Notbremsassistent

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Multi-Sensor Notbremsassistent: radar (blau) und Stereokamera (rot)

Ein Notbremsassistent ist ein „intelligentes“, „vorausschauendes“ Fahrerassistenzsystem für Kraftfahrzeuge, das bei Gefahr vorbeugend eine Notbremsung unterstützt oder selbsttätig einleitet. Zusätzlich können weitere Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden.

Funktion[Bearbeiten]

Auffahrwarnung

Zur Erkennung einer Gefahrensituation werden verschiedene Sensoren, die meist auch für andere Funktionen eingesetzt werden, verwendet. Wichtige Sensoren sind Abstandssensoren, Kameras, Beschleunigungssensoren, Lenkwinkel und Pedalstellungen. Wird über diese Sensoren ein drohender Unfall ermittelt, werden je nach System verschiedene Maßnahmen getroffen, um den Unfall zu vermeiden oder zumindest die Folgen für Insassen und Unfallbeteiligte zu reduzieren. Je nach System wird der Fahrer nur gewarnt, Entscheidungen des Fahrers werden situationsgerecht interpretiert oder es werden selbständig Entscheidungen getroffen.

Auffahrwarnung[Bearbeiten]

Ein Auffahrwarner stellt die einfachste Form eines Notbremsassistenten dar. Ein Auffahrwarner erkennt meist per Kamera seltener auch via Radar- oder Lidarsensor, den Abstand, in Grenzen auch die Geschwindigkeitsdifferenz, zu anderen Fahrzeugen und warnt den Fahrer, wenn die Gefahr einer Kollision erkannt wird. Der Bremsvorgang des Fahrzeugs wird nicht beeinflusst. In Deutschland wurde ein solches System zuerst im Jahr 2003 eingeführt.[1]

Notbremsassistent[Bearbeiten]

Ein Notbremsassistent stellt eine Erweiterung der Auffahrwarung durch die Kopplung mit einem Bremsassistenten dar. Er berücksichtigt meist weitere oder genauere Sensoren als die Auffahrwarnung. Häufig wird hier eine bessere Kamera mit Sensoren für die Pedalstellungen kombiniert. Der Assistent ist so in der Lage das Verhalten des Fahrers entsprechend der Situation besser einzuschätzen und den Fahrer bei der Bewältigung von schwierigen Situationen zu unterstützen. Erkennt der Notbremsassisten beispielsweise eine kritische Situation für eine Notbremung auf Grund eines schnell losgelassenen Gaspedals und kräftig betätigten Bremspedals, wird sofort der volle Bremsdruck, der für eine maximale Verzögerung notwendig ist, aufgebaut. Zusätzlich können je nach System weitere Maßnahmen zum Insassenschutz getroffen werden.

Autonome Notbremsung[Bearbeiten]

Ein autonomes Notbremssystem stellt wiederum eine Erweiterung des Notbremsassistenten dar. Auch hier stehen meist weitere und genauere Sensoren gegenüber dem Notbremsassistenten zur Verfügung. Beispielsweise wird für eine sichere Erkennung des Abstands zum Vordermann und dessen Geschwindigkeit häufig ein Radarsensor verbaut, der für die einfacheren Systeme nicht erforderlich ist. Die Genauigkeit der aus den Sensoren ermittelten Daten erlaubt eine Umkehrung der Initiative. Nicht der Fahrer löst das System aktiv aus wie noch beim Notbremsassistent sondern der Fahrer kann das System übersteuern. Führt der Fahrer keine Aktion durch, wird das System selbständig aktiv und bremst das Fahrzeug ab.

Bei der Erkennung einer kritischen Situation, beispielsweise auf Grund eines zu schnell zu klein werdenden Abstands zum Vordermann und der Gefahr eines Auffahrunffalls, wird der Fahrer in einer ersten Stufe visuell und akustisch gewarnt. Reagiert der Fahrer nicht auf die Warnungen des Systems, leitet das Gerät zunächst eine deutliche Geschwindigkeitsreduktion (Teilbremsung) ein. Wenn der errechnete Abstand zu gering wird, und der Fahrer immer noch nicht reagiert hat, wird eine Vollbremsung ausgelöst, um die Wucht des Aufpralls bei der Kollision mit dem Hindernis zu vermindern, im Idealfall komplett zu vermeiden. Diese Maßnahmen werden meist von weiteren Maßnahmen zum Insassenschutz begleitet. In Deutschland wurde ein solches System erstmals im Jahr 2006 eingeführt.[2]

„Adaptive Cruise Control“ für den „Active Brake Assist“

Lastkraftwagen[Bearbeiten]

Bei schweren LKW ist der Notbremsassisten häufig mit dem Abstandsregeltempomat kombiniert, welcher hier deutlich häufiger als bei PKW verbaut wird. Hierdurch kann die Zahl der Auffahrunfälle signifikant reduziert werden.

Insassenschutzsystem[Bearbeiten]

Ein Insassenschutzsystem erkennt potentiell gefährliche Situationen wie Schleudern, starkes Über- oder Untersteuern oder zu geringer Abstand. Es reagiert darauf indem es bereits vor dem möglichen Ernstfall die mechanischen Gurtstraffer reversibel vorspannt, Sitze in eine aufrechte optimale Position bringt sowie Fenster und Schiebedach schließt. Je nach Ausstattung des Fahrzeugs können auch umklappbare Kopfstützen aufgestellt oder Massagesysteme in Sitzen für besseren Halt verwendet werden.

Weitere Adaptionen[Bearbeiten]

Ein 2013 von Studenten gedrehter Film im Stile eines Werbespots, der für den Deutschen Nachwuchspreis First Steps nominiert wurde, führte zu einem Konflikt mit Daimler. Der Film, bei dem der Notbremsassistent aussetzt, und das betreffende Fahrzeug darauf Adolf Hitler als kleinen Jungen überfährt, musste im Nachhinein mit Hinweisen versehen werden, nichts mit Daimler zu tun zu haben. Der einminütige Spot erregte größeres Aufsehen in sozialen Netzwerken.[3]

Quellen[Bearbeiten]

  • Trucker Technik Lexikon 2008, Seite 4. Zeitschrift: Trucker.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Radargestütztes Pre-Crash-Sicherheitssystem PCS im Lexus LS
  2. Pre-Safe-Bremse mit Teilbremsung im Mercedes-Benz C 216 und mit Vollbremsung 2009 in der Mercedes-Benz Baureihe 212
  3. Mercedes-Werbespot mit Hitler verärgert Daimler Die Welt, vom 24. August 2013