Dili

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Dili (Begriffsklärung) aufgeführt.
Díli
Dili
Dili (Osttimor)
Dili
Dili
Koordinaten 8° 34′ S, 125° 34′ O-8.5586111111111125.57361111111Koordinaten: 8° 34′ S, 125° 34′ O
Dili cities rivers.png
Basisdaten
Staat Osttimor

Distrikt

Dili
Höhe 11 m
Einwohner 193.563 (2010)
Metropolregion 234.331 (2010)
Gründung 1520
Kultur
Partnerstädte SpanienSpanien Barcelona, Spanien
AustralienAustralien Canberra, Australien
PortugalPortugal Coimbra, Portugal
AustralienAustralien Darwin, Australien
PortugalPortugal Lissabon, Portugal
JapanJapan Okinawa, Japan
BrasilienBrasilien São Paulo, Brasilien
AustralienAustralien Sydney, Australien
Morgendämmerung in Dili
Morgendämmerung in Dili

Dili (Tetum Dili, portugiesisch Díli) ist die Hauptstadt und das wirtschaftliche Zentrum Osttimors. Sie ist auch die Hauptstadt des Distriktes Dili.

Geographie[Bearbeiten]

Dili liegt an der Nordküste der Insel Timor. Die Stadt Dili verteilt sich über mehrere Subdistrikte: Cristo Rei (Ost-Dili), Dom Aleixo (West-Dili), Nain Feto (Ost-Dili) und Vera Cruz (Zentral-Dili). 18 der 26 Sucos dieser Subdistrikte sind als „urban“ klassifiziert und bilden Dilis Stadtteile (bairos). Sie haben eine Bevölkerungsdichte von bis zu 5.000 Einwohnern/km² und eine Fläche von 0,06 bis 2 km².[1] Die restlichen acht Sucos gelten als ländlich.

Verwaltung[Bearbeiten]

Es gibt keine städtische Verwaltung für Dili. Die Funktion übernimmt die Administration des Distrikts Dili, die ebenso für benachbarte, kleinere Orte und die Insel Ataruo zuständig ist. Die Administration wird, ebenso wie jene der Subdistrikte, von der Landesregierung ernannt. Die Sucos werden von einem gewählten Chefe de Suco und einem gewählten Rat geführt.[2] Seit 2009 gibt es Pläne der Landesregierung, die Distrikte in Gemeinden mit gewählten Führungen umzuwandeln.[3] Distriktsadministrator ist Ruben Brass de Carvalho (Stand: Juli 2010).[4] Er wurde von der Landesregierung eingesetzt.

Einwohner[Bearbeiten]

Kinder in Dili

Die als urban definierte Sucos der Stadt Dili haben 193.563 Einwohner (Stand 2010).[5] Der Distrikt Dili hat eine Einwohnerzahl von 234.331 (Stand 2010),[5] beinhaltet aber auch ländliche Gebiete, wie zum Beispiel die Subdistrikte Atauro und Metinaro.

Dili ist ein Schmelztiegel der verschiedenen Volksgruppen Osttimors. Aus dem ganzen Land kommen vor allem junge Männer nach Dili auf der Suche nach Arbeit. Daher ist der Männeranteil deutlich höher als der Frauenanteil. Im gesamten Distrikt Dili nahm die Bevölkerung zwischen 2001 und 2004 um 12,58 % zu. Fast 80.000 der Einwohner sind außerhalb Dilis geboren worden. Nur 54 % der Einwohner sind hier geboren worden. 7 % wurden in Baucau geboren, je 5 % in Viqueque und Bobonaro, 4 % in Ermera, der Rest in den anderen Distrikten oder im Ausland.[6]

Die unterschiedliche Herkunft ist nicht unproblematisch. Vor allem Straßenbanden aus den verschiedenen Landesteilen (Loro Munu und Loro Sae) geraten immer wieder aneinander. Höhepunkt waren die Unruhen in Osttimor 2006. Grund sind verschiedene Ressentiments zwischen den Gruppen, aber auch wirtschaftliche Interessen. So gab es einen Konflikt zwischen Bunaks aus Bobonaro und Ermera und Makasaes aus Baucau und Viqueque um die Dominanz auf dem Markt.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Dilis

Kolonialzeit[Bearbeiten]

Kanone aus der portugiesischen Kolonialzeit in Dili

Erstmals erreichten die Portugiesen 1520 die Bucht von Dili und errichteten dort einen kleinen Posten. Die kleine Ansiedlung wurde zur Hauptstadt ihrer Besitzungen auf den Kleinen Sundainseln gemacht, nachdem die Portugiesen von den Topasses am 11. August 1769 aus Lifau im Westen der Insel vertrieben worden waren. Am 10. Oktober 1769 begann Gouverneur António José Teles de Meneses mit dem Bau der neuen Hauptstadt. [8] Die Stadtrechte erhielt der Ort im Januar 1864.

Portugal war während des Zweiten Weltkrieges neutral. Allerdings befürchteten die Alliierten, dass das militärisch schwache Portugiesisch-Timor von den Japanern als Brücke nach Australien verwendet werden könnte, weswegen Niederländer und Australier 1941 die Kolonie kurzzeitig besetzten. In der Nacht vom 19. auf den 20. Februar 1942 griffen die Japaner mit 20.000 Mann an und besetzten Dili und nach und nach den Rest Timors. Am 26. September 1945 fand die offizielle Zeremonie der Kapitulation der Japaner in Portugiesisch-Timor und der Rückgabe der Macht an Portugal in Dili statt.

Hauptartikel: Schlacht um Timor

Nach der Nelkenrevolution 1974 sollte die Kolonie auf die Unabhängigkeit vorbereitet werden, doch als sich eine Dominanz der linksgerichteten FRETILIN abzeichnete, kam es 1975 in Dili zu Straßenkämpfen zwischen ihr und der konservativen UDT. Portugals letzter Gouverneur Mário Lemos Pires floh auf die Dili vorgelagerte Insel Atauro, von wo aus er erfolglos versuchte, zwischen den Parteien zu vermitteln. Die FRETILIN ging aus den Kämpfen als Sieger vor, doch inzwischen hatte Indonesien begonnen, mit als UDT-Anhängern getarnten Truppen nach und nach das Grenzland zu besetzen. Angesichts der Bedrohung hoffte die FRETILIN auf internationale Unterstützung und erklärte daher am 28. November 1975 Osttimor von Portugal unabhängig. Neun Tage später, am 7. Dezember, begannen indonesische Truppen offiziell mit der Invasion des Landes und besetzten Dili.

Indonesische Besatzungszeit[Bearbeiten]

8. September 1999: Dili in Flammen

Unter dem FALINTIL-Chef Xanana Gusmão begann der timoresische Widerstand, mit Guerillataktiken gegen die Besatzer vorzugehen. Am 10. Juni 1980 griffen FALINTIL-Einheiten einen Fernsehsender am Rande der Hauptstadt Dili an. Am 12. November 1991 forderte ein Massaker durch das indonesische Militär nach einer Beerdigung auf dem Friedhof von Santa Cruz (siehe dazu: Santa-Cruz-Massaker) über 200 Todesopfer.

1999 kam es im Umfeld des Unabhängigkeitsreferendum am 30. August zu einer letzten Gewaltwelle unter der indonesischen Besatzungsmacht. Pro-indonesische Milizen zerstörten die Infrastruktur, brannten Häuser nieder und vertrieben Menschen. Am 17. April starben 14 Menschen bei einem Massaker im Haus des Politikers Manuel Carrascalão, in dem zahlreiche Flüchtlinge Schutz gesucht hatten. Nach dem Referendum am 30. August, eskalierte die Gewalt nochmals. Als am 4. September das Ergebnis veröffentlicht wurde, das sich für die Unabhängigkeit aussprach, zogen die Milizen plündernd und mordend durch die Stadt. Mehr als 50 % der Häuser wurden beschädigt oder zerstört.[9] Am 20. September 1999 landeten die ersten Einheiten der internationalen Friedenstruppe INTERFET auf dem Flughafen bei Dili. Die Vereinten Nationen übernahmen die Verwaltung des Landes. Am 20. Mai 2002 wurde Dili schließlich Hauptstadt des unabhängigen Staates Osttimor.

Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Flüchtlingslager in Balide 2006

Einen Tag nach der Verhaftung eines Studenten wurden am 4. Dezember 2002 bei Unruhen in Dili und anderen Orten Osttimors das Haus von Premierminister Marí Alkatiri, Regierungsfahrzeuge und Geschäfte von chinesischen Händlern angezündet. Fünf Demonstranten wurden dabei durch die Polizei erschossen.

Ende April bis Oktober 2006 erschütterten die schwersten Unruhen seit der Unabhängigkeit die Hauptstadt und das Land, nachdem 600 Soldaten der Streitkräfte aufgrund von Missständen desertiert waren. Zusätzlich bekämpften sich Jugendbanden aus dem West- und dem Ostteil des Landes. Tausende Häuser wurden niedergebrannt, mindestens 45 Menschen starben. Schließlich musste Premierminister Alkatiri zurücktreten. Auch der Einsatz einer internationalen Interventionstruppe konnte zuerst nicht für Ruhe sorgen. Seit dem 13. September ist eine neue Polizeimission der Vereinten Nationen im Einsatz. Ein Großteil der Einwohner Dilis musste in Flüchtlingslagern und Kirchen Zuflucht suchen.

Hauptartikel: Unruhen in Osttimor 2006

Am 11. Februar 2008 führte der Chef der Rebellen Alfredo Reinado einige seiner Männer nach Dili. Es kam zu einem Feuergefecht im Wohnhaus von Staatspräsident José Ramos-Horta, bei dem Reinado und ein weiterer Rebell ums Leben kamen und der Staatspräsident und einer seiner Leibwächter schwer verletzt wurden. Kurz darauf überfielen Rebellen auch das Wohnhaus und die Wagenkolonne von Premierminister Xanana Gusmão, der aber unverletzt entkommen konnte. Es wurde der Notstand ausgerufen und 1.000 Polizisten und Soldaten durchsuchten die Stadt und nähere Umgebung nach den Tätern.

Wichtige Gebäude[Bearbeiten]

Regierungspalast[Bearbeiten]

Der Regierungspalast. Davor das Denkmal für Heinrich den Seefahrer

Der 1960 fertiggestellte Regierungspalast ist der Sitz des Premierministers von Osttimor und der Regierung. Er orientiert sich in seinem Aussehen an den Gebäuden des Praça do Comércios, dem Hauptplatz in Lissabon. Der Regierungspalast steht nicht weit vom Ufer der Bucht entfernt. Die Straße, die am Palast vorbei führt, ist das Handelszentrum Dilis. Hinter dem Palast befindet sich das Nationalparlament und das Finanzministerium.

Präsidentenpalast[Bearbeiten]

Am 2. Juli 2007 wurde der Grundstein für den neuen Präsidentenpalast Osttimors im Westen Dilis gelegt. Das Gebäude wurde von der Volksrepublik China finanziert. Zuvor befand sich hier ein Hubschrauberlandeplatz der Internationalen Stabilisierungskräfte. Das Gebäude trägt den Namen Palast der Hoffnung und wurde im April 2009 fertiggestellt. Die Einweihung erfolgte am 27. August 2009. Der zentrale Bereich des Palastes trägt ein steil ansteigendes, blaues Dach, das dem timoresischen Stil nachempfunden ist.[10] In der Eingangshalle des Palastes findet sich eine Dinosaurierausstellung mit dem Skelett eines Tarbosaurus bataar, eines Verwandten des Tyrannosaurus. Das Skelett wurde in der Mongolei ausgegraben und ist eine Leihgabe der Monash University, als Unterstützung für die Bildung von Schulkindern. Oftmals werden Gäste und neue Botschafter vor dem Dinosaurierskelett begrüßt.[11]

Casa Europa[Bearbeiten]

Renoviertes Casa Europa

Das Gebäude ist die ehemalige Tranqueira (Lagerhaus) der alten portugiesischen Festung Dili aus dem Jahr 1769. Das Lagerhaus selbst wurde im 19. Jahrhundert errichtet. Es diente ab 1895 als Baracke der portugiesischen Infanterie, nach dem Zweiten Weltkrieg der Artillerie und in den 1960ern gehörte es der Companhia de Intendência, dem Quartiermeister. Nach der Invasion übernahm das indonesische Militär das Gebäude. Zwischen 2000 und 2002 wurde das Gebäude renoviert und 2007 der Europäischen Kommission übergeben. Das bis dahin Uma Fukun genannte Gebäude erhielt seinen neuen Namen: Casa Europa („Europahaus“). In der Vertretung der Europäischen Union finden regelmäßig Veranstaltungen statt, wie Ausstellungen und Filmvorführungen. 2008 wurde das gelbe Casa Europa nach einer erneuten Renovierung offiziell eingeweiht.[12]

Palácio de Lahane[Bearbeiten]

Der Palácio de Lahane war ab 1860 die Residenz des Gouverneurs von Portugiesisch-Timor, anderthalb Kilometer südlich des Stadtzentrums, in den Bergen. Das Gebäude wurde 1999 schwer beschädigt, ist aber inzwischen wieder aufgebaut Als im Februar 2013 der Präsidentenpalast durch Überflutungen mit Schlamm verunreinigt wurde, diente der Palácio de Lahane als vorübergehendes Büro des Staatspräsidenten.[13]

Mercado Municipal[Bearbeiten]

Mercado Municipal

Der Mercado Municipal (Stadtmarkt) ist ein weiteres Gebäude aus der portugiesischen Kolonialzeit. Allerdings wird das rot-weiße Bauwerk nicht mehr als Markt verwendet, sondern ist nun ein Gelände für internationale Messen.

Religiöse Gebäude[Bearbeiten]

Dili ist Sitz des Bistums Dili. Die wichtigste Kirche Dilis ist die Catedral da Imaculada Conceição (Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis) in Vila Verde, die größte Kirche Südostasiens.[14] Der moderne Bau wurde 1988 vom indonesischen Präsidenten Suharto eröffnet und ein Jahr später von Papst Johannes Paul II. geweiht. 2009 wurde sie renoviert. Die 1940 gebaute Kathedrale Sé de Díli wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Die Kirche San António de Motael im portugiesischen Stil ist die älteste, bestehende Kirche in Osttimor, auch wenn sie im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und 1955 wieder aufgebaut werden musste.[15]

Die Annur-Moschee, Osttimors größte Moschee befindet sich im ehemaligen arabischen Viertel Kampung Alor.

Der Chinesische Tempel liegt in direkter Nachbarschaft zum Regierungspalast. Die Buddhastatue im Tempel wurde 1926 aus China nach Dili gebracht. Der Chinesische Friedhof befindet sich im Westen von Taibesi.

Ein hinduistischer Tempel liegt nahe dem Markt von Taibesi. Der etwas verlassen wirkende Tempel wurde in der Zeit der indonesischen Besatzung gebaut, wohl für Einwanderer aus Indonesien, denn eine traditionelle hinduistische Bevölkerung gab es nicht in Osttimor und auch heute bezeichnen sich nur weniger als 200 Osttimoresen als Hinduisten.

Denkmäler[Bearbeiten]

Jesusstatue[Bearbeiten]

Cristo Rei
Hauptartikel: Cristo Rei (Dili)

Eine große Jesusstatue (Cristo Rei, Chritu Rei) überblickt Dili vom östlichen Ende der Bucht, oberhalb des Strands Areia Branca. Sie hat auf den ersten Blick eine große Ähnlichkeit mit jenen in Lissabon und Rio de Janeiro, wurde aber nicht von den Portugiesen errichtet, sondern 1988 von den indonesischen Besatzern, die sich so beim Volk beliebt machen wollten. Ihre Höhe von 27 Metern spielt darauf an, dass Osttimor als 27. Provinz in Indonesien eingegliedert wurde. Auffällig sind die übergroßen Füße und die Bewohner Dilis sehen in den ausgebreiteten Armen der Statue weniger eine beschützende Geste, als einen Ausdruck von Resignation, weswegen die Statue im Volksmund Jesus - „Was kann ich tun?“ genannt wird. Da die Jesusstatue nach Westen ausgerichtet ist, gibt es die Interpretation, dass sie nicht über Dili, sondern über die indonesische Hauptstadt Jakarta die Arme ausbreitet.

Denkmal für Papst Johannes Paul II.[Bearbeiten]

Denkmal für Johannes Paul II.

2008 wurde eine sechs Meter hohe Monumentalstatue von Papst Johannes Paul II. eingeweiht. Sie steht auf einen Hügel an der Westseite der Bucht von Dili in Tasitolu und bildet so ein Gegenstück zur Jesusstatue auf der Ostseite. Neben der Papststatue befindet sich eine Kapelle, die ebenfalls an ihn erinnert. Johannes Paul II. besuchte Osttimor am 12. Oktober 1989 und brachte damit den Konflikt im besetzten Land wieder ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit. Die Idee zur Statue entstand nach dem Tod Johannes Pauls im April 2005. Der ehemalige Premierminister und Muslim Marí Alkatiri übernahm 2007 die Schirmherrschaft für den Bau des Denkmals, der durch indonesische Bildhauer durchgeführt wurde.

Denkmal Mutter Gottes[Bearbeiten]

Denkmal Mutter Gottes

Das Denkmal Mutter Gottes (Monumentu Nosa Señora, Monumento a Nossa Senhora, auch Monumento da Imaculada Conceição) wurde unter Gouverneur Capitão César Maria de Serpa Rosa ab 1954 errichtet und 1956 eingeweiht. Die Planung des Baus übernahm Alberto Simões. Seit der Errichtung des Denkmals ist der Largo de Lecidere, mit dem Fatimapark im Zentrum, der Ort religiöser Zeremonien in Dili, wie zum Beispiel die Weihe von Alberto Ricardo da Silva zum Bischof von Dili 2004. Während der indonesischen Besatzungszeit betete eine Gruppe von Menschen unter der Führung von Margarida Soares jeden Tag am Denkmal für den Frieden in Osttimor.

Das Denkmal steht im Zentrum eines Gartens am Largo de Lecidere, östlich vom Platz vor dem Regierungspalast. Unterhalb der Statue von Maria, die von Engeln umringt ist, kann man das koloniale Wappen von Portugiesisch-Timor sehen. Am Sockel befinden sich mehrere Christuskreuze.

Denkmal für Heinrich den Seefahrer[Bearbeiten]

Denkmal für Heinrich dem Seefahrer

Vor dem Regierungspalast befindet sich das Denkmal für Heinrich den Seefahrer, das 1960 zum Gedenken des 500. Todestages Heinrichs aufgestellt wurde. Es besteht aus einer Säule mit dem Wappen Portugals, dem Christuskreuz, einer Windrose, einem Sextanten und der Inschrift Por Mares Nunca Dantes Navegados (Auf nie zuvor befahrenen Meeren) in der Mitte eines runden Wasserbassins, das erst nach der Unabhängigkeit Osttimors 2002 hinzugefügt wurde. Am Denkmal wurde zwischen Juni und Juli 2012 ein Massengrab mit mindestens 72 Leichen entdeckt. Es war unklar, ob es sich bei ihnen um Opfer der indonesischen Invasion und den folgenden Hinrichtungen am Toko Lay-Gebäude handelt oder im Zweiten Weltkrieg Umgekommene. Da die Toten relativ groß waren, vermutete man, dass es sich bei den Opfern um Angehörige der chinesischen Minderheit handelt.[16][17]

Denkmal für das Santa-Cruz-Massaker[Bearbeiten]

An das Massaker der indonesischen Besatzungsmacht vom 12. November 1991 erinnert seit 2011 ein Denkmal vor der Kirche von Motael, das nach einem Foto von Max Stahl gestaltet wurde.[18] Es zeigt den verwundeten Levy Corte Real, der von einem anderen Mann in den Armen gehalten wird. Corte Real überlebte.[19]

Denkmal für die Opfer der japanischen Besetzung Timors[Bearbeiten]

Das Denkmal zum Gedenken der Opfer der japanischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde 1946 im Viertel Taibesi aufgestellt. Es besteht aus dem Wappen Portugals und zwei gekreuzten Gewehren.

Museen[Bearbeiten]

Nationalmuseum des Widerstandes[Bearbeiten]

Nationalmuseum des Widerstandes

Das Museum zeigt Fotos, einige Gegenstände, wie Waffen und Ausrüstungsgegenstände und Artikel aus der Zeit der indonesischen Besatzung. Dabei werden sowohl der Kampf der FALINTIL-Guerilla gegen Indonesien, als auch die Massaker der Besatzungsmacht dargestellt.

Arte Moris Kunstschule[Bearbeiten]

Mit Arte Moris hat Osttimors erste Künstlervereinigung und Kunstschule für Theater und bildende Kunst ihren Sitz in Dili (Stadtteil Comoro). Sie wurde im Februar 2003 gegründet. Ihr Hauptziel sollte Kunst als ein Baustein im psychologischen und sozialen Wiederaufbau von einem Land, das von Gewalttätigkeit verwüstet worden ist, mit besonderer Betonung auf die Hilfe seiner jungen Bürger. Die Idee zu diesem Projekt hatten die Schweizer Luca und Gabriela Gansser. Die bei Arte Moris entstehende Kunst, Gemälde und Skulpturen, ist vom Stil her sehr breit gefächert, oft aber surrealistisch und zeigt kulturelle Aspekte aus den unterschiedlichen Regionen des Landes. Kunstwerke können hier auch erworben werden. Die Kunstschule hat auch eine Theatergruppe.

Xanana Reading Room[Bearbeiten]

Die Biblioteca Xanana Gusmão ist eine Mischung aus Museum und Bibliothek in einem rot-weißen Kolonialgebäude. Neben Büchern finden sich hier Fotos und Filmmaterial.

Gefängnis Comarca[Bearbeiten]

Das ehemalige Gefängnis Comarca in Balide stammt noch aus der portugiesischen Kolonialzeit. Während der indonesischen Besetzung wurden hier tausende politische Gefangene gefoltert. Die letzten Insassen wurden im September 1999 befreit. Unter der Verwaltung durch die UN wurde das verlassene Gebäude ab Januar 2002 renoviert und ab dem 17. Februar 2003 zum Sitz der Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission (CAVR). 65 Graffiti von osttimoresischen Künstlern erzählen von der Zeit der Besatzung. Die acht Einzelhaftzellen wurden im Originalzustand belassen. Außerdem gibt es eine Bibliothek und ein Dokumentationszentrum. Seit Ende der Arbeit der CAVR führt die Erinnerungsstätte die Vereinigung ehemaliger politischer Gefangener (ASSEPOL).

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Dili
Regenzeit in Dili

Dilis Klima ist typisch für die Nordküste Osttimors. In der Trockenzeit werden Temperaturen bis über 35 °C erreicht, nachts sinkt das Thermometer auf 20 °C. In der Regenzeit liegt die Temperatur bei etwa 27 °C. Der Jahresdurchschnitt liegt bei 26,7 °C. Regen fällt fast nur in der Regenzeit von Ende November bis April. Dann können die Straßen Dilis durch die Regenmengen schon mal unter Wasser stehen. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge liegt bei 1000 mm. Der Wind weht in Dili im Monatsdurchschnitt am schwächsten im Mai mit 7 km/h und am stärksten im August mit 12 km/h.[20]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Gebäude in traditionellem Stil am Hafen

Dili ist die wichtigste Hafenstadt Osttimors. Fähren verbinden die Stadt mit der vorgelagerten Insel Atauro und der osttimoresischen Exklave Oecusse. Der Flughafen Presidente Nicolau Lobato International Airport wird sowohl zivil als auch militärisch genutzt. Er ist nach dem osttimoresischen Premierminister vor der indonesischen Besetzung, späteren Präsidenten und Freiheitskämpfer Nicolau dos Reis Lobato benannt. Busse verbinden die Hauptstadt mit den anderen Orten im Land. Besser ausgebaute Überlandstraßen führen durch Dili entlang der Küste von West nach Ost und nach Süden in das Landesinnere Richtung Aileu.

26,2 % der Haushalte im Distrikt Dili (mit Atauro und den ländlichen Gebieten im Osten und Süden) betreiben Ackerbau, 50,1 % Viehzucht (Stand: 2010).[21] An den Küsten wird gefischt. In Metinaro wird etwas Reis angebaut (1 % aller Haushalte im Distrikt Dili), in den Bergen gibt es Obstbäume und in der Stadt haben die Einwohner kleine Küchengärten. Von allen Haushalten im Distrikt bauen 15 % Kokosnusspalmen an, 10 % Gemüse, 3 % Kaffee, 17 % Maniok (Produktion 2008: 1.129 t) und ebenso viele Mais (1.885 t).[22][23] Als Haustiere halten die Menschen hauptsächlich Hühner (69.310 in 34 % der Haushalte) und Schweine (28.571, 36 %). Daneben auch Ziegen (14.486, 10 %), Rinder (3.597, 2 %), Wasserbüffel (1.467, 1 %), Schafe (1.784, 1 %) und Pferde (1.430, 1 %).[22] Mit 48 % arbeiten zudem so viele Timoresen in Dienstleistungsbereichen, (zum Beispiel Verwaltung, Hotelgewerbe und Transport), wie in keinem anderen Distrikt des Landes.

Abgesehen über den Landweg von Westtimor aus reisen die meisten Touristen über Dilis Flughafen nach Osttimor ein. Neben den architektonischen und historischen Sehenswürdigkeiten finden sich mehrere Tauchplätze mit Korallenriffen, teils direkt an den Stränden der Stadt.[24]

Die Versorgung der Bevölkerung erfolgt hauptsächlich über Straßenmärkte und kleine Geschäfte. 2011 eröffnete mit dem Timor Plaza Osttimors erstes Einkaufszentrum.[25]

Bildung[Bearbeiten]

Die Nationaluniversität von Timor-Leste UNTL hat zurzeit fünf Fakultäten. Landwirtschaft, Politikwissenschaft, Wirtschaft, Lehramt und Ingenieurwesen. Im Juli 2001 wurden das Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung (Centro Nacional de Investigação Científica) und das Nationale Institut für Linguistik (Instituto Nacional de Linguística) gegründet.

2009 wurde mit der Hadahur Music School auch die erste Musikschule des Landes im Stadtteil Becora eröffnet.

Weitere Bildungseinrichtungen sind unter anderem die Dili International School (DIS), das Instituto Camões (portugiesische Kulturzentrum) und das Colégio de São José

Sport[Bearbeiten]

Im Nationalstadion von Osttimor im Stadtteil Audian finden die Finalspiele der nationalen Ligen Taça Digicel und Super Liga Timorense statt. Zur Taça Digicel gehören aus Dili die Mannschaften Dili Leste (Dili Ost) und Dili Oeste (Dili West). Dili Leste gewann 2010 und 2011 das Finale.

Jährlich startet und endet in Dili die Tour de Timor, eines der härtesten Mountainbike-Rennen der Welt. Außerdem findet jährlich der Dili-Marathon statt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Mit folgenden Städten bestehen Partnerschaften:[26]

Persönlichkeiten aus Dili[Bearbeiten]

Dili aus der Luft

Bildergalerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dili – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Dili – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gouvernment of Timor-Leste: Administrative Division (englisch)
  2. Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 (PDF-Datei; 315 kB)
  3. Regierungsseite: Council of Ministers Approves Law Proposals on Local Governance
  4. Timor Post, 23. Juli 2010, Dili District Administrator, Ruben Brass de Carvalho will be held responsible in the court in October this year regarding his engagement in an abuse of power during his office tenure.Vorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter
  5. a b Direcção Nacional de Estatística: Preliminary Result of Census 2010 English (PDF; 3,2 MB)
  6. Census of Population and Housing Atlas 2004
  7. ETAN, 15. September 2006, A Survey of Gangs and Youth Groups in Dili, Timor-Leste 2006 (PDF; 3,1 MB)
  8. History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  9. Dili District Development Plan 2002/2003 (englisch; PDF; 471 kB)
  10. Bild des neuen Präsidentenpalastes
  11. Dinosaurs in the Presidential Palace
  12. Delegation of the European Union to Timor-Leste
  13. Radio Timor-Leste: PR TMR moves to Lahane because of flood, 18. Februar 2013
  14. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/dilimarathon.comDili Marathon: In and around Dili
  15. Tony Wheeler, Xanana Gusmao, Kristy Sword-Gusmao: East Timor. Lonely Planet, London 2004, ISBN 1-74059-644-7
  16. Jakarta Globo: Mysterious mass grave at East Timor PM's office, 26. Juni 2012, abgerufen am 27. Juni 2012
  17. Channel News Asia: Bodies in Timor Leste mass grave likely Chinese: police, 13. Juli 2012, abgerufen am 14. Juli 2012
  18. Bild von Max Stahl
  19. East Timor: Monument to the Santa Cruz Massacre
  20. Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in figures 2011 (PDF; 3,8 MB), abgerufen am 5. Mai 2013
  21. Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  22. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  23. Direcção Nacional de Estatística: Timor-Leste in Figures 2008 (PDF; 3,7 MB)
  24. Dive Timor
  25. Timor Plaza (Version vom 29. November 2012 im Webarchiv Archive.today)
  26. Webseite des Außenministeriums Osttimors