Prinz Eisenherz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Prinz Eisenherz (im englischen Original Prince Valiant) ist der Name einer US-amerikanischen Comic-Serie, die von ihrem Schöpfer in den Sagenkreis um König Artus und die Ritter seiner Tafelrunde eingefügt wurde. Sie wurde ab 1937 von Hal Foster geschrieben und gezeichnet. 1971 endete Fosters Tätigkeit als Zeichner, 1980 auch seine Autorschaft. Fortgeführt wurde die Serie von Cullen Murphy als Szenarist und John Cullen Murphy als Zeichner, seit 2004 fungierten Mark Schultz als Autor und Gary Gianni als Zeichner. Wie im April 2012 bekannt wurde, hat Gary Gianni seine Zeichenarbeit am Comic Ende März beendet. Der neue Zeichner heißt Thomas Yeates, sein erster Strip trägt das Datum 1. April 2012 (Folge 3921). Mark Schultz arbeitet als Szenarist weiter am Comic mit.

Die sehr realistischen Zeichnungen Fosters hoben die Serie anfangs noch von zeitgenössischen Werken ab, waren aber schon bald keine Seltenheit mehr. Unterstützt wird die Wirkung der Bilder durch das große Originalformat (ein typisches Einzelbild hat fast A4-Größe) und das Fehlen von Sprechblasen. Der Text wird als Untertitel eingesetzt. Die Serie wurde ursprünglich für den Abdruck in Zeitungen konzipiert, es erschien lediglich eine Seite pro Woche, weshalb der Zeichner sehr sorgfältig und detailliert arbeiten konnte. Nach eigenen Angaben (1970) investierte Foster wöchentlich etwa 53 Stunden in die Erstellung einer einzelnen Episode.

Literarisches Sujet[Bearbeiten]

Eisenherz ist unter anderem ein Ritter von König Artus Tafelrunde. Die Serie spielt auch zur Zeit des Untergangs des römischen Imperiums im 5. Jahrhundert n. Chr., in dem generell der historische Hintergrund der Artussage eingeordnet wird. Eisenherz selbst ist jedoch auch ein Wikingerprinz der einige Jahrhunderte späteren Wikingerzeit. Die Burgen, Rüstungen und Waffen, sowie der allgemeine Stand der Forschung und die Kriegstaktiken entsprechen zudem eher dem Hochmittelalter des 12. Jahrhunderts. Entsprechend entstehen in manchen Folgen der Serie unrealistische Begegnungen und Überschneidungen zwischen römischen Legionären, griechischen Phalanxen, Wikingern oder Hunnen. Hal Foster war sich dieser historischen Ungenauigkeiten durchaus bewusst (If i drew - King Arthur - as my research has shown, nobody would believe it...), war jedoch der Meinung, dass ein König Artus „eingewickelt in Felle und bekleidet mit ein paar zurückgelassenen römischen Rüstungsteilen“ nicht den Erwartungen seiner Leser entspreche (I cannot draw King Arthur with a black beard, dressed in bearskins and a few odds and ends of armor that the Romans left when they went out of Britain, because that is not the image people have).

Inhalt[Bearbeiten]

Eisenherz ist ein Wikingerprinz aus Thule, einem sagenhaften Königreich im hohen Norden (im Comic in Norwegen angesiedelt). Nach Vertreibung seines Vaters Aguar durch den Verräter Sligon nach Britannien (in ein Gebiet an der Ostküste namens The Wash) kommt Eisenherz als Knabe an Artus' Hof, der noch viel sagenhafteren Burg Camelot. Er wird Knappe des Ritters Gawain und später Ritter der Tafelrunde. Das singende Schwert (vulgo: "Flamberg") hilft ihm in vielen Kämpfen gegen Sachsen, Hunnen und Seeräuber.

Später lernt er Aleta kennen, die Herrscherin über eine Inselgruppe in der Ägäis (die so genannten "Nebelinseln"). Nach diversen Irrfahrten, die an das Schicksal Odysseus' im homerischen Epos erinnern, finden sie zueinander und heiraten (veröffentlicht am 10. Februar 1946). Der älteste Sohn Arn ("geboren" am 31. August 1947) wird im Laufe der Zeit selbst Ritter und spielt eine wichtige Rolle, vor allem in den späten Abenteuern. 1951 bzw. 1961 erschienen zusätzlich ein weibliches Zwillingspärchen (Karen und Valeta) und zwei weitere Söhne, Galan und Nathan, des Paares in den Tagesbeilagen der Zeitungen. Letztgenannter Sohn wird aus einem Racheakt heraus, von Gefolgsleuten des Byzantinischen Herrschers Justinian entführt und schließlich zu einem jüdischen Bauernehepaar gebracht, das den Jungen auf den Namen Nathan tauft und liebevoll einige Zeit aufzieht, bis er von Arn gefunden wird und zurück zu seiner Familie kommt.

Deutlich ist bei Prinz Eisenherz ein Einfluss der Zeitgeschichte zu erkennen: Der Held mit seinem ritterlichen Gerechtigkeitssinn weicht insbesondere nach den letzten Kriegsjahren einer komplizierten Beziehungs-, Liebes- und später Familiengeschichte mit Aleta, der Königin der Nebelinseln, die durch ferne Lande führt und die weibliche Rolle(n) auch als gleichwertige Lebenspartner bzw. Kämpfer stärker hervorhebt, welche (im Falle von Aleta) Prinz Eisenherz im (Fieber-)Wahn sicher geleitet.

