Osterlachen

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Osterlachen (lateinisch risus paschalis), auch Ostergelächter, bezeichnet den Brauch, in der Predigt an Ostern die Teilnehmer an einem Gottesdienst zum Lachen zu bringen. In einigen Regionen − vor allem in Bayern − war es vom 14. bis 19. Jahrhundert ein fester Bestandteil des christlichen Brauchtums.

Geschichte[Bearbeiten]

Über die Entstehungsgründe gibt es keine Quellen. Das Osterlachen ist die einzige Form, in der das Lachen in die christliche Liturgie einbezogen wurde. Allerdings wird das Osterlachen in offiziellen kirchlichen Verlautbarungen, z.B. päpstlichen Bullen, Enzykliken oder Beschlüssen eines Konzils, niemals genannt.[1]

Zum Brauch gehörte es (insbesondere im Spätmittelalter), in der Osterpredigt eine Geschichte zu erzählen, die die Gemeinde zum Lachen brachte. Diese Geschichten wurden als Ostermärchen oder Ostermärlein bezeichnet.

Grundanliegen des Osterlachens war es, die Osterfreude zum Ausdruck zu bringen. Es sollte die Überlegenheit und der Sieg über den Tod symbolisiert werden, der sich an Christus „verschluckt“ hat und der Lächerlichkeit preisgegeben ist. Das Osterlachen war auch eine Art, in lustiger Form Kritik an der weltlichen oder kirchlichen Obrigkeit zu üben. Als exemplarisch dürfte der Predigtstil des Wiener Hofpredigers Abraham a Sancta Clara gelten. Heutzutage erinnern an diesen Brauch manche Faschingspredigten am Karnevalssonntag, dem Sonntag vor Aschermittwoch (etwa die Kölsche Mess).

Da im Spätmittelalter auch mit obszönen Handlungen und Worten versucht wurde, die Gemeinde zum Lachen zu bringen, stieß das Osterlachen im Protestantismus auf scharfe Kritik. So geht der Begriff risus paschalis zurück auf den Reformator Johannes Ökolampad, der einen Brief gegen diesen Brauch geschrieben hatte, welcher 1518 von Wolfgang Capito veröffentlicht wurde.

Im 18. Jahrhundert wurde das Osterlachen immer seltener, irgendwann hielten sich nur noch die Ostermärlein. Die Regensburger Diözesankonstitutionen von 1835 verbannten „Fabeln, gereimte Dichtungen und Obskures" aus den Predigten. Die Diözese Regensburg ist dabei wohl nur ein Beispiel, ähnliche Anordnungen ließen sich wahrscheinlich auch in den Konstitutionen anderer Diözesen finden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hanns Fluck: Der Risus paschalis. Ein Beitrag zur religiösen Volkskunde. In: Archiv für Religionswissenschaft. (ARW). 31/1934, S. 188−212[2]
  • Maria Caterina Jacobelli: Il risus paschalis e il fondamento teologico del piacere sessuale. Editrice Queriniana, Brescia 1990
    • Deutsche Ausgabe: Ostergelächter. Sexualität und Lust im Raum des Heiligen. Aus dem Italienischen übersetzt von Fortunat Sommerfeld. Pustet, Regensburg 1992, ISBN 3-7917-1317-5.
  • Lenz Prütting: Homo ridens. Eine phänomenologische Studie über Wesen, Formen und Funktionen des Lachens. Band 1. Alber, Freiburg im Breisgau, ISBN 978-3-495-48602-3, S. 556−588
  • Stefanie Wolff: Todesverlachen: das Lachen in der religiösen und profanen Kultur und Literatur im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Dissertation Universität Bochum. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-631-58753-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Osterlachen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Ostergelächter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lenz Prütting: Homo ridens. Eine phänomenologische Studie über Wesen, Formen und Funktionen des Lachens. Band 1. Alber, Freiburg im Breisgau, S. 556.
  2. Lenz Prütting: Homo ridens. Eine phänomenologische Studie über Wesen, Formen und Funktionen des Lachens. Band 1. Alber, Freiburg im Breisgau, S. 586.