Nikolai Kapustin

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Nikolai Girschewitsch Kapustin (russisch Николай Гиршевич Капустин; * 22. November 1937 in Gorlowka, Ukrainische SSR, heute Horliwka, Ukraine) ist ein ukrainischer Komponist und Pianist.

Leben[Bearbeiten]

Nikolai Kapustin studierte Klavier bei Awrelian Rubach, einem Schüler von Felix Blumenfeld, der auch Simon Barere und Vladimir Horowitz unterrichtete, und später bei Alexander Goldenweiser am Moskauer Konservatorium, bei dem er 1961 sein Diplom ablegte.

Bereits in den späten 1950er Jahren machte er sich als exzellenter Jazz-Pianist, Arrangeur und Komponist einen Namen. Er hatte zeitweilig ein eigenes Quintett und war gleichzeitig Mitglied von Juri Saulskys Bigband in Moskau. In den Jahren 1961 bis 1972 unternahm er mit dem Orchester von Oleg Lundstrem zahlreiche Tourneen durch die Sowjetunion. Für Lundstrems Bigband entstanden auch einige der größeren Werke Kapustins.

Kapustin lebt seit seiner Studienzeit in Moskau. Der in den USA lehrende Physiker Anton Kapustin ist sein Sohn.

Werk[Bearbeiten]

In seinen Kompositionen vereinigt er verschiedene Einflüsse, indem er Jazzausdrücke in formelle klassische Strukturen bringt. Ein besonderes Beispiel ist seine Suite in the Old style op. 28 (1977), welche zur Klangwelt der Jazz-Improvisation gehört, aber zugleich nach den Prinzipien barocker Suiten, wie zum Beispiel den Partiten für Klavier von Johann Sebastian Bach, aufgebaut ist. Ein weiteres Beispiel sind seine 24 Präludien und Fugen op. 82, entstanden 1997, und die Sonatina op. 100.

Kapustin sieht sich selbst eher als Komponist denn als Jazzmusiker. Er sagt: „Ich war nie ein Jazzmusiker. Ich habe nie versucht, ein wahrer Jazzpianist zu sein, aber ich musste es sein, um des Komponierens willen. Ich interessiere mich nicht für Improvisation – und was wäre ein Jazzmusiker ohne Improvisation? Alle Improvisation meinerseits ist natürlich niedergeschrieben und sie ist dadurch viel besser geworden; es ließ sie reifen.“

Sein Werk umfasst u. a. 16 Klaviersonaten, 6 Klavierkonzerte, weitere Instrumentalkonzerte, Sammlungen von Klaviervariationen, Etüden und Konzertstudien.

Interpretationen[Bearbeiten]

Kapustins Schaffen war selbst in seiner Heimat lange Zeit kaum bekannt. Einer der Wenigen, der es kannte und schätzte, war Nikolai Petrow, der auch ein Werk Kapustins für die Schallplatte einspielte. International bekannt wurde er aber erst, als der Pianist Steven Osborne im Jahre 2000 eine CD mit Werken Kapustins veröffentlichte, die mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde. Daraufhin nahmen auch andere Pianisten seine teilweise extrem virtuosen Werke in ihr Repertoire auf und verbreiteten sie auf CDs. Zu nennen sind John Salmon, Marc-André Hamelin, Konstantin Semilakovs, Myron Romanul, Christopher Park, der blinde japanische Pianist Nobuyuki Tsujii sowie die chinesischen Pianistinnen Shan-shan Sun und Yuja Wang. Einige seiner Klavierwerke hat auch Kapustin selbst für die Schallplatte eingespielt.

Weblinks[Bearbeiten]