Polytechnischer Unterricht

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Polytechnischer Unterricht in Karl-Marx-Stadt 1989

Der polytechnische Unterricht war eines der Hauptmerkmale des Schulsystems der DDR. Nach ihm wurde der verbreitetste Schultyp, die Polytechnische Oberschule (POS), benannt, der den Schülern der DDR eine zehnjährige Ausbildung mit praktisch orientierten Unterrichtsanteilen vermittelte. Der Begriff wurde jedoch geprägt von Henry Holmes Belfield, welcher 1883 die Chicago Manual Training School eröffnete.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten]

Weiterhin sollte darauf hingewiesen werden, dass polytechnischer Unterricht in reformpädagogischen Unterrichtsansätzen wie bspw. der freien Schule schon seit langem praktiziert wird. "Durch den hohen Anteil der Naturwissenschaften, durch Verwissenschaftlichung und Praxisbezug erreicht der Unterricht der DDR-Schule der 1970er Jahre allerdings ein von den westlichen Industrienationen unerreicht hohes Niveau." [1]

Die „Polytechnisierung“, die ab Ende der 1950er Jahre in der DDR einsetzte, beeinflusste nicht nur die Schulbildung. So war es unter anderem ein Ziel der Regierung, eine „sozialistische Persönlichkeit“ zu formen, die bereits im Kindesalter mit den Prinzipien der Arbeit und der Lebensweise der arbeitenden Bevölkerung vertraut werden sollte. „Achtung vor der Arbeit“ war unter anderem eines der Hauptprinzipien zur Ausformung der sozialistischen Persönlichkeit, welche im Bewusstsein über sich selbst und die Gemeinschaft handelt. Patenbrigaden betreuten bereits Kindergarten-Gruppen.

Der polytechnische Unterricht wurde 1959 offiziell eingeführt. 1965 wurde die Polytechnische Oberschule gesetzlich als Pflichtschule der Klassen 1 bis 10 festgeschrieben. Bis zum Ende des Staates 1989 existierte sie ohne große Änderungen in ihrer Struktur.

Inhalte[Bearbeiten]

Polytechnischer Unterricht auf einer Briefmarke der DDR

Der polytechnische Unterricht umfasste alle Klassenstufen. In der Unterstufe (Klassen 1 bis 6) zeichnete er sich durch den Werk- und Schulgarten-Unterricht aus. Ziel war es, den Schülern die theoretischen, aber auch praktischen Aspekte der produktiven Arbeit nahezubringen.

In den Klassenstufen 7 bis 10 kam es dann zu einer aktiven Teilnahme an der DDR-Produktion. Folgende Unterrichtsfächer standen auf dem Plan:

Vorgesehen war, dass der polytechnische Unterricht nach Möglichkeit in der 10. Klasse mit einem Lehrgang "Elektrotechnik" abschloss. Obligatorisch sollte der polytechnische Unterricht in den EOS-Klassen 11 und 12 mit jeweils vier Wochenstunden als "wissenschaftlich-praktische" Arbeit durchgeführt werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Zeitlupe 23, Jugend in der DDR, S.21, Juli 1989.
  • Andreas Tietze: Die theoretische Aneignung der Produktionsmittel. Gegenstand, Struktur und gesellschaftstheoretische Begründung der polytechnischen Bildung in der DDR. Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-631-63919-1.
  • Jürgen Oelkers: Reformpädagogik, Entstehungsgeschichten einer internationalen Bewegung, Fulda 2010, Friedrich Verlag GmbH

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.berlin-kindheitundjugend.de/unterricht_und_schulleben.html

Siehe auch[Bearbeiten]