Miyazawa Kenji

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Kenji Miyazawa

Miyazawa Kenji (jap. 宮沢 賢治; * 27. August 1896 in Hanamaki, Iwate; † 21. September 1933 ebenda) war ein japanischer Dichter, Autor von Kinderbüchern und Mitglied der Kokuchūkai[1]. Er ist heute einer der beliebtesten Dichter Japans. Miyazawa schrieb seine Erzählungen, um auf seine Weise die Lehre des Mahayana-Buddhismus den einfachen Menschen, besonders Kindern nahezubringen. Insbesondere ließ er sich vom Lotos-Sutra und nationalistischen Interpretationen des Nichiren-Buddhismus inspirieren, welche er als Richtschnur für sein persönliches Leben ansah.[2][3]

Leben und Werk[Bearbeiten]

Miyazawa Kenji wurde am 27. August 1896 in der Stadt Hanamaki in der Präfektur Iwate im Norden Japans als Sohn eines wohlhabenden Pfandleihers geboren. Im Jahr seiner Geburt wurde jene Region von Überschwemmungen, einem schweren Erdbeben und einem Tsunami heimgesucht, bei denen viele Menschen starben.

Miyazawa war ein sehr guter Schüler. Mit 13 Jahren schrieb er seine ersten Tanka, die er 1916 in lokalen Zeitungen zu veröffentlichen begann. 1918 machte er seinen Abschluss an der Hochschule für Land- und Forstwirtschaft Morioka (盛岡高等農林学校, Morioka kōtō nōrin gakkō) mit Auszeichnung und arbeitete danach dort in der Forschung. In diesem Jahr kümmerte er sich zeitweise um seine kranke Schwester Toshi in Tokio. Von da an begann er, auch Märchen zu schreiben. Nach seiner Rückkehr 1919 half er im elterlichen Geschäft.

1920 schloss er seine Forschungsarbeiten an der geologischen Fakultät ab. Er wurde Mitglied in der national-buddhistischen Kokuchūkai und begann, an das Lotos-Sutra zu glauben. 1921 ging er nach Tokio, wo er in einem Verlag arbeitete und sich mit Musik beschäftigte. Im Dezember trat er eine Stellung als Lehrer für Agrarwissenschaft an der Landwirtschaftsschule Hanamaki (花巻農学校, Hanamaki nōgakkō) an.

Miyazawa begann im Jahr 1922 eine Sammlung von frei gestalteten Gedichten zu schreiben, Haru to Shura (春と修羅, Frühling und Asura). Seine jüngere Schwester Toshi starb am 27. November 1922. Die Gedichtsammlung Haru to Shura und eine Sammlung von Kindergeschichten und Märchen, Chūmon no Ōi Ryōriten (注文の多い料理店, Das Restaurant mit den vielen Bestellungen) publizierte er 1924 auf eigene Kosten.

1926 kehrte Miyazawa zurück in seine Heimat. Er lebte im Bezirk Shimoneko von Hanamaki und gründete die Rasuchijin-Gesellschaft, in welcher er junge Menschen in effektiver Landwirtschaft unterrichtete in der Absicht, damit den Lebensstandard der Bauern zu erhöhen. Auch wurden dort Konzerte veranstaltet.

Weiterhin schrieb Miyazawa Gedichte und publizierte sie. Seit 1928 erschienen sie regelmäßig in mehreren, darunter auch einigen größeren Magazinen. 1931 arbeitete er als Ingenieur in einem Steinbruch. Er fuhr nach Tokio, um dort den Vertrieb von Kohle zu organisieren, musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen wieder zurückkehren. Am 3. November 1931 schrieb er das Gedicht Ame ni mo makezu.

Miyazawa Kenji starb am 21. September 1933 im Alter von 37 Jahren an akuter Lungenentzündung. Viele seiner Werke wurden erst nach seinem Tod entdeckt und posthum veröffentlicht.

Hauptwerke[Bearbeiten]

Als Hauptwerke Miyazawas gelten:

  • Gingatetsudō no Yoru 銀河鉄道の夜 (Night on the Galactic Railroad); Ginga Tetsudō no Yoru (Inhaltsangabe bezogen auf den Anime-Film)
  • Kaze no Matasaburo 風の又三郎
  • Cello Hiki no Goshu セロ弾きのゴーシュ (Gauche, the Cellist)
  • Taneyamagahara no Yoru 種山ヶ原の夜 (The Night of Taneyamagahara)
  • Ame ni mo makezu 雨ニモマケズ (Not Losing to the Rain)

Wissenswertes[Bearbeiten]

Miyazawa interessierte sich zeitweilig für Esperanto. In seinem Werk erscheint oft eine fiktive Welt namens Ihatov oder Ihatovo. Diese erschuf er in Anlehnung an die von ihm geliebte, naturnah gebliebene Präfektur Iwate, in der er lebte und welche auch Ihate genannt wird. Die Bezeichnung Miyazawas für seine fiktive Welt kommt einer Esperanto-Version dieses Namens nahe.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Miyazawas Faible für Esperanto wurde aufgegriffen in der 1985 erschienenen Anime-Adaption Ginga Tetsudō no Yoru seines gleichnamigen, 1927 geschriebenen Werkes, auch bekannt als Night on the Galactic Railroad. In ihr sind alle Schilder in Esperanto geschrieben, ebenso wie die Schriftsprache der „Katzen“, als welche fast alle Figuren dargestellt sind.

Im Jahr 1996 wurde anlässlich des 100. Geburtstages von Miyazawa sein Leben in dem Anime Ihatov Gensou: Kenji no Haru (Ihatov Fantasie: Kenjis Frühling), auch als Spring and Chaos (Frühling und Chaos) bekannt, verfilmt. Wie in Night on the Galactic Railroad sind hier ebenfalls die Hauptfiguren als Katzen gezeichnet.

Bibliographie[Bearbeiten]

  • Massimo Cimarelli. Miyazawa Kenji - a short biography, Volume Edizioni (2013), ebook. ASIN B00E0TE83W.
  • Miyazawa, Kenji. The Milky Way Railroad. translated by Joseph Sigrist and D. M. Stroud. Stone Bridge Press (1996). ISBN 1-880656-26-4
  • Miyazawa Kenji. Night of the Milky Way Railroad. M.E. Sharpe (1991). ISBN 0-87332-820-5
  • Miyazawa Kenji. The Restaurant of Many Orders. RIC Publications (2006). ISBN 1-74126-019-1
  • Miyazawa Kenji. Miyazawa Kenji Selections. University of California Press (2007). ISBN 0-520-24779-5
  • Miyazawa Kenji. Winds from Afar. Kodansha (1992). ISBN 087011171X
  • Miyazawa Kenji. The dragon and the poet - illustrated version. translated by Massimo Cimarelli, illustrated by Francesca Eleuteri, Volume Edizioni (2013), ebook. ISBN 9788897747185
  • Miyazawa Kenji. Once and Forever: The Tales of Kenji Miyazawa. translated by John Bester Kodansha International (1994). ISBN 4-7700-1780-4
  • Strong, Sarah. “The Reader’s Guide” In Miyazawa Kenji, The Night of the Milky Way Railway. Translated by Sarah Strong. New York: 1991.
  • Strong, Sarah. “The Poetry of Miyazawa Kenji.” Thesis (Ph.D.), The University of Chicago, 1984.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. On Uneven Ground: Miyazawa Kenji and the Making of Place in Modern Japan, Stanford University Press
  2. Sino-Japanese Transculturation, From the Late Nineteenth Century to the End of the Pacific War by Richard King,Cody Poulton,Katsuhiko End , Lexington Books, Page 48, ISBN 978-0-7391-7150-9
  3. Gerald Iguchi, Nichirenism as Modernism: Imperialism, Fascism, and Buddhism in Modern Japan (Ph.D. Dissertation), University of California, San Diego, 2006, pp. 122-173

Weblinks[Bearbeiten]

Japanische Namensreihenfolge Japanischer Name: Wie in Japan üblich steht in diesem Artikel der Familienname vor dem Vornamen. Somit ist Miyazawa der Familienname, Kenji der Vorname.