Neapolitanischer Sextakkord

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Dieser Artikel behandelt die musiktheoretische Funktion des neapolitanischen Sextakkords. Für weitere Bedeutungen des Begriffs Neapolitaner siehe Neapolitaner.
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Der Neapolitanische Sextakkord oder kurz Neapolitaner ist ein charakteristischer Seitenklang innerhalb der Mollsubdominante. Dabei wird die Moll-Subdominante der Grundtonart statt mit der Quinte mit der (kleinen) Sexte der Moll-Subdominant-Skala gebildet (im Beispiel in a-Moll: d–f–b statt d–f–a).

Der Auflösung der kleinen Sexte in den Terzton der Dominante der Grundtonart kann noch der Quintton a zwischengeschaltet werden, doch gerade diese verminderte Terz (b'-gis') verleiht der Verbindung sn-D eine besondere, individuelle Färbung. In diesem Zusammenhang wird der Neapolitaner auch als hervorstechender Klang bei besonderen Höhepunkten des Musikstücks benutzt, da er sich von der normalen Kadenz (t-s-D-t) wie ein Überraschungsklang abhebt.

In der Stufentheorie wird der Neapolitaner als Sextakkord der II. Stufe mit tiefalteriertem Grundton gedeutet. Man kann in diesem Zusammenhang auch von der bII. Stufe sprechen. Das Problematische dieser Deutung liegt darin, dass die Erklärung von der II. Stufe aus viel weniger dem Wesen des Akkords entspricht als dessen eigentlicher, subdominantischer (IV. Stufe) Vorhaltsbildung. Anhand der Deutung als Sextakkord der II. Stufe ist jedoch die Namensgebung zu erklären.

Seinen Namen erhielt der Klang wegen seiner häufigen Verwendung in der neapolitanischen Opernmusik des 18. Jahrhunderts (Neapolitanische Schule), bei der er vorerst nur in Molltonarten verwendet wurde und Affekte wie Leid, Trauer und Schmerz symbolisierte. Eine der ersten Verwendungen befindet sich im wehklagenden Schluss des Oratoriums Jephte (der vor der Schlacht gelobte, das Erste, was ihm aus seinem Hause entgegenkomme, zu opfern, nicht ahnend, dass es seine Tochter sein werde) von Carissimi (1645).[1] Aber auch Carlo Gesualdo verwendete ihn schon 1595 in der Schlusskadenz seines Madrigale Languisco e moro.[2]

Seine eigentliche Blütezeit erlebte der Akkord im Hochbarock (Bach, Händel) und in der Wiener Klassik (Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert). Ab der Romantik wurde der Neapolitaner in Dur-Tonarten verwendet (Sn). Dazu wird nicht nur die Sexte der Subdominante, sondern auch die Terz tiefalteriert.

In der späteren Musikgeschichte wird der Neapolitanische Sextakkord auch eingesetzt, um schnell in entfernte Tonarten modulieren zu können. Dieser verselbständigte Neapolitaner wird in der Funktionstheorie mit SN bezeichnet. So wird in a-Moll der Neapolitanische Sextakkord (d–f–b) auch als Umkehrung der Tonika von B-Dur (b-d-f) umgedeutet.

Beispiele[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diether de la Motte: Harmonielehre. 16. Auflage. Bärenreiter, Kassel 2011, ISBN 978-3-7618-2115-2, S. 89
  2. Über die Wirkung des Neapolitanischen Sextakkords - a-Moll, online abgerufen am 12. Januar 2013

Weblinks[Bearbeiten]