Moische Kulbak

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Moische Kulbak (auch Moyshe Kulbak geschrieben, hebräisch: Mosche Kulbak; * 1896 in Smorgon bei Wilna, damals Polen, heute Weißrussland; † 1940) war ein weißrussisch-litauischer Dichter in jiddischer Sprache, der zunächst mit hebräischer Lyrik begonnen hatte. Er zählte zu den großen Begabungen der jiddischen Poesie seiner Zeit. Viele seiner gedanken- und bilderreichen Lieder, in denen er die Umwälzungen der Revolution in frei fliessenden Rhythmen zum Ausdruck bringt, wurden zu beliebten Kampfliedern der jüdischen revolutionären Jugend.

Leben[Bearbeiten]

In seiner Kindheit lernte er Jiddisch, Russisch sowie Hebräisch und war Lehrer für Hebräisch in Privatschulen und am Jüdischen Lehrerseminar.

Nach einem Berlinaufenthalt (seit 1920) kehrte Kulbak zunächst nach Litauen zurück (1923, nach Wilna, zu dieser Zeit ein Zentrum jiddischer Kultur), übersiedelte dann aber aus ideologischen Gründen in die Sowjetunion (1927 Minsk), wo er sich 1928 der Minsker Gruppe anschloss und gezwungen war, seinen eher neuromantischen Stil durch den sozialistischen Realismus zu ersetzen.

Ab 1936 wurde die Minsker Gruppe aufgelöst und Kulbak verhaftet. Er starb 1940 in einem sibirischen Arbeitslager des GULAG.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Schirim, 1920 („Lieder“, in jiddischer Sprache, darin „Lamed Wow“ = 36, das bekannteste dieser Gedichte, das einen der 36 unbekannten Gerechten der jüdischen Legende beschreibt, und zwar in der Figur des Schornsteinfegers Schmuel Itze; Neuauflage der Sammlung unter dem jiddischen Titel Lider, Berlin 1922)
  • Naje lider, Warschau 1922
  • Jankew Frank, 1923 (Drama)
  • Moschiech ben Efroim, 1924 (expressionistischer Roman; deutsch: Der Messias vom Stamme Efraim. Eine jüdische Legende)
  • Montik, 1926 („Montag“, lyrisch-philosophischer Roman)
  • Zelmenianer (zweiteiliger Roman: 1931, 1935; der auf witzige Weise von den Anpassungsschwierigkeiten einer jüdischen Familie an die kommunistische Gesellschaft erzählt; deutsch Die Selmenianer)
  • Disner Childe Harold, 1933 (von Heines Wintermärchen beeinflusste, auf seinen Deutschlandaufenthalt zurückgehende Satire auf die angebliche Dekadenz der deutschen Bourgeoisie)

Hörspiele[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wininger, 1925 ff. Bd. VII.
  • Reisen, Leksikon ... , 1926 ff.
  • Bücherwelt, 1928 VI.
  • Stemberger, Geschichte der jüdischen Literatur, 1977.
  • Rachel Seelig: A yiddisch bard in Berlin. In: Verena Dohrn (Hrsg.): Transit und Transformation. Osteuropäisch-jüdische Migranten in Berlin 1918–1939. Wallstein, Göttingen 2010 ISBN 978-3-8353-0797-1.

Weblinks[Bearbeiten]