Gottesdienst

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zur Zeitschrift siehe Gottesdienst (Zeitschrift).

Ein Gottesdienst ist eine Zusammenkunft von Menschen mit dem Zweck, mit Gott in Verbindung zu treten, mit ihm Gemeinschaft zu haben, Opfer zu bringen, Sakramente zu empfangen bzw. eine auferlegte religiöse Pflicht zu erfüllen. Er kann in einer eigens vorgesehenen Räumlichkeit (Kirche, Synagoge, Moschee, Pagode, Tempel, Königreichssaal etc.) stattfinden, wie auch im häuslichen Bereich oder in freier Natur.

Das deutsche Wort Gottesdienst entspricht dem lateinischen Begriff cultus (Kultus, „Verehrung“) und bezieht sich vornehmlich auf religiöse Feiern im Christentum, wird jedoch auch für andere Religionsgemeinschaften verwendet, die gemeinsame Gebete verrichten, wie das Judentum und den Islam.

Oft folgt ein Gottesdienst einem Ritus, der durch einen überlieferten Ablauf oder durch Festsetzung durch eine religiöse Instanz vorgegeben ist, wie etwa die katholische Liturgie oder die evangelische Agende. Bei entsprechenden Zielsetzung werden jedoch auch spontane oder wenig strukturierte Zusammenkünfte als Gottesdienst bezeichnet.

Hinweis auf örtliche Gottesdienste (hier: Ilmenau) der verschiedenen christlichen Konfessionen am Ortseingang

Judentum[Bearbeiten]

Morgengebet (Schacharit) in der Hurva-Synagoge in Alt-Jerusalem

Im Judentum sind das, was man allgemein als Gottesdienste bezeichnet, gemeinsame Gebete von Juden nach einer vorgegebenen Ordnung. Der deutsche Begriff Gottesdienst ist nicht wirklich zutreffend, da das gesamte traditionelle (orthodoxe) jüdische Leben ein Dienst an und vor dem ein-einzigen Gott, ein Gottesdienst ist. Das Gebetbuch heißt Seder Tefilah (hebräisch: ‚Ordnung [des] Gebets‘) oder Siddur (hebräisch: ‚Ordnung‘).[1]

Die gemeinsamen Gebete können in einer Synagoge oder in einem dafür eingerichteten Betraum, oder auch zu Hause stattfinden.[2] Die Gebetsordnung ist je nach jüdischer Denomination und Region verschieden. Man unterscheidet beispielsweise zwischen orthodoxem und liberalem, aschkenasischem und sephardischem, aber auch etwa zwischen deutschem oder polnischem Ritus. Im orthodoxen Judentum werden traditionell nur erwachsene Männer, die den Schabbat halten und beachten, zur Betgemeinde gezählt, aber auch Frauen können in einer separaten Loge oder Empore beten. Im Gottesdienst von konservativen und liberalen Reformgemeinden sind Frauen den Männern oft gleichgestellt, es gibt hier auch weibliche (Reform-)Rabbiner und Chasanot.

Für gewisse Gebete ist ein Quorum (Minjan) von zehn erwachsenen männlichen Personen erforderlich, die den Schabbat halten und beachten. Knaben erreichen ihre Volljährigkeit mit dreizehn, Mädchen mit zwölf Jahren. In orthodoxen, ausnahmsweise auch in konservativen und liberalen Gemeinden, zählen traditionell nur Männer zum Minjan. In den meisten konservativen und in allen Reform- und rekonstruktionistischen Gemeinden in Nordamerika und in vielen liberalen Gemeinden in Europa zählen neuzeitlich auch Frauen zum Minjan und die Einhaltung und Beachtung des Schabbat wird nicht mehr gefordert.[3] Dem deutschen progressiven Judentum angehörende Gemeinden verzichten oft ganz auf ein Quorum.[4]

In allen Denominationen und Richtungen des Judentums finden sich am Schabbat und an den Feiertagen Betgemeinden am Vorabend und am Vormittag, meist auch zum Ausgang am Abend zusammen, am Jom Kippur, dem Versöhnungstag und höchsten Feiertag im jüdischen Jahreskreis, auch am Nachmittag. In orthodoxen und einigen konservativen oder liberalen Gemeinden werden auch an den Wochentagen drei mal am Tag gemeinsame Gebete gehalten.

