Pinus tecunumanii

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Pinus tecunumanii
Systematik
Ordnung: Koniferen (Coniferales)
Familie: Kieferngewächse (Pinaceae)
Unterfamilie: Pinoideae
Gattung: Kiefern (Pinus)
Untergattung: Pinus
Art: Pinus tecunumanii
Wissenschaftlicher Name
Pinus tecunumanii
F.Schwerdtf. ex Eguiluz & J.P.Perry

Pinus tecunumanii ist ein immergrüner Nadelbaum aus der Gattung der Kiefern (Pinus) mit meist zu viert wachsenden, 16 bis 18 Zentimeter langen Nadeln und 4 bis 7 Zentimeter langen Samenzapfen. Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in Mittelamerika in den Staaten Mexiko, Belize, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua. Die Art wird in der Roten Liste der IUCN aufgrund der starken Nutzung als gefährdet eingestuft. Sie ist in ihrem Verbreitungsgebiet ein wichtiger Holzlieferant und wird auch in anderen tropischen Gebieten weltweit gepflanzt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Pinus tecunumanii wächst als immergrüner, meist 50 bis 55 Meter hoher Baum. Der Stamm ist aufgerichtet und gerade und erreicht Brusthöhendurchmesser von 120 bis 140 Zentimeter. Die Stammborke im unteren Teil des Stammes ist 5 Zentimeter dick und graubraun, 3 bis 4 Meter darüber wird sie dünner und rötlich braun. Die Äste stehen waagrecht oder leicht aufsteigend. Äste höherer Ordnung sind biegsam aber nicht hängend. Die Baumkrone ist schmal und dicht. Jung Triebe sind rau, unbehaart, rötlich braun und oft von einer Wachsschicht umgeben.[1][2]

Knospen und Nadeln[Bearbeiten]

Die vegetativen Knospen sind nicht harzig und eiförmig länglich bis zylindrisch. Endständige Knospen sind 15 bis 20 Millimeter lang, seitständige Knospen sind kleiner. Die als Knospenschuppen ausgebildeten Niederblätter sind braun, pfriemlich und haben einen unregelmäßig gezackten und bewimperten Rand. Die Nadeln wachsen meist zu viert, seltener zu dritt oder zu fünft in einer anfangs orangebraunen, bis zu 25 Millimeter langen, sich auf 12 bis 18 Millimeter verkürzenden, und später graubraunen Nadelscheide. Die Nadeln sind hellgrün, gerade, dünn, weich und leicht hängend, ab 14 meist 16 bis 18 und selten bis 25 Zentimeter lang und 0,7 bis 1 selten bis 1,3 Millimeter dick. Der Nadelrand ist fein gesägt, das Ende spitz. Auf allen Nadelseiten gibt es gleichmäßig verteilte Spaltöffnungsstreifen. Es werden meist drei oder vier selten zwei oder fünf Harzkanäle gebildet. Die Nadeln bleiben zwei bis drei Jahre am Baum.[3][2]

Zapfen und Samen[Bearbeiten]

Die Pollenzapfen sind gelblich, eiförmig-länglich bis zylindrisch, bei der Abgabe der Pollen 1,5 bis 2 Zentimeter lang bei einem Durchmesser von 5 bis 6 Millimetern. Die Samenzapfen wachsen selten einzeln, meist in Wirteln von zwei bis vier nahe den Zweigenden auf meist 20 bis 25 Millimeter, selten nur 15 Millimeter langen, dünnen Stielen, die mit dem Zapfen abfallen. Ausgewachsene Zapfen sind eiförmig bis breit-eiförmig, symmetrisch oder beinahe symmetrisch und geöffnet meist 4 bis 7 Zentimeter, selten ab 3,5 und bis 7,7 Zentimeter lang, bei Durchmessern ab 3 meist von 3,5 bis 6 Zentimetern. Die 75 bis 100 selten bis 140 Samenschuppen sind länglich, gerade oder leicht gebogen und dünn holzig. Die Apophyse ist erhöht, quer gekielt, an der Zapfenbasis gewölbt, gestreift, matt hellbraun oder leicht glänzend. Der Umbo liegt dorsal, er ist grau, flach bis leicht erhöht und mit einem kleinen, abfallenden Stachel bewehrt. Die Zapfen fallen etwa zwei bis drei Jahre nach Abgabe der Samen vom Baum. Die Samen sind schief-eiförmig, 4 bis 7 Millimeter lang, 2 bis 4 Millimeter breit, dunkelgrau und schwarz gefleckt oder schwarzgrau. Die Samenflügel sind unterteilt, 10 bis 13 Millimeter lang, 4 bis 8 Millimeter breit und graubraun.[3][4]

Verbreitung, Ökologie und Gefährdung[Bearbeiten]

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Pinus tecunumanii liegt im Süden Mexikos in den Bundesstaaten Chiapas und Oaxaca und in Mittelamerika in Belize, El Salvador, Guatemala, Honduras und im Nordwesten von Nicaragua.[3][5]

Pinus tecunumanii wächst in den Bergen Mittelamerikas in Höhen von 550 bis 2500 selten bis 2900 Metern, in Belize findet man die Art zwischen 300 und 760 Metern Höhe. Das Verbreitungsgebiet wird der Winterhärtezone 9 zugerechnet mit mittleren jährlichen Minimaltemperaturen zwischen -6,6° und -1,2° Celsius (20 bis 30° Fahrenheit). Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt zumindest 1000 Millimeter und reicht von 2500 bis 3000 Millimeter, die lange Trockenperiode dauert von November bis Mai. Dadurch sind in niedrigeren und mittleren Höhen Brände häufig, die Frequenz wurde jedoch durch die Anwesenheit der Menschen deutlich erhöht. In diesen Gebieten sind offene Kiefernwälder zusammen mit Adlerfarn (Pteridium aquilinum) und Vertretern der Gattungen Rubus, Calliandra und Leucaena vorherrschend, solange der menschliche Einfluss nicht zustark ist. In weniger beeinträchtigten Gebieten, besonders in höheren Lagen wächst Pinus tecunumanii häufig zusammen mit anderen Kiefern wie Pinus oocarpa, Pinus maximinoi und Pinus pseudostrobus, in trockeneren Gebieten mit Pinus ayacahuite und Pinus strobus var. chiapensis. In den Nadelwäldern in höheren Lagen findet man auch die Guatemala-Tanne (Abies guatemalensis) und die Mexikanische Zypresse (Cupressus lusitanica). An den zum Atlantik gerichteten Hängen von Chiapas dominieren Laubwälder mit Vertretern der Gattung der Amberbäume (Liquidambar), der Magnolien (Magnolia), der Zimterlen (Clethra), der Hainbuchen (Carpinus), Symplocos und der Eichen (Quercus), Pinus tecunumanii und andere Kiefern beschränken sich auf nährstoffarme Böden oder als Pionierart in Gebieten, die durch Trockenheit zerstört wurden.[3][6]

In der Roten Liste der IUCN wird Pinus tecunumanii als gefährdet („Vulnerable“) eingestuft. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass eine Neubeurteilung notwendig ist.[7] Es gibt noch Gebiete mit ausreichenden Beständen und sehr großen Bäumen, doch sind die meisten Bestände durch Raubbau in viele kleine, disjunkte Gebiete getrennt, die vor allem in tieferen Lagen vom völligen Verschwinden bedroht sind.[3]

Systematik und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

Pinus tecunumanii ist eine Art aus der Gattung der Kiefern (Pinus), in der sie der Untergattung Pinus, Sektion Trifoliae und Untersektion Australes zugeordnet ist. Die Bäume wurden lange der Art Pinus oocarpa zugeordnet, ab 1940 wurden die Bestände in Chiapas als Varietät Pinus oocarpa var. ochoterenae Martínez beschrieben. 1953 stellte Fritz Schwerdtfeger die Bestände in eine eigene Art Pinus tecunumanii, doch entsprach die Vorgehensweise nicht den Anforderungen einer gültigen Erstbeschreibung. Diese wurden erst 1983 mit der Beschreibung durch Teobaldo Eguiluz Piedra und Jesse Parker Perry in Ciencia Forestal erfüllt. Zur Unsicherheit trugen auch internationale Pflanzversuche mit Pinus oocarpa bei, die ab etwa 1970 durchgeführt wurden. Pflanzungen, die sich besonders erfolgreich entwickelten, mussten eher Pinus tecunumanii zugeordnet werden.[6][8] Der Gattungsname Pinus wurde schon von den Römern für mehrere Kiefernarten verwendet.[9] Das Artepitheton tecunumanii erinnert an Tecun Uman, einem Häuptling der Quiché aus dem 16. Jahrhundert, der bei der spanischen Eroberung von Mittelamerika getötet wurde.[10]

Morphologische und chemische Untersuchungen zeigen, dass Pinus tecunumanii näher mit Pinus patula als Pinus oocarpa verwandt ist. Manche Autoren sehen die Bäume daher als Vertreter der Art Pinus patula oder ordnen sie als Unterart Pinus patula subsp. tecunumanii (F.Schwerdtf. ex Eguiluz & J.P.Perry) Styles der Art Pinus patula zu.[6][8]

Verwendung[Bearbeiten]

Pinus tecunumanii ist in Mittelamerika ein wichtiger Holzlieferant, wo die Art große, gerade Stämme ausbildet. Sie wird in ihrem Verbreitungsgebiet stark als Schnittholz und für andere Anwendungen genutzt. Der Anbau in Plantagen gilt für die Produktion von Zellstoff als vielversprechend, und die Verwendung in tropischen Gebieten außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets wird überlegt. In Afrika, Indien, Südamerika und in Queensland, Australien wurde sie gepflanzt, doch begrenzt die Verfügbarkeit von Samen noch eine großflächige Nutzung. Eine Verwendung als Zierbaum ist nicht bekannt.[3]

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers. 2, Brill, Leiden-Boston 2010, ISBN 9004177183, S. 770-771.
  •  James E. Eckenwalder: Conifers of the World. The Complete Reference. Timber Press, Portland, OR/London 2009, ISBN 978-0-88192-974-4, S. 484-485.
  •  Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7, S. 487.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers, Band 2, S. 740–741
  2. a b James E. Eckenwalder: Conifers of the World, S. 484
  3. a b c d e f Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers, Band 2, S. 741
  4. James E. Eckenwalder: Conifers of the World, S. 484–485
  5. Pinus tecunumanii im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 30. Mai 2013.
  6. a b c James E. Eckenwalder: Conifers of the World, S. 485
  7. Pinus tecunumanii in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2012. Eingestellt von: Conifer Specialist Group, 1998. Abgerufen am 30. Mai 2013
  8. a b Pinus tecunumanii. In: The Plant List. Abgerufen am 30. Mai 2013.
  9. Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen S. 487
  10. Aljos Farjon: A Handbook of the World's Conifers, Band 2, S. 740

Weblinks[Bearbeiten]

  • Christopher J. Earle: Pinus tecunumanii. In: The Gymnosperm Database. www.conifers.org, 23. November 2012, abgerufen am 30. Mai 2013 (englisch).
  • Pinus tecunumanii bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 30. Mai 2013.