Baucau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Baucau (Begriffsklärung) aufgeführt.
Baucau
Baucau (Osttimor)
Baucau
Baucau
Koordinaten 8° 28′ S, 126° 27′ O-8.4711111111111126.45833333333Koordinaten: 8° 28′ S, 126° 27′ O
Baucau subdistricts.png
Basisdaten
Staat Osttimor

Distrikt

Baucau
Subdistrikt Baucau
Suco Bahu, Buibau und Caibada
Einwohner 20.362 (2010)
Altstadt von Baucau
Altstadt von Baucau

Baucau ist die Hauptstadt des gleichnamigen Distriktes und Subdistriktes von Osttimor.

Ortsname[Bearbeiten]

In den 1930er Jahren wurde Baucau von den Portugiesen, nach dem Diktator des Estado Novo António de Oliveira Salazar, in Vila Salazar umbenannt. Doch der Name setzte sich nicht durch und einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte man zum alten Namen zurück.[1]

Geographie[Bearbeiten]

Klimadiagramm[2]

Baucau liegt an der Nordküste des Landes, 123 km östlich der Hauptstadt Dili.[3] Das Zentrum Baucaus liegt im Suco Buruma, die Stadt dehnt sich aber über diesen als „urban“ klassifizierten Suco hinaus, in die Sucos Bahu, Buibau und Caibada.

Baucau zeichnet sich durch eine starke Hanglage aus. Vom Zentrum auf 336 m über dem Meer, wo Markt und Kirche stehen, muss man eine halbe Stunde der Straße hinab folgen, bis man den Strand erreicht. Während im oberen Bereich, in der Neustadt feste Betongebäude stehen, befinden sich unterhalb des Zentrums der Altstadt fast nur noch Hütten aus Holz, Lehm und Stroh. Durch die gepflegten Gärten mit vielen Büschen, die farbenfrohen Blüten tragen und den Palmen und anderen Bäumen, die den Weg zum Strand fast zu einem Wald machen, erscheint diese Hüttenstadt aber nicht ärmlich. Bunte Wandmalereien, zum Beispiel von Ché Guevara oder mit Motiven, die an animistische Riten erinnern, verzieren den Ort.

Einwohner[Bearbeiten]

Baucau ist die zweitgrößte Stadt Osttimors mit 20.362 Einwohnern (2010).[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ruine des Marktes (1970)
Ruine eines kolonialen Gebäudes in Baucau

Baucau war der zweite Ort im Osten Timors an dem die Portugiesen eine Siedlung gründeten. Es entwickelte sich zum kolonialem Verwaltungszentrum der Region.

1912 brach in Baucau ein Aufstand gegen die portugiesischen Kolonialherren aus. Marinesoldaten des Kanonenboots Pátria unter Leutnant Jaime do Inso mussten zwischen dem 29. Juni und 25. Juli den Ort gegen die Aufständischen verteidigen. Der Aufstand wurde aber schnell niedergeschlagen. Dabei sollen 2.000 Menschen ums Leben gekommen sein.[5]

Während des Putschversuchs der UDT im August 1975 führte sie zwei Haftzentren im Subdistrikt Baucau. Eines befand sich in der heutigen Pousada de Baucau in Baucau, das zweite in Descascadeira, einer Reismühle in Bahu. Meistens wurden die Gefangenen erst einige Tage in der Pousada gehalten, wo sie von lokalen UDT-Führern verhört wurden. Dann wurden sie zur Descascadeira gebracht. Insgesamt sind 30 FRETILIN-Kämpfer hier gefangen gehalten worden. Sie berichteten von Misshandlungen und Folter. So wurden sie mit Peitschen geschlagen, getreten und verprügelt. Nach dem Sieg der FRETILIN wurden nun an beiden Orten UDT- und APODETI-Anhänger gefangen gehalten. Auch sie berichten von Schlägen.[6]

Am 9. Dezember 1975 besetzten die Indonesier Baucau. Zwischen 1975 und 1980 kam es zu schweren Menschenrechtsverletzungen, wie Verhaftungen und Folter. In der Stadt gab es sechs Haftzentren, darunter wieder die Pousada de Baucau (in dieser Zeit Flamboyan Hotel).[6] Außerdem wurden Ende 1979 zwangsumgesiedelte Osttimoresen in der Altstadt interniert.[7]

