Ordnungspolitik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ordnungspolitik bezeichnet alle staatlichen Maßnahmen, welche die Rahmenbedingungen des Wirtschaftens setzen und der Erhaltung, der Anpassung oder Verbesserung der Wirtschaftsordnung dienen sollen.[1]

Einordnung innerhalb der Wirtschaftspolitik[Bearbeiten]

Wirtschaftspolitik lässt sich in folgende Bereiche einteilen:

  • Die Ordnungspolitik gestaltet den Ordnungsrahmen, innerhalb dessen die Wirtschaftsprozesse stattfinden.
  • Die Prozesspolitik greift unmittelbar lenkend in die Wirtschaftsprozesse ein.

Aufgaben[Bearbeiten]

Die Ordnungspolitik schafft einen Rahmen, in welchem marktwirtschaftliche Kräfte wirken können, und zielt darauf, wirtschaftliche Machtkonzentrationen zu verhindern.

Ordnungspolitik ist insbesondere:

  1. die Gestaltung der Eigentumsordnung
  2. die Regelungen zur Sicherstellung wirtschaftlichen Wettbewerbs (Wettbewerbsrecht insbesondere das Kartellverbot, das Verbot von Absprachen u.ä., Kontrolle der Werbe- und Verkaufspraktiken etc.)
  3. die Gestaltung des Vertrags- und Haftungsrechts[2]

Ordnungspolitik als wirtschaftspolitische Strategie[Bearbeiten]

  • Wirtschaftspolitische Konzepte wie z. B. der Ordoliberalismus sehen in der Ordnungspolitik die wichtigste Aufgabe der Wirtschaftspolitik. Der Staat solle sich hauptsächlich auf die Gestaltung der Wirtschaftsordnung beschränken, während die Wirtschaftsprozesse weitgehend durch den Marktmechanismus gesteuert werden sollen.
  • Das Wirtschaftssystem der Sozialen Marktwirtschaft beinhaltet eine Wirtschaftspolitik in Form von Ordnungspolitik und von Prozesspolitik.[3]
  • Das wirtschaftspolitische Konzept z. B. des Keynesianismus beinhaltet auch eine weitreichende Prozesspolitik durch den Staat.
  • Konjunkturpolitische Maßnahmen wie Angebotspolitik und Nachfragepolitik sind Formen von Prozesspolitik.[4]

Lehrfach an Universitäten[Bearbeiten]

Ordnungspolitik ist ein Teilgebiet der Volkswirtschaftslehre und der Politikwissenschaft.

Jahrzehntelang galt die Universität zu Köln als Hochburg der ordoliberalen Wirtschaftspolitik. Die räumliche Nähe zur damaligen Bundeshauptstadt Bonn begünstigte die Praxisnähe von Forschung und Lehre. Bekannte Professoren sind bzw. waren:

  • Juergen B. Donges war 1989–2007 Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften und Wirtschaftspolitik an der Universität zu Köln und ist (Stand 2010) einer der Direktoren des Instituts für Wirtschaftspolitik (IWP).

2009 veröffentlichten etwa 80 Professoren der Volkswirtschaftslehre in der FAZ einen Aufruf zur Rettung der ordnungspolitischen Richtung.[6]


Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schubert, Klaus/Martina Klein, Das Politiklexikon, 4. Aufl., 2006, Stichwort Ordnungspolitik
  2. Schubert, Klaus/Martina Klein, Das Politiklexikon, 4. Aufl., 2006, Stichwort Ordnungspolitik
  3. Wolfgang Cezanne, Allgemeine Volkswirtschaftslehre, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 6. Auflage 2005, ISBN 3-486-57770-0, Seite 75
  4. Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Prozesspolitik
  5. Müller-Armack arbeitete seit 1952 im Wirtschaftsministerium unter Ludwig Erhard als Leiter der Grundsatzabteilung. Von 1958 bis 1963 war er Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten.
  6. hwwi.org 12. Mai 2009 (PDF; 109 kB)