Die gemeinschaftlichen Gebete sind eingeteilt in Abendgebet (Maariv), Morgengebet (Schacharit) und Nachmittaggebet (Mincha), am Schabbat und Feiertagen wird am Vormittag das Mussafgebet eingeschaltet, am Versöhnungstag Jom Kippur zusätzlich spätnachmittags noch das Neilahgebet als Abschluss.

Am Schabbat und an den Feiertagen, in einigen Gemeinden auch montags und donnerstags, den früheren israelischen Markttagen, erfolgt morgens eine Lesung aus der Tora, an Fasttagen auch am Nachmittag, und am Tora-Freudenfest Simchat Tora wird in einigen Gemeinden bereits am Vorabend aus der Tora gelesen.[5]

Christentum[Bearbeiten]

Geschichtliche Entwicklungen[Bearbeiten]

Gottesdienstliche Zusammenkünfte der christlichen Gemeinde gab es von Anfang des Christentums an. Bereits in den Paulusbriefen und in der Apostelgeschichte werden verschiedene Formen erwähnt. Ein Beispiel für den urchristlichen Gottesdienst findet sich in 1 Kor 14,26 EU: „Wenn ihr zusammenkommt, hat jeder etwas mitgebracht: Der eine singt ein Lied, ein anderer legt die Heiligen Schriften aus. Wieder ein anderer spricht in Sprachen des Geistes, und ein anderer hat eine Erklärung dazu.“ Der Begriff „Gottesdienst“ (griechisch λειτουργία leitourgia) wird für diese Versammlungen der Gemeinde nicht benutzt. Wenn im Neuen Testament von Gottesdienst gesprochen wird, geht es entweder um den Tempelgottesdienst des Alten Testaments oder um die Aufforderung, das gesamte Leben als Gottesdienst zu begreifen (Röm 12,1–2 EU).

Im 2. Jahrhundert kam es zu einer liturgischen Ausbildung der gottesdienstlichen Zusammenkünfte. Justin der Märtyrer († 165) zum Beispiel beschrieb einen christlichen Gottesdienst mit Leseordnung, Predigt, Fürbittgebet und Eucharistiefeier. Daraus entwickelten sich mit der Zeit besondere priesterliche Ämter, die schließlich zu einer Unterscheidung der Gemeinde in Klerus und Laien führte. Die Architektur der gottesdienstlichen Räume im Mittelalter spiegelt diese Trennung; der Altarraum – durch einen Lettner vom Rest des Kirchenraumes getrennt – war den Geistlichen vorbehalten, während die anderen Gemeindemitglieder immer mehr zu Zuschauern und Zuhörern des gottesdienstlichen Geschehens wurden. Andere spätantike und frühmittelalterliche Sonderformen (Stationsgottesdienst) leben heute in Prozessionen fort.

Die Reformation versuchte diese Entwicklung rückgängig zu machen. Die reformatorischen Täufer und freikirchlichen Bewegungen der Neuzeit wie Baptisten, Freie evangelische Gemeinden und viele Pfingstgemeinden hoben die gottesdienstliche Trennung zwischen Geistlichen und Laien vollends auf. Auch das Zweite Vatikanische Konzil der Römisch-Katholischen Kirche wies den Laien wieder einen aktiven Platz im Gottesdienstgeschehen zu. In den orthodoxen Kirchen wurde diese Rückbesinnung auf den urchristlichen Gottesdienst bisher nicht nachvollzogen.

Die Zahl der Teilnehmer am sonntäglichen Gottesdienst nimmt in der Bundesrepublik Deutschland ab und betrug nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) im Jahr 2003 nur noch 3,98 Millionen Menschen gegenüber 6,19 Millionen Teilnehmern im Jahr 1990. Statistisch gingen im Jahr 2005 ein Drittel der Befragten aus Prinzip nicht in die Kirche, weitere 30 Prozent nur zu Weihnachten, Ostern oder Familienfesten. Lediglich 17 Prozent bezeichneten sich als regelmäßige Kirchgänger, wobei der Anteil im Westen höher ist als im Osten, bei den Frauen höher als bei den Männern und bei den über 60-Jährigen mit Abstand am höchsten.[6] International gibt es große kulturelle Unterschiede: In weiten Teilen der Vereinigten Staaten sowie in einigen Teilen Europas, z. B. Polen, Italien, ist der Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes eine Selbstverständlichkeit.

Orthodoxe Kirchen[Bearbeiten]

Orthodoxer Gottesdienst in der Kirche Maria Obhut in Düsseldorf

Die Ostkirchen bezeichnen ihre Eucharistiefeier als Göttliche Liturgie. Nur die Eucharistiefeier heißt hier expressis verbis Liturgie; andere Gottesdienste, zum Beispiel die Taufe oder die „Krönung“ (= Trauung), werden mit ihrem eigenen Namen benannt.

Römisch-katholische Kirche[Bearbeiten]

Auszugsprozession nach Spendung einer Firmung in Mužlja

In der römisch-katholischen Kirche wird der Gottesdienst, die Sacra liturgia (lat. für „heilige Liturgie“), verstanden als priesterliches Handeln des beständig in seiner Kirche gegenwärtigen und diese in sein Tun einbeziehenden Jesus Christus. In der Liturgie der Kirche spricht Jesus Christus selbst aus den biblischen Lesungen, bewirkt durch sinnenfällige Zeichen das Heil der Menschen und vollzieht, vereint mit seiner Gemeinde, die öffentliche Verehrung (Kult) des einen und dreifaltigen Gottes.

Das Zweite Vatikanische Konzil bestimmte in seiner am 4. Dezember 1963 verabschiedeten Konstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium die zeitgemäße Form und das zeitgemäße Verständnis der Liturgie.

Die Leitung einiger Gottesdienstformen ist einem Priester vorbehalten, wie etwa die Feier der Heiligen Messe, die Spendung der Sakramente und bestimmte Segnungen und Weihen. Laien wirken dabei im Rahmen vorgegebener Rollen mit, etwa als Kantoren, Ministranten oder Lektoren. Zur Leitung von Stundengebet oder Wortgottesdiensten ist keine Weihe notwendig, jedoch in den meisten Fällen eine besondere Beauftragung. Alle Gläubigen sind aufgerufen zu einer vollen, bewussten und tätigen Teilnahme an den liturgischen Feiern.

Formen des römisch-katholischen Gottesdienstes sind:

Lutherische Kirchen[Bearbeiten]

Predigt in einer evangelischen Kirche in Württemberg

Martin Luther ging es in seinem reformatorischen Wirken vor allem darum, die Gnade Gottes und die Ernsthaftigkeit des christlichen Lebens wieder herauszustellen. Dabei ging er davon aus, dass durch die Reformation die Alte Kirche wiederhergestellt sei. Für den Gottesdienst bedeutete dies, dass Luther sich zunächst um eine möglichst große Kontinuität in der Liturgie bemühte. Die ersten liturgischen Entwürfe Luthers sahen daher eine im Vergleich zum römisch-katholischen Gottesdienst fast unveränderte Messfeier vor: die sogenannte „gefegte (= gereinigte) Messe“. Luther tilgte nur jene Passagen, die den Vollzug des Abendmahls als erneutes Opfer Jesu Christi verstehen ließen, und führte die deutsche Sprache ein. In späteren Arbeiten wurden weitere Veränderungen vorgenommen. Die größten Differenzen ergaben sich beim eucharistischen Hochgebet.

