Plikiai

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Plikiai
Staat: Litauen Litauen
Bezirk: Klaipėda
Gemeinde: Rajongemeinde Kretinga
Koordinaten: 55° 47′ N, 21° 17′ O55.78888888888921.277777777778Koordinaten: 55° 47′ N, 21° 17′ O
 
Einwohner (Ort): 607 (2001)
Zeitzone: EET (UTC+2)
 
Status: Städtchen, Zentrum
eines Gemeindeteils
Plikiai (Litauen)
Plikiai
Plikiai

Plikiai (deutsch Plicken) ist ein Städtchen (miestelis) und Zentrum des gleichnamigen Amtsbezirks (seniūnija) der Rajongemeinde Kretinga im litauischen Bezirk Klaipėda. Die Einwohnerzahl belief sich im Jahr 2001 auf 607.

Vor 1919 bzw. 1945 war es eine Gemeinde im damaligen preußischen Landkreis Memel.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor 1945[Bearbeiten]

Evangelische Kirche in Plicken im April 1935

1891 wurde Plicken durch den Bau der evangelischen Kirche, der 1896 endete, zum Kirchspiel erhoben. Zuvor gehörte die bäuerlich geprägte Siedlung teils zum Kirchspiel Memel und teils zum Kirchspiel Deutsch Crottingen. In der Amtszeit des Ortspfarrers Peter Felix Žematait wurde 1896 auch das Pfarrhaus erbaut. 1928 wurde Johann Tennigkeit dessen Nachfolger. 1906 erhielt die Gemeinde eine Kleinbahnanbindung an die Stadt Memel. Während der litauischen Besatzung kam es 1932 zum Bau der katholischen Šv. Šeimos - Jėzaus, Marijos ir Juozapo bažnyčia (Kirche der Heiligen Familie - Jesus, Maria und Josef). 1925 zählte Plicken 996 Einwohner.

Nach 1945[Bearbeiten]

Ab 1944 verließ die deutsche Bevölkerung aufgrund des Einmarsches der Roten Armee in Ostpreußen fluchtartig die Ortschaft. Viele Familien schafften es jedoch nicht rechtzeitig oder waren auf der Flucht zur Umkehr gezwungen, da der Landweg ins Deutsche Reich bei Elbing durch den Vorstoß der Roten Armee abgeschnitten wurde. Diese wurden dann zwischen 1945 und 1953 nach der Eingliederung in die Sowjetunion größtenteils vertrieben oder deportiert. So fand unter sowjetischer Direktion eine Neuverteilung des Landbesitzes statt und die vielen leerstehenden Gehöfte wurden nach und nach durch umgesiedelte Litauer (Schemaitien) übernommen. Religiöse und ethnische Differenzen führten daher vielerorts zu Spannungen zwischen den noch verbliebenen überwiegend evangelischen Memelländern und den katholischen Neusiedlern. Im Zuge der Entnazifizierung wurde die deutsche Sprache verboten und der lokale Kulturraum „litauifiziert“. Im Rahmen von Verhandlungsgesprächen durch Konrad Adenauer mit der gemäßigten Chruschtschow-Regierung konnten ab 1958 auch die letzten verbliebenen Deutschen in allen ehemaligen Ostgebieten so auch in Plicken eine Übersiedlung in die BRD beantragen.

Heute[Bearbeiten]

Während der Sowjetzeit waren die Gebäude und der Friedhof im Ort dem Verfall preisgegeben. Nach der Wende wurden diese nach anfänglichen Berührungsängsten in litauisch-deutscher Zusammenarbeit restauriert. Wichtigster Arbeitgeber vor Ort ist heute das Holz- und Möbelbauwerk der UAB Sakuona.

Sport[Bearbeiten]

  • FK Sakuona Plikiai (Ballsportverein, ehem. SV Plicken, 1919 gegründet)
  • FK Klarksonas-Plikiai (Fußballverein)

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Klumbies: Erweckung und Kirchenkampf. Erinnerungen eines Memelländer Pfarrers. Stefan Zehle Verlag, 1998
  • Ewald Rugullis: Erinnerungen an ein deutsches Grenzland an der Memel. 2000

Weblinks[Bearbeiten]