Paul de Kock

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Charles Paul de Kock

Charles Paul de Kock (* 21. Mai 1793 in Passy, heute Stadt Paris; † 27. August 1871 in Romainville, heute Stadt Les Lilas, Département Seine-Saint-Denis) war ein französischer Romanschriftsteller und Dramatiker.

Leben[Bearbeiten]

Charles Paul de Kock war ein Sohn des niederländischen Bankiers Jean Conrad de Kock und dessen Ehefrau Anne-Marie Perret, einer Bürgerin aus Basel. Während der Terrorherrschaft der französischen Revolution wurde sein Vater, der 1793 in die Armee des Generals Charles-François Dumouriez eingetreten war, um der Freiheit seiner alten holländischen Heimat zu dienen, am 24. März 1794 guillotiniert und das Vermögen der Familie beschlagnahmt. Die Witwe heiratete aus wirtschaftlicher Not um 1800 einen „Monsieur Gaigneau, [...] Bürovorsteher bei der Steuerdirektion in Paris“.[1] Gaigneau war spielsüchtig und kümmerte sich wenig um seinen Stiefsohn, der von einem Hauslehrer unterrichtet wurde. Der junge Paul de Kock entwickelte einen außerordentlichen Lesehunger, las klassische Werke, mit großer Leidenschaft aber vor allem Romane. „Ganz besonders [...] zogen ihn die Romane Pigault-Lebruns an, die ihn wohl zum Schreiben seines ersten eigenen Romans veranlaßt haben, den er als Siebzehnjähriger verfaßte.“[2] Bevor Paul de Kock jedoch selbst literarische Wege beschritt, machte er auf Wunsch seiner Mutter eine Banklehre und arbeitete von 1808 bis 1813 in einem Pariser Bankhaus.

Aus dieser Zeit stammen auch seine ersten literarischen Versuche. Für sein Erstlingswerk, den Roman „L'enfant de ma femme“, konnte er zunächst keinen Verleger gewinnen. Er ließ es 1813 auf eigene Kosten drucken. Das Buch fand jedoch weder Abnehmer noch Leser. Paul de Kock versuchte nach diesem Misserfolg sein Glück als Bühnendichter und schrieb Melodramen, die auf den Pariser Bühnen durchschlagenden Erfolg hatten. Jetzt interessierten sich auch Pariser Verleger lebhaft für seine Romane und Erzählungen, die den Erfolg seiner Bühnenwerke noch in den Schatten stellten. Mit seinen pikanten, oft etwas frivolen Darstellungen der Sitten und Gebrechen der Pariser Gesellschaft wurde Paul de Kock der Liebling des französischen und in den kommenden Jahrzehnten auch des europäischen Leihbibliothekenpublikums.

Auch sein Sohn Henry de Kock, geb. 25. April 1821, machte sich durch viele Romane und einige Theaterstücke bekannt. Er gilt auch als der Verfasser der Souvenirs et notes intimes de Napoléon III à Wilhelmshoehe (1871).

Der niederländische General und Politiker Hendrik Merkus de Kock (1779-1845) war ein Halbbruder Paul de Kocks.

Rezeption[Bearbeiten]

Die Gesamtausgabe seiner Werke (Paris. 1844-45) umfasst 56 Bände; seine Romane, von denen er einen Teil auch zu Vaudevilles verarbeitet hat, wurden meist auch ins Deutsche übersetzt.

André Gill: Karikatur von Paul de Kock, in La Lune, 18. August 1867

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • André, le Savoyard.
  • Le barbier de Paris. 1833.
  • La bouquetière du château d'eau. 1855.
  • Le cocu. 1832.
  • L'enfant de ma femme. 1812.
  • La femme, le mari et l'amant. 1829.
  • La fille aux trois jupons.
  • Georgette.
  • Gustave, le mauvais sujet. 1821.
  • La laitière de Montfermeil. 1827.
  • Mme Tapin.
  • La maison blanche.
  • La pucelle de Belleville. 1834.
  • Sans-cravate ou les commissionnaires (2 Bde.).

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Beyer: Der Romanschriftsteller Charles Paul de Kock und seine Welt. Dissertation, Universität Köln 1928.
  • Heinrich Elsner: Paul de Kock. Rieger, Stuttgart 1857.
  • Julien Lemer: Paul de Kock. Duriot, Paris 1874.
  • Gertraut Malik: Der kulturhistorische und sozialgeschichtliche Hintergrund in den Roman von Paul de Kock. Dissertation, Universität Prag 1941 (in deutscher Sprache).
  • Lectures de Paul de Kock. Sous la direction de Florence Fix et Marie-Ange Voisin-Fougère. Dijon: Editions universitaires de Dijon, 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Paul de Kock – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Beyer: Der Romanschriftsteller Charles Paul de Kock und seine Welt. Köln, 1928, S. 6
  2. Friedrich Beyer, a.a.O., S. 9