Baucau

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Subdistrikt Baucau
Baucau (Osttimor)
Red pog.svg
Altstadt von Baucau
Hauptstadt Baucau
Fläche 369,53 km²[1]
Einwohnerzahl 46.500 (2010)[1]
Sucos Einwohner (2010)[2]
Bahu 5.188
Bucoli 2.179
Buibau 3.708
Buruma 15.664
Caibada 3.057
Gariuai 4.518
Samalari 1.534
Seiçal 1.876
Tirilolo 2.815
Triloca 2.442
Uailili 3.519
Übersichtskarte
Verwaltungsgliederung von Baucau
Lage des Distrikts Baucau

Baucau ist die Hauptstadt des gleichnamigen Distriktes und Subdistriktes von Osttimor.

Die Stadt[Bearbeiten]

Hütte im unteren Teil Baucaus

Während der portugiesischen Diktatur wurde die Stadt nach dem Diktator António de Oliveira Salazar Vila Salazar benannt. Baucau ist die zweitgrößte Stadt Osttimors mit 20.362 Einwohnern (2010)[3] und liegt an der Nordküste des Landes, 123 km östlich der Hauptstadt Dili.[4] Das Zentrum Baucaus liegt im Suco Buruma, die Stadt dehnt sich aber über diesen als „urban“ klassifizierten Suco hinaus, in die Sucos Bahu, Buibau und Caibada.

Baucau der zweitälteste Bischofssitz Osttimors. Das Bistum Baucau wurde 1996 gegründet.

Wie in anderen Teilen Osttimors wurden auch in Baucau weite Teile der Infrastruktur in den Unruhen nach dem Unabhängigkeitsreferendum 1999 zerstört. Trotzdem blieben einige alte Gebäude aus der Kolonialzeit erhalten. So die Schule, das alte Marktgebäude und die Herberge Pousada de Baucau, ein rosafarbenes Gebäude dessen Restaurant einen Blick aufs Meer bietet. Das öffentliche Freibad aus kolonialer Zeit (Piscina de Baucau) ist wieder in Betrieb. An der Front der Kathedrale befinden sich zwei portugiesische, weiß-blaue Fliesenbildern, so genannten Azulejos. Das Marktgebäude wurde ursprünglich 1932 unter Verwalter Armando Pinto Correia erbaut worden und dient seit 2014 als Kongresszentrum.

Im Zweiten Weltkrieg wurde es teilweise zerstört und erst nach 1970 wieder aufgebaut. Während der Krise von 1999 wurde das Gebäude erneut verwüstet und unbenutzbar. 2009 wurde verkündet, dass portugiesische Gemeinden Baucau bei der Renovierung des Marktgebäudes unterstützen wollen. 2014 hat das Staatssekretäriat für Kultur aus ihm ein regionales Kulturzentrum gemacht. Es enthält eine kleine Bücherei mit Internetanschluss und verschiedene Ausstellungen. Der zentrale Bereich wird für Vorführungen, Konferenzen und Ausstellungen genutzt. Auch der kleine Park vor dem Gebäude wurde wieder hergestellt.[5]

Baucau zeichnet sich durch eine starke Hanglage aus. Vom Zentrum auf 336 m über dem Meer, wo Markt und Kirche stehen, muss man eine halbe Stunde der Straße hinab folgen, bis man den Strand erreicht. Während im oberen Bereich, in der Neustadt feste Betongebäude stehen, befinden sich unterhalb des Zentrums der Altstadt fast nur noch Hütten aus Holz, Lehm und Stroh. Durch die gepflegten Gärten mit vielen Büschen, die farbenfrohen Blüten tragen und den Palmen und anderen Bäumen, die den Weg zum Strand fast zu einem Wald machen, erscheint diese Hüttenstadt aber nicht ärmlich. Bunte Wandmalereien, zum Beispiel von Ché Guevara oder mit Motiven, die an animistische Riten erinnern, verzieren den Ort. Der große Brunnen im Zentrum, wird zum Wäschewaschen und von den Kindern zum Baden genutzt. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist eine Grotte in der Nähe des Brunnens. In Baucau Vila Nova befindet sich die Al Amal-Moschee.

