Nike (Siegesgöttin)

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Nike (griechisch Νίκη Nike oder Νίκα Nika, Sieg) ist eine Siegesgöttin aus der griechischen Mythologie. Ihre römische Entsprechung ist die Victoria. Zentrum ihres Kultes in Athen war die Akropolis.

Abstammung[Bearbeiten]

Bei Hesiod[1] und in der Bibliotheke des Apollodor[2] ist Nike die Tochter der Styx und des Pallas, ihre Geschwister sind Bia, Zelos und Kratos. Gemeinsam halfen sie Zeus im Kampf gegen die Titanen. In einem orphischen Hymnus wird Ares als ihr Vater genannt.[3] Hyginus nennt als Eltern der Victoria ebenfalls Styx und Pallas, ihre Geschwister sind Scylla, Vis, Invidia, Potestas, Fontes und Lacus.[4]

Darstellungen[Bearbeiten]

Auf Vasenbildern, in der Reliefplastik, in der Toreutik und auch als Architekturelemente, wie Akrotere, finden sich in den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts v. Chr. unterschiedliche Nikedarstellungen. Im Laufe des 5. Jahrhunderts v. Chr. avanciert Nike zu einem offiziellen Siegesmonument.

In der Kunst wird sie bis auf eine Ausnahme immer geflügelt dargestellt. Häufig bildete man sie auf zum Gedenken an große Siege errichteten Denkmalen ab, wo Zeus oder Athene ihr Abbild auf der Hand tragen, um so zu zeigen, dass jene Götter den Verehrern dieser Statuen den Sieg gewährt hatten.

In der rotfigurigen Vasenmalerei erscheint sie in unterschiedlichen Funktionen, beispielsweise als Spenderin beim Opfer[5] mit einem Dreifuß[6], als auch im sepulkralen Kontext[7], als Begleiterin von agonalen Wettkämpfen[8], als Attribut einer siegbringenden Gottheit oder, wie auf einem Bronzeblech des frühen 5. Jahrhunderts v. Chr. dargestellt, als Wagenlenkerin eines Viergespanns. Oft wird die Nike auch als Akroter verschiedener Heiligtümer dargestellt. So trägt eine Akroternike des Asklepiosheiligtums in Epidauros als erklärendes Attribut ein Rebhuhn in ihrer Hand [9].

Aus der Ikonographie lässt sich kein eindeutiger Aufgabenkreis der Nike erkennen. Auch ändert sich mit dem Ende der Archaik die beinahe stereotype Darstellungsweise der Nike im Knielaufschema, sodass neben weiteren aufkommenden Bewegungsmotiven auch der Wirkungsbereich der Nike wächst[10]. Die Darstellung in Verbindung mit einem militärisch errungenen Sieg bildet in der Vasenmalerei allerdings nur einen geringen Aspekt ihres Wesens.

In der Rundplastik hingegen ist dieser Punkt der einzige Aspekt, der Beachtung findet. Dies ergibt sich aus der Aufstellung der Nikedarstellungen als Anatheme. Hier erscheint sie als Einzelfigur ohne Attribute.

Man sieht Nike mit verschiedenen Gegenständen: Manchmal mit einer Kithara (Lyra) und einer Phiale, mit einem Thymiaterion (Weihrauchbrenner) und einer Blume, mit einer Schärpe oder mit einem Krug (Oinochoe) beim Trankopfer am Altar.

Keine Flügel hat aber die Warschauer Nike – ein Denkmal unweit der Warschauer Altstadt, das Helden Warschaus 1939–1945 gewidmet worden ist. Das 1964 aufgestellte und in den 1990er Jahren umgestellte Denkmal ist eine Anspielung an das tragische Schicksal Warschaus: Die gestürzte Siegesgöttin hebt mit letzter Kraft ein Schwert hoch. Sie liegt schon am Boden und dennoch kämpft sie weiter – denn sie ist unbesiegbar. Damit ist die Nike in Warschau eine Allegorie der „Unbesiegten Stadt“ samt ihren tapferen Einwohnern.

Bilder[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexandra Gulaki: Klassische und Klassizistische Nikedarstellungen. Untersuchungen zur Typologie und zum Bedeutungswandel. (Diss. Univ., Bonn 1981)
  • Cornelia Isler-Kerényi: Nike. Der Typus der laufenden Flügelfrau in archaischer Zeit. Rentsch, Erlenbach-Zürich u. a. 1969. S. 95ff. (Diss., Zürich).
  • Walter Pötscher: Nike 1). In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 4, Stuttgart 1972, Sp. 100 f.
  • Cornelia Thöne: Ikonographische Studien zu Nike im 5. Jahrhundert v. Chr. Untersuchungen zur Wirkungsweise und Wesensart (= Archäologie und Geschichte 8). Verlag Archäologie und Geschichte, Heidelberg 1999, ISBN 3-9804648-2-2 (Zugleich: Heidelberg, Univ., Diss., 1992).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nike – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Nike – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hesiod: Theogonie 383.
  2. Bibliotheke des Apollodor 1, 9.
  3. Orphischer Hymnus 88, 4.
  4. Hyginus: Fabulae Einleitung
  5. Thöne 1999, S. 28 f.
  6. Att. rf. Glockenkrater, um 420 v. Chr.; LIMC VI (1992) 585 Abb. 335 s.v. Nike (A. Goulaki-Voutira)
  7. Att. wgr. Lekythos, um 420/400 v. Chr.; LIMC VI (1992) 587 Abb. 366 s.v Nike (A. Goulaki-Voutira)
  8. Att. rf. Skyphos, um 440 v. Chr.; LIMC VI (1992) 583 Abb. 318 s.v. Nike (A. Goulaki-Voutira)
  9. LIMC VI (1992) 573 Abb. 144 s.v. Nike (A. Goulaki-Voutira)
  10. Thöne 1999, S. 27.