Die lutherischen Kirchen orientieren sich bis heute an diesem Verständnis und an der Sprache Martin Luthers, so dass in ihnen sowohl von Gottesdiensten als auch von „Messen“ gesprochen wird. Gottesdienste werden in allen ihren Elementen – Bibellesungen, Gebete, Predigt, Gesänge, Bekenntnisse – grundsätzlich nur in den Landessprachen gefeiert; Ausnahmen gelten lediglich für die feststehenden liturgischen Gesänge – Gloria Patri, Kyrie, Gloria, Sanctus, Agnus Dei –, die zuweilen in ihrer altkirchlichen Form und Sprache angestimmt werden, sowie für neueres Liedgut, das auch in sprachlicher Hinsicht bestimmten Modetrends folgt und daher derzeit oft englische Texte aufweist. Die gottesdienstlichen Lesungen folgen der Perikopenordnung.

Gottesdienstformen in lutherischen Kirchen:

Evangelisch-lutherische Kirchenagende

Taufen, Ordinationen etc. werden in der Regel im Rahmen eines Sonntagsgottesdienstes vollzogen. Ausnahmen sind möglich.

Reformierte Kirchen[Bearbeiten]

Der Gottesdienst in Kirchen der reformierten Tradition ist in Deutschland wortbetont, sein wesentlicher Bestandteil ist die Predigt. Die Liturgie ist schlicht. Das Abendmahl wird als Erinnerungsfeier verstanden. Unter Zwinglis Führung wurde das Herrenmahl in Zürich nur zu Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Kirchweih gefeiert. In Anlehnung an diese Tradition sehen viele Gemeinden eine Abendmahlsfeier nur vier bis fünf Mal im Jahr vor; übliche Termine dabei sind für die erste Feier im Kirchenjahr Weihnachten, für die zweite Gründonnerstag, Karfreitag oder Ostern, sowie für die weiteren Pfingsten und Erntedank; mancherorts wird auch in den Konfirmationsgottesdiensten zum Abendmahl eingeladen. Auch im Abendmahlsgottesdienst steht die Wortverkündigung im Zentrum des Ganzen.

Das grundlegende Modell der reformierten Liturgie baut auf dem oberdeutschen Prädikantengottesdienst auf. In ihr stehen trinitarisches Votum (Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.), biblisches Votum (häufig Ps 124,8 LUT, daher auch Adjutorium genannt) und Begrüßung sowie ein Gemeindelied am Anfang. Darauf folgen Psalm, der zuweilen in einer Nachdichtung als eröffnendes Gemeindelied gesungen wird, Eingangsgebet mit Schuldbekenntnis, Bibellesung, Predigt, Glaubensbekenntnis, Lied, Abkündigungen, Fürbittengebet, Unser Vater, Ausgangslied und Segen. – Die Reihenfolge zwischen Votum/Begrüßung und Lied, zwischen Predigt und Glaubensbekenntnis sowie zwischen Ausgangslied und Segen ist in den unterschiedlichen Gemeinden verschieden geregelt.

Die gottesdienstlichen Lesungen folgen in vielen Gemeinden der Perikopenordnung. Daneben sind aber seit der Reformationszeit vor allem in den niederrheinischen Gemeinden auch „Continua-Predigten“ gebräuchlich. Dabei folgen die Predigten dem fortlaufenden Text eines biblischen Buches. In anderen Gemeinden schließlich können weder fortlaufende Lesungen noch Perikopenordnung als feststehende Tradition beobachtet werden.

