Picatinny-Schiene

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Linkes Bild: Eine Picatinny-Schiene eines Steyr HS .50
Rechtes Bild: Eine Picatinny-Schiene mit aufgestecktem Zielfernrohr

Die Picatinny-Schiene (engl. Picatinny rail) ist eine genormte, gezahnte Schiene zur schnellen Montage von Zubehörteilen auf Schusswaffen (Rail Interface System). Auf ihr können etwa Visiereinrichtungen, Anbau-Granatwerfer, Nachtsichtgeräte oder Tactical Lights (taktische Lampen) montiert werden. Die Spezifikation wurde am 5. Februar 1995 verabschiedet.

Geschichte und Technik[Bearbeiten]

Die Picatinny-Schiene ist eine vom Picatinny Arsenal standardisierte und etwas weiterentwickelte Weaver-Schiene.[1] Sie wird offiziell als MIL-STD-1913 bezeichnet und mit dieser Spezifikation in der NATO STANAG 2324 übernommen.

Querschnitt einer Picatinny-Schiene (alle Angaben in Zoll)

Die Norm definiert die Form und Abmessungen des Schienenkopfes und damit der eigentlichen Aufnahme für das Zubehör. Die in regelmäßigen Abständen angeordneten, rechteckförmigen Quernuten haben eine Breite von 0,208 Zoll (5,28 mm) und einen Mitte-zu-Mitte-Abstand von 0,394" (10,01 mm). Der Querschnitt der Schiene hat ungefähr die Form eines breiten „T“, so dass Visiereinrichtungen und Ähnliches von einem Ende hinaufgeschoben und befestigt werden können. Die Schiene selbst ist 0,617″ (15,67 mm) und der Schienenkopf 0,813″ (20,65 mm) breit. Zur Vereinfachung der Montage und zur Erleichterung der Positionierung des Zubehörs sind die Nuten in der Regel nummeriert.[1] Die Unterseite der Schiene ist nicht genormt, sondern muss der Kontur der Waffe angepasst sein, mit der sie in der Regel verschraubt ist.

Typischerweise ist die Picatinny-Schiene direkt auf dem Gehäuse der Waffe montiert, also dort, wo sich sonst eine Offene Visierung oder ein Zielfernrohr befinden.

Die Quernuten nehmen zum einen effektiv die Rückstoßkräfte durch die formschlüssige Verbindung auf und verhindern so ein Wandern der angebauten Teile, und erlauben zum anderen eine Montage in verschiedenen Abständen oder mehrerer Geräte hintereinander (beispielsweise die Kombination eines Nachtsichtgerätes vor dem Zielfernrohr).

Zunächst verfügten hauptsächlich großkalibrige Gewehre über eine Picatinny-Schiene; sie fand durch die Verbreitung von weitere Verbreitung von Nachtsichtgeräten später auch auf Sturmgewehren Verwendung. Heute wird sie auch zur Montage von Taclights, Lasern, Granatwerfern und anderen Zubehörteilen benutzt, so dass viele moderne Waffen zum Teil über mehrere Schienen, auch am Vorderschaft, verfügen, wie zum Beispiel das HK416.

NATO-Schiene[Bearbeiten]

Eine 2009 verabschiedete Weiterentwicklung ist die NATO-Schiene (STANAG 4694), welche für die Picatinny-Schiene entwickeltes Zubehör aufnehmen kann,[2][3] jedoch eine passgenauere Montage ermöglicht, um somit beim Wechsel von Optiken diese für eine gegebene Waffe nicht immer wieder erneut einschiessen zu müssen.[4] Die NATO-Schiene findet bereits auf dem G28 Verwendung.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Picatinny-Schiene – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b James Guthrie: Rail Crazy: Picatinny Rail Basics. In: Shooting Times. InterMedia Outdoors, 23. November 2010, abgerufen am 15. Juli 2013 (englisch).
  2. Per G. Arvidsson: NATO Infantry Weapons Standardization. NATO Weapons & Sensors Working Group, 27. Mai 2009, S. 12, abgerufen am 6. Juli 2014 (PDF, 650,76KB, englisch).
  3. a b Produktbeschreibung G28. Heckler & Koch, abgerufen am 6. Juli 2014 (deutsch).
  4. Per G. Arvidsson: NATO Infantry Weapons Standardization. NATO Weapons & Sensors Working Group, 27. Mai 2009, S. 14, abgerufen am 6. Juli 2014 (PDF, 650,76KB, englisch).