Polnisch-Litauischer Krieg

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Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Rückzug der Roten Armee aus Litauen kam es durch einen Angriff polnischer Truppen auf Litauen im Oktober 1920 zum Polnisch-Litauischen Krieg.

Das annektierte Vilniuser Land (grün) im Jahr 1921
Zwischen Litauen und Polen umstrittenes Gebiet samt Grenzverlauf nach der Annexion des Vilniuser Landes
Polnische Kavallerieparade, Sejny, 1920
Mehrere Demarkationslinien zwischen Litauen und Polen von 1919 bis 1939

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Polen hatte im Vertrag von Suwałki vom 7. Oktober 1920 auf gemischtsprachige Gebiete rund um Vilnius offiziell verzichtet.

Militärischer Konflikt[Bearbeiten]

Trotz des Vertrages von Suwałki marschierten polnischen Truppen bereits zwei Tage nach Vertragsabschluss unter General Żeligowski ein und besetzten im Oktober 1920 Vilnius. Nach eigenen Angaben bestanden die Truppen Żeligowskis aus Freischärlern. Nicht nur Vilnius wurde 1920 ohne Kriegserklärung angegriffen, die polnischen Truppen annektierten auch große Teile des neu gegründeten Staates Litauen wie Ašmena (heute: Aschmjany in Weißrussland) und Švenčionys. Die Okkupation des Vilniuser Landes wurde von Polen mit dem Schutz der polnischen Minderheit in Litauen begründet, die auf diesem Gebiet mit 70.6% die eindeutige Bevölkerungsmehrheit darstellte.

Bei den eingesetzten Soldaten handelte es sich vor allem um polnische Freiwillige aus Litauen und Weißrussland. Der Militärcoup wurde offiziell als von der Führung Polens unabhängiger Aufstand der örtlichen polnischen Bevölkerung deklariert.[1] Żeligowski proklamierte sofort die formal unabhängige Marionettenrepublik von Litwa Środkowa mit der Hauptstadt Vilnius und beherrschte den Marionettenstaat als Militärdiktator. Danach installierte er ein „mittellitauisches Parlament“, das als erste Amtshandlung am 20. Februar 1922 den „Anschluss“ Mittellitauens an Polen beschloss. Polen akzeptierte diesen Beschluss umgehend, annektierte das litauische Gebiet und verleibte es am 20. April 1922 in das offizielle Staatsgebiet ein.

Völkerrechtlich war der polnische Überraschungsangriff nicht gerechtfertigt. Der gesamte Vorgang ist aufgrund der völkerrechtlichen Bestimmungen und insbesondere im Lichte des bestehenden Vertrages von Suwałki als Verstoß zu bewerten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jörg Zägel, Reiner Steinweg: Vergangenheitsdiskurse in der Ostseeregion: Die Sicht auf Krieg, Diktatur, Völkermord und Vertreibung in Russland, Polen und den baltischen Staaten. Lit, Münster 2007, ISBN 3825802035, S. 90.

Literatur[Bearbeiten]