasm/ Website eingesehen am 8. August 2009
  21. http://www.metalstorm.com/content/view/39/107/ Website eingesehen am 8. August 2009
  22. http://www.metalstorm.com/content/view/42/93/ Website eingesehen am 8. August 2009
  23. http://www.metalstorm.com/content/view/60/88/ Website eingesehen am 8. August 2009
  24. http://www.metalstorm.com/content/view/78/124/ Website eingesehen am 8. August 2009
  25. http://v3.espacenet.com/searchResults?locale=en_V3&ST=quick&IA=Metal+Storm+LTD&compact=false&DB=EPODOC&submitted=true/ Website eingesehen am 8. August 2009