Poller

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Pfahl bzw. Pfeiler; andere Bedeutungen siehe unter Poller (Begriffsklärung)

Als Poller werden senkrechte im Boden befestigte Pfähle bezeichnet.

Schifffahrt[Bearbeiten]

moderner Hafenpoller

In der Schifffahrt ist ein Poller ein kurzer Pfahl aus Metall oder Holz zum Festmachen eines Schiffes. Landseitig, am Kai oder an der Pier, sind Poller meist gegossene pilz- oder hakenförmige (→ Bild) Metallkörper, um die der Schiffsbefestiger die Festmacherleine legt. Bordseitig sind Poller meist als Schweißkonstruktion ausgeführt, oben mit einer gegossenen oder geschweißten Verdickung versehen und paarweise vorhanden. Ein bordseitiger Doppelpoller dient nicht nur dazu, die Festmacherleine zu belegen (achtförmig herumzuwickeln), sondern kann auch als Bremse benutzt werden, um das Schiff mit der allerersten Festmacherleine, beispielsweise die Vorspring, vollständig abzubremsen. Hierzu wird sie mit nur wenigen Törns (Windungen) belegt, und mit dem losen Ende wird von Hand gefühlvoll nachgegeben, so dass die Festmacherleine rutscht anstatt zu brechen (reißen). Man bezeichnet dies als schricken oder fieren. Zum Festmachen dünneren Tauwerks dienen an Bord die Klampen. Da wie dort braucht es zumindest einen Endschlag, der das lose Seilende zuverlässig verklemmt und doch leicht lösbar lässt. (siehe auch: Seilreibung)

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Unterschiedlich gestaltete Poller

Im Straßenverkehr bezeichnet man als Poller oder Pfosten kleine Pfeiler oder ähnlich gestaltete Elemente aus Metall, Holz oder Beton. Sie werden eingebaut, um das Befahren oder Beparken von Bereichen wie Gehwegen, Radwegen oder Fußgängerzonen zu verhindern. Um eine temporäre Durchfahrt zum Beispiel für Feuerwehreinsätze zu ermöglichen, werden Klapppoller oder Steckpoller verwendet, die sich mit einem Spezialschlüssel bedienen lassen. Eine besondere Form von Pollern sind die so genannte Betonschweine, die auf Grund ihrer Form entfernt an ein Schwein erinnern. Im westfälischen Raum werden diese Poller auch als Pömpel oder in einigen Regionen auch als Stöpsel bezeichnet, in Amsterdam werden sie Amsterdammertje genannt.

Es gibt auch automatisch versenkbare Poller, zum Beispiel um einen Fahrweg für Linienbusse regelmäßig in einer Busschleuse freizugeben, für den Individualverkehr aber zu sperren oder um historische Bauwerke vor Durchgangsverkehr zu schützen.[1] Dabei sendet der Bus oder ein durchfahrtberechtigter Anwohner per Funk ein Signal an die Anlage, woraufhin der Poller automatisch einfährt und den Weg für den Bus frei macht. In unechten Fußgängerzonen werden sie nach demselben System auch zunehmend eingesetzt, um den Lieferverkehr zu Geschäften und die Zufahrt von Anwohnern zu ihren Grundstücken zu ermöglichen. Diese automatisch versenkbaren Poller werden mit Hinweisschildern gekennzeichnet und können über eine Ampel verfügen.

Anstatt eines vertikalen Spielraumes verfügen sogenannte flexible Poller (auch Kickback-Poller) über einen horizontalen Neigungswinkel, meist bis zu 45°. Diese können aus Hartgummi oder, wie die starren Poller, ebenfalls aus Edelstahl bestehen, wirken sich aber bei Kontakt mit einem Kraftfahrzeug schadensreduzierend aus. Flexible Poller haben ein Fußgelenk, das anprallende Kräfte umlenkt. Kommt es zum Kontakt eines Fahrzeugs oder einer Person, weicht der Poller in die entgegengesetzte Richtung der Krafteinwirkung zurück und richtet sich danach selbsttätig wieder in den Ausgangszustand. Eingesetzt wird diese Art der "intelligenten" Begrenzungsanlagen sowohl im Straßenverkehr als auch in Industriehallen.

Am Straßenrand aufgestellte Hutpoller dienen nicht nur der Verkehrslenkung, sie können auch zum kurzzeitigen Sitzen benutzt werden und sollen Menschen mit Gehbeschwerden Möglichkeiten zum Ausruhen geben.[2]

Derartige Stadtraum befindliche Elemente zur Verkehrslenkung werden manchmal auch temporär künstlerisch verfremdet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Höge, Philipp Goll (Hrsg.): Pollerforschung, Universi, Siegen 2010, ISSN 0721-3271 (= Kleine Siegener Helmut Höge-Ausgabe Band 1 - Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Philipp Goll, Reihe: Massenmedien und Kommunikation, Band 179/180).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mooring bollards – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Poller – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. http://www.nordkurier.de/greifswald/monteure-holen-poller-aus-dem-ruhestand-112421410.html
  2. Berliner Morgenpost, Wochenendausgabe für Lichtenberg, vom 23./24. Juli 2011