Prinz Eisenherz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Prinz Eisenherz (im englischen Original Prince Valiant) ist der Name einer amerikanischen Comic-Serie, die von ihrem Schöpfer in den Sagenkreis um König Artus und die Ritter seiner Tafelrunde eingefügt wurde. Sie wurde ab 1937 von Hal Foster geschrieben und gezeichnet. 1971 endete Fosters Tätigkeit als Zeichner, 1980 auch seine Autorenschaft. Fortgeführt wurde die Serie von Cullen Murphy als Szenarist und John Cullen Murphy als Zeichner, seit 2004 fungieren Mark Schultz als Autor und Gary Gianni als Zeichner.

Die sehr realistischen Zeichnungen Fosters hoben die Serie anfangs noch von zeitgenössischen Werken ab, waren aber schon bald keine Seltenheit mehr. Unterstützt wird die Wirkung der Bilder durch das große Originalformat (ein typisches Einzelbild hat fast A4-Größe) und das Fehlen von Sprechblasen. Der Text wird als Untertitel eingesetzt. Die Serie wurde ursprünglich für den Abdruck in Zeitungen konzipiert, es erschien lediglich eine Seite pro Woche, weshalb der Zeichner sehr sorgfältig und detailliert arbeiten konnte. Nach eigenen Angaben (1970) investierte Foster wöchentlich etwa 53 Stunden in die Erstellung einer einzelnen Episode.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Literarisches Sujet

Die Serie spielt zur Zeit des sagenhaften König Artus und der Ritter seiner Tafelrunde. Der Sagenkreis um König Artus besteht aus einer losen Folge von Heldensagen seiner Ritter. Der historische Hintergrund der Artussage ist zeitlich ca. im 5. Jahrhundert n. Chr. einzuordnen, etwa zu der Zeit des Untergangs des römischen Imperiums. Eisenherz wird jedoch als Prinz der Wikingerzeit geschildert und ist somit einige Jahrhunderte später angesiedelt. Das hängt mit der Überlieferung der Artussage zusammen, deren früheste Aufzeichnungen im 6./7. Jahrhundert liegen, den Höhepunkt der Rezeption aber in der französischen Hofdichtung des 12. Jahrhunderts erlebten. Die Burgen, Rüstungen und Waffen entsprechen demnach eher dem 12. Jahrhundert. Hal Foster war sich dieser historischen Ungenauigkeiten durchaus bewusst (If i drew - King Arthur - as my research has shown, nobody would believe it...), war jedoch der Meinung, dass ein König Artus „eingewickelt in Felle und bekleidet mit ein paar zurückgelassenen römischen Rüstungsteilen“ nicht den Erwartungen seiner Leser entsprechen würde (I cannot draw King Arthur with a black beard, dressed in bearskins and a few odds and ends of armor that the Romans left when they went out of Britain, because that is not the image people have).

[Bearbeiten] Inhalt

Eisenherz ist ein Wikingerprinz aus Thule, einem sagenhaften Königreich im hohen Norden (im Comic in Norwegen angesiedelt). Nach Vertreibung seines Vaters Aguar durch den Verräter Sligon nach Britannien (in ein Gebiet an der Ostküste namens The Wash) kommt Eisenherz als Knabe an Artus' Hof, der noch viel sagenhafteren Burg Camelot. Er wird Knappe des Ritters Gawain und später Ritter der Tafelrunde. Seine Freunde und Begleiter in den Abenteuern sind neben Sir Gawain König Artus (in der deutschen Übersetzung ebenso wie im Original „Arthur“) und Merlin der Zauberer. Das "singende Schwert" (vulgo: "Flamberg") hilft ihm in vielen Kämpfen gegen Sachsen, Hunnen und Seeräuber.

Später lernt er Aleta kennen, die Herrscherin über eine Inselgruppe in der Ägäis (die so genannten "Nebelinseln"). Nach diversen Irrfahrten, die an das Schicksal Odysseus' im homerischen Epos erinnern, finden sie zueinander und heiraten (veröffentlicht am 10. Februar 1946). Der älteste Sohn Arn ("geboren" am 31. August 1947) wird im Laufe der Zeit selbst Ritter und spielt eine wichtige Rolle, vor allem in den späten Abenteuern. 1951 bzw. 1961 erschienen zusätzlich ein weibliches Zwillingspärchen (Karen & Valeta) und zwei weitere Söhne, Galan und Nathan, des Paares in den Tagesbeilagen der Zeitungen. Letztgenannter Sohn wird aus einem Racheakt heraus von Mordred, Eisenherz' Erzfeind, entführt und schließlich von einem Bauernehepaar gefunden, das den Jungen liebevoll einige Jahre aufzieht, bis er von Arn gefunden wird und zurück zu seiner Familie kommt.

