Paul Beckers

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Paul Beckers in der Berliner Scala, 1936

Paul Beckers (* 1. November 1878 in Magdeburg; † 27. April 1965 in Leipzig) war ein deutscher Komiker.

Leben[Bearbeiten]

Karikatur (vor 1914) von Paul Haase
Paul Beckers' Grabstätte auf dem Südfriedhof in Leipzig

Paul Beckers war der Sohn eines Elbe-Schiffers. Er absolvierte eine schauspielerische und musikalische Ausbildung. Anfangs war er dann Orchestermusiker und spielte in einer kleinen Kapelle Flöte und Oboe. 1902 gab er sein Debüt am Magdeburger Stadttheater und trat dort auch in Operetten auf. Es folgten zwei Jahre Aufenthalt in Amerika. Nach seiner Rückkehr probierte er sich auf den verschiedensten Gebieten aus. Er spielte in Revuen am Apollo-Theater in Berlin, war aber auch Charakterdarsteller und sogar Regisseur an der (alten) Komischen Oper. Er arbeitete auch für die neuen Medien Rundfunk und (Stumm-)Film.

Der Artistenagent Robert Wilschke ebnete ihm den Weg zum bekannten Varietékünstler. Er trat in allen bekannten deutschen Varietés auf (u.a. im Berliner Wintergarten und im Leipziger Krystallpalast). Im Leipziger Battenberg-Varieté in der Tauchaer Straße (heute Rosa-Luxemburg-Straße) inszenierte und spielte er volkstümliche Stücke. Seine Lieblingsfigur war der „Fliegentüten-Heinrich“. Das war ein Landstreicher und Händler mit sogenannten Fliegentüten, auf Leimbasis funktionierenden Fliegenfängern. Der Fliegentüten-Heinrich geht auf ein Magdeburger Original zurück, welches dort noch heute an der Stadtmauer unterhalb der Magdalenenkapelle als Relief dargestellt ist. Auch alle Stummfilme Paul Beckers’ beziehen sich auf diese Figur.

Über Emil Winter-Tymian bekam er Kontakt zur Szene der sächsischen Herrensängergesellschaften. Nach dem Tode Winter-Tymians 1926 leitete er dessen „Tymians Thalia Theater“ in der Görlitzer Straße in Dresden. 1927 eröffnete er ein eigenes Theater, „Beckers Bunte Bühne“, in der damaligen Wettiner Straße, das er bis 1930 betrieb.

In den 1930er Jahren dürfte er sich ausschließlich dem sich nun stark entwickelnden Tonfilm zugewandt haben, was durch die lange Reihe der Filme belegt wird, in denen er als Schauspieler mitgewirkt hat.

Im Zweiten Weltkrieg verlor er seinen gesamten Besitz. Bereits siebenundsechzigjährig versuchte er nach 1945 nun ausschließlich mit Soloauftritten an seine frühere Komikerkarriere anzuknüpfen, was ihm auch gelang. Bekannt wurde er nun vor allem mit der sächsischen Nummer vom „Plääättbrääätt“. Sein Humor war einfach und drastisch. Die letzte Vorstellung gab er im Dezember 1961 mit nunmehr 83 Jahren im Magdeburger Kristall-Palast in der Revue „Mein Magdeburg am Elbestrand“.

Seinen Lebensabend verbrachte Paul Beckers in Leipzig. Hier übernahm er mit seiner Frau Marga in der Leplaystraße eine Pension, in der vornehmlich Künstler bei ihrem Ex-Kollegen abstiegen.[1] Beckers ist auf dem Leipziger Südfriedhof beerdigt. Auf seinem Grabstein steht: „Millionen Menschen habe ich zum Lachen gebracht, und keiner wird um mich weinen“.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1917: Der Fliegentüten-Heinrich
  • 1918: Der Fliegentüten-Othello
  • 1918: Fliegentüten-Heinrich als Rentier
  • 1918: Fliegentüten-Heinrichs Pech
  • 1919: Fliegentüten-Heinrich als Don Juan
  • 1928: Großfeuer! Menschenleben in Gefahr!
  • 1932: Petri Heil!
  • 1932: Grün ist die Heide
  • 1933: Das Familienalbum
  • 1933: Glück im Schloß
  • 1933: Mister Herkules
  • 1933: So leben wir alle Tage
  • 1933: Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt
  • 1933: Wenn Männer kochen
  • 1934: Alte Kameraden
  • 1934: Der Schrecken vom Heidekrug
  • 1934: Grüß mir die Lore noch einmal
  • 1934: Meine Frau, die Schützenkönigin
  • 1935: Ich liebe alle Frauen
  • 1935: Stützen der Gesellschaft
  • 1936: Fräulein Veronika
  • 1936: Kater Lampe

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Günther: Geschichte des Varietés, Verlag: Berlin Henschelverlag, 1981
  • Katrin Löffler; Iris Schöpa; Heidrun Sprinz: Paul Beckers In: Der Leipziger Südfriedhof. Geschichte, Grabstätten, Grabdenkmäler, Edition Leipzig, 2000, ISBN 3-361-00526-4. S. 106
  • Kurzbiografie zu: Beckers, Paul. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Beckers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bert Hähne: Ein Rechteck, das verbindet, In: Leipziger Blätter Nr. 60, 2012, S. 33