Am 29. Mai 1997 fanden Wahlen statt, bei denen Vertreter Osttimors für das indonesische Parlament gewählt werden sollten. Im Umfeld kam es landesweit zu mehreren Attacken auf die indonesische Besatzungsmacht und ihre Unterstützer. In Baucau wurden am 28. Mai der ehemalige Chef des Distriktsparlaments Miguel Baptismo da Silva (1987 bis 1992) und seine Frau ermordet. In Seiçal fand die Abstimmung mit einem Tag Verspätung am 30. Mai statt, weil das Wahllokal von Unbekannten angegriffen worden war. Dabei wurde Abinau Salay, ein Wahlhelfer und Mitglied einer Wanra mit einer Machete verletzt. In Folge wurden zehn Personen verhaftet.[8]

Im November 2002 gab es Tote bei Ausschreitungen in Baucau.[9]

Religion[Bearbeiten]

Baucau der zweitälteste Bischofssitz Osttimors. Das Bistum Baucau wurde 1996 gegründet. An der Front der Kathedrale Santo António befinden sich zwei portugiesische, weiß-blaue Fliesenbildern, so genannten Azulejos. In Baucau Vila Nova befindet sich die Al Amal-Moschee.

Bildung[Bearbeiten]

Das Instituto Católico para Formação de Professores (ICFP) ist eine staatlich anerkannte Hochschule in Baucau.[10]

Weitere Gebäude und Einrichtungen[Bearbeiten]

Wie in anderen Teilen Osttimors wurden auch in Baucau weite Teile der Infrastruktur in den Unruhen nach dem Unabhängigkeitsreferendum 1999 zerstört. Trotzdem blieben einige alte Gebäude aus der Kolonialzeit erhalten. So die Schule, das alte Marktgebäude und die Herberge Pousada de Baucau, ein rosafarbenes Gebäude dessen Restaurant einen Blick aufs Meer bietet. Das öffentliche Freibad aus kolonialer Zeit (Piscina de Baucau) ist wieder in Betrieb. Der große Brunnen im Zentrum, wird zum Wäschewaschen und von den Kindern zum Baden genutzt. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist eine Grotte in der Nähe des Brunnens.

Das Marktgebäude wurde ursprünglich 1932 unter Verwalter Armando Pinto Correia erbaut worden und dient seit 2014 als Kongresszentrum. Im Zweiten Weltkrieg wurde es teilweise zerstört und erst nach 1970 wieder aufgebaut. Während der Krise von 1999 wurde das Gebäude erneut verwüstet und unbenutzbar. 2014 hat das Staatssekretäriat für Kultur aus ihm ein regionales Kulturzentrum gemacht. Es enthält eine kleine Bücherei mit Internetanschluss und verschiedene Ausstellungen. Der zentrale Bereich wird für Vorführungen, Konferenzen und Ausstellungen genutzt. Auch der kleine Park vor dem Gebäude wurde wieder hergestellt.[11]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Baucau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Baucau – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geoffrey Hull: The placenames of East Timor, in: Placenames Australia (ANPS): Newsletter of the Australian National Placenames Survey, Juni 2006, S. 6 & 7, abgerufen am 28. September 2014.
  2. Seeds of Life
  3. Lonely Planet East Timor
  4. Direcção Nacional de Estatística: Preliminary Result of Census 2010 English (PDF; 3,2 MB)
  5. Geoffrey C. Gunn: History of Timor. Technische Universität Lissabon (PDF-Datei; 805 kB)
  6. a b „Part 7.4: Arbitrary, Detention, Torture and Ill treatment“ (PDF; 2,0 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  7. „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  8. (INDONESIA-L) HRW/ASIA - East Timor Guerrilla Attacks : East Timor Guerrilla Attacks vom 4. Juni 1997
  9. Fundasaun Mahein: Victims of Independence, aufgerufen am 26. Mai 2012
  10. Agência Nacional para a Avaliação e Acreditação Académica: Instituto Católico para Formação de Professores (ICFP), abgerufen am 14. August 2014.
  11. Secretaria de Estado da Cultura: Recovering the Old Municipal Market in Baucau
  12. Dokument der Erklärung der Partnerschaft
  13. Webseite des Außenministeriums Osttimors