Mittelschule

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Mittelschule ist eine allgemeine Bezeichnung für Schulen des sekundären Bildungsbereichs.

Im Allgemeinen versteht man darunter Schulen der Mittelstufe (etwa die 10- bis 16-jährigen Schüler, ISCED Level 2 secondary education first stage). Der Begriff ist sowohl für Schulbildungstypen im Allgemeinen als auch für spezielle Schultypen innerhalb eines Schulsystems in Gebrauch.

Deutschland[Bearbeiten]

Heute sind Mittelschulen Hauptschulen mit einem Mittlere-Reife-Zug (M-Zweig). Jedoch muss eine Mittelschule im Vergleich zu einer normalen Hauptschule mit M-Zweig besondere Kriterien erfüllen. Sie ist praxisorientiert, um die Schüler auf eine Ausbildung vorzubereiten. Es gibt drei Wahlpflichtfächer:

  • Technik (Technisches Zeichnen und Werkstücke)
  • Wirtschaft (Computer und Büroarbeit) und
  • Soziales (Kochen und Planen, früher GtB (Gewerblich-technischer Bereich), KtB (Kommunikationstechnischer Bereich) und Kochen).

Die Mittelschule unterscheidet sich von einer Realschule dadurch, dass Fächer wie BWR (Betriebswirtschaftslehre/Rechnungswesen) und WR (Wirtschaft und Recht) nicht im Lehrplan vorgesehen sind. Physik, Chemie, Biologie (PCB) werden verkürzt angeboten, ebenso Arbeit und Wirtschaft (privates und allgemeines Wissen im Bereich Wirtschaft), Technik (privates und allgemeines Wissen im Bereich Technik) sowie Geschichte, Sozialkunde und Erdkunde (GSE) als ein Fach.

Der Begriff Mittelschule in einzelnen deutschen Ländern:

  • Zehnklassiger Schultyp in den 1950er Jahren der DDR, siehe Mittelschule (DDR)
  • Bis 1964, umgangssprachlich bis zur Einführung von offiziellen Mittelschulen, Bezeichnung für Realschule
  • In Sachsen bis 2013 eine weiterführende Schulform, heute Oberschule
  • In Bayern hat die Mittelschule die Hauptschule ersetzt.[1]

Österreich[Bearbeiten]

Allgemein bildende mittlere Schule (AMS)
Schulsparte
Staat Österreich
Schultyp (allgemein) Nicht weiterführende Schule
ISCED-Ebene 2
Klassifikation (national) Allgemein bildende Schule/Allgemein bildende Pflichtschule (1.2)[2]
Voraussetzung Volksschulabschluss
Dauer 4 Jahre
Stufen: 5.–8. Schulstufe (1.–4. Klasse)
Regelalter 10–14
Schulabschluss keiner
Schulform Neue Mittelschule (NMS)
Anzahl 323 –  (NMS 2011/12)[3][4]
Schüler 34,324 –  (NMS 2010/11)[5]
Neu eingeführt als Modellversuche im Bereich der 10- bis 14-Jährigen (12.1), Modellversuch gemäß § 7a SchOG[2]

Abweichend vom deutschen und schweizerischen Sprachgebrauch bezeichnet man fachsprachlich[2] als Mittelschule die Schule der 10- bis 14-Jährigen, während die darauffolgende Bildung als Höhere Schule (allgemein- oder berufsbildend, AHS/BHS) bezeichnet wird, wenn sie zur Matura (Hochschulreife) führt, oder Berufsbildende mittlere Schule, wenn sie nur mit einem Berufsabschluss endet. Diese frühe Weichenstellung mit 10 und mit 14 ist ein – kritisch gesehenes – Spezifikum österreichischer Bildung. Dabei bezeichnet Mittelschule speziell alle Schulen, die über die Pflichtschulen (Volksschule/Grundschule, Hauptschule mit Polytechnikum, beziehungsweise Sonderschule) hinausgehen, daher nennt man allgemein auch die AHS-Unterstufe (und umgangssprachlich das ganze Gymnasium) so. Sonst gab es bis in die 2000er-Jahre Mittelschulen (Sekundaria) nur vereinzelt bei Statutsschulen (Schulen mit eigenständigem Lehrplan).

Seit dem EU-Beitritt Österreichs wird im Rahmen der Harmonisierung der Schulsysteme (Lissabon-Strategie und Bologna-Prozess) auch in Österreich mit einer expliziten Mittelschule (fachlich: Allgemein bildende mittlere Schule) experimentiert. Diese wurde zuerst als Kooperative Mittelschule als Schulversuch oder Autonomieprojekt einer Hauptschule oder AHS Unterstufe umgesetzt.

Seit 2008/2009 testet man eine vollständig neue Schulform, die Neue Mittelschule. Diese soll bis 2015/16 alle Hauptschulen ersetzen, wird also die Normalform einer nicht weiterführenden Schule. Sie ist eine Fortentwicklung des Systems der Leistungsgruppen, aber mit Lehrplan der AHS Unterstufe, was den Übergang in eine weiterführende Schule vereinfachen soll.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz die Kantonsschule (Gymnasium/Maturitätsschule) und weitere Schulen der gleichen Stufe, siehe auch Schweizer Bildungssystem

Italien[Bearbeiten]

In Italien besteht seit 1962 eine Mittelschule (scuola media inferiore), die von allen Schülern der sechsten bis achten Klasse besucht wird, die Sekundarstufe 2 (neunte bis dreizehnte Klasse) wird historisch oft als scuola media superiore (obere Mittelschule) und das Maturadiplom entsprechend als diploma di scuola media superiore bezeichnet, siehe auch Mittelschule (Südtirol).

Angloamerikanische Systeme[Bearbeiten]

Siehe Middle School

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.km.bayern.de/eltern/schularten/mittelschule.html abgerufen am 17.Februar 2014
  2. a b c Österreichische Schulformensystematik, Stand 2011/12;
    Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur, Abteilung V/1 – Bildungsstatistik, -dokumentation, IT-Verwaltungsapplikationen (Hrsg.): Schulformensystematik. Kennzahlenverzeichnis der Schulformen des österreichischen Schulwesens. 2002
  3. Schulen im Schuljahr 2010/11 nach Schultypen, Statistik Austria
  4. aktueller Bestand: Standorte, neuemittelschule.at
  5. Schülerinnen und Schüler 2010/11 nach detaillierten Ausbildungsarten und Geschlecht, Statistik Austria (pdf)