Quadrille (Tanz)

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"Tangermünder Quadrille"

Die Quadrille, auch Quadrille à la cour ist ein französischer Kontratanz[1], der zur Zeit Napoleons I. in Paris entstand. Sehr beliebt ist die Quadrille bei Hochzeiten und Bällen.

Aus der Quadrille entstand später der Cancan, dessen Popularität bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts anhielt. Die echte Quadrille, die zu den wilden Rhythmen Offenbachs getanzt wurde, war weder schön noch strukturiert. Die rhythmische Präzision dieses historischen Tanzes, der in den 1950er-Jahren als Cancan durch Kino und Theaterbühnen bekannt wurde, entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert.

Die Quadrille wird von jeweils acht Personen (vier Paaren) getanzt, die sich zwei und zwei im Quadrat gegenüberstehen. In der Regel ist der Tanz fünfteilig, auch mit einem Galopp am Ende. In England wurde der Tanz vor 1816 eingeführt, in Deutschland gegen 1820. In der Form Les Lanciers ist die Tanzform in ganz Europa bekannt geworden. Eine Weiterentwicklung der Quadrille ist die Walzerquadrille, die mit einem Walzer abschließt. Die Quadrille ist ein Gesellschaftstanz. Noch bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts war der Quadrilletanz fester Bestandteil klassischer Tanzkurse.

Auf vielen Bällen ist es gebräuchlich, eine Mitternachtsquadrille in Massenformation zu tanzen, so z. B. auch anlässlich der Munotbälle auf dem Munot in Schaffhausen oder beim Wiener Kathreintanz.

Die "Sauerländer Quadrille"

Bei Wiener Bällen, so auch am Wiener Opernball, gehört die Quadrille-Française zum festen Bestandteil des Balls und wird unter anderem als Mitternachtsquadrille (nach der Mitternachtseinlage oder stattdessen) veranstaltet. Bei jener Form der Publikumsquadrille wird während des Tanzes jeder Tanzschritt angesagt (u.a. von Thomas Schäfer-Elmayer, oder zum Beispiel auf dem Wiener Opernball 2013 von Roman E. Svabek[2]). Nach Bedarf wird die Quadrille nach Mitternacht zu späterer Zeit wiederholt. Die Quadrille-Française wird auf Wiener Bällen ausschließlich zur Fledermaus-Quadrille (op. 363) von Johann Strauß (Sohn) getanzt.

Der Square Dance und Set Dance basiert auf dem Prinzip der Quadrille. Diese Tanzform kommt auch immer wieder in Volkstänzen vor, etwa bei den sogenannten „Bunten“, die vor allem in Norddeutschland überliefert sind.

In Lewis Carrolls Roman Alice im Wunderland tanzen zwei Figuren, der Greif und die falsche Schildkröte, die „Hummer-Quadrille“.

Ab 1852 werden neuen Quadrillen eingeführt, die eine Alternative des "Quadrille français" sind. Der "Quadrille des lanciers" ist der einzige, der dauerhaft geblieben ist. 1856 erscheint, er besteht aus fünf Figuren (tiroirs, lignes, saluts, visites, lanciers), und wurde bis zum 2. Weltkrieg regelmäßig getanzt. Er wird immer noch hier und da getanzt, insbesondere als Tanzschau jedes Jahr bei dem "Bal de l'X". Der "quadrille du prince impérial", der "quadrille des variétés parisiennes", der "quadrille des dames", der "quadrille russe" sind andere Quadrillen, die ab 1852 bekannt worden sind. Sie erfordern alle eine besondere Musik.

Figuren der Quadrille-Française[Bearbeiten]

"Missgeschicke beim Quadrille-Tanz" - humoristische Darstellung von 1817

Die sechs klassischen, französischen Figuren der Quadrille-Française sind[3]:

  1. Le Pantalon (Die Hose)
  2. L'Été (Der Sommer)
  3. La Poule (Das Huhn)
  4. La Trénis (auch Trénitz)
  5. La Pastourelle (Die Hirtin)
  6. Finale oder Saint-Simonienne

In der Münchner Française entfällt die 4. Tour.

Figuren der Quadrille des Lanciers[Bearbeiten]

  1. Les tiroirs (die Schubladen)
  2. Les lignes (die Linien)
  3. Les moulinets (die Rollen)
  4. Les visites (die Besuche)
  5. Les lanciers (die Lanzenreiter)

Musik der Quadrille des Lanciers[Bearbeiten]

Jede Figur hat ihre eigene Musik.

  1. Les tiroirs (die Schubladen)
  2. Les lignes (die Linien)
  3. Les moulinets (die Rollen)
  4. Les visites (die Besuche)
  5. Les lanciers (die Lanzenreiter)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary, Stichwort Quadrille
  2. Programmheft Opernball 2013 (Quelle: Staatsoper Wien Abgerufen am 26. Jänner 2013; PDF; 9,8 MB)
  3. Stichwort Quadrille. In: Daniel Coit Gilman, Harry Thurston Peck und Frank Moore Colby (Hrsg.): The New International Encyclopædia. 1905.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Quadrille – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Quadrille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien