Parvati

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Parvati mit Ganesha

Parvati (Sanskrit, f., पार्वती, Pārvatī) ist eine hinduistische Muttergöttin, die als die Gattin und Shakti des Shiva und Mutter von Ganesha und Kartikeya (auch Skanda genannt) gilt. Sie ist die Tochter von Himavat, dem Gott des Himalaya und der Apsara Mena (auch Menga genannt) sowie die jüngere Schwester der Ganga, der Göttin vom Ganges. Ihr Name bedeutet „Tochter der Berge“ (skt.: parvata). Parvati verkörpert die treue, geduldige, liebende, hingebungsvolle, liebliche, ideale und gehorsame Ehefrau.[1] Sie ist Personifikation von Gatten- und Mutterliebe.[2] Sie ist der gnädige, mütterliche, gütige, sanfte, fürsorgende, helle, liebende und freundliche Aspekt der Mahadevi, der „großen Göttin“.[3] Zusammen mit ihrem Mann Shiva und ihrem Sohn Ganesha bildet sie das perfekte Beispiel und Vorbild einer idealen Hindufamilie.[4] Parvati hat viele verschiedene Erscheinungsformen, darunter auch Durga und Kali.[5]

Ikonographie[Bearbeiten]

Als Gattin Shivas wird Parvati als liebliche, reich geschmückte, dunkelhäutige[6] Frau dargestellt, mit zwei Armen, in der rechten Hand eine blaue Lotosblüte. Wenn Parvati dagegen unabhängig ist, dann hat sie vier Hände, eine rote und eine blaue geschlossene Lotosblüte und die beiden unteren Hände in der Gnade-gewährenden Handgeste Varada-Mudra sowie der Schutz-gewährenden Abhaya-Mudra. Oft trägt sie dieselben Embleme wie Shiva, etwa Dreizack und Schlange. So wie dieser hat sie ein drittes, energetisches Auge auf der Mitte der Stirn. In ihrem mütterlichen Aspekt trägt sie in vielen Darstellungen ihren Sohn Ganesha auf dem Arm. Populär sind Darstellungen mit Shiva, Parvati, Ganesha und Skanda als Heilige Familie auf dem Berg Kailash. Meistens sind die Reittiere Tiger oder Löwe. Von der Lakshmi ist sie durch das Fehlen des charakteristischen Brustbandes zu unterscheiden. Oft wird sie aber auch in anikonischer Form, in Form einer Yoni („Mutterschoß, Ursprung, Quelle“), die die Form einer Vulva hat, dargestellt, meistens unter einem Lingam, dem phallischem Symbol ihres Mannes.

Mythos[Bearbeiten]

Die Puranas präsentieren Shiva und Parvati als das Elternpaar des Universums und enthalten darum viele verschiedene Mythen im Zusammenhang mit ihrem Eheleben. So traf Parvati der Legende nach eines Tages im Gebirge auf einen schönen Asketen, der um seine erste Gemahlin Sati trauerte. Parvati wusste nicht, dass sie selbst eine Reinkarnation Satis war und erkannte in dem Asketen den Gott Shiva, in den sie sich verliebte. Um ihm gleich zu werden, begann sie ebenfalls ein asketisches Leben zu führen und stand beispielsweise 1000 Jahre auf einem Bein in einem Fluss, bis er als Wanderbettler vor ihr erschien. Er stellte sie auf die Probe und wollte sie verführen. Parvati wurde sehr ärgerlich, woraufhin Shiva sich in seiner wahren Gestalt zeigte. Beide heirateten. Daraufhin zogen sie sich auf den Berg Kailash zurück und begannen mit dem sexuellen Akt, der lange Zeit ununterbrochen andauerte. Dieser Akt soll so intensiv gewesen sein, dass der Kosmos davon erschüttert wurde und die Götter Angst bekamen. Die Götter unterbrachen das Liebesspiel der beiden, und Shivas Samen fiel in den Ganges, aus dem Karttikeya geboren wurde, der dann die Welt vor dem Dämonen Taraka rettete. In anderen Sagen hatte Shiva allein sechs Kinder hervorgebracht, doch Parvati liebte diese Kinder so sehr, dass sie sie eines Tages zu heftig drückte und sie damit zu einem Kind mit sechs Köpfen verschmolz. Dieser Gott wurde später als Kartikeya bekannt.[7] Dadurch wurde sie auch Mutter des Karttikeya.[8] Einen anderen Mythologie zufolge, liebte sie Kartikeya so sehr, dass ihr die Milch zu laufen begann, als sie das göttliche Kind sah.[9]

Im Mythos um den anderen Sohn Ganesha dagegen ist die bekannteste Version jene, in der Parvati ihren Sohn aus eigener Kraft erschafft, ohne Zutun ihres Gatten Shivas. Sie brauchte einen Wächter für ihr Bad und modellierte Ganesha zu diesem Zweck auf ihrem abgeriebenen Körperschorf, Dreck, Schweiß und Blut ihres Körpers, den sie zusammen mit Salben, Ölen und Gangeswasser vermischte und mit Mantras zum Leben erweckte.[10]