Gesellschaft der Freunde (Quäker)[Bearbeiten]

Das Innere des Versammlungshauses der Quäker in Pardash Hall in England

Quäker gehen wie fast alle protestantischen Glaubensgemeinschaften vom Priestertum aller Gläubigen aus. Während es bei den frühen Quäkern Prediger und auch von Anfang an Predigerinnen gab, gibt es heute in evangelikalen Richtungen des Quäkertums Pastoren und Pastorinnen (vor allem in den USA und Afrika), während es in liberalen Richtungen des Quäkertums (vor allem in den USA und in Europa) meist auch keine Prediger und Predigerinnen mehr gibt. In ihren Andachten wollen sie sich der Gegenwart Gottes öffnen. Dabei kann – während einer meist einstündigen, schweigenden Meditation – jeder, der sich dazu getrieben fühlt, das Wort ergreifen. Andachten von evangelikal geprägten Gemeinschaften haben dagegen einen bestimmten Ablauf, sie beinhalten neben Meditation auch Gebet, Gesang und Predigt.

Altkatholische Kirche[Bearbeiten]

Der Gottesdienst in der altkatholischen Kirche steht in der Tradition der westlichen Kirche (Römischer Ritus).

Deutschland[Bearbeiten]

Die alt-katholische Kirche feiert den Gottesdienst – von einigen kleineren Unterschieden abgesehen – in der Form, wie er auch der ordentlichen Form des Römischen Ritus entspricht. Da bereits seit 1885 die Landessprache in der Liturgie verwendet wird, ist die Form der deutschen Gemeindeantworten in der Regel älter und wurde, während anderes geändert wurde, beibehalten. Dazu zählen folgende Antworten:

  • nach den ersten beiden Lesungen: „Soweit die Worte der ersten (zweiten) Lesung.“ – „Gott, dem Herrn, sei Dank!“
  • zum Friedensgruß: „Der Friede des Herrn sei allezeit mit euch!“ – „Friede mit uns allen!“
  • nach der Gabenbereitung: „Betet, Brüder und Schwester, dass unsere Gaben angenommen werden von Gott, dem allmächtigen Vater!“ – „Zu seiner Ehre und zum Heil der Welt.“
  • während des Dialogs vor dem Eucharistiegebet: „Erhebet die Herzen!“ – „Wir erheben sie zum Herrn!“
  • nach dem Einsetzungbericht: „Christus ist gestorben! Christus ist erstanden! Christus wird wiederkommen!“
  • vor der Kommunion: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach. Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“
  • zur Entlassung: „Gehet hin in Frieden!“ – „Preis und Dank sei unserm Gott!“

In der deutschen alt-katholischen Kirche sind die Händewaschung und die Mischung des Weines mit Wasser bei der Gabenbereitung fakultativ. Der Priester macht erst nach der Beendigung des Eucharistiegebets eine Kniebeuge. Der Friedensgruß kann auf die Fürbitten am Ende des Wortgottesdienstes folgen. In Gemeinden mit Kindern und Jugendlichen sind Ministranten üblich. Das, was man in der römisch-katholischen Kirche unter einem Hochamt versteht, ist in der alt-katholische Kirche eher die Ausnahme, da die Gemeinden meist von überschaubarer Größe sind und mehrheitlich schlichte Formen bevorzugt werden.

An weiteren Gottesdienstformen ist vor allem die Vesper zu nennen, die in der altkirchlichen Form, als Abendlob mit Lichtfeier und Weihrauchpsalm, in einigen Gemeinden regelmäßig gefeiert wird.

Schweiz[Bearbeiten]

Der Aufbau der Eucharistiefeier in der christkatholischen Kirche der Schweiz sieht wie folgt aus:

  • Der Messe gehen Gebete zur Vorbereitung voraus (Psalm 24,27 EU; 122 EU mit jeweils abschließender Oration), darauf folgt der Einzug (mit Versikel) und Confiteor samt Lossprechung.
  • Das Credo folgt nicht der Homilie, sondern den Fürbitten.
  • Als Glaubensbekenntnis ist ausschließlich das Nicäno-Konstantinopolitanum in Gebrauch.
  • Der Friedensgruß wird vor der Gabenbereitung getauscht.
  • In Gedächtnissen werden die Namen derer, für die besonders gebetet wird, als fürbittendes Gedenken vor der Versikel „Betet, Brüder und Schwestern“ – „Orate, fratres“ verlesen.
  • Das Vaterunser folgt der Brotbrechung.

Der Aufbau der Messfeier in der christkatholischen Kirche weist eine Reihe von Parallelen zum ambrosianischen Ritus auf, während die Verlesung der Nomina defunctorum/offerentium in der Westkirche heutzutage sonst nur noch im Ritus von Toledo zu finden ist. Ein Gabengebet ist nicht vorgesehen. Die anamnetische Akklamation nach dem Einsetzungsbericht ist deklaratorisch und somit nicht an Christus selbst gerichtet:

„Den Tod des Herrn verkünden wir, und seine Auferstehung preisen wir, bis er kommt in Herrlichkeit.“

Daraufhin wird ein Klingelzeichen zum Niederknien während der Epiklese gegeben. Vor der Doxologie, zu der dreimal geläutet wird, ist folgende Akklamation vorgesehen:

„Gewähre uns dies, barmherziger, heiliger Gott, auf dass wir dich loben und preisen durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn.“

Nach dem Entlassungsruf wird der Segen gespendet.[7]

Freikirchen[Bearbeiten]

Freikirchliche Gemeinden haben oft keine formalisierte Liturgie. Sie kommt durch Vereinbarung zustande. Ausnahmen sind z. B. die methodistischen Kirchen und die Herrnhuter Brüdergemeine.[8] In vielen Gemeinden folgt einer lockeren Begrüßung und einem Informationsteil eine längere Anbetungszeit, die durch viele Lieder, Lesungen biblischer Texte und frei formulierte Gebete geprägt ist. Musikalisch steht nicht nur die Orgel im Mittelpunkt, sondern oft auch andere Tasten- und Rhythmusinstrumente. Auch persönliche Erfahrungsberichte, so genannte „Zeugnisse“ kommen häufig vor. Viele Gemeinden besitzen Chöre, Singkreise oder Musikbands, die den wöchentlichen Gottesdienst mitgestalten. Die Predigt steht im Mittelpunkt. Fürbitte und Segensbitte beschließen den Gottesdienst. In charismatisch geprägten Gemeinden gehören auch Gottesdienst-Elemente wie Glossolalie (Zungengebet) und Prophetie. Das Abendmahl wird regelmäßig gefeiert; in manchen Freikirchen wöchentlich (Brüdergemeinden), in manchen vierteljährlich (Adventgemeinden), in den anderen meist monatlich. In manchen Freikirchen finden allerdings auch hin und wieder Mahlfeiern im häuslichen Kreis statt. Für Kinder wird meistens parallel ein Kindergottesdienst angeboten.

Zu den gottesdienstlichen Veranstaltungen einiger Freikirchen zählen auch regelmäßige Gebetsversammlungen (wie so genannte Lobpreisgottesdienste). Auch die Bibelstunden haben in manchen freikirchlichen Gemeinden einen gottesdienstlichen Charakter. In einigen jüngeren Freikirchen, wie Willow Creek (USA), Hillsong (Australien) oder International Christian Fellowship (Europa) werden die Gottesdienste konsequent mit den Möglichkeiten aktueller Veranstaltungskultur (Musik, Licht, Ton, Videoprojektion) gefeiert. Die Tradition des wöchentlichen Haupt-Gottesdienstes macht hier starke Anleihen bei der Kultur der Lobpreisgottesdienste.

Islam[Bearbeiten]

Der Islam versteht unter Gottesdienst (Ibada) Unterordnung und Ergebung an Gott. Das islamische Ritualgebet findet fünfmal täglich statt.

