Pocketfilm

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Pocketfilm 110

Pocket-Kassettenfilm (Typ 110), kurz Pocketfilm, war ein fotografischer Film, der 1972 von Kodak vorgestellt und in Pocketkameras verwendet wurde.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

1963 stellte Kodak mit dem System Instamatic eine Filmkassette vor, die sich leicht einlegen ließ und dadurch auch technisch ungeschickte Interessenten ansprach. Das gleiche Konzept übernahm man neun Jahre später für den 16-mm-Film, hier bestand sogar noch ein größerer Bedarf, da dieser Film bislang nur auf offenen Spulen aufgerollt zu bekommen war.

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Minox ein winziges Kassettenformat für die 8x11-Kameras entwickelt.

Kassette[Bearbeiten]

Die Pocketkassette entspricht in ihrem Konzept exakt der großen Instamatic-Kassette, Kodak hat den Begriff „Instamatic“ auch im Zusammenhang mit den Pocketkameras verwendet. So geschieht der Filmtransport über ein von der Kamera eingreifendes Zahnrad, gibt es ein Zählwerkfenster und kann man durch ein Plexiglas in der Kamerawand auch den eingelegten Filmtyp erkennen. Auch existiert nur eine Perforation von einem Loch pro Bild, was als einfache Transportsteuerung dient. Eine kameraseitige Filmandruckplatte gibt es nicht, allerdings bereitet die Planlage bei einem derart kleinen Format kaum Probleme, zumal die zugehörigen Objektive eine geringe Brennweite und somit eine große Schärfentiefe aufweisen.

Bildformat[Bearbeiten]

Negativfilm (111 x 16 mm)

Das Negativformat beträgt etwa 13 mm × 17 mm (wurde aber nicht von allen Kameraherstellern ausgenutzt), was eine Fläche von 220 mm² ergibt, etwa ein Viertel jener des 35-mm-Kleinbildfilms. Damit lassen sich problemlos Vergrößerungen von 13 cm × 18 cm anfertigen, womit es für normale Zwecke vollkommen ausreicht. Der Minox-Kleinstbildfilm ist mit 40 Prozent der Fläche des Pocketfilms nochmals kleiner.

Filmempfindlichkeit[Bearbeiten]

Kodierung des Pocketfilms

Im Unterschied zum großen Instamatic- ist die Filmempfindlichkeit des Pocketfilms kodiert, allerdings nur in zwei Stufen: Die Kassette besitzt an der Seite eine Leiste, die bei hochempfindlichen Filmen etwa 7 mm, bei niedrig- bis mittelempfindlichen Filmen nur etwa 2,5 mm gekürzt ist. Höherwertige Pocketkameras, beispielsweise die Rollei A 110, können so die Belichtung automatisch an die Filmempfindlichkeit anpassen, alle anderen können keinen hochempfindlichen Film korrekt belichten. Niedrig- bis mittelempfindlich bedeutet dabei 64 bis 200 ASA, hochempfindlich 320 bis 400 ASA, wobei der exakte, von der Kamera verwendete Wert von ihrer Justage im Werk abhängt.

Problematisch war weiterhin, dass Kodak für seinen 400 ASA-Film eine Kassette verwendete, die für niedrig- bis normalempfindlichen Film kodiert war (Stichwort: film speed setting). Dieses führte bei präziser Blende und Verschlusszeit zur Überbelichtung des Films. Durch das Entfernen von etwas Material an der Leiste konnte die Kassette aber relativ leicht so modifiziert werden, dass sie als hochempfindlicher Pocketfilm erkannt wurde.

Der 200-ASA-Film von Ferrania war ebenfalls als niedrig- bis normalempfindlicher Film kodiert und wurde bei manchen Kameras deshalb ein wenig überbelichtet. Negativfilme besitzen aber einen guten Belichtungsspielraum, so dass dies kaum auffiel. Abhilfe über die Manipulation der Filmkodierung ist hier nicht möglich.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Kodak Pocket Instamatic 100 war die erste Kamera, die für den Pocket Instamatic-Film gebaut wurde. Die Kamera wurde 1972 auf der Photokina erstmals präsentiert

Der Pocket-Film war bis in die 90er Jahre auch als Dia- und Schwarzweißfilm erhältlich, diese Spezialsorten kaufte aber kaum jemand. Als Farbnegativfilm hingegen wurde er überall dort, wo es Filme zu kaufen gab, selbstverständlich bereitgehalten. Im Herbst 2007 war er schwer zu beschaffen und nur noch als Farbnegativfilm erhältlich. Hersteller waren Ferrania in Italien (200 ASA-Film), Fuji in Japan (200 ASA-Film) und Kodak in den USA (400 ASA-Film). Im Zeitraum 2008–2009 stellten diese drei Firmen die Produktion von 110er-Filmen ein. Im Herbst 2011 erwog Adox (Deutschland), neue 110er-Filme herzustellen.[1] Im Mai 2012 erweckte die Lomographic Society International den 110er Film vorläufig als Schwarzweißfilm (Lomography Orca 110 B&W Film) wieder zum Leben. Dieser besitzt allerdings laut Lomography kein Schutzpapier, was bedeutet, dass jedes geschossene Foto mitgezählt werden muss, da das Rad in der Filmkassette nicht stoppt, wenn der Film zu Ende ist. Außerdem kann es bei den letzten vier Frames zu sogenannten Lichtlecks kommen.[2] Im Juli 2012 wurde mit dem Lomography Color Tiger 110 auch ein Farbfilm vorgestellt.[3]

Nutzung in Fun-Kameras[Bearbeiten]

Bessere Kameras mit Pocketfilm waren, da klein und leicht, lange Zeit für Handtaschen, aber auch als Urlaubs- und „Immer dabei“-Kameras gedacht. Zusammen mit Block und Bleistift und neuem Film, in kompakter Verpackung zusammengefasst, wurden sie zudem zeitweise für die Mitführung im Auto als Unfallkamera verkauft.

Wegen seiner geringen Größe fand man den Pocketfilm recht häufig bei Kameras mit unsachlich-humorvollem Äußerem, wie Werbegeschenken. Die dann eher einfachen Kameras waren hierbei in einem Gehäuse in beliebiger Fußball-, Getränkedosen- oder Spielzeugform eingebaut.

Von der Lomographischen AG wurde die „Smiley Cam“ vermarktet. Basierend auf dem Prinzip der Camera obscura war dem Pocketfilm ein Klebestreifen mit einem Loch als Fixobjektiv angeklebt.

Minimalkameras anderer Hersteller umfaßten kaum mehr als eine Linse, die an einen handelsüblichen Pocketfilm geklammert wurde. Ein einfacher Verschluss, eine Möglichkeit zum Filmtransport und ein Kimme-Korn-Rahmen-Aufklappvisier ergänzten die Plastikkamera, die kleiner ist als die Filmpatrone.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: 110 film – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pocketfilme. Webseite von Adox. Aufgerufen am 28. November 2011.
  2. Webseite von lomography. Aufgerufen am 26. November 2012.
  3. Artikel zur Vorstellung des Color Tigers. Aufgerufen am 26. November 2012.