Deutlich ist bei Prinz Eisenherz ein Einfluss der Zeitgeschichte zu erkennen: Der Held mit seinem ritterlichen Gerechtigkeitssinn weicht insbesondere nach den letzten Kriegsjahren einer komplizierten Beziehungs-, Liebes- und später Familiengeschichte mit Aleta, der Königin der Nebelinseln, die durch ferne Lande führt und die weibliche Rolle(n) auch als gleichwertige Lebenspartner bzw. Kämpfer stärker hervorhebt, welche (im Falle von Aleta) Prinz Eisenherz im (Fieber-)Wahn sicher geleitet.

Die Serie führt Prinz Eisenherz auf weltweite Reisen, vom Wikingerausflug nach Amerika und Russland über Wallfahrten nach Jerusalem und durch den Orient bis hin zu Besuchen im (schon heruntergekommenen) Rom und bekannten wie weniger bekannten europäischen kulturell bedeutsamen Orten. Als nicht näher definierte Heimatorte sind das (alte) Thule, Camelot und die möglicherweise im Griechischen liegenden Nebelinseln zu nennen. Neben Wüsten und Wäldern werden Berge und Gletscher bereist.

[Bearbeiten] Veröffentlichung

Prinz Eisenherz wurde zunächst als farbige Beilage in acht Zeitungen veröffentlicht. Die erste Folge erschien am 13. Februar 1937 in der Wochenendausgabe des New York Journals. Bis 1980 wurden es 325 Zeitungen.

Seit 1939 erscheinen die ins Deutsche übersetzten Seiten der Abenteuer von Prinz Eisenherz bei den verschiedenen Verlagen. Darunter auch die bisher einzige Gesamtausgabe im Carlsen Verlag, die seit 1987 herausgegeben wird. Im Jahr 2010 schloss diese Reihe zur amerikanischen Originalausgabe mit einem halbjährigen Abstand auf. Somit kann in Deutschland vom Carlsen-Verlag jährlich nur noch ein Fortsetzungsband veröffentlicht werden, weil in Amerika nur 52 neue Folgen erscheinen. Aktuell ist derzeit (Oktober 2011) der Band 86 mit den Folgen 3823-3868 (3868 = amerikanischer Veröffentlichungsstand bis 27. März 2011)

Seit September 2006 erscheint im Bocola Verlag eine digital überarbeitete 18-bändige Ausgabe mit den Seiten 1 - 1788 des Epos in Originalkolorierung, die von Hal Foster getextet und gezeichnet wurden (Jahre 1937-1971). Bis November 2011 sind davon sechzehn Bände erschienen. Für Mai 2012 kündigt der Verlag die Herausgabe des abschließenden 17. Bandes (mit 144 Seiten) an. Der 18. Band wird dann ausschließlich Sekundärmaterial zu den 1788 Foster-Seiten beinhalten. Komplettiert wird 2012 auch die zweite Buchreihe des Prinz Eisenherz-Epos. Im Januar wird der vierte, in der zweiten Jahreshälfte der abschließende fünfte Band dieser fünfbändigen Buchserie erscheinen: Die Foster & Murphy Jahre, Seiten 1789-2242. Darin sind die zehn den Foster-Folgen folgende Jahrgänge (1971-1980) veröffentlicht, die von Foster nur noch vorgezeichnet und getextet, vom Nachfolger Murphy dann in Reinzeichnungen zur Veröffentlichung umgesetzt wurden.

[Bearbeiten] Filme, TV-Serien und Theater

[Bearbeiten] Literatur

  • Brian M. Kane: Prinz Eisenherz: Ein Handbuch für Kenner und Liebhaber. Bocola, Bonn 2010, ISBN 978-3-939625-31-5.
  • Gerhard Klußmeier: Alles über Prinz Eisenherz. Sage, Geschichte, Comic-Roman. Pollischansky, Wien 1987, ISBN 3-85407-037-3.
  • Andreas C. Knigge, Richard Marschall (Hrsg.): Das große Hal-Foster-Buch. Carlsen, Hamburg 1992, ISBN 3-551-02816-8 (Carlsen Studio).
  • Krause, Horst-Burkhardt: Mittelalter in Sprechblasen. Zur Rezeption des Mittelalters im Comic. In: Kühnel, J. u.a.: Mittelalter-Rezeption II. Vorträge des 2. Salzburger Symposiums, Kümmerle, 1982, ISBN 978-3874525749, S. 281-299.
  • Hubert Mittler: Prinz Eisenherz oder das Mittelalter in der Sprechblase. Das Bild von Ritter und Rittertum zwischen 1000 und 1200 in ausgewählten historisierenden Comics. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-631-57405-8 (Kinder- und Jugendkultur, -literatur und -medien 54), (Zugleich: Dortmund, Univ., Diss., 2007).
  • Hubert Mittler: Im Wald der Mittelalterfiktionen. Das Bild des Mittelalters in den Comic-Serien Prinz Eisenherz und Die Türme von Bois-Maury. In: Dietrich Grünewald (Hrsg.): Struktur und Geschichte der Comics Beiträge zur Comicforschung. Ch. A. Bachmann Verlag, Bochum 2010, ISBN 978-3-941030-04-6, S. 155–177.

[Bearbeiten] Weblinks

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen