Osttimor
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Gesichtet | ||
Dies ist die letzte gesichtete Version,
(zeige alle), freigegeben am 23. Mai 2008.
|
| Repúblika Demokrátika Timór Loro Sa'e (Tetum) República Democrática de Timor-Leste (port.) |
|||||
|
|||||
| Wahlspruch: Unidade, Acção, Progresso (port. für „Einheit, Bewegung, Fortschritt“) |
|||||
| Amtssprache | Tetum und Portugiesisch 15 weitere „Nationalsprachen“ |
||||
| Hauptstadt | Dili | ||||
| Staatsform | Republik | ||||
| Staatsoberhaupt | Präsident José Ramos-Horta | ||||
| Regierungschef | Premierminister Xanana Gusmão | ||||
| Fläche | 15.007 km² | ||||
| Einwohnerzahl | 947.400 (Juli 2006) | ||||
| Bevölkerungsdichte | 60 Einwohner pro km² | ||||
| BIP - Total |
Schätzung 2005 |
||||
| HDI | 0,512 (142.) | ||||
| Währung | US-Dollar (+ eigene Münzen) | ||||
| Unabhängigkeit | am 28. November 1975 erklärt am 20. Mai 2002 anerkannt |
||||
| Nationalhymne | Pátria | ||||
| Nationalfeiertag | 28. November (Ausrufung der Unabhängigkeit 1975) |
||||
| Zeitzone | UTC+9 | ||||
| Kfz-Kennzeichen | TL | ||||
| Internet-TLD | .tl | ||||
| Telefonvorwahl | +670 | ||||
Die Demokratische Republik Timor-Leste, im Deutschen auch als Osttimor bezeichnet, ist ein Inselstaat in Südostasien. Es war der erste Staat, der im 21. Jahrhundert unabhängig wurde. Die einzige Landgrenze trennt Osttimor vom indonesischen Westteil der Insel Timor, der zu der Provinz Nusa Tenggara Timur gehört, ebenso wie die nordwestlich gelegene Insel Alor. Nördlich liegt die Insel Wetar und nordöstlich weitere Inseln der indonesischen Provinz Maluku. Australien liegt südlich, jenseits der Timorsee.
Inhaltsverzeichnis |
Landesname
Der international gebräuchliche, amtliche (portugiesische) Landesname Timor-Leste bedeutet übersetzt „Osttimor“ (leste bedeutet „Osten“). In der Amtssprache Tetum heißt das Land Timór Loro Sa’e, was übersetzt ebenfalls „Osttimor“ bedeutet (wörtlich Timor der aufgehenden Sonne, wobei die aufgehende Sonne in dieser Sprache für die Himmelsrichtung Osten steht). Berücksichtigt man, dass auch das indonesische Wort timur „Osten“ bedeutet und sich der Name der Insel Timor davon herleitet, ergäbe sich die wörtliche Bedeutung „Osten vom Osten“ beziehungsweise „Osten der Ostinsel“. Auch der während der indonesischen Besatzungszeit verwendete Provinzname Timor Timur bedeutet demzufolge übersetzt nichts anderes als „Osttimor“.
Osttimoresische Stellen legen Wert darauf, dass der Landesname nicht in fremde Sprachen übersetzt wird, hauptsächlich in dem Bestreben, zu vermeiden, dass auf Indonesisch die mit negativen historischen Konnotationen verbundene Bezeichnung Timor Timur verwendet wird. Seit der Unabhängigkeit wird der offizielle Landesname im internationalen Sprachgebrauch (wie er beispielsweise von Organisationen wie UNO, ILO, EU gepflegt wird) daher in praktisch allen gängigen Arbeitssprachen unübersetzt in der portugiesischen Form Timor-Leste übernommen. Ebenso wird es mittlerweile auch im amtlichen Sprachgebrauch der deutschsprachigen Länder (zumindest im zwischenstaatlichen Schriftverkehr) gehandhabt.
Die Bezeichnung der Einwohner und das vom Landesnamen abgeleitete Adjektiv werden nicht einheitlich gebraucht. Einwohner werden als Timorese/Timoresin oder weniger häufig als Timorer/Timorerin bezeichnet, wobei die weiblichen Formen auch in großen Korpora kaum auftauchen.[1] Das Adjektiv timoresisch ist aber deutlich häufiger als das konkurrierende timorisch. Auch in der Fachliteratur findet man zumeist die vom Portugiesischen abgeleiteten Formen Timorese/Timoresin und timoresisch, ebenso auf Webseiten von Interessengemeinschaften, die sich im deutschen Sprachraum mit dem Land beschäftigen.[2][3]
Während die deutschen amtlichen Stellen früher (Liste der Staatennamen 2002) Osttimorer(in) bzw. osttimorisch empfahlen, veröffentlichen das Auswärtige Amt und der Ständige Ausschuss für geographische Namen seit der Umstellung des offiziellen Sprachgebrauchs von Osttimor auf Timor-Leste keine Vorgaben mehr dafür[4]. Das österreichische Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten empfiehlt timorisch als Adjektiv.[5]
Bereits zur ersten Ausrufung der Unabhängigkeit 1975 gab es Stimmen, die das Land nach seiner Hauptstadt lieber „Timor-Dili“ benennen wollten. Dieser Vorschlag setzte sich aber nicht durch.
Geographie
Überblick
Das Staatsgebiet Osttimors umfasst nicht nur die östliche Hälfte Timors, sondern auch die Exklave Oecussi-Ambeno, welche an der Nordküste des indonesischen Teils der Insel gelegen ist, sowie die beiden kleinen Inseln Atauro nördlich von der Hauptstadt Dili und Jaco an der Ostspitze.
Die Insel Timor gehört zum östlichen Teil des indonesischen Archipels und zählt zu den Kleinen Sunda-Inseln. Im Nordwesten der bergigen Insel liegt die Sawusee, nördlich die Bandasee, und südlich dehnt sich die Timorsee 500 km bis nach Australien aus. Die Timoresen nennen die raue Timorsee Taci-Mane, das Männermeer, während die ruhige Bandasee als Tace-Feto, das Frauenmeer, bezeichnet wird. Bereits fünf Kilometer von der Nordküste entfernt fällt der Meeresgrund auf eine Tiefe von 1.000 m ab. Während des Kalten Krieges konnten daher hier amerikanische Atom-U-Boote unentdeckt die Straßen von Ombai und Wetar passieren. In der Timorsee erstreckt sich südlich der Insel der schmale Timorgraben mit einer Tiefe von bis zu 3.300 m.
Timor liegt auf dem äußeren Rand des sogenannten Bandabogens, der Teil eines Ausläufers des pazifischen Feuerrings ist und eine Inselkette um die Bandasee bildet. In einer ozeanischen Subduktionszone schiebt sich hier die Nordwestecke der Australischen Platte unter die Eurasische Platte. Dies führt unter anderem zu einem Wachstum der Bergkette auf Timor, die als zentrales Bergland die gesamte Insel von Südwesten nach Nordosten durchzieht. Geologisch gesehen ist Osttimor noch sehr jung, da es erst in den letzten Millionen Jahren aus dem Meer gehoben wurde. Durch die geologischen Aktivitäten besteht eine ständige Gefahr durch Erdbeben und Tsunamis. Das letzte starke Beben in der Region am 19. April 2008 hatte sein Epizentrum im Meer 81 km nordöstlich von Dili und eine Stärke von 6,4M. Trotz der Erschütterungen in der Hauptstadt gab es keine Schäden oder Verletzte.[6] Der Nordosten der Enklave Oecussi-Ambeno bildet die jüngste und wildeste Oberflächenstruktur der gesamten Insel. Sie ist vulkanischen Ursprungs und erreicht mit dem Pico do Nipane eine Höhe von bis zu 1.561 m. Auch die Insel Atauro ist vulkanischen Ursprungs. Ihr höchster Punkt ist der Mano Côco mit 999 m. Timor weist aber keinen aktiven Vulkanismus mehr auf. Die höchsten Erhebungen Osttimors sind der Tatamailau (2.963 m), der Ablai (2.320 m) und der Matebian (2.316 m).
Im Norden fällt das Gebirge teilweise steil ins Meer ab. Charakteristische Küstenterrassen und einige markante Plateaus mit 400 bis 700 m Höhe, wie jene von Baucau, prägen das Bild. Terrassen und Plateaus entstanden aus Korallen. Das bergige Landesinnere ist von Tälern zerschnitten. Schwemmland findet sich zwischen Lautém und Baucau. Größere Flächen sind die Ebenen von Batugade, Metinaro, Dili, Manatuto, Com und am Lóisfluss. An der Südküste liegen weite Küstenebenen. Sie erstrecken sich von der Landesgrenze bis Viqueque und dann schmaler bis Loré. Die wichtigsten sind die Ebene von Alas mit dem südlichen Laclófluss, die Quirásebene mit dem Sahefluss, die Ebene von Luca mit dem Dilorfluss und die Ebene von Bilibuto. An der Grenze zu Westtimor liegt das Flachplateau von Maliana, das früher eine Bucht war.
Die auffälligste Hochebene Osttimors ist das Plateau von Fuiloro im Distrikt Lautém. Richtung Süden fällt es, aufgrund seiner großen Fläche unmerklich, von einer Höhe von 700 m auf 500 m ab. Ursprünglich war das Plateau die Lagune eines urzeitlichen Atolls. Drei weitere Hochebenen umgeben das Plateau von Fuiloro: die Plateaus von Nári im Norden, Lospalos im Westen und Rere im Süden.
Die Küste ist umgeben von Korallenbänken. Osttimors Küstenlinie hat eine Länge von 706 km, die Landgrenze zu Indonesien ist insgesamt 228 km lang. Der Grenzverlauf ist zu 97 % festgelegt. Strittig sind mit Indonesien lediglich noch die unbewohnte kleine Insel Fatu Sinai (Pulau Batek), Gebiete um die Exklave Oecussi-Ambeno (Nuaf Bijae Sunan bei Passabe, Naktuka bei Nitibe), sowie die genauen Modalitäten eines Korridors von Oecussi-Ambeno zum Hauptstaatsgebiet. Bis Januar 2008 wollen sich die Regierungen beider Länder über diese Punkte einigen. Die Angaben zur Gesamtfläche des Landes schwanken zwischen 14.604 km² [7], 14.874 km² [8], 15.410 km² [9] und 18.900 km² [10], der offiziellen Angabe seitens der Regierung. Osttimor hat damit etwa die Größe von Schleswig-Holstein.
Städte mit über 10.000 Einwohnern sind (Stand 1. Januar 2006) Dili (59.069 Einwohner), Dare (19.141 Einwohner), Lospalos (17.186 Einwohner), Baucau (14.961 Einwohner), Ermera (13.142 Einwohner) und Maliana (12.065 Einwohner).
siehe auch: Liste der Städte in Osttimor und Liste der Berge oder Erhebungen in Osttimor
Binnengewässer
Fast alle Flüsse Osttimors entspringen im zentralen Bergland und fließen, bedingt durch das steile Gefälle, in Richtung Norden oder Süden ab. Die Fließgewässer bilden im zentralen Inselgebiet ein dichtes hydrografisches Netz. Diese bestehen, wie bei vielen kleinen Inseln mit starken Erhebungen, fast nur aus Bächen, welche eher kurz, gewunden und rasch fließend sind. Jedoch liegen diese Bachläufe die meiste Zeit des Jahres trocken.
Intensive Niederschläge während der Regenzeit führen zur Entstehung von Sturzbächen und dadurch zu starker Erosion des Erdreiches. Mit dem Ende des Regens fällt der Pegel der Bäche jedoch wieder, sodass sie bequem durchwatet werden können. Mit der Rückkehr der trockenen Winde, die von Australien her kommen, verbleiben nur dünne Rinnsaale in breiten Flussbetten voller Müll und Geröll, die sich jedes Jahr verbreitern. Die alljährlichen Überflutungen, welche einige Monate andauern können, behindern auch den Warenverkehr zwischen den fruchtbaren Ebenen im Süden und dem restlichen Land. Es gibt Bestrebungen, mit Hilfe von Anpflanzungen die Erosion der Ufer einzuschränken und somit das Zerstörungspotential der Bäche zu verringern. Keiner der Flüsse Osttimors ist schiffbar. Ganzjährig wasserführende Flüsse gibt es genau genommen nur im Süden Osttimors. Der Grund dafür liegt in der im Vergleich zum Norden längeren Regenperiode. Flüsse, die auch im Norden ganzjährig Wasser führen, werden aus dem Süden gespeist. Dies ist der Fall beim nördlichen Lacló, der das größte hydrografische Becken Osttimors bildet und dem Lóis, dem längsten Fluss Osttimors mit 80 km, der bei Manatuto mündet. Nach Süden fließend führen Tafara, Bé-lulic, Carau-úlun, Sui, Südlicher Lacló und Cler das ganze Jahr Wasser. Der Hauptfluss der Exklave Oecussi-Ambeno, der Nuno-eno, mündet westlich von Pante Macassar ins Meer.
In einigen permanenten Flüssen entlang der südlichen Küste sammelt sich durch die starken Gezeiten Sand an den Flussmündungen, was den Abfluss immer mehr blockiert und zur Bildung von Marschland führt. Meeresfische, die ihre Brutstätten flussaufwärts haben, und Krokodile leben hier weiter, bis sie von den Einheimischen im Laufe eines Rituals durch einen gegrabenen Ausgang getrieben werden. Fische, Garnelen, Schlangen und kleine Krokodile werden dabei mit der Hand gefangen. An den Küsten bilden sich nach den schweren Regengüssen leicht Sümpfe.
Der größte See Osttimors ist die Suro-bec (auch Lagoa Ira Lalaro) im Distrikt Lautém. Er hat eine Länge von 6,5 km und eine Breite von 3 km. Zu den weitere Binnengewässern zählen der Maubarasee und der Tibarsee. Einen besonderen Reiz der bergigen Landschaft bilden die vielen Wasserfälle, am bekanntesten ist der Wasserfall von Bandeira.
Die Gewässer Osttimors sind noch wenig erforscht. Teilweise gibt es Kontroversen über ihre Namensgebung, da den Gewässern in den verschiedenen Regionen, die sie durchfließen, unterschiedliche Namen gegeben wurden.[11]
Klima
Das lokale Klima ist tropisch, im Allgemeinen heiß und schwül und ist von einer ausgeprägten Regen- und Trockenzeit charakterisiert. Während des Ostmonsuns zwischen Mai und November herrscht oft anhaltende Dürre, die Nordküste erreicht dann praktisch kein Regen und die braune Landschaft ist ausgedörrt. In diesen Dürreperioden kommt die Landwirtschaft zum Erliegen. Die kühleren Gebirgsregionen im Zentrum der Insel und die Südküste bekommen in der Trockenzeit gelegentlich Regen, daher bleibt hier die Landschaft grün. Die Regenzeit dauert von Ende November bis April. In dieser Zeit werden die Felder wieder bewirtschaftet. Mit dem Regen kommen oft Überschwemmungen, die trockenen Flussbetten können sich in kürzester Zeit füllen und zu großen Strömen heranschwellen, die Erde und Geröll mit sich reißen und Straßen unterbrechen. Am Ende der Regenzeit schließt sich die Erntezeit an. Die Hauptstadt Dili hat eine durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge von 1000 mm, die zum größten Teil von Dezember bis März abregnet. Dagegen erhält die Stadt Manatuto, östlich von Dili gelegen, durchschnittlich nur 565 mm Niederschlag pro Jahr. Die Südküste Osttimors ist regenreicher (1500 bis 2000 mm pro Jahr), der meiste Regen fällt an der mittleren Südküste und an den südlichen Bergen. Allerdings schaffen die Berge oft ein besonderes lokales Mikroklima, wodurch zum Beispiel der Ort Lolotoe im Distrikt Bobonaro die höchste jährliche Niederschlagsmenge in Osttimor mit 2.837 mm aufweist.
Die Temperatur in der Trockenzeit beträgt um die 30 bis 35 °C im Flachland (nachts 20 °C). Teile der Nordküste erreichen am Ende der Trockenzeit Temperaturen bis über 35 °C, allerdings bei geringer Luftfeuchtigkeit und fast keinen Niederschlägen. In den Bergen ist es tagsüber ebenfalls warm bis heiß, nachts kann die Temperatur aber auf unter 15 °C absinken, in höheren Lagen deutlich tiefer.
