Ouessant-Schaf

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Ouessant-Schafe, ein gehörnter schwarzer Schafbock und zwei hornlose Mutterschafe
Ouessant-Schaf, Schafbock
Schaf Ouessantschaf 050901 .jpg

Das Ouessant-Schaf, auch Bretonisches Zwergschaf (internationale Bezeichnung Ushant), ist die kleinste Schafrasse Europas. Es stammt ursprünglich von der Île d’Ouessant, einer 15,6 Quadratkilometer großen, baumlosen, französischen Atlantik-Insel.

Über die Entstehung der Rasse gibt es keine wissenschaftlich fundierten Untersuchungen, sondern lediglich Vermutungen. Die Insellage und die karge Vegetation können zur Verzwergung dieser Schafrasse beigetragen haben, jedoch hatte vermutlich auch die Nutzung und die damit verbundene Zuchtwahl durch den Menschen einen bedeutenden Einfluss: Die Schafe wurden auf der Insel von März bis Ende September angepflockt, den Rest des Jahres konnten sich die Tiere frei auf den Weiden bewegen. Eventuell wurden kräftige Bocklämmer nicht mit den Schafen „befreit“, sondern geschlachtet, die kleinen und schwachen Bocklämmer ließ man, in der Hoffnung sie später schlachtreif einzufangen, mit frei.

Zwischen 1930 und 1940 verschwand das Ouessant-Schaf völlig von der Insel und wäre im Verlauf des letzten Jahrhunderts fast völlig ausgestorben. Ursache für den Rückgang war die Einkreuzung größerer Schafrassen. Privaten Züchtern in der Bretagne und der G.E.M.O. (Groupement des Eleveurs de Moutons d'Ouessant) ist der Erhalt der Rasse zu verdanken.

Die ausgewachsenen Böcke erreichen ein Gewicht von 15–20 Kilogramm und eine Schulterhöhe von 45–49 Zentimeter, weibliche Schafe etwa 12–15 Kilogramm und eine Schulterhöhe von 42–46 Zentimeter. Das Wollvlies besteht aus einer feinen, sehr dichten Unterwolle, sowie einer langabwachsenden, groben Oberwolle. Die Wolle soll einheitlich und einfarbig sein. Mehrheitlich (> 70 %) sind die Ouessant-Schafe schwarz, es gibt aber auch weiße, braune und graue Tiere. Die Farbe Grau spaltet sich in zwei genetisch unterschiedliche Typen auf, einmal in Grau, das rezessiv vererbt wird und schon in Quellen des 19ten Jahrhundert erwähnt wird, sowie in eine Schimmelfarbe, die sich dominant vererbt und in den 1970er und 80er Jahren in den Niederlanden durch die Einkreuzung von Romanov und Finnschaf entstanden ist. Die Böcke haben große, spiralförmig gewundene Hörner. Die Muttertiere sind hornlos (nach neuster Zuchtzielbeschreibung werden keine Hornstümpfe mehr geduldet) und bringen gewöhnlich nur ein Lamm jährlich zur Welt. Beide Geschlechter können das ganze Jahr zusammen gehalten werden, da die Schafe eine recht strenge Brunftzeit haben.

1977 im ersten Jahr nach der Gründung der G.E.M.O. zählte man nur noch 486 Tiere der Rasse. Bei der Viehzählung der G.E.M.O., in den Herdbüchern der F.O.S. (Niederlande), sowie der deutschen Landesschafzuchtverbände sind im Jahr 2006 ca. 9500 Tiere registriert worden. Des Weiteren gibt es noch zahlreiche nicht registrierte Bestände, so dass man von einem Bestand von mehr als 15.000 Ouessant-Schafen ausgehen kann. Nach den Niederlanden ist Frankreich der Schwerpunkt in der Zucht sowie Haltung des Ouessant-Schafes. In Belgien und Deutschland gibt es zahlenmäßig kleinere Züchtervereinigungen. Einzelzuchten bzw. -halter gibt es inzwischen in der Schweiz, Österreich, Tschechien, Lettland, Dänemark, Großbritannien sowie vermutlich noch weiteren europäischen Staaten.

Das Ouessant-Schaf hat keine wirtschaftliche Bedeutung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ouessant Sheep – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien