Rückstoß

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Als Rückstoß bezeichnet man die Gegenreaktion, die auftritt, wenn eine Masse beschleunigt wird. Die Richtung des Rückstoßes ist der Richtung der Beschleunigung entgegengesetzt.

Beim Rückstoß kann zwischen Rückstoßimpuls, Rückstoßgeschwindigkeit, Rückstoßenergie und Rückstoßkraft unterschieden werden.

Rückstoß von Schusswaffen[Bearbeiten]

Der Rückstoß von Schusswaffen ist eine Größe der Innenballistik.

Der Rückstoßimpuls p_R ist gemäß dem Satz der Impulserhaltung gleich dem Impuls, der dem Projektil und den nach vorn strömenden Gasen der Treibladung zuteilwird. Der Geschossimpuls ist das Produkt aus der Masse m_G und der Mündungsgeschwindigkeit v_0 des Geschosses:
p_R=m_G\cdot v_0
Der genaue Anteil der Treibladungsgase am Gesamtimpuls ist schwer zu berechnen und wird im Allgemeinen experimentell ermittelt. Für praktische (näherungsweise) Rechnungen wird die Hälfte der Masse der Treibladung zur Geschossmasse hinzuaddiert.

Die Geschwindigkeit der Rückstoßbewegung der Waffe v_R ergibt sich entsprechend dem Satz der Impulserhaltung aus der Masse des Geschosses m_G, aus der Geschwindigkeit des Geschosses v_0 und aus dem Verhältnis der Waffenmasse m_W zur Geschossmasse:

 v_R=\frac{m_G\cdot v_0}{m_W}

Rückstoßprinzip einer Schusswaffe

Die Energie des Rückstoßes ergibt sich aus der Bewegungsenergie des Geschosses, der Bewegungsenergie der nach vorn expandierenden bzw. aus der Laufmündung ausströmenden Gase und aus dem Verhältnis der Masse dieser Komponenten zur Masse der Waffe.

Die Energie des Rückstoßes W_R kann aus der Rückstoßgeschwindigkeit errechnet werden:

 W_R=\frac {m_W \cdot v_R^2}{2}

Hieraus ergibt sich, dass ein leichtes Geschoss, das mit der gleichen Mündungsenergie den Lauf verlässt wie ein schwereres Geschoss, eine geringere Rückstoßenergie abgibt als das schwere Geschoss, sofern die Waffenmasse gleich ist.
Vor allem bei starken Ladungen, die aus relativ kurzen Läufen verschossen werden, kann die Rückstoßwirkung der aus der Laufmündung strömenden Gase einen bedeutenden Anteil zur Gesamtenergie des Rückstoßes beitragen (Raketeneffekt).

Die Rückstoßkraft F_R entspricht der Beschleunigungskraft F_B, der das Geschoss und die nach vorn strömenden Gase ausgesetzt sind. Die Beschleunigungskraft ist das Produkt aus Geschossmasse m_G und Geschossbeschleunigung a:
F_R=F_B=m_G \cdot a
Idealisiert kann die Geschossbeschleunigung aus der Mündungsgeschwindigkeit v_0 des Geschosses und der Lauflänge der Waffe s errechnet werden:
a=\frac {v_0^2}{2 \cdot s}

Die Rückstoßkraft wird durch die unter hohem Druck stehenden Gase der Treibladung auf die Waffe übertragen. Diese Kraft wirkt nur für den kurzen Zeitraum des Abschusses auf die Waffe, wobei in der Praxis der Verlauf der Rückstoßkraft vom Verlauf des Gasdruckes nach dem Zünden der Treibladung abhängt.

Der Rückstoß von Waffen kann z. B. durch Mündungsbremsen gesenkt werden. Der Rückstoß moderner Geschütze wird außer durch Mündungsbremsen meist auch durch einen hydraulisch gebremsten Rohrrücklauf aufgefangen. Um die unerwünschten Auswirkungen des Rückstoßes fast ganz vermeiden zu können, wurden auch rückstoßfreie Geschütze entwickelt.

Die Energie des Rückstoßes wird bei Rückstoßladern dazu verwendet, um nach einem Schuss den Verschluss zu öffnen, die leere Patronenhülse auszuwerfen und eine neue Patrone ins Patronenlager nachzuführen.

Rückstoß als Antriebsmittel[Bearbeiten]

Hauptartikel: Rückstoßantrieb
Rückstoß eines Wasserstrahls hebt ein Flyboard in die Höhe

Bei Strahlantrieben wie Raketentriebwerken und Strahltriebwerken wird die Rückstoßkraft (allgemein Schubkraft oder Schub genannt) eines in einer Düse beschleunigten Mediums als Antriebskraft genutzt. Die Rückstoßkraft F_R ist das Produkt aus der Durchsatzrate der Düse (\dot m_l) und der Geschwindigkeit des ausströmenden Mediums (v).

F_R=\dot m_l \cdot v

Rückstoß in der Atom-, Kern- und Teilchenphysik[Bearbeiten]

Die Erhaltungssätze für Impuls und Energie gelten für physikalische Systeme, die mittels der Quantenmechanik beschrieben werden müssen, ebenso wie in der klassischen Mechanik (siehe auch Kinematik). Daher erhält beispielsweise bei der Emission von Gammastrahlung das abgestrahlte Photon nicht genau die gesamte freiwerdende Energie des Übergangs, sondern der Atomkern behält einen Bruchteil davon als kinetische Energie seines Rückstoßes; siehe auch Mößbauer-Effekt.

Die durch elastische Stöße mit schnellen Neutronen in einem wasserstoffhaltigen Material entstehenden Rückstoß-Protonen lassen sich zum Nachweis und zur Energiemessung dieser Neutronen ausnutzen (siehe Neutronendetektor).

Rückstoß im Laufsport[Bearbeiten]

Muskel- und Bindegewebe sind elastisch. Werden sie gedehnt und anschließend entspannt, entsteht ein Rückstoßeffekt. Beim Vorfußlauf lässt sich dies für einen kraftsparenden Vortrieb nutzen – nicht jedoch beim Rückfußlauf. Um die im Gewebe gespeicherte Energie optimal zum Vortrieb zu nutzen, ist eine möglichst kurze Kontaktzeit zwischen Fuß und Boden erforderlich.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vor-, Mittel- oder Rückfußlauf? Vor- und Nachteile