Militärische Lage

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Militärische Lagefeststellung anhand von Karten

Die militärische Lage bezeichnet die Situation eines militärischen Verbandes in Bezug auf seine Umwelt. Sie ist wesentlicher Teil des Militärischen Führungsprozesses. Hierbei gilt das besondere Augenmerk der Feindlage. Dies betrifft insbesondere die Frage nach Ort, Art, Stärke, Verhalten und Absicht feindlicher Kräfte im Interessenbereich des Verbandes. In der NATO wird die Feindlage an Lokation von Feindkräften unterteilt in die Gefechtszonen close combat, deep combat als vorwärts FLOT (Forward Line of Own Troops) und rear combat als rückwärts eigener Truppen. Die Gefechtszone close combat wird dabei bis zur Reichweite eigener Mittel, besonders Artillerie definiert. Die Eigene Lage bezeichnet die Frage nach Ort, Art, Stärke, Verhalten und Auftrag eigener Verbände und benachbarter im eigenen Interessenbereich sowie Vorgaben der übergeordneten Führungsebene. Siehe auch: Kriegsfront

Lagefeststellung[Bearbeiten]

Aus einzelnen Aufklärungsergebnissen erfolgt zunächst eine Lagedarstellung. In der Lagefeststellung werden diese Informationen über feindliche und eigene Kräfte zusammengefasst, ohne diese jedoch auszuwerten.

Beurteilung der Lage[Bearbeiten]

Zur Durchführung der Lagebeurteilung wird in der Bundeswehr das Schema der Lagebeurteilung angewandt.

Schema der Lagebeurteilung[Bearbeiten]

Die Heeresdienstvorschrift "Truppenführung" legt das Schema der Beurteilung und die Analyse wie folgt fest - nicht benötigte Punkte entfallen.[1]

  1. Auswertung des Auftrages
    • Absicht der übergeordneten Führung
    • Wesentliche Leistung
    • Auflagen für das eigene Handeln (Vorgaben, Restriktionen)
    • Grundlegende Lageänderung
    • Handlungsbedarf (nur in einer laufenden Operation)
    • Prüffragen ("wie kann sichergestellt werden, dass …?")
  2. Beurteilung des Geländes und weiterer Umweltbedingungen
    • Allgemeine Charakteristik des Geländes
    • Abschnittsweise Beurteilung
    • Folgerungen für
      • das Handeln des Feindes
      • das eigene Handeln
  3. Beurteilung der Feindlage
    • Handlungsmöglichkeiten
    • vermutete Absicht
    • vermutete weitere Gefechtsführung
    • Folgerungen für das eigene Handeln
  4. Beurteilung der eigenen Lage
    • Kampfkraft (ggf. mittels Kampfkrafttabelle)
    • Folgerungen für
      • besondere Fähigkeiten
      • Einschränkungen der Handlungsfreiheit
    • Möglichkeiten eigenen Handelns
  5. Kräftevergleich (Gesamtkräfte, ggf. auch einzelne Gruppierungen)
    • Kampfkraftvergleich
    • Gefechtswert (unter Einbeziehung von Gelände, Umwelt, Ausbildungsstand, Moral, …)
    • Folgerungen für
      • Gesetz des Handelns - Fähigkeit zur Eigeninitiative
      • Taktische Gesamtabsicht
    • Möglichkeiten eigenen Handelns (Stärken nutzen, Schwächen aufwiegen)
  6. Möglichkeiten des Handelns (nach Gefechtsphasen)
    • Feststellen von gemeinsamen Elementen
    • Kampfkraftvergleich
    • Vor- und Nachteile beurteilen
    • Abwägen

Entschluss[Bearbeiten]

Der Beurteilung der Lage folgt der Entschluss des Kommandeurs – gegebenenfalls nach Beratung mit fachlich zuständigen Stabsoffizieren oder Spezialisten – und der Operationsplan bzw. Plan für den Einsatz sowie die Befehlsgebung, dessen Ausführung, im Rahmen eines rollierenden Regelvorganges, auf geeignete Weise überwacht wird. Aus auftretenden „Soll”-Abweichungen leiten sich weitere Lagefeststellungen und -beurteilungen bis zur Ausführung des Befehls ab.

Die Lage gründet auf den Lagemeldungen der beteiligten Einheiten und ordnet sich in die Gesamtlage der übergeordneten Führungsebenen ein.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heeresdienstvorschrift "Truppenführung" (HDv Nr. 100/100)