Panzerbüchse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eine russische halbautomatische Panzerbüchse vom Typ PTRS-41 bzw. Panzerbüchse 784(r) oder PzB 784(r) mit einem Kaliber von 14,5 mm

Die Panzerbüchse gehört zu den Panzerabwehrhandwaffen und dient zur Bekämpfung von Panzern und gepanzerten Fahrzeugen. Entwickelt wurden diese Waffen zwischen den beiden Weltkriegen, kurz nach dem Aufkommen der ersten Panzer im Ersten Weltkrieg. Es handelt sich um schwere, großkalibrige Gewehre, die mit besonders starker Treibladung panzerbrechende Wuchtgeschosse verschießen. Das Ziel ist, die Panzerung durch die kinetische Energie des Geschosses zu durchschlagen und somit die Besatzung bzw. wichtige Bestandteile des Panzers außer Gefecht zu setzen.

Durch die starke Munition bedingt ist der Rückstoß für den Schützen enorm. Spätere Entwicklungen versuchten den Rückstoß mit mechanischen Maßnahmen (beispielsweise beweglichen Läufen) und Mündungsbremsen zu verringern.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Von reaktiven Panzerbüchsen wird im Unterschied zur herkömmlichen Panzerbüchse meist eine Hohlladung verschossen, um die Panzerung zu durchschlagen; das Hohlladungsgeschoss fliegt hier raketengetrieben mit deutlich geringerer Geschwindigkeit als das von der Panzerbüchse verschossene Hartgeschoss.

Entwicklung[Bearbeiten]

Schon zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zeigte sich, dass die Panzerbüchsen den Wettlauf mit den immer dicker werdenden Panzerungen nicht gewinnen konnten. Bei neueren Panzern erreichten sie nicht mehr die geforderten Durchschlagleistungen, da diese proportional mit ihrem Gewicht (Kaliber und Rohrlänge) ansteigt. Die Grenzen des tragbaren Gewichts und des akzeptablen Rückschlags wurden erreicht. Deswegen wurden bereits in der zweiten Hälfte des Zweiten Weltkriegs kaum noch Waffen dieser Art produziert. An ihre Stelle traten Waffen, die Hohlladungsmunition verschossen.

Geschichte[Bearbeiten]

Hochleistungsgewehre erschienen zuerst um 1800 für die Jagd auf Großwild. Aus der Zeit stammt der Begriff Elefantenbüchse. Panzerbüchsen schlagen denselben Pfad ein – ein möglichst großes (= massereiches) Geschoss mit möglichst hoher Geschwindigkeit ins Ziel zu bringen.

Die Panzerbüchsen wurden nach den ersten Panzereinsätzen des Ersten Weltkrieges entwickelt, gedacht als eine geeignete Abwehrwaffe der Infanterie gegen Panzer. Mangels Alternativen wurden die Panzer anfänglich im direkten Beschuss mit herkömmlichen Artillerie-Kanonen und mit improvisierten Sprengmitteln bekämpft. Es zeigte sich aber schnell, dass die neue Waffe „Panzer“ auch die Entwicklung einer entsprechenden Waffe als Gegenmaßnahme erforderte.

Die erste Panzerbüchse war das deutsche Tankgewehr M1918 von Mauser im Kaliber 13,25 × 92 mm HR, das nach einer Entwicklungszeit von nur vier Monaten kurz vor dem Ende des Ersten Weltkriegs zum Einsatz kam. Die Waffe basierte auf dem Gewehr 98 von Mauser und konnte Panzerungen von etwa 20 Millimetern auf eine Entfernung von 100–200 Metern bei einem Auftreffwinkel von 90 Grad durchschlagen, war aber durch ihre Größe (etwa 180 Zentimeter lang und 17 Kilogramm schwer) extrem unhandlich. Der Rückstoß war ebenfalls gewaltig, bereits nach wenigen Schüssen bekam der Schütze Kopf- und Gliederschmerzen und musste abgelöst werden. Später wurde die Waffe durch die Panzerbüchse 38/39 mit dem Kaliber 7,92 × 94 mm ersetzt.

Zwischen den Weltkriegen wurde eine Vielzahl weiterer Panzerbüchsen eingeführt. Teilweise bestanden die Geschosse aus bestimmten Metallen (beispielsweise Wolfram), was ihnen eine bessere Durchschlagskraft verlieh. Das größte verwendete Kaliber betrug 20 Millimeter, so etwa die Finnische Lahti L-39 – die Waffen wogen damit über 50 Kilogramm. Die Grenze des technisch Machbaren war erreicht.

Trotzdem bekämpfte die Rote Armee mit den PTRD und PTRS in den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs teilweise erfolgreich deutsche Panzer wie den Panzerkampfwagen III. Da eine nur einmal durchschlagene Panzerung selten für den Panzer fatal war, setzten die Russen oft mehrere Panzerbüchsen gleichzeitig ein. Die späteren Panzerbüchsen wie die PTRS waren halbautomatisch, was eine höhere Schussfolge begünstigte.

Teilweise wurden die Panzerbüchsen auch im Häuserkampf gegen Infanterie eingesetzt.

Mit zunehmender Panzerung waren diese Waffen aber nicht mehr effektiv, so dass wirksamere Panzerabwehrwaffen entwickelt wurden.

Ende der 1980er-Jahre wurden den Panzerbüchsen jedoch eine Wiederentdeckung zuteil. Abweichend von ihrer ursprünglichen Form werden sie heute von militärischen und polizeilichen Spezialeinheiten als leistungsstarke Scharfschützengewehre verwendet.

Liste nach Herstellerland[Bearbeiten]

Land Panzerbüchse
Erster Weltkrieg
Deutschland Tankgewehr M1918
Zweiter Weltkrieg
Sowjetunion PTRD
Sowjetunion PTRS
Deutschland Panzerbüchse 38/39
Deutschland Schwere Panzerbüchse 41
Polen Karabin przeciwpancerny wz.35
Großbritannien Panzerbüchse Boys
Finnland L-39 20 mm Lahti
Japan 97-Shiki (Panzerbüchse Typ 97) 20 mm
Schweiz Solothurn 7,92 mm MSS 41
Schweiz Schwere Panzerbüchse Oerlikon
Schweiz Solothurn S-18 20 mm
Moderne Formen
USA Barrett M82A1
Kroatien RT-20
Ungarn Gepard 12,7 mm
Südafrika NTW-20
Österreich Steyr HS

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Panzerbüchsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien