Michaelis-Raute

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die obere Hälfte der Michaelis-Raute ist gut erkennbar

Die Michaelis-Raute, auch Michaelis'sche Raute oder Lendenraute genannt, ist ein Oberflächenrelief am unteren Rücken der Frau. Sie ist nach dem Gynäkologen Gustav Adolf Michaelis benannt.

Anatomie[Bearbeiten]

Die Eckpunkte der Raute sind:

  • Oben: im dritten bis vierten Lendenwirbeldorn (Processus spinosi ossa vertebralia lumbalia III-IV)
  • Unten: die letzten Steißbeinwirbel (Vertebrae coccygeae III-IV), das ist das obere Ende der Gesäßfurche (Crena ani)
  • Links und rechts: beidseitige hintere obere Beckendornen (Spinae iliacae posteriores superiores), über denen sich Lendengrübchen (Fossae lumbales laterales) befinden können.

Beim Mann wird abweichend davon teilweise auch von einem Sakraldreieck (Trigonum sacrale) gesprochen, das der unteren Hälfte der Michelis-Raute entspricht.[1]

Bei normalem Aufbau des Beckens ist die Michaelis-Raute annähernd gleichschenkelig und entspricht einem auf die Spitze gestellten Quadrat.[2] Anhand von Abweichungen von dieser Form lassen sich Fehlstellungen des Beckens erkennen, die beispielsweise in der Geburtshilfe von Bedeutung sind. Bei einem durch Rachitis stark verformten Becken liegt der obere Eckpunkt tiefer und fast auf der Linie zwischen den beiden seitlichen Eckpunkten.[3]

Erotik[Bearbeiten]

Schon in der Antike wird in erotischen Darstellungen die Michaelis-Raute hervorgehoben. Als vertiefte Stelle oberhalb des Gesäßes, die dessen Rundungen betont, gilt sie gelegentlich als Pendant zum Dekolleté oberhalb des Busens. Nicht zuletzt aus diesem Grund schmücken viele Frauen diesen Bereich mit Tätowierungen („Arschgeweih“).[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Schünke: Funktionelle Anatomie- Topographie und Funktion des Bewegungssystems. Thieme, Stuttgart 2007, S. 133.
  2. Christine Geist, Ulrike Harder, Andrea Stiefel (Hrsg.): Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. 4. Auflage, Hippokrates, 2007, S. 141 und 339.
  3. Klaus Holldack, Klaus Gahl: Auskultation und Perkussion, Inspektion und Palpation. 14. Auflage, Thieme, Stuttgart 2005, S. 230.
  4. Wilfried Seeburger: Kleines Medizinisches Lexikon