Ortsgeschichte
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Unter Ortsgeschichte versteht man die Vergangenheit einer Ortschaft, eines Dorfes, einer Stadt oder eines regional definierten Gebietes, sowie die diesbezügliche Geschichtsschreibung. Von der Ortsgeschichte zu unterscheiden ist die Stadtgeschichte als geschichtswissenschaftliche Disziplin.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Heimatgeschichte
Die Heimatgeschichte ist die Geschichte des lokalen Erfahrungsbereiches. Dieser Erfahrungsbereich reicht von der Alltagsgeschichte bis zur Chronik der Gemeinde, in der Menschen leben oder aus der sie stammen. Die Geschichte der engeren Heimat wird sehr oft nicht von studierten Historikern geschrieben, sondern von Heimatforschern, Laien bzw. Amateuren, die sich Grundkenntnisse selbst angeeignet haben.
Neben einer Ortschronik ist ein Ortsfamilienbuch eine der wesentlichen Leistungen, die von Personen erbracht werden, die sich in ihrer Freizeit oder als Rentner der Heimatgeschichte widmen. Inwieweit „Geschichte“ auch in mündlicher Überlieferung, in Form von Märchen und Sagen erhalten wird, ist fraglich.
[Bearbeiten] Ortschaften/Dörfer
Dorfchroniken sind Teil der Lokal- und Regionalgeschichte. Die ältesten Formen waren die Schul- und Kirchenchroniken. Hierbei handelte es sich um kontinuierlich chronologisch geführte Aufzeichnungen, die den Namen Chronik wirklich verdienen. Diese Chroniken wurden vom Lehrer oder Küster geführt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte das Führen von Schulchroniken zu den Pflichten der Dorflehrer.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Heimatgeschichte in Deutschland verpönt, weil sie durch den Nationalsozialismus in Verruf geraten war. Im Zuge dieser Entwicklung wurden viele Chroniken nicht mehr weitergeführt.
Eine Renaissance erlebte Heimatgeschichte im Zuge der 68er-Bewegung. Zunächst ging es nur um die verschwiegenen und vertuschten Verbrechen der Väter und Großvätergeneration im Nationalsozialismus. Bald danach wurden die ersten Geschichtswerkstätten gegründet. In ihnen wurde oft unter fachkundlicher Anleitung von Laien Material gesammelt und archiviert. Ergebnisse dieser Sammelarbeit wurden publiziert. Das waren aber noch keine Dorfchroniken.
Dorfchroniken werden heute noch oft von pensionierten Lehrern oder Bürgermeistern geschrieben. Sie sind aber eigentlich keine Chroniken mehr, sondern eher Dorfgeschichten.
Das Thema Nationalsozialismus wird in Dorfchroniken häufig als Tabuthema behandelt. Das liegt vermutlich an der Tatsache, dass die Autoren in das Sozialgefüge eines Dorfes fest eingebunden sind und sich deshalb scheuen, politisch Belastete namentlich zu nennen. Das liegt aber auch vielleicht an der teilweise schlechten Quellenlage. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Archivrecht. Noch heute sind nicht alle Akten aus der Zeit des Nationalsozialismus in den staatlichen Archiven frei zugänglich, weil das Persönlichkeitsrecht über das Informationsrecht gestellt wird. So gibt es z. B. in Niedersachsen erst seit 1993 ein Archivgesetz. Danach dürfen personenbezogene Daten erst zehn Jahre nach dem Tod der Person, oder, wenn das Datum nicht leicht feststellbar ist, 100 Jahre nach der Geburt zugänglich gemacht werden.
[Bearbeiten] Städte
Die Stadtarchive mit ihrer oft reichhaltigen Überlieferung, z. B. den Bürgerbüchern, haben oft Stoff für beispielhafte Untersuchungen gegeben. Chroniken von Städten haben oft historische Relevanz, und zu dem eine umfangreiche Komplexität, und werden deshalb meist von Historikern erabeitet.
[Bearbeiten] Quellen und Literatur
Quellen der Stadt- und Ortsgeschichtsforschung sind Chroniken, Urkunden und Akten, Fotografien und auch Interviews mit Zeitzeugen (Methode „Oral History“ aus der Sozial- und Mentalitätsgeschichtsforschung). Wichtig sind auch Lokalzeitungen.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Literatur
- Carl-Hans Hauptmeyer: Heimatgeschichte heute. In: Hauptmeyer, Carl-Hans (Hrsg.): Landesgeschichte heute. Göttingen; 'Vandenhoeck und Ruprecht 1987, S. 77-96.
- Georg Hering: Personen- und Familienkunde, eine notwendige Voraussetzung zur einem tieferen Verständnis der Ortsgeschichte. Hessische Chronik 18 (1931), S. 1-19 und 27-52.
- Ulrike Kerschbaum / Erich Rabl (Hg.): Heimatforschung heute. Referate des Symposions "Neue Aspekte zur Orts- und Regionalgeschichte" vom 24. bis 26. Oktober 1987 in Horn, Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes Band 29, Horn 1988. ISBN 3-900708-03-7
- Karl Heinz Schneider: Die Arbeit mit Fachliteratur. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte. Hannover: Landbuch-Verlag 1987, ISBN 3-7842-0359-0 (= Schriften zur Heimatpflege. Veröffentlichungen des Niedersächsischen Heimatbundes 1).