Der Subdistrikt[Bearbeiten]

Baucau im gleichnamigen Distrikt
Wandbild in der Altstadt

Der Subdistrikt Baucau liegt im Norden des Distrikts Baucau an der Straße von Wetar. Im Westen liegt der Subdistrikt Vemasse, im Osten Laga und Quelicai und im Süden Venilale und der Distrikt Viqueque. Die Grenze zu Laga wird vom Fluss Borauai gebildet. Beim Ort Seiçal mündet der gleichnamige Fluss, der den Ostteil des Subdistrikts ganzjährig mit Wasser versorgt. Die Region um Baucau ist ein traditionelles Reisanbaugebiet in Höhen bis zu 500 m. Viele der Reisterrassen sind bereits mehrere hundert Jahre alt. Weit verbreitet sind hier verschiedene Arten von Fröschen der Gattung Fejervarya, Schlangen und Geckos.[6]

Baucau teilt sich in elf Sucos: Bahu (Bahú), Bucoli, Buibau (Boibau, Boebau, Buibao), Buruma, Caibada (Caibada Uaimua), Gariuai, Samalari, Seiçal (Seical, Seisal, Ceisal), Tirilolo (Trilolo), Triloca (Triloka, Triloco) und Uailili (Wailili).

Im Subdistrikt leben 46.500 Einwohner (2010,[1] 2004: 37.112[7]). Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Makasae. Der Altersdurchschnitt beträgt 18,7 Jahre (2010,[1] 2004: 18,4 Jahre[8]).

Etwa 6 km südwestlich von Baucau liegt im Suco Tirilolo der Baucau Airport (ehemals Cakung Airport, IATA code: BCH), der einzige Flughafen Osttimors, auf dem größere Maschinen, als die Boeing 737 landen können. Er wird in erster Linie für militärische und Versorgungsflüge genutzt. Reguläre, zivile Flugverbindungen nach Baucau sind zurzeit nicht im internationalen Buchungssystem der Fluggesellschaften vermerkt. In Buruma befindet sich das Gefängnis der Region. Es bietet Platz für 120 Gefangene.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ruine des Marktes (1970)
Ruine eines kolonialen Gebäudes in Baucau
Die Pousada (1970)

Baucau war der zweite Ort im Osten Timors an dem die Portugiesen eine Siedlung gründeten. Es entwickelte sich zum kolonialem Verwaltungszentrum der Region.

Buibau war eines der traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[9][10] Im April 1896 schloss der Liurai von Buibau mit Portugal einen schriftlichen Vertrag über seinen Vasallenstatus.[11] Es gibt Quellen, die angeben, dass Buibau, Samalari, Uailili und Gariuai vor und während der gesamten Kolonialzeit im Reich Fatumaka vereinigt waren, deren Einwohner auch heute noch einen eigenen Dialekt des Makasae, das Makasae Fatumaka sprechen.[12]

1912 brach in Baucau ein Aufstand gegen die portugiesischen Kolonialherren aus. Marinesoldaten des Kanonenboots Pátria unter Leutnant Jaime do Inso mussten zwischen dem 29. Juni und 25. Juli den Ort gegen die Aufständischen verteidigen. Der Aufstand wurde aber schnell niedergeschlagen. Dabei sollen 2.000 Menschen ums Leben gekommen sein.[11]

Während des Putschversuchs der UDT im August 1975 führte sie zwei Haftzentren im Subdistrikt Baucau. Eines befand sich in der heutigen Pousada de Baucau in Baucau, das zweite in Descascadeira, einer Reismühle in Bahu. Meistens wurden die Gefangenen erst einige Tage in der Pousada gehalten, wo sie von lokalen UDT-Führern verhört wurden. Dann wurden sie zur Descascadeira gebracht. Insgesamt sind 30 FRETILIN-Kämpfer hier gefangen gehalten worden. Sie berichteten von Misshandlungen und Folter. So wurden sie mit Peitschen geschlagen, getreten und verprügelt. Nach dem Sieg der FRETILIN wurden nun an beiden Orten UDT- und APODETI-Anhänger gefangen gehalten. Auch sie berichten von Schlägen.[13]

Am 9. Dezember 1975 besetzten die Indonesier Baucau. Zwischen 1975 und 1980 kam es zu schweren Menschenrechtsverletzungen, wie Verhaftungen und Folter. In der Stadt gab es sechs Haftzentren, darunter wieder die Pousada de Baucau (in dieser Zeit Flamboyan Hotel).[13] Außerdem wurden Ende 1979 zwangsumgesiedelte Osttimoresen in der Altstadt interniert.[14]

Am 29. Mai 1997 fanden Wahlen statt, bei denen Vertreter Osttimors für das indonesische Parlament gewählt werden sollten. Im Umfeld kam es landesweit zu mehreren Attacken auf die indonesische Besatzungsmacht und ihre Unterstützer. In Baucau wurden am 28. Mai der ehemalige Chef des Distriktsparlaments Miguel Baptismo da Silva (1987 bis 1992) und seine Frau ermordet. In Seiçal fand die Abstimmung mit einem Tag Verspätung am 30. Mai statt, weil das Wahllokal von Unbekannten angegriffen worden war. Dabei wurde Abinau Salay, ein Wahlhelfer und Mitglied einer Wanra mit einer Machete verletzt. In Folge wurden zehn Personen verhaftet.[15]

Im November 2002 gab es Tote bei Ausschreitungen in Baucau.[16]

Wirtschaft[Bearbeiten]

47 % der Haushalte im Subdistrikt bauen Mais an, 39 % Kokosnüsse, 35 % Maniok, 29 % Reis (in und am Seiçal, in Buibau und Samalari), 9 % Kaffee und 30 % Gemüse.[2]

In Triloca wurde ein Testgelände errichtet, in dem neue Pflanzensorten getestet und landwirtschaftliche Methode den Einheimischen beigebracht werden. Zudem gibt es dort eine Seidenraupenzucht und eine Baumschule für Obstbäume.

Seit November 2008 versorgt das erste Wasserkraftwerk Osttimors in Gariuai Baucau mit Elektrizität. Es wurde mit norwegischer Hilfe vier Kilometer vom Ort entfernt errichtet. Zuvor wurde Strom mit Dieselgeneratoren erzeugt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Baucau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Baucau – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  2. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  3. Direcção Nacional de Estatística: Preliminary Result of Census 2010 English (PDF; 3,2 MB)
  4. Lonely Planet East Timor
  5. Secretaria de Estado da Cultura: Recovering the Old Municipal Market in Baucau
  6. Hinrich Kaiser u. a., PhD, Department of Biology, Victor Valley College: The herpetofauna of Timor-Leste: a first report
  7. Statistisches Amt Timor-Leste Census 2004
  8. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (PDF; 14,0 MB)
  9. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  10. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR
  11. a b History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  12. Makasae Fatumaka
  13. a b „Part 7.4: Arbitrary, Detention, Torture and Ill treatment“ (PDF; 2,0 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  14. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  15. (INDONESIA-L) HRW/ASIA - East Timor Guerrilla Attacks : East Timor Guerrilla Attacks vom 4. Juni 1997
  16. Fundasaun Mahein: Victims of Independence, aufgerufen am 26. Mai 2012
  17. Dokument der Erklärung der Partnerschaft
  18. Webseite des Außenministeriums Osttimors

-8.4711111111111126.45833333333Koordinaten: 8° 28′ S, 126° 27′ O