Chhatri

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Chhatris als Zierelement am Diwan-i-Khas in Fatehpur Sikri, Nordindien
Chhatri des Maharaja Udaybhan Singh, Dholpur, Rajasthan
Bada Bagh: Chhatris als Kenotaphen, bei Jaisalmer, Rajasthan
Jaswant Thada: Mausoleum von Maharaja Jaswant Singh, Jodhpur, Rajasthan
Ein Beispiel für die Verwendung von Chhatris im indo-sarazenischen Stil: Madras Museum (19. Jh.), in Chennai, Andhra Pradesh

Ein Chhatri (von Sanskrit chhattra = „Schirm“) ist ein charakteristisches Bauelement der indischen Architektur, besonders der hinduistischen Architektur Nordwestindiens und des Mogulstils. Chhatris sind kleine Pavillons mit einer von vier oder mehr Säulen getragenen Kuppel und meist quadratischer, viereckiger oder oktogonaler Grundfläche, die entweder auf einem Sockel direkt auf den Boden stehen oder als Zierpavillons die Dächer von Profan- oder Sakralbauten krönen. Im weiteren Sinne werden auch manche aus mehreren Kuppeln bestehende, größere Mausoleen als Chhatris bezeichnet.

Ein Chhatri wurde häufig als Kenotaph (Leergrab, Ehrengrab) an der Stelle der Feuerbestattung wohlhabender oder berühmter Persönlichkeiten errichtet, wo sie als einfache Einkuppel-Pavillons – entweder alleine stehend oder in Gruppen –, zuweilen auch als komplexere Bauwerke mit mehreren Kuppeln errichtet wurden. Die meisten der als Kenotaphen erbauten Chhatris findet man im indischen Bundesstaat Rajasthan, dem früheren Rajputana (z. B. in der Shekhawati-Region), aber auch im westlichen Madhya Pradesh.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Chhatris gehen ursprünglich auf die als Chattra (pl. Chattravali) bezeichnete schirmartige Bekrönung eines buddhistischen Stupa der klassischen Zeit zurück. Als pavillonartiges, von einer Kuppel gekröntes Bauelement spielten sie später eine wichtige Rolle in der Profanbaukunst der hinduistischen Rajputen, von wo sie in die indo-islamische Architektur, etwa des Mogulstils, übernommen wurden. Während die Chhatris zunächst vor allem als Kenotaphen errichtet wurden, fanden sie später zunehmend als Zierelemente von hinduistischen Tempeln und Palästen, von Moscheen in Indien, aber auch von Bauwerken im indo-sarazenischen Stil der britischen Kolonialzeit Verwendung.

Beispiele[Bearbeiten]

- Das Dach des Diwan-i-Khas (private Audienzhalle), ziert an jedem Eck ein quadratisches, viersäuliges Chhatri. - An der Jama Masjid (Freitagsmoschee) werden der Pishtaq (Portalbau) und die Konsoldächer der spitzbogigen Hofarkaden von Chhatris gekrönt.

  • Jaipur (Rajasthan): Moosi Maharani ki Chhatri - Kenotaphe der Königinnen von Jaipur.
  • Jodhpur (Rajasthan): Jaswant Thada (1899), Mausoleum zu Ehren des Maharaja Jaswant Singh II., aus weißem Marmor.
  • Indore (Madhya Pradesh): Krishnapura Chhatri; Bolia Sarkars Chhatri (1858).
  • Shivpuri (Madhya Pradesh): Die "Royal Chhatris", Kenotaphen der Scindia-Dynastie. Marmormausoleum des Madho Rao Scindia, mit prachtvollen Reliefarbeiten.

Sonderform[Bearbeiten]

Chhaparkat: Eine längliche Form des Chhatri, dessen Kuppel von vier oder acht Pfeilern getragen wird - meist über einem Haupteingang.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chhatri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien