Quelicai

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Subdistrikt Quelicai und seinem Hauptort. Für den Ort Quelicai im Suco Afaçá siehe Afaçá.
Subdistrikt Quelicai
Quelicai (Osttimor)
Red pog.svg
Hauptstadt Quelicai
Fläche 206,46 km²[1]
Einwohnerzahl 16.747 (2010)[1]
Sucos Einwohner (2010)[2]
Abafala 632
Abo 774
Afaçá 1.510
Baguia 1.057
Bualale 711
Guruça 1.416
Lacoliu 1.266
Laisorolai de Baixo 671
Laisorolai de Cima 1.695
Lelalai 1.333
Letemumo 1.485
Macalaco 950
Maluro 341
Namanei 836
Uaitame 2.070
Übersichtskarte
Verwaltungsgliederung von Baucau
Lage des Distrikts Baucau

Quelicai (Kelikai) ist der Hauptort des Subdistrikts Quelicai im osttimoresischen Distrikt Baucau.

Der Ort[Bearbeiten]

Der Ort liegt im Südosten des Distrikts, auf der Grenze zwischen den Sucos Baguia (Quelicai) und Letemumo, in einer Meereshöhe von 713 m. Zur Distriktshauptstadt Baucau sind es in Luftlinie 18 km nach Nordwesten und zur Landeshauptstadt Dili etwa 107 km nach Westen. Am Ort gibt es zweimal die Woche einen regionalen Markt. Auffällig ist die Kirche Igrja da Sta. Teresinha. Die weiß-rosa Fassade besteht aus zwei hohen Dreiecken. Außerdem gibt es hier einen Hubschrauberlandeplatz, ein kommunales Gesundheitszentrum, eine Grundschule und eine präsekundäre Schule.[3]

Der Subdistrikt[Bearbeiten]

Quelicai im Distrikt Baucau

Der Subdistrikt Quelicai liegt im Süden des Distrikts Baucau. Im Nordwesten grenzt er an den Subdistrikt Baucau, im Norden an Laga, im Osten an Baguia und in Süden und Südwesten an den Distrikt Viqueque. An der Grenze zu Baguia liegt der Matebian (2316 m), der höchste Berg des Distrikts.

Quelicai teilt sich in 15 Sucos: Abafala, Abo, Afaçá (Afasa), Baguia, Bualale, Guruça (Gurusa), Lacoliu (Locoliu), Laisorolai de Baixo (Laisorulai de Baixo), Laisorolai de Cima (Laisorulai de Cima), Lelalai, Letemumo (Letemuno), Macalaco, Maluro, Namanei und Uaitame (Waitame).

Im Subdistrikt leben 16.747 Einwohner (2010,[1] 2004: 15.915[5]). Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Makasae. Der Altersdurchschnitt beträgt 18,9 Jahre (2010,[1] 2004: 18,9 Jahre[6]).

64 % der Haushalte bauen Maniok an, 53 % Kokosnüsse, 64 % Mais, 44 % Reis, 20 % Kaffee und 44 % Gemüse.[2] Am Matebian befinden sich größere Mengen an Manganerzen, außerdem fand man in Quelicai Phosphatvorkommen.[7]

Administrator des Subdistrikts ist Lino Fortuzo. (Stand: Mai 2012).[8]

Geschichte[Bearbeiten]

1903 und 1912 scheiterten Aufstände Quelicais gegen die portugiesischen Kolonialherren.[9]

Aquiles Freitas Soares, der Liurai von Letemumo war eine führende Persönlichkeit im Abwehrkampf gegen die indonesischen Invasoren. Aufgrund von internen Spannungen wurde er aber bei Vemasse, zusammen mit anderen Männern seines Comando da Luta Boru-Quere von der FRETILIN zwischen Dezember 1976 und Januar 1977 hingerichtet.[10][11][12]

Der Matebian und seine Umgebung waren das letzte große Widerstandszentrum der FALINTIL (base de apoio) gegen die Indonesier. Ab 1977 wurden evakuierte Zivilisten in neuen Dörfern um den Matebian nach ihrer Herkunft angesiedelt. Sie kamen aus Tequinaumata, Samalari, Boleha, Guruça, Afaçá, Namanei, Benamauc, Camea und Fatuahi. Im Oktober 1978 begannen die indonesischen Angriffe auf die Basis. Am 22. November wurde die FALINTIL von den Invasoren überrannt. Noch heute kann man Höhlen besichtigen, die den Widerstandskämpfern als Unterschlupf dienten.[11]

Ende 1979 befand sich in der Stadt Quelicai ein indonesisches Umsiedlungslager für Osttimoresen, die zur besseren Kontrolle von den Besatzern umgesiedelt werden sollten. Zwischen 1979 und 1981 wurden 205 Familien der Orte Quelicai, Quelicai (Afaçá), Afaçá, Guruça, Abafala, Uaitame und Bualale durch die Indonesier über das Lager in eine neue Siedlung namens Mulia in Laga zwangsumgesiedelt. Man befürchtete, die Dörfer, die nah an den Wäldern lagen, könnten die FALINTIL unterstützen. Die alten Wohnhäuser wurden nach der Räumung niedergebrannt, Felder zerstört und das Vieh getötet. Mehrere Bewohner wurden verletzt. Unter schwerer Bewachung wurden die Einwohner auf Lastwagen nach Mulia gebracht.[11]

Flüchtlinge in Osttimor nach den Parlamentswahlen 2007.[13]

In den 1980er Jahren wurde Quelicai von der indonesischen Armee im Kampf gegen die FALINTIL bombardiert und mehrfach durchkämmt, was zu Toten unter den Einwohnern führte. Am 31. Mai 1997 geriet ein indonesischer Sicherheitstransport in Quelicai in einen Hinterhalt. Männer in indonesischer Militäruniform stoppten den Lastwagen mit 28 Polizisten und Soldaten. Als der Lastwagen hielt, wurde eine Handgranate auf die Ladefläche geworfen. Ein Fass mit Treibstoff, das sich dort befand, explodierte. 18 Indonesier wurden getötet.[14] Bei der indonesischen Militäraktion, die darauf folgte, wurden 114 Einwohner verhaftet. Während der Gewalttaten rund um das Unabhängigkeitsreferendum von 1999 kam Quelicai vergleichsweise glimpflich davon. Pro-indonesische Milizionäre brannten nur einige Häuser nieder.

Bei Unruhen in der Gemeinde gab es 2001 Tote.[15]

Nachdem Xanana Gusmão am 8. August 2007 infolge der Parlamentswahlen 2007 den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten hatte, randalierten enttäuschte FRETILIN-Anhänger auch in Quelicai. 520 Menschen flohen aus ihren Häusern und versammelten sich am Matebian.[13]

Ende Juni/Anfang Juli 2011 verhaftete die Polizei im Subdistrikt mehrere Dutzend Mitglieder einer Bande in einer großangelegten Aktion. 50 Personen wurden vor Gericht gestellt. Ihnen werden Diebstähle und Vergewaltigungen, vor allem in Laisorolai und den Nachbar-Sucos vorgeworfen.[16]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Quelicai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,5 MB)
  2. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,4 MB)
  3. UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (PDF; 488 kB)
  4. a b Seeds of Life
  5. Statistisches Amt Timor-Leste Census 2004
  6. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (PDF; 13,3 MB)
  7. Ministry of State Administration & Territorial Management, Timor-Leste: Baucau District profile (PDF; 269 kB)
  8. Radio Timor-Leste: Seven houses destroyed in Baucau, 16. Mai 2012
  9. History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 805 kB)
  10. Monika Schlicher: Osttimor stellt sich seiner Vergangenheit, missio 2005, ISSN 1618-6222 (PDF; 297 kB)
  11. a b c „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,2 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  12. „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“ (PDF; 2,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  13. a b Internal Displacement Monitoring Centre (PDF; 464 kB)
  14. (INDONESIA-L) HRW/ASIA - East Timor Guerrilla Attacks : East Timor Guerrilla Attacks vom 4. Juni 1997
  15. Fundasaun Mahein: Victims of Independence, aufgerufen am 26. Mai 2012
  16. Suara Timor Lorosae, 3. Juli 2011, Operation 88 in Quelikai now in second phase

-8.6013470091667126.55904531472Koordinaten: 8° 36′ S, 126° 34′ O