Museum August Kestner
| Daten | |
|---|---|
| Ort | Hannover, Deutschland |
| Art | Angewandte Kunst |
| Eröffnung | 1889 |
| Betreiber | Stadt Hannover |
| Leitung | Wolfgang Schepers |
| Website | www.kestner-museum.de |
| ISIL | DE-MUS-163819 |
Das Museum August Kestner ist ein 1889 entstandenes Museum für Kulturgeschichte in Hannover. Es befindet sich am Trammplatz im Stadtteil Mitte an der Seite des Neuen Rathauses. Benannt ist das Museum nach August Kestner (1777–1853). Um Verwechselungen mit der ebenfalls in Hannover beheimateten Kestnergesellschaft zu vermeiden, bekam das zuvor Kestner-Museum genannte Haus im Dezember 2007 den heutigen Namen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Bestände
Das Museum präsentiert in der „Ägyptischen Sammlung“ altägyptische Kunst vom 4. Jahrtausend v. Chr. bis in die römisch-christliche Zeit. Dazu gehören Reliefs, Skulpturen, Stelen, Amulette, Papyri, Mumien. Ein Schwerpunkt sind dabei Werke der Amarna-Kunst.
Die „Antiken-Sammlung“ bietet Gegenstände des griechisch-römischen Mittelmeergebietes und des Vorderen Orient aus der Zeit von 1500 v. Chr. bis 500 n. Chr. Dazu gehören figürliche Statuetten aus Bronze und Terrakotta sowie Alltagsgegenstände. Die Bestände an griechischen Vasen und etruskischer Kunst besitzen Weltrang. Eine Münzsammlung mit Prägungen aus dem antiken Griechenland (u.a. aus Olympia), der Römischen Republik, des deutschen Mittelalters umfasst 2500 Jahre Geldgeschichte. Mit 120.000 Stücken ist es die größte Sammlung dieser Art in Norddeutschland.
Ein weiterer Schwerpunkt des Bestandes ist europäische Angewandte Kunst und Design, wie mittelalterliche Handschriften, Textilien, Bronze-, Elfenbein- und Email-Arbeiten. In den letzten Jahren werden regelmäßig Beispiele von aktuellem Produktdesign präsentiert.
[Bearbeiten] Aktivitäten
Das Museum August Kestner bietet unter anderem folgende Aktivitäten an:
- Führungen in Fremdsprachen (englisch, französisch, italienisch) und für Hörgeschädigte
- Workshops für Kinder und Schüler
- Kindergeburtstage und Entdeckerpartys mit Schminken sowie Kleiden wie im Alten Ägypten
- Museumfeste, wie „Lange Nacht der Museen“, Kinderfest
- Intermezzo-Ausstellungen (hier wird Sammlern, Studierenden oder auch museumsnahen Vereinigungen die Möglichkeit gegeben, Teile ihrer Sammlungen oder auch Ergebnisse ihrer Arbeiten einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen)
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Gründer
Einen wesentlichen Teil des Gründungsbestandes des Museums trug der hannoversche Diplomat August Kestner zusammen. Er war Gesandter beim Heiligen Stuhl in Rom und lebte dort von 1818 bis zu seinem Tode 1853. Als Kunstliebhaber sammelte er ägyptische sowie griechisch-römische Kleinkunst und Münzen. Nach seinem Tod erhielt sein Neffe Hermann Kestner die Sammlung mit der Auflage vermacht, den Kunstschatz der Stadt Hannover zu übergeben. Ergänzend trug der hannoversche Schulsenator und Industrielle Friedrich Culemann einen weiteren Teil zum Fundus des Museums bei.
[Bearbeiten] Entstehung
Zur Gründung des Museums trugen im 19. Jahrhundert kunstinteressierte Bürger in Hannover bei. Es wurde 1889 eingeweiht und hatte zu dieser Zeit eine Fassade im Stil der Neorenaissance, die sich heute unter einer modernen Fassade verbirgt. Bereits zur Eröffnung besaß es umfangreiche Kunstschätze des Alten Ägyptens, der Antike und des Mittelalters. Erster Direktor war Carl Schuchhardt, der aber 1908 als Direktor der Vorgeschichtlichen Abteilung an das Völkerkundemuseum in Berlin wechselte.
Das alte Museumsgebäude besteht heute nicht mehr in seiner ursprünglichen Form, da es durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört wurde. 1958-1961 erfolgte ein architektonisch interessanter Wiederaufbau unter der Leitung von Irmgard Woldering. Dabei wurden die Gebäudereste von einem Neubau in Form eines Betonwürfels überformt, welcher heute unter Denkmalschutz steht. Er enthält 5.000 kleine Fenster. 1979 gründete sich ein „Freundes- und Förderkreis Antike & Gegenwart“, der das Museum unterstützt.
Das Kestner-Museum ist das älteste städtische Museum der Landeshauptstadt. Heute zählt es zu den wichtigsten Museen der angewandten Kunst in Deutschland. Seit 1999 wird es von dem Kunsthistoriker Wolfgang Schepers geleitet. Um das „Museum an die Gegenwart heranzuführen“ (Schepers), wurde dem Produktdesign in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet. Dies zeigt sich in großen Designausstellungen wie „Das Jahrhundert des Design“ (2000) oder „Setz dich - Sit down“ (2003). Zudem wurde eine „Intermezzo“-Reihe ins Leben gerufen, die Sammlern oder auch Studierenden der Fachhochschule Hannover, Studiengang „Design und Medien“, Raum für eigene Präsentationen gibt.
[Bearbeiten] Direktoren
- 1888 bis 1908: Carl Schuchhardt, Klassischer Archäologe, Prähistoriker
- 1908 bis 1912: Wilhelm Behncke, Kunsthistoriker
- 1912 bis 1920: Albert Gideon Brinckmann Kunsthistoriker
- 1920 bis 1937: Carl Küthmann, Ägyptologe
- 1938 bis 1945: Ferdinand Stuttmann, Kunsthistoriker
- 1945 bis 1951: Carl Küthmann, Ägyptologe
- 1952 bis 1955: Alfred Hentzen, Kunsthistoriker
- 1955 bis 1969: Irmgard Woldering, Ägyptologin
- 1970 bis 1981: Peter Munro, Ägyptologe
- 1982 bis 1995: Ulrich Gehrig, Klassischer Archäologe
- 1995 bis 1997: Waldemar R. Röhrbein, Historiker
- Seit 1999: Wolfgang Schepers, Kunsthistoriker
[Bearbeiten] Literatur
- Ulrich Gehrig (Hrsg.): 100 Jahre Kestner-Museum Hannover. 1889-1989. Kestner-Museum, Hannover 1989, ISBN 3-924029-14-8
- Handschriften des Kestner-Museums zu Hannover (= Mittelalterliche Handschriften in Niedersachsen. 11) / Beschrieben von Helmar Härtel, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04099-8
- Das geheimnisvolle Grab 63 : die neueste Entdeckung im Tal der Könige ; Archäologie und Kunst von Susan Osgood; [anlässlich der Ausstellung "Das Geheimnisvolle Grab 63 - die Neueste Entdeckung im Tal der Könige. Archäologie und Kunst von Susan Osgood" im Ägyptischen Museum der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vom 27. November 2009 bis 30. Mai 2010 und im Museum August Kestner, Hannover vom 1. Juli bis 7. November 2010] = The mysterious tomb 63 / hrsg. von Eberhard Dziobek ... Mit Beitr. von Marianne Eaton-Krauss ... Übers.: Daniela Hofmann ...], Rahden/Westf. 2009
- Simone Vogt: Die Münzen des Augustus im Museum August Kestner : [anlässlich der Ausstellung "Kaiser - Krieger - Schlachtverlierer. Die Münzen des Augustus im Museum August Kestner" vom 25. Juni bis 20. September 2009] / [Hrsg.: Landeshauptstadt Hannover, Der Oberbürgermeister, Museum August Kestner. Bearb. und Red.: Simone Vogt. Übers. des Essays ins Engl.: Daniela Hofmann], Rahden/Westf. 2009
- Die Pflanzen im altägyptischen Garten : ein Bestandskatalog der ägyptischen Sammlung im Museum August Kestner ; [anlässlich der Ausstellung "Unweit von Eden: Altägyptische Gärten - Paradiese der Wüste" im Museum August Kestner Hannover, vom 24. September 2009 bis 10. Januar 2010] / von Christian E. Loeben und Sven Kappel (botanische Texte) sowie mit Beitr. von Dieter Eigner ... [Hrsg.: Landeshauptstadt Hannover, Der Oberbürgermeister ; Museum August Kestner], Rahden/Westf. 2009, ISBN 978-3-86757-452-5
- Werner Seibt: Ein Blick in die byzantinische Gesellschaft : die Bleisiegel im Museum August Kestner, Rahden/Westf 2011
- Britta Rabe: Zwischen Entwurf und Produkt. Die griechisch-römischen Gipsformen aus Ägypten im Museum August Kestner, mit einer CD-ROM der abgebildeten Museumsobjekte (= Philippika. 44), Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-447-06484-2
[Bearbeiten] Reihe Sammlungskataloge des Kestner-Museums Hannover
- 1: Glas. Mittelalter, Biedermeier / Von Christel Mosel, Hannover 1979
- 2: Glas der Antike / Von Ursula Liepmann, Hannover 1982
- 3: Die Sammlung der Siegelstempel im Kestner-Museum Hannover / Von Christoph Battenberg, Hannover 1985, ISBN 3-924029-05-9
- 4: Die byzantinischen Münzen im Kestner-Museum Hannover / Von Joachim Raeder, Hannover 1987, ISBN 3-924029-08-3
- 5: Ägyptische Reliefs im Kestner-Museum Hannover / Von Rosemarie Drenkhahn, Hannover 1989, ISBN 3-924029-11-3
- 6: Etruskische Kunst im Kestner-Museum Hannover / Von Wendula Barbara Gercke, Hannover 1996, ISBN 3-924029-25-3
- 7: Die Münzen der Römischen Republik im Kestner-Museum Hannover / Von Frank Berger, Hannover 1989, ISBN 3-924029-12-1
- 8: Die antiken Tonlampen im Kestner-Museum Hannover / Von Alexander Mlasowsky, Hannover 1993, ISBN 3-924029-13-X
- 9: Die antiken Goldmünzen im Kestner-Museum Hannover / Von Frank Berger, Hannover 1991, ISBN 3-924029-15-6
- 10: Die antiken Tesseren im Kestner-Museum Hannover. Jetons, Spiel- und Verteilungsmarken im alten Rom / Von Alexander Mlasowsky, Hannover 1991, ISBN 3-924029-16-4
[Bearbeiten] Reihe Museum Kestnerianum
- 5: Auf den Spuren von August Kestner, Hannover 2003, ISBN 3-924029-33-4
- 7: Olympia - Geld und Sport in der Antike : [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, ein Kooperationsprojekt von Kestner-Museum und Numismatischer Gesellschaft zu Hannover, 19. August bis 14. November 2004] / Kestner-Museum Hannover. [Konzeption und Red.: Manfred Gutgesell; Anne Viola Siebert], Hannover 2004, ISBN 3-924029-36-9
- 9: Fromme Bilderwelten. Mittelalterliche Textilien und Handschriften im Kestner-Museum / Von Thorsten Henke, Hannover 2005, ISBN 3-924029-38-5
- 12: Silber für den Altar. 1900 bis heute. - Die Modellsammlung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers / Von Esther Orant (Katalog) mit Beitr. von Thorsten Albrecht, Hannover 2009, ISBN 978-3-924029-47-0
- 13: 100 Glanzstücke. Europäisches Silber aus 4 Jahrhunderten / Von Tina Pandorf, Hannover 2009, ISBN 978-3-924029-48-7
- 14: August Kestner, Etrurien und die Etruskologie / Von Anne Viola Siebert. Mit einem Beitrag von Christian E. Loeben, Hannover 2010, ISBN 978-3-924029-49-4
- 15: Die Ägypten-Sammlung des Museum August Kestner und ihre (Kriegs-)Verluste / Von Christian E. Loeben. Mit Beitrag von Thorsten Henke, Christian E. Loeben, Barbara Lüscher, Anne Viola Siebert, André Wiese, Rahden/Westf. 2011
- 16: Geschichte(n) in Ton. Römische Architekturterrakotten / Von Anne Viola Siebert. Mit Beiträgen von Sara Beuster und Christian E. Loeben, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-2579-1
- 17: Form + Material = Produkt. Werkstoffe im Design / Von Sieke Ehlers, Hannover 2012, ISBN 978-3-924029-51-7
[Bearbeiten] Weblinks
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Commons: Kestner Museum – Kestner-Museum - Offizielle Website des Museums
- Interaktives 360°-Panoramafoto des Museums und des Umfelds
52.3680555555569.7363888888889Koordinaten: 52° 22′ 5″ N, 9° 44′ 11″ O