Purana Qila

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Das ‚Alte Fort‘ (Purana Qila) in Delhi liegt an einem flachen Teich, der ehemals ein Flussarm des Yamuna war.

Purana Qila (Hindi: पुराना क़िला, Urdu ‏پُرانا قلعہ‎, Englisch: Old Fort = ‚Alte Festung‘), ist die älteste Festungsanlage und gleichzeitig die älteste bekannte Bausubstanz jeglicher Art in Delhi. Der Platz wird häufig mit der bereits im Mahabharata erwähnten Stadt Indraprastha gleichgesetzt.

Lage[Bearbeiten]

Die flächenmäßig große Fortanlage liegt etwa 1,5 km östlich des India Gate bzw. etwa 1,5 km westlich des Yamuna-Flusses nahe dem Zentrum von Delhi. Das als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannte Humayun-Mausoleum befindet sich etwa 2 km südöstlich.

Geschichte[Bearbeiten]

Die heutige Anlage wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vom Mogulherrscher Humayun begonnen und nach dessen Vertreibung vom afghanisch-stämmigen König Sher Shah Suri weiter ausgebaut. Die Festung wurde im Gebiet von Indraprastha gebaut, das als die Hauptstadt der mythischen Pandavas angesehen wird.[1] Sie lag ursprünglich unmittelbar auf dem Westufer des Flusses Yamuna, der später seinen Lauf etwas nach Osten verlagerte und von den Hindus schon seit langem verehrt wird, so dass die Besiedlungsgeschichte des Platzes vermutlich mehr als 5000 Jahre zurückreicht. Sie könnte daher die erste Ansiedlung im Raum Delhi sein.[2] Bei Ausgrabungen wurden Tongefäße gefunden, die in die Zeit um 1000 v. Chr. datiert werden.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Festung[Bearbeiten]

Westtor (Bara Darwaza)

Die Mauern des in seiner Architektur von den Festungsanlagen Rajasthans beeinflussten Forts erreichen stellenweise eine Höhe von 18 m; sie werden noch überragt von drei Torbauten (Bara Darwaza, Humayun Darwaza und Talaqi Darwaza), die von vorspringenden Rundtürmen begleitet werden. Während letztere aus farbloser, aber äußerst harter und stellenweise kaum bearbeiteter Grauwacke hergestellt sind, sind die Mittelteile überwiegend mit roten Sandsteinplatten aus dem östlichen Rajasthan (vgl. Fatehpur Sikri) verkleidet. Die Tore verfügen über einen aufsitzenden Zinnenkranz, Zierbalkone (jarokas) und Chhatris; durch das verschiedenfarbige Steinmaterial, aus dem auch einfache Inkrustationen hergestellt wurden, wirken sie sehr repräsentativ. Das imposante Nordtor (Talaqi Darwaza) zeigt sogar zwei Marmorplatten mit Löwenreliefs (vyalas) – äußerst ungewöhnlich für die bilderfeindliche islamische Kunst.

Qila-i-Kuhna-Moschee[Bearbeiten]

Qila-i-Kuhna-Moschee

Der breitgelagerte fünfportalige und von einer Kuppel überhöhte Moscheebau wurde im Jahr 1541 im Auftrag Sher Shah Suris errichtet. Die architektonisch abwechslungsreich gestaltete Fassade zeigt ein Spiel mit verschiedenfarbigen Steinmaterialien – vor allem das leicht aus der Flucht hervortretende Mittelportal ist reich mit Steininkrustationen und Reliefs verziert; über dem Portal befindet sich ein Balkon (jaroka). Die äußeren Seitenportale sind geringfügig kleiner, werden jedoch von höheren Blendbögen überfangen, die erneut Zierbalkone zeigen. Im Innern ist die Moschee nur einschiffig – in die nach Mekka weisende Qibla-Wand sind fünf reichverzierte Mihrab-Nischen eingelassen. Vor der Moschee befand sich einst eine Brunnenanlage für die vom Koran in Sure 5,6 vor dem Gebet vorgeschriebene Waschung (Wuḍūʾ).

Sher Mandal

Stufenbrunnen[Bearbeiten]

Seitlich hinter der Moschee befinden sich ein Stufenbrunnen (baoli), von denen es in Delhi mehrere gibt (z. B. Agrasen Ki Baoli) und ein in Ruinen liegendes Bad (hammam).

Sher Mandal[Bearbeiten]

Das zweigeschossige, vom ersten Großmogul Babur begonnene und von seinem Sohn Humayun fertiggestellte Bauwerk wurde später zu Ehren Sher Shah Suris in Sher Mandal umbenannt. Es diente gleichermaßen als Gartenpavillon, als Bibliothek und als Observatorium. Am 24. Januar 1556 rutschte Humayun auf der Treppe zum Observatorium aus und starb zwei Tage später an seinen inneren Verletzungen.

Umgebung[Bearbeiten]

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Fortbereich befinden sich eine weitere Moschee (Khairul Manazil), die später in eine Koranschule (madrasa) integriert wurde, und ein sehenswertes Tor (Lal Darwaza).

Literatur[Bearbeiten]

  • Gordon Risley Hearn: The Seven Cities of Delhi. Ulan Press 2005, ISBN 81-7305-300-6.
  • Rakhshanda Jalil (Text), Prabhas Roy (Fotos): Invisible City — The Hidden Monuments of Delhi. Niyogi Books 2008, ISBN 81-89738-14-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Purana Qila – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andrew Petersen: Dictionary of Islamic Architecture. Routledge, London 1996, ISBN 0-415-06084-2, S. 65
  2. Delhi City - The Imperial Gazetteer of India, 1909, Band 11, S. 236
  3. Delhi. In: Jonathan Bloom, Sheila Blair (Hrsg): Grove Encyclopedia of Islamic Art & Architecture, Band 2. Oxford University Press, ISBN 0-195-30991-X. S. 1

28.60953277.243464Koordinaten: 28° 36′ 34″ N, 77° 14′ 36″ O