Pygmalion (Shaw)

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Erste Ausgabe von Bernard Shaws Pygmalion

Pygmalion ist ein Schauspiel von George Bernard Shaw nach Ovids Darstellung des Pygmalion-Stoffs, das am 16. Oktober 1913 im Wiener Burgtheater in der Übersetzung von Siegfried Trebitsch uraufgeführt wurde.

Inhalt[Bearbeiten]

Shaws Komödie erzählt die Geschichte des Professors Henry Higgins, eines selbstherrlichen Sprachwissenschaftlers, der wettet, dass er eine arme Blumenverkäuferin, Eliza Doolittle, zu einer Herzogin machen könne, indem er ihr beibringt, mit dem Akzent der feinen Londoner Gesellschaft zu sprechen. Bei einer Botschafter-Party gibt er sie erfolgreich als Herzogin aus. Da sie von Higgins allerdings schlecht behandelt wird, verlässt sie ihn, ohne zu wissen, was sie danach tun wird. Das Stück endet hier.

So wie Pygmalion bei Ovid sein lebloses Kunstwerk liebt, liebt auch Higgins seine Schöpfung, jedoch nicht die Person Eliza selbst, sondern nur das sprachliche Kunstwerk, das er geschaffen hat. Higgins erwidert die Liebe Elizas nicht, übersieht ihre menschlichen Bedürfnisse und sieht sie nicht als gleichwertig an. (Pickering: Does it occur to you, Higgins, that the girl has some feelings? Higgins: Oh no, I don't think so. Not any feelings that we need bother about.)

Rezeption[Bearbeiten]

Das Schauspiel löste damals einen Skandal aus, da es für die damaligen Verhältnisse geradezu exzessiv Schimpfwörter verwendet. So benutzt Eliza einmal das damals ordinäre Wort bloody („verdammt“): Obwohl Eliza mit feinem Akzent sprechen kann, versteht sie wenig von dem, worüber man in der hohen Gesellschaft spricht. Als jemand sie fragt, ob sie zu Fuß nach Hause ginge, antwortet sie: „Verdammt unwahrscheinlich!“ (“not bloody likely”).

In der Uraufführung (Regie: Hugo Thimig) spielten Max Paulsen und Lili Marberg. In der Berliner Produktion am Lessingtheater spielten am 1. November 1913 Tilla Durieux and Albert Steinrück.

Verfilmung[Bearbeiten]

Das Schauspiel wurde 1938 mit Leslie Howard und Wendy Hiller in den Hauptrollen verfilmt. Shaw wurde 1939 gemeinsam mit seinem Ko-Autor Cecil Lewis für das Drehbuch dieser Adaption mit einem Oscar ausgezeichnet. Auch die beiden Hauptdarsteller (Howard und Hiller) waren für einen Oscar nominiert worden.

Musical[Bearbeiten]

1956 entstanden aus dem Schauspiel das Musical My Fair Lady und 1964 dessen Verfilmung My Fair Lady.

Aktuelle Ausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Otten: George Bernard Shaw: Pygmalion. In: Horst Oppel (Hrsg.): Das moderne englische Drama. Interpretationen. Bagel, Berlin, 2. Aufl. 1966, S. 124 – 146
  • Heinz Edenhofer: Shaw: Pygmalion, in Kurt Bräutigam, Hg.: Europäische Komödien, dargestellt an Einzelinterpretationen. Diesterweg, Frankfurt 1964, S. 155 - 174

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pygmalion (Shaw) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien