Novus ordo seclorum

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Novus ordo seclorum (auch saeculorum; Latein für „Neuordnung der Zeit“) ist eines der beiden Mottos auf der Rückseite des Siegels der Vereinigten Staaten, das sich seit 1935 auch auf dem Greenback genannten Ein-Dollar-Schein findet. Das andere Motto lautet Annuit coeptis (lat. für „Er heißt das Begonnene gut“), dazwischen befindet sich das Auge der Vorsehung.

Ursprung und Bedeutung[Bearbeiten]

1782 wurde Charles Thomson mit der Gestaltung des Siegels beauftragt. Er fügte die Worte Novus ordo seclorum ein, um auszudrücken, dass mit der Unabhängigkeitserklärung der USA 1776 eine neue Ära begonnen habe.

Novus ordo seclorum ist eine Anspielung auf die vierte Ekloge des Dichters Vergil aus dem Jahr 40 v. Chr.[1] In diesem dem Schriftsteller und Politiker Gaius Asinius Pollio gewidmeten Gedicht prophezeit der Dichter ein neues Goldenes Zeitalter des Friedens, das mit der Geburt eines Kindes einhergehen solle. Dem Gedicht liegt die zyklische Geschichtsvorstellung eines Weltenjahres zugrunde, das mit der Herrschaft des Saturnus beginne. Diese paradiesische Zeit beginne jetzt von Neuem. So schreibt Vergil in den Versen 5 bis 8 der Ekloge:

Ultima Cumaei venit iam carminis aetas;
magnus ab integro saeclorum nascitur ordo.
iam redit et Virgo, redeunt Saturnia regna,
iam nova progenies caelo demittitur alto.
Schon kam das letzte Zeitalter nach der Prophezeiung der Sibylle von Cumae
und die große Abfolge der Jahrhunderte beginnt von Neuem.
Schon kehrt auch die Jungfrau Astraea zurück, es kehrt zurück die Herrschaft des Saturnus,
schon wird neue Nachkommenschaft vom hohen Himmel gesandt.

Deutungen[Bearbeiten]

Im Mittelalter wurden diese Verse oft als Prophezeiung auf die Geburt Christi gedeutet. Heute sehen manche Verschwörungstheoretiker in dem Motto das Programm einer Neuen Weltordnung angekündigt und glauben in ihm und den Symbolen des Siegels Zeichen der Freimaurer, Illuminaten oder anderer überstaatlicher Mächte zu erkennen. Eine Verwendung der Worte durch die Freimaurer lässt sich indes nicht nachweisen. Neue Weltordnung heißt ins Lateinische übersetzt auch nicht „Novus ordo seclorum“, sondern „Novus ordo mundi“.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim Riecker: „Das Geheimnis der Freiheit ist Mut“. Antike Vorbilder in der amerikanischen Außenpolitik von Theodore Roosevelt bis Bill Clinton. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2006, S. 82.

Weblinks[Bearbeiten]