Viele Mythen handelt davon, dass Parvati sich vom asketischem Shiva in Stich gelassen und sich deshalb einsam fühlt. Deshalb stiftet sie den Liebesgott Kama dazu an, einen Liebespfeil auf Shiva abzuschießen. Dieser bemerkt die List und verbrennt den Gott zu Asche. Parvati bittet Shiva später den Gott wieder zum Leben zu erwecken.[11]

Einmal hielt Parvati Shiva bei einem Streich die Augen zu. Sofort wurde die Welt dunkel und Shiva ließ sich auf seiner Stirn ein drittes Auge wachsen, mit dem er versehentlich die Wälder des Himalaya niederbrannte. Parvati war sehr traurig darüber und bat Shiva, die Wälder wiederherzustellen.[12]

Ein anderer Mythos erzählt, wie Shiva unzufrieden mit ihrer schwarzen Körperfarbe war und sie damit ärgerte. Parvati übte daraufhin so lange Askese, bis Brahma ihr den Wunsch gewährte eine helle Körperfarbe zu tragen. Fortan nannte sie sich Gauri („die Blonde, Goldene, die Helle, Glänzende, die Weiße“). Aus der abgelegten schwarzen Farbe oder Haut soll die Kali entstanden sein, die anderen Versionen zufolge aus ihrem Zorn entstand.[13]

Parvati ist es, die Shiva zu einem verantwortungsvollen Ehe- und Hausmann, Haushälter und Familienvater macht und ihn zeitweise aus seiner tiefen Meditation reißt. Shiva und Parvati führen im Allgemeinen ein harmonisches, ungestörtes, friedliches Familienleben, mit Ausnahme von kleinen Streitereien und gegenseitigen Beschimpfungen, die aber nicht lange anhalten. Oft spielen sie zusammen ein Würfelspiel, bei dem Shiva sein geliebten Lendentuch verliert und es Parvati zunächst übel nimmt, woraufhin diese ihn auslacht. Einmal soll sie ihm nicht gehorcht haben, woraufhin er sie in eine Fischersfrau verwandelte und zu den Menschen schickte. Nach einiger Zeit verwandelte er sich selbst in einen Fischersmann, gewann Parvati wieder zurück und verzieh ihr.[14]

Bedeutung[Bearbeiten]

Genauso wie Shiva hat Parvati den Doppelaspekt von Erhaltung und Zerstörung. Hauptsächlich verkörpert sie jedoch das Sinnbild der lebenspendenden, lebenserhaltenden Mutter. Andere ihrer Namen sind Amba oder Ambika („Mutter“), Bhagavati („Erhabende“) oder Jagamdamba („Weltmutter“). Als Parvati wird sie niemals zornig dargestellt. Verkörpert sie dagegen den Aspekt der Zerstörung, wird sie Kali oder Durga genannt. Im Shaktismus ist sie die Verkörperung der göttlichen Energie, der Shakti, ohne die der in sich ruhende Gott Shiva seine Funktion nicht erfüllen könnte. Die Schriften benutzen eine Reihe von Bildern und Metaphern, um die komplementäre Identität von Shiva und Shakti zu verdeutlichen. So ist Shiva der Himmel, Parvati die Erde, Shiva das Subjekt, Parvati das Objekt, Shiva die Sonne, Parvati das Licht. Die Ikonographie zeigt darum auch beide in einer einzigen Gestalt als Ardhanarishvara, halb männlich, halb weiblich, wobei Parvati die linke, weibliche Seite und Shiva die rechte, männliche bildet.

Parvati wird jedoch nicht nur als Gattin Shakti des Shiva verehrt, sondern tritt eigenständig in verschiedenen Formen auf, z. B. als Gauri, der Weißlichen, einer Berggöttin, Uma („Gnädige“),[15] oder Annapurna, einer liebevollen Ernährerin aller Wesen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Parvati – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  • Harsha V. Dehejia : Parvati. Goddess of Love. Mapin Publishing, Ahmedabad 1999. ISBN 978-81-85822-59-4
  • Joe Heydecker: Die Schwestern der Venus. Die Frau in den Mythen und Religionen. Heyne, München 1994. ISBN 978-3-453-07824-6
  • Anneliese und Peter Keilhauer: Die Bildsprache des Hinduismus – Die indische Götterwelt und ihre Symbolik. DuMont 1983. ISBN 978-3-7701-1347-7
  • Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati,
  2. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati
  3. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati
  4. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati
  5. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati
  6. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati
  7. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati,
  8. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati,
  9. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati
  10. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati
  11. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati
  12. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati
  13. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati
  14. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2014, Parvati
  15. Rachel Storm, Enzyklopädie der östlichen Mythologie, Reichelsheim 2000, Parvati,