Mitfahrzentrale

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Aufforderung gemeinsam zu fahren. Solche und ähnliche P+M-Parkplatz-Schilder werden teilweise von Gemeinden selbst kreiert
Schild in den USA, welches zur Bildung von Fahrgemeinschaften auffordert, 1974

Über eine Mitfahrzentrale (kurz als MFZ bezeichnet) werden Mitfahrgelegenheiten (auch MFG) und Fahrgemeinschaften vermittelt. Es wird unterschieden zwischen den traditionellen, stationären Mitfahrzentralen, welche Gebühren für die Vermittlung verlangen und den Online-Mitfahrzentralen, bei denen die Vermittlung oft kostenlos erfolgt.

Nutzen[Bearbeiten]

Das gemeinsame Fahren von Personen, die sich kennen oder bislang unbekannt waren, erfolgt aus individuell unterschiedlichen Gründen.

  • einfachere und zeitlich praktischere Reiseverbindung
  • günstigere Fahrmöglichkeit für den Beifahrer als alternativ mit öffentlichen Verkehrsmitteln
  • für den Fahrer wird die Fahrt durch die Kostenteilung günstiger
  • durch die Ausnutzung der Fahrzeugkapazität ergibt sich eine günstigere Ressourcennutzung im Sinne von Umweltschutz
  • Unterhaltung während der Fahrt, Knüpfen von Kontakten

Vermittlung[Bearbeiten]

Wenn ein Fahrer seine Kosten für eine Fahrt senken möchte, dann kann er diese Reise bei einer Mitfahrzentrale anmelden. Die verschiedenen Mitfahrzentralen unterhalten Datenbanken mit allen gemeldeten Reiseangaben (Abfahrtsort, Abfahrtszeit, Autotyp).

Potentielle Mitfahrer fragen bei der Mitfahrzentrale nach, ob eine Mitfahrgelegenheit verfügbar ist. In diesem Fall vermittelt die Mitfahrzentrale den Kontakt zum Fahrer, dafür muss der Mitfahrer meist eine Vermittlungsgebühr bezahlen. Einige Online-Mitfahrzentralen im Internet finanzieren sich durch Werbeeinblendungen wodurch Gebühren entfallen können. Vorteile von niedergelassenen Mitfahrzentralen sind ein optionaler Versicherungsschutz, geringere Fehlerquoten und höhere Sicherheit durch vielerorts standardmäßige Führerschein- und Personalausweiskontrollen. Es kann aber immer nur eine hohe Sicherheit gewährt werden, und Risikofälle aus verschiedenen Gründen sind nicht auszuschließen. Der Fahrer kann in den meisten der niedergelassenen Mitfahrzentralen seine Mitfahrer nicht selbst bestimmen. Eine angebotene Versicherung bietet meist lediglich auf einen Weitertransport bei eventuellem Liegenbleiben. Andere Garantien werden meist nicht gegeben.

Im Bereich der Online-Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten bestehen zudem Portalangebote, die Angebote mehrerer Einzelanbieter bündeln und über eine Meta-Suchmaschine zugänglich machen.

Ein weiterer Ansatz zum Mitfahren ist die kombinierte oder gleichzeitige Abfrage verschiedenartiger Verkehrssysteme. Ein seit 2006 bestehendes österreichisches „Fahrplatzvermittlungsportal“ bietet neben den traditionellen Mitfahrgelegenheiten zugleich die Ergebnisse einer Fahrplanauskunft beim öffentlichen Nahverkehr an.[1] Ähnliche Leistungen bietet ein Portal mit dem Einzugsbereich Süddeutschland und Österreich, hier erfolgt die Weiterleitung der Anfrage zu Angeboten des öffentlichen Verkehrsnetzes.[2] Argumente für solche Systeme bestehen auch seitens der Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs. Kombinieren lassen sich diese Angebote etwa durch Vermittlung in Park+Ride-Angebote,[3] so wird der bereich des AN- oder Abreisepunktes vergrößern.

Kosten[Bearbeiten]

Mitfahrer und Fahrer teilen sich bei der Fahrt die Kosten. Über die Mitfahrzentrale wird die Kostenhöhe vorgegeben, jedoch behält diese sich eine Vermittlungsgebühr zwischen 10 % bis 50 % ein. Bei Mitfahrzentralen im Internet werden meist nur Preisempfehlungen ohne Vermittlungsgebühr gegeben. Der gewünschte Preis wird vom Fahrer auf der Website vorgegeben oder vor Fahrtantritt ausgehandelt. Insgesamt sind die Kosten für den Mitfahrer geringer und die Aufwandsentschädigung für den Fahrer ist höher.

Das Mitfahren wird oft interessanter, wenn alternative Verkehrsmittel höhere Kosten verursachen. Andere Gründe für das Mitfahren sind längere Reisezeiten, die etwa durch ungünstige Verbindungen entstehen.

