Lomografie

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LOMO LC-A

Die Lomografie bzw. Lomographie bezeichnet eine Bewegung, eine Community und auch einen Marketing-Begriff der Lomography AG. Lomografie gehört in die Kategorie Schnappschussfotografie. Der Begriff leitet sich von der KleinbildkameraLOMO Compact Automat“ (LC-A) der Sankt Petersburger Firma Lomo ab.

Fotos, die mit diesem oder ähnlichen Billigkamerafabrikaten gemacht werden, haben eine im Vergleich zu regulären Fotokameras mangelhafte Bildqualität mit Fehlern und Störeffekten, die außerhalb der Lomografie im Allgemeinen vermieden werden. Bei der Lomografie sind diese zum Teil unvorhersehbaren Bildeigenschaften jedoch erwünscht.

Bildqualität[Bearbeiten]

Fischaugen-Objektiv-Foto Wakayama

Scheinbar schlechte Bildqualität wird schon lange gezielt eingesetzt. Hierbei werden einerseits Unschärfen bewusst als Gestaltungsmittel eingesetzt, es werden unwichtige Bildhintergründe mit gesteuerter Tiefenschärfe ausgeblendet oder Bilder gezielt über- oder unterbelichtet. In der Lomographie werden hingegen lediglich die technischen Mängel der Kameras in Kauf genommen, eine gezielte Beeinflussung der Gestaltungsmittel wie in der klassischen Fotografie lässt die Technik nicht zu.

Eine objektive Verschlechterung der Bildqualität bzw. eine Betonung des Schnappschusscharakters ist auch in der Modefotografie ein häufiges Stilmittel. Softwarewerkzeuge zur digitalen Bildbearbeitung bieten meist auch Funktionen, um diese Fotofehler imitieren zu können, so dass sich ein lomografischer Stil auch nachträglich einem regulären Foto hinzufügen lässt.

Grundidee[Bearbeiten]

Jeder Bürger in der Sowjetunion sollte seine eigene Kamera besitzen, um nach Ansicht der politischen Führung damit sein Leben und die Schönheit der Heimat dokumentieren bzw. einfangen zu können. Der ersten und bekanntesten Lomokamera LC-A (LOMO Compact Automat), die ab 1983 produziert wurde, lag die japanische Kompaktkamera Cosina CX-1 zu Grunde.

In den Ländern des Ostblocks gehörten die sowjetischen Lomokameras zu den wenigen erhältlichen Sucherkameras mit vollautomatischer Belichtungssteuerung, sie waren wegen Unzuverlässigkeit und schlechter Bildqualität aber nicht sonderlich beliebt. Die Lomografie ist in westlichen Ländern als Kunstrichtung im Sinne der Retrobewegung erst nach dem Zerfall der Sowjetunion entstanden.

Entwicklung[Bearbeiten]

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„Lomografische Botschaft“ von Lissabon
LOMO-Kamera mit Vierfach-Objektiv

Die Lomografie als „Kunstform“ hatte ihren Ursprung in Wien, wo Studenten Anfang der 1990er mit ihren bunten Fotos auf großen Stellwänden (sogenannten „Lomowänden“) verschiedene Ausstellungen veranstalteten. Gegründet wurde die „Fotoinitiative Lomographische Gesellschaft“ im Juni 1992 von Matthias Fiegl, Christoph Hofinger und Wolfgang Stranziger in Wien.[1] Der neue Blick auf die Welt, ermöglicht durch „Hüftschüsse“ und ungeplante, experimentelle Schnappschüsse, zog bald weitere Fotoamateure in seinen Bann, was dazu beitrug, dass die technisch veraltete LOMO LC-A noch bis 2005 hergestellt wurde und sogar neue LOMO-Kameras entwickelt wurden (mit Vierfach- bis sogar Neunfachobjektiven und anderen, wie z. B. für Unterwasserfotos, für Farbänderung, mit Fischaugenobjektiv, etc.). Weltweit existieren heute lomografische Gesellschaften und Botschaften. Seit 2006 wird in China eine Weiterentwicklung der LOMO LC-A, die LOMO LC-A+ produziert.[2] Zu den Kameras von Lomo zählt auch die Smena-Reihe (russ.: СМЕНА), bei der alle Einstellungen und der Transport manuell vorgenommen werden. Die Smena war im Gegensatz zur Lomo eine ernstgenommene Sucherkamera mit einem Objektiv, welches ordentliche Fotografie erlaubte.

Technik[Bearbeiten]

Ein Wesensmerkmal der Lomografie ist, dass sie damit spielt, technisch nicht ausgereift zu sein. Inzwischen sind aber doch Kameramodelle erhältlich, deren Optik sich verschiedener optischer Effekte bedient. Gerne werden Fischaugen-Kameras eingesetzt. Modelle mit Mehrfachlinsen bedienen sich vier bis neun Linsen mit unterschiedlicher Brennweite, die zeitversetzt jeweils einen Teil des Bildes (i. d. R. auf einem KB-Film) belichten.

Lomographie mit einer Vier-Linsen-Kamera im Europapark

Die Bilder, die als Lomografien bezeichnet werden, kann man prinzipiell mit jeder billigen Sucherkamera knipsen; „echte“ Lomografen schwören allerdings auf die schlechte 32-mm-Weitwinkeloptik, die übertrieben farbintensive und kontrastreiche Bilder liefert. Bei Lomo-Fotos entstehen oft extrem bunte und verwackelte Bilder. Die „Lomographische Gesellschaft Wien“ empfiehlt für die Entwicklung auf Papier das Format 7 × 10 cm, da auf dem kleinen Format die Unschärfen nicht so deutlich werden. Da dies aber heute kaum mehr angeboten wird, eignen sich aus Kostengründen auch 9 × 13 cm.

Kontroverse analog/digital[Bearbeiten]

Durch den Siegeszug der schnelleren Digitalfotografie und auch bedingt durch den insbesondere zeitlichen Aufwand, einen Film zu entwickeln, entsteht zunehmend der Trend zu einer Abwandlung der Lomografie: Der „goldene Schuss aus dem Handgelenk” mittels günstiger Digitalkameras, was von traditionellen Lomografen allerdings konsequent abgelehnt wird. Zahlreiche Internetseiten zeigen sogenannte digitale Fotoblogs, die im Ansatz eine Weiterentwicklung der Lomografie sind.

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Astrocam-Fotografie (ungeplante Schnappschüsse aus der Luft)
  • LOve & MOtion – ein Dokumentarfilm über die Lomografie
  • Instagram – Soziales Netzwerk mit Software zum nachträglichen Verfremden von mit Smartphones geschossenen Fotos

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Unicum 12/95
  2. LCA+ Compact Automat