Die Serie führt Prinz Eisenherz auf weltweite Reisen, vom Wikingerausflug nach Amerika und Russland über Wallfahrten nach Jerusalem und durch den Orient bis hin zu Besuchen im (schon heruntergekommenen) Rom und bekannten wie weniger bekannten europäischen kulturell bedeutsamen Orten. Als nicht näher definierte Heimatorte sind das (alte) Thule, Camelot und die möglicherweise im Griechischen liegenden Nebelinseln zu nennen. Neben Wüsten und Wäldern werden Berge und Gletscher bereist.

Veröffentlichung[Bearbeiten]

Prinz Eisenherz wurde zunächst als farbige Beilage in acht Zeitungen veröffentlicht. Die erste Folge erschien am 13. Februar 1937 in der Wochenendausgabe des New York Journals. Bis 1980 erschien er in 325 Zeitungen.

Seit 1939 erscheinen die ins Deutsche übersetzten Seiten der Abenteuer von Prinz Eisenherz bei verschiedenen Verlagen. Darunter seit 1987 im Carlsen Verlag die bisher einzige Gesamtausgabe. Im Jahr 2010 schloss diese Reihe zu den amerikanischen Sundayseiten mit halbjährlichen Abstand (26 Seiten) auf. Weil in Amerika jährlich nur 52 neue Folgen (einmal wöchentlich am Sonntag) erscheinen, kann in Deutschland vom Verlag jährlich lediglich ein Fortsetzungsband veröffentlicht werden. Ende Dezember 2013 ist das amerikanische Original bei Seite 4012 angelangt. In Deutschland erschien im Dezember 2013 der Carlsen-Band 88 mit den Folgen 3915-3960.

Zwischen 2006 und 2012 erschien im Bocola Verlag eine digital bearbeitete 17-bändige Buchausgabe mit den 1788 von Hal Foster getexteten und gezeichneten Seiten in ursprünglicher Kolorierung (Jahrgänge 1937-1971). Ein Zusatzband würdigt das Foster-Werk in Text und Bild. Personen und Handlungsstränge, Technik und Biografisches über den Autor sind auf 144 Seiten zusammengetragen.

Parallel dazu begann die Edition der von Murphy gezeichneten Seiten. Darin sind die zehn den Foster-Episoden folgenden Jahrgänge (1971-1980) veröffentlicht, die von Foster noch getextet und vorgezeichnet, aber vom Nachfolger Murphy in Reinzeichnungen umgesetzt wurden, sowie sämtliche von Murphy ohne Foster gestalteten Episoden. Foster war 1981 aus gesundheitlichen Gründen komplett aus der Serie ausgeschieden. Ab diesem Zeitpunkt oblagen Text, Bild und Layout der Reihe alleine John Cullen Murphy, die er zusammen mit Sohn (Text) und Tochter (Lettering/Color) bis 2004 mit der Folge 3501 im Sinne Fosters fortsetzte. Neu erschienen im Dezember 2013 Band 8 mit den Jahrgängen 1985/1986 (Folgen 2500-2603). Die Edition soll bis zum Band 16(17?) Jahrgänge 2003/2004 bis zur letzten Murphy-Seite 3501 fortgeführt werden.

Als dritter Zeichner in der jahrzehntelangen Geschichte des Epos startete mit Folge 3502 der Zeichner Gary Gianni und führte die Erzählung bis zur Folge 3920 fort. Seine Sonntagsseiten sind mit deutscher Übersetzung in der Carlsen-Werksausgabe erschienen. Nach acht Jahren Mitarbeit reichte Gianni 2012 den Zeichenstift an den vierten Zeichner, Thomas Yeates weiter, der am 1. April mit der Folge 3921 startete und die Serie bis heute fortführt. Dessen Arbeiten mit deutschem Text sind jetzt erstmals in dem im Dezember 2013 erschienen PE-Band 88 (Folgen 3915-3960) anzusehen und nachzulesen

Filme, TV-Serien und Theater[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Brian M. Kane: Prinz Eisenherz: Ein Handbuch für Kenner und Liebhaber. Bocola, Bonn 2010, ISBN 978-3-939625-31-5.
  • Gerhard Klußmeier: Alles über Prinz Eisenherz. Sage, Geschichte, Comic-Roman. Pollischansky, Wien 1987, ISBN 3-85407-037-3.
  • Andreas C. Knigge, Richard Marschall (Hrsg.): Das große Hal-Foster-Buch. Carlsen, Hamburg 1992, ISBN 3-551-02816-8 (Carlsen Studio).
  • Krause, Horst-Burkhardt: Mittelalter in Sprechblasen. Zur Rezeption des Mittelalters im Comic. In: Kühnel, J. u.a.: Mittelalter-Rezeption II. Vorträge des 2. Salzburger Symposiums, Kümmerle, 1982, ISBN 978-3874525749, S. 281-299.
  • Hubert Mittler: Prinz Eisenherz oder das Mittelalter in der Sprechblase. Das Bild von Ritter und Rittertum zwischen 1000 und 1200 in ausgewählten historisierenden Comics. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-631-57405-8 (Kinder- und Jugendkultur, -literatur und -medien 54), (Zugleich: Dortmund, Univ., Diss., 2007).
  • Hubert Mittler: Im Wald der Mittelalterfiktionen. Das Bild des Mittelalters in den Comic-Serien Prinz Eisenherz und Die Türme von Bois-Maury. In: Dietrich Grünewald (Hrsg.): Struktur und Geschichte der Comics Beiträge zur Comicforschung. Ch. A. Bachmann Verlag, Bochum 2010, ISBN 978-3-941030-04-6, S. 155–177.

Weblinks[Bearbeiten]