Rechtsstatus[Bearbeiten]

Bei der Vereinbarung einer Fahrgemeinschaft, für die vom Mitfahrer eine Kostenbeteiligung erbracht wird, kann im Regelfall ein Rechtsbindungswille angenommen werden. Der Rechtsstatus der Mitfahrgelegenheit geht damit über eine Gefälligkeitsleistung hinaus, wie dies bei der Mitnahme von Anhaltern der Fall wäre. Damit kann jede Abweichung von der Mitfahrvereinbarung rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann, beispielsweise durch Abweichen von den vereinbarten Leistungen (Reiseziel, Kosten, Nichterscheinen am vereinbarten Treffpunkt). Der geschädigten Partei stehen unter Umständen Schadenersatzansprüche zu.[4]

Mitfahrzentralen für Bahn-Fahrkarten[Bearbeiten]

Nach Einführung des für bis zu fünf Personen in ganz Deutschland gültigen Wochenendtickets, entwickelten sich auch im Bahnreiseverkehr Mitfahrtzentralen. Durch die dadurch erzielten sehr niedrigen Preise kam es zum Teil zu chaotischen Verhältnissen in überfüllten Zügen. Daraufhin verringerte die Bahn dieses Angebot in der zeitlichen Gültigkeit von zwei auf einen Wochenendtag und erhöhte den Preis auf (Stand: April 2013) 42 Euro. Zusätzlich wurden ähnlich gestaltete, billigere Ländertickets eingeführt, welche nur in einem begrenzten Teil Deutschlands Gültigkeit haben. Mit der Einführung des Mitfahrer-Rabatts im neuen Preissystem der Deutschen Bahn AG am 14. Dezember 2002 entstanden auch im Fernverkehr Mitfahrzentralen. Wie schon beim Wochenendticket konnten bei normalen Fahrkarten Kosten gespart werden, dieses Preisangebot wurde jedoch bereits vom 12. Dezember 2004 an wieder eingeschränkt. Mitfahrrabatte im Fernverkehr der Deutschen Bahn AG gelten nur in Verbindung mit dem Angebote Sparpreis 25 und 50, wobei mindestens drei Tage im Voraus zu buchen ist. Für die Bahn können die Zugkapazitäten besser geplant werden.

In Österreich entstanden ebenfalls Mitfahrzentralen für Bahnreisende nach der Einführung des 28 Euro teuren Einfach-Raus-Tickets, welches österreichweit im Nahverkehr gültig ist. Bei diesem Ticket wurde zusätzlich gefördert, dass es sich um eine Kleingruppenfahrkarte für zwei bis fünf Personen handelt, welche nicht von Alleinreisenden benutzt werden darf.

Mobiltelefone und spontane Fahrgemeinschaften[Bearbeiten]

Seit einiger Zeit werden neue Konzepte für die spontane Vermittlung von Fahrgemeinschaften entwickelt, im Englischen auch dynamic ridesharing genannt. Über internetfähige Smartphones oder Navigationssysteme ist es möglich, spontane Fahrgemeinschaften zu vermitteln, deren Teilnehmer bereits im Straßenverkehr unterwegs sind, sei es als Fahrer oder Fußgänger.

Ein Dynamic-Ridesharing-Dienst besitzt zwei Funktionen. Es lassen sich spontane Fahrgemeinschaften mithilfe von mobilen Kommunikationsgeräten zwischen registrierten Benutzern herstellen. Durch einen Netzwerkdienst kann eine automatische Vermittlung von passenden Angeboten und Nachfragen hergestellt werden. Die Wegstrecken werden so optimiert, dass die Abweichung von der ursprünglich geplanten Route des Fahrers minimal wird.

Eine andere Leistung solcher Systeme ist das automatische Entrichten des streckenabhängigen Fahrpreises an den Fahrer vom Konto des Mitfahrers abzüglich einer Vermittlungsgebühr. Nach Art eines Navigationssystems wird für den Fahrer der Umweg zum Treffpunkt unmittelbar nach der Vermittlung ermittelt. Oft wird auch durch GPS-fähige Endgeräte die Position verfolgt, sodass die Standorte der Teilnehmer automatisch erkannt werden. Eine weitere Möglichkeit solcher Netzdienste besteht auch darin, dass durch Aufteilung einer Wegstrecke auf mehrere Fahrzeuge, der Mitfahrer eine mögliche Angabe zu Umsteigepunkten erhält.

Frühe Projekte in den 1990er Jahren scheiterten an vielen Hindernissen, beispielsweise war kein internetbasiertes, breites Netzwerk von Nutzern möglich, das mobile Internet noch nicht verfügbar und die Einrichtungen der Navigation teuer und aufwändig.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. compano ~ Fahrplatzvermittlung. 4. März 2009, abgerufen am 12. Juni 2013.
  2. MiFaZ Weiterentwicklungen, move-newsletter Nr. 27 vom 4. Mai 2009; Einzugsbereich siehe Über MiFaZ, www.mifaz.de
  3. Fahrgemeinschaften: Öffentlicher Verkehr der (fast) nichts kostet? (PDF; 1,9 MB), Rheinland-Pfalz Takt
  4. Tipps zu Mitfahrzentralen - Spiegel Online
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