Für strenggläubige Muslime ist das Freitagsgebet (arabisch: ṣalāt al-ǧumʿa) für Männer verpflichtend und wird gemeinschaftlich in der Moschee durchgeführt. Es ist gegenüber den an anderen Tagen stattfindenden Ritualgebeten um eine Predigt (Khuṭba) erweitert. In traditionellen islamischen Gemeinschaften nehmen Frauen nur ausnahmsweise am Freitagsgebet teil. Für diesen Fall gibt es einen abgetrennten Frauenteil, der oft für Männer nicht oder nur schwer einsehbar ist.

Hinduismus[Bearbeiten]

Hinduistischer Hochzeitsritus

Seit den Puranas entstand ein zusätzliches Yoga im Hinduismus: die Bhakti, die liebende Hingabe an einen persönlichen Gott wurde für viele Hindus zum wichtigsten Element der Religiosität. Die populärste Form des Gottesdienstes ist die Anbetung Gottes in einem Bild oder einem Emblem im Rahmen einer Puja, der traditionellen Verehrungszeremonie, die oft im häuslichen Rahmen stattfindet. Der Gläubige kann selbst aussuchen, in welcher der vielen Formen er das Göttliche verehren möchte, wenngleich Familientraditionen hierbei eine Rolle spielen. Pujas können grundsätzlich von jedem durchgeführt werden. Eine formelle, öffentliche Puja folgt einem strengen Ritus, der meist in den Samhitas (gehört zu den Veden) Agamas, Tantras, sowie Ritualhandbüchern seine Grundlage hat.[9] Das Verfahren einer Puja variiert nach Schulrichtungen und Region. Daneben gibt es auch noch Yajnas, Feuer-Zeremonien zur Verehrung der Vorfahren und der Familiendeitäten, welche nur Brahmanen vorbehalten sind (zum Beispiel bei einer Hochzeit).

Im hinduistischen Tempel bietet sich ebenfalls die Möglichkeit zum Gottesdienst. Anfang und Ende sind offen, jeder Tempel entwickelt seinen eigenen Ablauf. Zentraler Aspekt des hinduistischen Gottesdienstes ist das Darshan, der wechselseitige Anblick von Gläubigen und Gott.[10] Meist ist der Besuch im Tempel mit einer Opfergabe verbunden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Verschiedene Formen des Gottesdienstes[Bearbeiten]

Fachbegriffe[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mauricio Manuel Dessauer, Ulrich Michael Lohse: Was Sie schon immer über das Judentum wissen wollten - und nicht zu fragen wagten. Pelican Pub., Fehmarn 2006, ISBN 9783934522138.
  2.  Annette Böckler: Jüdischer Gottesdienst. Wesen und Struktur. Jüdische Verlagsanstalt, Berlin 2002, ISBN 3-934658-19-9, S. 17-20.
  3.  Michael Berenbaum und Fred Skolnik (Hrsg.): Minyan. In: Encyclopaedia Judaica. 2. Auflage. Band 14, Macmillan Reference USA, Detroit 2007, S. 302 (Online: Gale Virtual Reference Library).
  4.  Jonathan A. Romain, Walter Homolka, Annette Böckler: Progressives Judentum. Leben und Lehre. Knesebeck, München 1999, ISBN 3-89660-046-X, S. 128ff..
  5.  Leo Trepp: Der jüdische Gottesdienst. Gestalt und Entwicklung. 2. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 3-17-018079-7, S. 43-91.
  6. Jede Menge Trends und Zahlen aus den beiden großen Kirchen in Deutschland
  7. Handreichung für Ministranten (PDF; 900 kB)
  8. Handbuch für Versammlungen in der Brüdergemeine, 2. Aufl. 2006
  9. Axel Michaels: Der Hinduismus, Geschichte und Gegenwart; Verlag C.H.Beck München; z. B. Seite 266
  10. Axel Michaels: Der Hinduismus, Geschichte und Gegenwart, Verlag C.H.Beck München S.254

Literatur[Bearbeiten]

Christentum
Judentum
Hinduismus
  • Axel Michaels: Der Hinduismus, Geschichte und Gegenwart. Verlag C.H.Beck, München 1998.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Christlicher Gottesdienst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien