Ouessantschaf

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Ouessantschafe

Das Ouessantschaf (OUS), auch Bretonisches Zwergschaf (internationale Bezeichnung Ushant), ist die kleinste Schafrasse Europas. Es hat seinen Namen von der Île d’Ouessant, einer 15,6 Quadratkilometer großen, baumlosen, französischen Atlantik-Insel. Ouessantschafe werden meist in kleinen Gruppen als Hobbytiere gehalten und sind inzwischen über große Teile Europas verbreitet. Die genügsamen Schafe gibt es in unterschiedlichen Farben.

Rassebeschreibung[Bearbeiten]

deutliche Krawattenbildung bei schwarzem Altbock
  • Das Schaf ist klein, relativ hochbeinig und hat – von oben gesehen- einen rechteckigen Körperbau.
  • Der Kopf ist fein und gleichmäßig bei den Böcken leicht geramst.
  • Weibliche Tiere sind hornlos, männliche gehörnt. Die Hörner haben eine einzige Windung großen Durchmessers mit gutem Abstand zum Kopf.
  • Die Ohren sind klein, kurz und leicht aufgerichtet.
  • Die Oberlinie ist gerade, das Becken groß, der Schwanz endet kurz über dem Sprunggelenk.
  • Ouessantschafe haben ein halbgeschlossenes, mischwolliges Vlies mit sehr feiner Unterwolle. Bei den Böcken ist eine Krawattenbildung durch vermehrtes Auftreten von Grannenhaar im Bereich des Unterhalses, Nackens und der vorderen Oberschenkel erwünscht.
  • Ausgewachsene Tiere dürfen am Widerrist nicht mehr als 49 cm (männliche) bzw. 46 cm (weibliche) messen.
  • Die Mehrheit der Ouessantschafe (> 70 %) ist schwarz, es gibt aber auch graue, weiße, braune und schimmelfarbende Tiere.
  • Die Färbung soll das gesamte Jahr einheitlich einfarbig sein. Die Krawatte kann bei gleicher Farbe dunkler sein, Hörner und Klauen sind bei weißen Tieren hell und bei dunklen dunkel.

[1]

Leistungsangaben[Bearbeiten]

Körpergewicht (kg) Vliesgewicht (kg) Ablammergebnis (%) Widerristhöhe (cm)
Altböcke 15 - 20 1,2 – 1,8 - 42-49
Jährlingsböcke 12 - 20 1,0 – 1,5 - 39-46
Mutterschafe 13 - 16 1,0 – 1,5 100 41-46
Jährlingsschafe 10 - 15 0,8 – 1,5 50 38-44

Bei den Widerristhöhen handelt es sich um Idealmaße. Jährlinge, die die angegebenen Maße überschreiten werden oftmals zu groß. Die Zucht immer kleinerer Tiere sollte auch nicht angestrebt werden, da dies zu einer Häufung von Geburtsproblemen führen kann und somit der Gesundheit und Vitalität der Rasse abträglich ist.

Zuchtziel[Bearbeiten]

Erwünscht ist ein hartes und anspruchsloses Schaf mit geringsten Futter- und Versorgungsansprüchen, das sich sowohl im klassischen Biotop- und Landschaftspflegebereich auf kleinsten Flächen, wie auch als ökologischer "Rasenmäher" in der privaten, öffentlichen und gewerblichen Grünanlagenpflege eignet.

Entstehung / Geschichte[Bearbeiten]

Über die Entstehung der Rasse gibt es keine wissenschaftlich fundierten Untersuchungen, sondern lediglich Vermutungen. Die Insellage und die karge Vegetation können zur Verzwergung dieser Schafrasse beigetragen haben, jedoch hatte vermutlich auch die Nutzung und die damit verbundene Zuchtwahl durch den Menschen einen bedeutenden Einfluss: Die Schafe wurden auf der Insel von März bis Ende September angepflockt, den Rest des Jahres konnten sich die Tiere frei auf den Weiden bewegen. Eventuell wurden kräftige Bocklämmer nicht mit den Schafen „befreit“, sondern geschlachtet, die kleinen und schwachen Bocklämmer ließ man, in der Hoffnung sie später schlachtreif einzufangen, mit frei.

Zwischen 1930 und 1940 verschwand das Ouessantschaf völlig von der Insel und wäre im Verlauf des letzten Jahrhunderts fast völlig ausgestorben. Ursache für den Rückgang war die Einkreuzung größerer Schafrassen. Einigen Liebhabern auf dem bretonischen Festland, die die Tiere im primitiven Typ weiterzüchteten, ist das überleben der Rasse zu verdanken. In den 1970er Jahren sind die letzten Bestände aufgespürt worden. Unter Federführung von Paul Abbé wurde 1976 die G.E.M.O. (Groupement des Eleveurs de Moutons d'Ouessant) gegründet. Mit den Tieren der vier Ursprungsherden (Morbihannaise, Vendéenne, Jardin des plantes de Paris und Nord) wurde eine Erhaltungszucht begonnen.

Farben[Bearbeiten]

schwarze Ouessanschafe
Verdünnungsgen: grauer Bock in Frankreich
braune Aue
  • Schwarz ist die ursprüngliche Farbe des Ouessantschafes. Der Fachausdruck in der Vererbungslehre ist nonagouti.
  • Graue Tiere wurden bereits im 19. Jahrhundert auf der Insel erwähnt, in Frankreich werden graue Schafe als schwarze geführt, da es sich genau genommen um schwarz mit verklumpter Pigmentgranular handelt. Der Effekt entsteht durch ein Verdünnungsgen - wissenschaftlich dilute.
  • Weiße Tiere sind seit Ende des 19. Jahrhunderts durch historische Postkarten belegt. Die Herkunft ist nicht vollständig geklärt. Da auf dem Festland bereits deutlich früher weiße Heideschafe bekannt waren, kann man annehmen, dass diese Tiere an der Entstehung beteilig waren. Die früheste nachweisbare Einfuhr von Schafen vom Festland auf die Insel ist erst Anfang des 20. Jahrhunderts datiert. Bei weißen Ouessantschafen kann es zu rötlicher Färbung insbesondere im Nacken, am Schwanz und den Beinen kommen. Genetiker benutzen die Bezeichnung agouti white and tan.
  • Nach heutiger Erkenntnis lassen sich alle braunen Schafe auf den Stamm Nord zurückführen. In der Bretagne kommen ursprünglich keine braunen Tiere vor. Wer in der Bretagne von braunen Tieren spricht, meint in der Regel durch Sonnenlicht ausgeblichene schwarze Tiere. Die Farbgebung wird durch den Braun-Locus bestimmt.
  • Der Farbschlag schimmel ist in den Niederlanden entstanden. Hier wurden in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts Romanov- und Finnschaf eingekreuzt. Man spricht auch von agouti grey, vereinfacht gesagt ist bei einem Teil der Wollfasern die Farbe abgeschaltet. Schimmel können optisch von weiß bis fast ganz schwarz erscheinen. Dieser Farbschlag ist im Ursprungsland Frankreich nicht anerkannt.
Locus Bezeichnung Allele bei OUS Phänotypische Auswirkungen der Allele
A agouti Awt weiß
Ag schimmel
a schwarz (nonagouti)
B Braun-Locus B schwarz
b braun
D dilute D vollständige Farbbildung
d verdünnt/aufgehellt

Die Vererbung erfolgt wie in der Tabelle aufgeführt. Eine Farbe ist dominant zu allen Farben unterhalb und rezessiv zu allen darüber. [2]

Verbreitung[Bearbeiten]

1977 waren der G.E.M.O. 486 Tiere der Rasse bekannt.[3] Bei der Viehzählung der G.E.M.O., in den Herdbüchern der F.O.S. (Niederlande), sowie der deutschen Landesschafzuchtverbände sind im Jahr 2006 ca. 9500 Tiere registriert worden. Des Weiteren gibt es noch zahlreiche nicht registrierte Bestände, so dass man von einem Bestand von mehr als 15.000 Ouessantschafen ausgehen kann. Nach den Niederlanden (FOS) ist Frankreich (GEMO) der Schwerpunkt in der Zucht sowie Haltung des Ouessantschafes. In Belgien (BOV), Deutschland (IGOU) und Großbritannien (OSS) gibt es zahlenmäßig kleinere Züchtervereinigungen. Einzelzuchten bzw. -halter gibt es inzwischen in der Schweiz, Österreich, Tschechien, Lettland, Dänemark, Spanien, Portugal sowie vermutlich noch weiteren europäischen Staaten.

Haltung[Bearbeiten]

Die Gründe für die Zucht bzw. Haltung von Ouessantschafen können sehr verschieden sein. Vom Erhalt der Rasse als genetisches Potenzial und kulturhistorischer "Schatz" bis zur Nutzung als Therapietier oder zur Zierde oder Pflege des Gartens gibt es alle Varianten in allen Ländern.

Oftmals werden Ouessantschafe zur Pflege von Grundstücken genutzt. Obwohl das Ouessantschaf eigentlich keine wirtschaftliche Bedeutung mehr hat, gewinnt in Frankreich die kommerzielle Nutzung als Landschaftspfleger wieder an Bedeutung.

Beide Geschlechter können das ganze Jahr zusammen gehalten werden, da die Schafe eine recht strenge Brunftzeit haben. Aus züchterischer Sicht sind die Trennung nach Geschlecht und eine gezielte Zuteilung in der Deckzeit sinnvoll.

Unterstände werden von den Tieren gerne als Regen und Sonnenschutz aufgesucht. Solange nicht zu viel Schnee liegt können die Tiere ganzjährig draußen gehalten werden. Die Schafe verfügen über gute Muttereigenschaften und eine gute Milchleistung, Lammverluste treten selten auf. Eine Erstzulassung mit sieben Monaten ist möglich in der Regel kommen von März bis Mai Einzellämmer zur Welt. Zwillingsgeburten sind selten und werden nicht angestrebt. In Ausnahmen reicht die Lammzeit von Februar bis September in sehr seltenen Fällen sind zwei Lammung in einem Jahr vorgekommen, auch das ist kein angestrebtes Zuchtziel.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ouessantschaf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe die beiden PDF-Dateien Ouessantschaf_Erweiterter_Rassenstandard und Ouessantschaf_02.pdf
  2. Siehe 2.7.1.1 und folgende dieser Literarturübersicht einer Dissertation
  3. Hier die Tabelle der Viehzählungen der GEMO bis 2000 (französisch) für das Jahr 2006 ist eine Abfrage bei den Verbänden erfolgt, die nicht mehr belegt werden kann, neuere Zahlen liegen leider nicht vor