Psalterium

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Dieser Artikel behandelt das Musikinstrument, weitere Bedeutungen unter Psalter.
Psalterium in Form einer Leier

Das Psalterium oder Psalter (gr. psallo: „eine Saite zupfen“) gilt als Urform von Zither und Hackbrett, auch Harfe, Cembalo und Clavichord wurden davon inspiriert. Sein Resonanzkasten ist meist trapezförmig, rechteckig oder in „Schweinskopfform“ [1] und oft reich verziert.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge des Psalteriums reichen bis in den orientalischen Kulturraum zu den beiden Grundformen zurück: dem persischen Schlaginstrument santur und dem arabischen Zupfinstrument kanun. Ein Vorläufer mit dreieckigem Korpus ist seit dem 5. Jahrhundert unter den lateinischen Namen nabulum und decacordum bekannt. In der Entstehungsphase des europäischen Instrumentariums in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts muss es, wie zahlreiche Abbildungen belegen, ein grundlegendes Saiteninstrument gewesen sein.

Die Korpusform des Psalteriums ist vielgestaltig, es erscheint als schlichtes Dreieck, in sog. Schweinskopfform, als Halbtrapez, Trapez und als Viereck. Letztere Form wurde bereits um 1404[2] mit Klaviatur versehen und dabei zu Cembalo und Clavichord (bei Heinrich-Arnold von Zwolle noch als zweite Art des Dulce Melos bezeichnet) weiterentwickelt.

Psalterium in Form einer Zither (Bild von Ala Bohemica)

Nicht geringe Verwirrung bei den bildenden Künstlern der Zeit hat die Neuerung ausgelöst, das Psalterium statt mit Fingern oder Plektrum zu zupfen nun wie beim Hackbrett mit Stäbchen zu schlagen (bei Zwolle die erste Art des Dulce Melos genannt). Manche von ihnen bilden den Spieler nämlich mit Stäbchen ab, behalten dabei aber die viel zu eng beieinander liegenden Saiten des Psalteriums bei.

Eine instrumentengeschichtlich sehr kuriose Erscheinung stellt die Wiederbelebung des Psalteriums als Salterio in Italien seit etwa 1700 dar. Obwohl es mit seinen wechselweise über Stege geführten Saitenchören ganz klar als Hackbrett eingerichtet ist, wurde es fast ausschließlich mittels „penne“ (Ringplektren) gezupft.

Eine weitere, wenn auch weitaus jüngere Variante des Psalteriums ist das Streichpsalter. Es wird nicht gezupft oder geschlagen, sondern mit einem Bogen gestrichen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Psalterium – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen[Bearbeiten]

  1. Ulrich Michels: dtv-Atlas zur Musik, Band 1, S. 35. dtv, München 1977, ISBN 3-423-03022-4
  2. David Crombie: Piano. Evolution, Design and Performance, London 1995, ISBN 1-871547-99-7, S. 8.