Nandi (Mythologie)

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Nandi (Sanskrit नन्दी nandī , m., „der Glückliche“) ein Buckelstier der hinduistischen Mythologie ist das Reittier (Vahana) und treuer Diener Shivas. Er führt dessen himmlisches Gefolge an, die Ganas, und fungiert als Wächter und Schwellenhüter vor jedem Shiva-Linga sowie jedem Shiva-Tempel. In einigen Tempeln dagegen ist er selbst verehrter Mittelpunkt. Er ist auch der Schutzgott der vierbeinigen Tiere und der vier Ecken der Welt. [1]

Ikonographie[Bearbeiten]

Nandi-Statue in Mysore

Die Ikonographie stellt ihn oft als ruhendes Tier dar. Eine beliebte Ikone zeigt ihn, wie er die „Heilige Familie“, bestehend aus Shiva, dessen Gattin Parvati sowie dem Sohn Ganesha, auf seinem Rücken trägt. In seiner anthropomorphen Gestalt tritt er als Nandikeshvara auf, ein Mann mit Stierkopf, drei Augen und vier Armen. Diese Form ähnelt der des Shiva, mit dem Reh in einer Hand und der Streitaxt in der anderen, jedoch nur Nandikeshvara faltet zwei seiner Hände zum Gebet. In völliger Hingabe (Bhakti) verehrt er seinen Herrn.

Mythologie[Bearbeiten]

Die Mythologie nennt Kashyapa als Nandis Vater, der identisch ist mit dem Schöpfergott in Schildkrötengestalt, Prajapati. Als Mutter gilt Surabhi, „Ur-Kuh“ und Wunscherfüllerin. Nandi ist Dharmadevata - Herr des Dharma, Verkörperung des ewigen Gesetzes. Eine der vielen Geschichten erzählt, wie Nandi Dharmadevata eines Tages über die ewig kreisende Unendlichkeit erschrak. In seiner Verzweiflung und auf der Suche nach einem Ausweg gelangte er zu Shiva und warf sich diesem zu Füßen. Er flehte, er möge ihn als Reittier nehmen. In seiner Antwort weist Shiva auf die im Hinduismus angenommene zunehmende Schwäche des Dharma in den verschiedenen Zeitaltern hin: „Das tue ich gern, Herr des Dharma. Im goldenen Zeitalter wirst du ohne Beschwerden auf allen vier Beinen gehen. Im silbernen auf drei und im kupfernen Zeitalter auf zwei Beinen. Im dunklen eisernen Zeitalter wirst du schließlich mühsam auf einem Bein stehen müssen.“

Stiersymbolik[Bearbeiten]

Der Schutz des Rindes gehört zu den grundlegenden Kennzeichen des Hinduismus. Dyaus Pita (Vater Himmel) und Prithivi Mata (Mutter Erde), das älteste Götterpaar der Veden, sind versinnbildlicht durch Stier und Kuh. Die Kuh genießt als lebendiges Tier Verehrung, während der Stier in der hinduistischen Inkonographie als Begleittier mehrerer Gottheiten, wie etwa bei Yama, dem Herrn des Todes und der Rechtschaffenheit, eine große Rolle spielt. Im Kampf der Göttin Durga verkörpert der Stier das durch sie überwundene Übel. Auch die Bedeutung von Shivas Buckelstier scheint gegensätzlich, ist er einerseits der inbrünstige Verehrer Shivas und Verkörperung seiner schöpferischen Aspekte, verkörpert er andererseits wie Shiva Vergänglichkeit und Zerstörung.

Literatur[Bearbeiten]

  • A. und P. Keilhauer: Die Bildsprache des Hinduismus. Dumont Verlag, Köln.
  • Rachel Storm: Die Enzyklopädie der östlichen Mythologie. Edition Xxl, Fränkisch-Crumbach 2000, ISBN 978-3-89736-305-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Storm, Rachel, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Nandi

Siehe auch[Bearbeiten]

Stier (Mythologie)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nandi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien