Mingo

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Illustrator siehe Norman Mingo.

Die Mingo sind eine Gruppe nordamerikanischer Indianer, die ursprünglich zu den irokesischen Seneca gehört hatten. Von diesen spalteten sie sich aber als eher frankreichorientierte Gruppierung im Verlauf britisch-französischer Kolonialauseinandersetzungen ab und wanderten in der Mitte des 18. Jahrhunderts westwärts in das Ohio-Gebiet ein. Die Angloamerikaner nannten diese Zuwanderer Mingos, eine Verballhornung des Algonkin-Wortes Mingwe, was so viel wie verstohlen oder hinterhältig bedeutet. Die Mingos wurden auch als Ohio-Irokesen oder Ohio-Seneca bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Logans Denkmal in Logan, West Virginia. John Logan (1725-1780) war ein berühmter Führer der Mingo.

Die Angehörigen des Stammes, der als Mingo bekannt wurde, hatten das Ohio-Gebiet als Teil eines indianischen Zuwandererstroms in der Mitte des 18. Jahrhunderts besiedelt. Dieses, in etwa dem heutigen US-Bundesstaat Ohio entsprechende, Gebiet war über mehrere Jahrzehnte hinweg nur sehr spärlich besiedelt gewesen. Die Ansiedlungen dieser Zuwanderer entwickelten sich in zunehmendem Maße zu einem Zusammenschluss der eingewanderten indianischen Bevölkerung. Diese entstammten vor allem den Stämmen der Seneca, Wyandot, Shawnee, Susquehannock und Delawaren. Das Ohio-Gebiet war bereits seit längerem das Jagdgebiet der Irokesen gewesen, weshalb die Irokesenliga den Anspruch auch auf die nominelle Oberhoheit über dessen Bewohner erhob. Diese widersetzten sich jedoch diesem Anspruch und agierten in zunehmendem Maß weitgehend unabhängig von den Irokesen. Als 1763 der Pontiac-Aufstand ausbrach, verbündeten sich viele Mingos mit den Angehörigen anderer Indianerstämme, um die britische Herrschaft über das Ohio-Gebiet zu beenden. Die Irokesenliga dagegen hielt weiterhin ihr traditionelles Bündnis mit den Briten aufrecht und stand damit den Mingos erneut feindselig gegenüber. Trotz einiger spektaktulärer Anfangserfolge endete der Pontiac-Aufstand schließlich mit einer völligen Niederlage der rebellierenden Indianerstämme. Der Mingo/Seneca-Häuptling Hauptguyasuta war einer der Anführer in dieser Auseinandersetzung.

Bis zum Anfang der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das im westlichen Ohio gelegene Siedlungsgebiet der Mingos zu einer prosperierenden Gemeinschaft. Durch den Ausbau ihrer Bauernhöfe und die Einrichtung von Schulen erfolgte dabei auch eine zunehmende Angleichung an die amerikanische Zivilgesellschaft. Ungeachtet dessen wurden die Mingos jedoch durch den 1830 erfolgten Erlass des Indian Removal Act gezwungen, ihre Besitzungen zu verkaufen und 1832 nach Kansas umzusiedeln. In Kansas trafen die Mingos dann mit mehreren Seneca-Sippen zusammen und beide Stämme teilten sich dort die Neosho Reservation. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg zog der Stamm erneut weiter, nunmehr in das heutige Ottawa County im US-Bundesstaat Oklahoma. Seit 1937 bezeichnet sich der Stamm offiziell als Seneca-Cayuga und zählt heute über 2400 Mitglieder. Mit den sechs Nationen der ehemaligen Irokesenliga werden noch immer diverse kulturelle und religiöse Verbindungen gepflegt.

Sprache[Bearbeiten]

Die Mingo-Sprache (Eigenbezeichnung: Unyææshæötká') ist eine nördliche Irokesen-Sprache, die ursprünglich im östlichen Ohio, westlichen Pennsylvania und in West Virginia verbreitet war. Es ist eine polysynthetische Sprache mit äußerst komplexem Verbgebrauch, eng verwandt mit den Sprachen der Seneca, Onondaga und Cayuga. In den letzten Jahren hat es ein gesteigertes Interesse an der Wiederbelebung dieser Sprache gegeben, insbesondere unter den Nachkommen der Mingos.

Literatur[Bearbeiten]

  • James Thomas Flexner: Lord der Mohawks, 1981. ISBN 3-765-30334-8
  • Francis Parkman: The Conspiracy of Pontiac (Vol. 1+2). – Boston: Little, Brown & Co, 1885 <reprinted 1969>