| Klimadaten Dili | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | Jahr |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Durchschnittstemperatur [°C] | 28,3 | 28,3 | 28,3 | 28,3 | 28,1 | 27,5 | 26,7 | 26,4 | 26,4 | 27,2 | 28,6 | 28,9 | 27,8 |
| Durchschnittliches Tagesmaximum [°C] | 31,1 | 31,1 | 31,7 | 31,7 | 31,7 | 31,1 | 30,6 | 30,6 | 30,6 | 31,1 | 32,2 | 32,2 | 31,3 |
| Durchschnittliches Tagesminimum [°C] | 25,6 | 25,6 | 25,0 | 25,0 | 24,4 | 23,9 | 22,8 | 22,2 | 22,2 | 23,3 | 25,6 | 25,6 | 24,2 |
| Absolutes Temperaturmaximum [°C] | 36,1 | 35,0 | 36,7 | 36,1 | 35,0 | 36,7 | 33,3 | 35,0 | 33,9 | 33,9 | 35,0 | 35,0 | 36,7 |
| Absolutes Temperaturminimum [°C] | 21,1 | 22,8 | 20,0 | 21,7 | 20,6 | 18,9 | 16,1 | 17,2 | 16,1 | 18,3 | 21,1 | 22,8 | 16,1 |
| Durchschnittliche Regenmenge [mm] | 127,0 | 119,4 | 137,2 | 109,2 | 86,4 | 25,4 | 12,7 | 5,1 | 7,6 | 22,9 | 50,8 | 139,7 | 843,4 |
| Maximale Regenmenge [mm] | 161,9 | 143,9 | 157,4 | 148,4 | 149,8 | 139,2 | 137,1 | 130,1 | 127,5 | 149,6 | 159,9 | 168,6 | 1773,5 |
| Jahreszeit | Regenzeit | Trockenzeit | RZ | ||||||||||
Fauna und Flora
→ Hauptartikel: Fauna Timors und Flora Timors
Timor gehört zu Wallacea, einem Gebiet der biogeographischen Übergangszone zwischen der asiatischen und der australischen Flora und Fauna. Allerdings gibt es nur wenige australische Arten (so der Kuskus). Die wenigen Säugetiere, wie Mähnenhirsche, Flughunde, Spitzmäuse und Affen, sowie Vögel und Insekten ähneln gewöhnlichen malaiischen Phänotypen. 23 Vogelarten kommen nur in der Region Timor-Wetar vor, was Osttimor gerade für Ornithologen interessant macht. Zu den insgesamt etwa 240 Vogelarten gehören unter anderem zahlreiche Papageien, sowie Amadinen, Kakadus und die Wetar-Taube.
Aus der Gruppe der Amphibien sind in Osttimor mindestens acht Froscharten aus vier Familien heimisch. Keiner dieser Froschlurche ist allerdings endemisch nur auf Timor beschränkt. Auch Reptilien bereichern die Tierwelt Timors, so etwa der nach der Insel benannte Timor-Waran (Varanus timorensis), der Timor-Python (Pythoninae timoriensis), der Timor-Wasserpython (Liasis mackloti) und die im Meer lebende Timor-Riffschlange (Aipysurus fuscus). Eine besondere kulturelle Bedeutung hat das in Meer und Flüssen lebende Leistenkrokodil.
siehe auch: „Lafaek Diak“ („Das gute Krokodil“) – Die Krokodillegende aus Osttimor
Die Vegetation Osttimors besteht hauptsächlich aus Sekundärwald, Savannen und Grasland. Es gibt zumeist Kasuarinengewächse, Eukalyptus, Sappanholz, Sandelholz, Cendana und Lontarholz. Die Gesamtfläche des Waldes nahm zwischen 1990 und 2000 um 0,6 % ab. Die Fläche des ursprünglichen Primärwaldes Osttimors ist auf 220.000 ha, oder ein Prozent des Territoriums, zusammengeschrumpft. Dichten Wald findet man nur noch im Süden des Landes und in den Bergregionen. Mangrovenwälder bedecken nur etwa 7.500 ha Osttimors, da im Gegensatz zu anderen Inseln des Archipels nur wenige Ausbuchtungen in der Küstenlinie vorhanden sind. Diese kommen hauptsächlich an der Nordküste vor, an der das Meer ruhiger ist. Beispielsweise findet man Mangrovenwälder bei Metinaro, Tibar und Maubara. An der Südküste breiten sich die Mangroven nicht viel weiter als über die Flussmündungen und sumpfigen Gelände hinaus aus.
Bevölkerung
Sprachen und Volksgruppen
→ Hauptartikel: Sprachen Osttimors
Timor wurde von mindestens drei Einwanderungswellen (Veddo-Austronesen, Melanesier und Malaien) besiedelt, deren Nachkommen die verschiedenen einheimischen Völker der Insel stellen.
Es gibt auf Osttimor etwa 15 Ethnien, davon 12 größere Stammesverbände. Sie sprechen meist austronesische (malayo-polynesische) Sprachen und Papua-Sprachen. Amtssprachen sind Tetum und Portugiesisch. Die 15 Sprachen der einheimischen Völker, neben der Amtssprache Tetum, sind von der Verfassung als Nationalsprachen anerkannt: Dies sind Atauru, Baikeno, Bekais, Bunak, Fataluku, Galoli, Habun, Idalaka, Kawaimina, Kemak, Makuva, Makalero, Makasae, Mambai und Tokodede. Englisch und Bahasa Indonesia sind als Arbeitssprachen aufgeführt. Während Tetum weit verbreitet ist, sprechen nur etwa 18,6 % Portugiesisch. Auch viele Lehrkräfte sprechen kein oder nur sehr schlecht Portugiesisch. Aufgrund dieser Probleme wird die ersten drei Jahre der Unterricht in Tetum gehalten und erst danach Portugiesisch schrittweise eingeführt.
Die malayo-polynesischen Tetum bilden mit etwa 200.000 Angehörigen die größte Ethnie Osttimors. Weitere malayo-polynesische Ethnien sind die Mambai (130.000), die Kemak (50.000), die Tokodede (32.000) und die Galoli (11.000). Die Baikeno in Oecussi-Ambeno (50.000) sprechen eine malayo-polynesische Sprache, stammen aber von der veddo-austronesischen Einwanderungswelle ab. Melanesischer Herkunft sind die Sprecher der Papuasprachen: Die Makasae (90.000), die Bunak (50.000) und die Fataluku (30.000).
Dazu kommen noch Einwanderer aus der jüngeren Geschichte, wie etwa Chinesen (hauptsächlich Hakka-Händler), Araber und Portugiesen. Mit der Einrichtung der Dampfschifffahrtslinie zwischen Macau und Dili nahm die Zuwanderung von Chinesen nach Portugiesisch-Timor zu. Unter den Einwanderern waren auch viele zu finden, die als Gegner der chinesischen Mandschu-Kaiser aus China flohen. Die chinesische Gemeinde war 1912 bereits gut organisiert. Es gab ein Vereinsgebäude, eine eigene Schule und einen buddhistischen Tempel. Die chinesische Bevölkerung sprach ursprünglich Hakka, Hochchinesisch und Kantonesisch. Vor der indonesischen Invasion 1975 gab es in Osttimor eine große und lebendige Hakkagemeinde. Während der Invasion kamen aber viele Hakka um oder flohen nach Australien. Heute leben die meisten timoresischen Hakka in Darwin und anderen australischen Städten, wie Brisbane, Sydney und Melbourne. In Osttimor nennen noch etwa 500 Menschen Chinesisch als ihre Muttersprache. Arabischer Herkunft ist zum Beispiel der ehemalige Premierminister Marí Alkatiri. Seine Vorfahren kamen am Ende des 19. Jahrhunderts aus dem heutigen Jemen nach Timor.
Ein kleiner Teil der Bevölkerung ist gemischter portugiesisch-timoresischer Herkunft. In Portugiesisch wird diese Bevölkerung Mestiços (deutsch Mestizen) genannt. Premierminister Xanana Gusmão und Staatspräsident José Ramos-Horta sind Mestiços. Zudem gibt es noch eine kleine Gruppe reiner Portugiesen. Etwa 700 Osttimoresen bezeichnen Portugiesisch als ihre Muttersprache. Auch einige Einwanderer aus Indonesien sind nach der Unabhängigkeit Osttimors im Land geblieben. Bahasa Indonesia hat allerdings als Verkehrssprache an Bedeutung verloren, während Englisch durch die ausländischen UN-Soldaten gewonnen hat. Als Muttersprache sprechen etwa 2.400 Einwohner Bahasa Indonesia und etwa 800 nennen Englisch als ihre Muttersprache. An der Nationaluniversität in Dili werden aber weiterhin viele Studiengänge noch in Bahasa Indonesia gehalten. Während der indonesischen Besatzung war der Gebrauch der portugiesischen Sprache offiziell verboten.
Die Besatzungszeit hat ein starkes osttimoresisches Nationalgefühl entstehen lassen, doch haben die Unruhen von 2006 wieder eine ethnische Spaltung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht, die schon vor der Kolonialzeit bestand. Diese Teilung des Landes in einen Ost- und einen Westteil hat einen deutlichen Einfluss auf das alltägliche Leben in Osttimor. Die westliche Bevölkerung aus Loro Munu wird Kaladi, die östliche aus Loro Sae wird Firaku genannt. Der Osten besteht aus den Distrikten Lautém, Baucau, Viqueque und Manatuto. Loro Munu besteht aus den Distrikten Dili, Aileu, Ainaro, Manufahi, Ermera, Bobonaro, Cova Lima, Liquiçá und Oecussi-Ambeno.
Die Firaku sehen sich als diejenigen, die durch ihren langen Widerstand die indonesische Besatzungsmacht besiegt haben. Zu den Firaku gehören wichtige osttimoresische Persönlichkeiten aus dem Militär und der Premierminister Xanana Gusmão. Dem Westen werfen die Firaku vor, mit den Indonesiern sympathisiert zu haben. Viele der Polizisten, die die Indonesier rekrutiert haben, waren Kaladi. Die UN und das unabhängige Osttimor hat die meisten dieser Polizisten in ihren Dienst übernommen. Der schwelende Konflikt zwischen Polizei und Militär resultiert daraus. Dili ist, als Schmelztiegel der verschiedenen Ethnien und Gruppen des Landes, Schauplatz von regelmäßigen Straßenkämpfen zwischen Banden aus dem Osten und dem Westen. Auch politisch ist eine Trennung zu erkennen. Während die östlichen Distrikte die Hochburgen der alten Unabhängigkeitspartei FRETILIN sind, haben im Westteil Parteien die Mehrheit, die erst nach dem Unabhängigkeitsreferendum gegründet wurden.
Trotzdem gibt es auch zahlreiche verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Distrikten. Die engen Vernetzungen der einzelnen Stämme und Ethnien durch Heirat haben eine lange Tradition, die schon vor der Kolonisation die Insel und ihre grobe Teilung in einen West-, einen zentralen und einen Ostteil verband. Die Stämme am Westrand des Einflussgebietes von Wehale hatten gleichzeitig Bündnisse mit dem westlichen Timor und Oecussi, die Stämme im Osten mit dem östlichen Timor und seinen Zentren Atsabe und Lospalos. Auf diese Weise bildete die Insel aus Sicht vieler Timoresen eine Einheit, die erst durch die koloniale Spaltung durch Niederländer und Portugiesen zerstört wurde. Doch auch von Fehden und Kriegen wird berichtet. Die alten Beziehungen und familiären Strukturen haben auch heute noch einen erheblichen Einfluss auf die Politik des Landes.
Bevölkerungsentwicklung
Osttimor hatte Anfang 2006 knapp 950.000 Einwohner. Die Bevölkerungsentwicklung ist ein Spiegelbild der historischen Schicksalsschläge, die das Land trafen. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten etwa 450.000 Menschen in der damaligen portugiesischen Kolonie. Im Krieg verloren 40.000 bis 70.000 Timoresen ihr Leben.
Bei der letzten portugiesischen Volkszählung 1970 zählte man 609.477 Einwohnern. Durch die indonesische Invasion 1975, den Guerillakrieg und Repressalien durch die Besatzungsmacht starben zwischen 1974 und 1999 183.000 Menschen. Viele flohen auch aus dem Land, besonders direkt nach der Invasion und in den 1990ern mit Höhepunkt bei den Vertreibungen von 1999, die schließlich zum Eingreifen der internationalen Staatengemeinschaft führten. Damals waren drei Viertel der Bevölkerung auf der Flucht. Mehr als 250.000 Osttimoresen hatten in Westtimor Zuflucht gesucht.
Das Bevölkerungswachstum liegt bei 5,4 % pro Jahr. Die Fruchtbarkeitsrate beträgt 7,8. Der Anteil der Bevölkerung mit einem Alter unter 15 Jahren beträgt 41,6 %, der der Personen über 65 beträgt 2,97 %. Der Anteil der städtischen Bevölkerung beträgt 8 % (Stand: 2004). Die Lebenserwartung liegt bei 56 Jahren (2005). [12]
Religion
| Religion/Konfession | Anzahl der Gläubigen[13] | Anteil |
|---|---|---|
| Katholiken | 715.285 | 96,5 % |
| Protestanten | 16.616 | 2,2 % |
| Animisten | 5.883 | 0,8 % |
| Muslime | 2.455 | 0,3 % |
| Buddhisten | 484 | 0,06 % |
| Hindus | 191 | 0,02 % |
| Sonstige | 616 | 0,08 % |
| Gesamt | 741.530 | 100,00 % |
Fast alle Einwohner Osttimors sind christlichen Glaubens. Über 96 % gaben bei der Volkszählung 2004 an Katholiken zu sein; Protestanten bilden eine christliche Minderheit (2,2 %). Es gibt Minderheiten von Muslimen (0,3 %, zumeist Sunniten), Buddhisten und Hindus. Der traditionelle animistische Glaube ist nur noch schwach vertreten (0,8 %).[13] Allerdings tauchen animistische Elemente im katholischen Ritus und im Alltag auf.
Der katholische Glaube war während der portugiesischen Kolonialherrschaft auf die Hauptstadt Dili und wenige größere Orte beschränkt. Die Mehrheit der Bevölkerung waren Animisten. Um 1975 betrug der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung nur etwa 30 %. Während des Freiheitskampfes gegen Indonesien wurde die katholische Kirche jedoch zur einigenden Klammer zwischen den zwölf größeren Stammesverbänden gegen die überwiegend muslimischen Indonesier. In keinem anderen Land der Erde hat die katholische Kirche in den letzten Jahrzehnten einen derart großen Zuwachs erreicht.
Sie verdankt das unter anderem dem damaligen Apostolischen Administrator der 1940 errichteten Diözese Dili, Martinho da Costa Lopes, der gegen die Menschrechtsverletzungen der Indonesier predigte. 1983 musste er auf Druck Jakartas abdanken und wurde ersetzt durch Carlos Filipe Ximenes Belo. Doch auch er wandte sich gegen die Besatzer. In einem offenen Brief an den Generalsekretär der Vereinten Nationen forderte er ein Referendum über die Eigenständigkeit Osttimors. Weiteren Auftrieb erhielt die katholische Kirche 1989 durch den Besuch von Papst Johannes Paul II. in Osttimor. 1996 erhielt Bischof Belo, zusammen mit José Ramos-Horta, für sein gewaltloses Eintreten für die Freiheit Osttimors den Friedensnobelpreis. Die Befreiungsbewegung FRETILIN hatte zwar kommunistische Züge, deren Führer wurden aber stark durch die Befreiungstheologie Lateinamerikas von katholischen Priestern beeinflusst.
Im Jahr 1996 wurde die Diözese Baucau eingerichtet (eine dritte ist nach Angaben des damaligen Premierminister Ramos-Horta in Planung). Sowohl Dili als auch Baucau sind kirchenrechtlich direkt dem Heiligen Stuhl unterstellt. Zu den Feierlichkeiten für die Unabhängigkeit wurde 2002 eine Marienstatue aus Fátima (Portugal) nach Dili verschifft. Das Land wurde der Mutter Gottes von Fátima geweiht. Im Mai 2005 wurde der Religionsunterricht in öffentlichen Schulen nach wochenlangen Protestmärschen wieder als Pflichtfach in den Lehrplan aufgenommen. Premierminister Alkatiri hatte im Februar einen Gesetzentwurf eingebracht, nachdem das Fach nur freiwillig besucht werden sollte.[14]
Osttimor ist laut Verfassung ein säkularer Staat und es herrscht Religionsfreiheit. Ramos-Horta betonte aber in seiner Antrittsrede als Premierminister 2006 die Bedeutung der katholischen Kirche als ein das Land vereinigendes und zwischen den verschiedenen Konfliktparteien aussöhnendes Element. In einem nächsten Schritt entsendete 2007 die Regierung mit Justino Maria Aparício Guterres den ersten ständig beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschafter, um die Beziehungen zum Vatikan weiter zu entwickeln. Außerdem erwartet man die Entsendung eines eigenen apostolischen Nuntius nach Osttimor.
Zudem gibt es eine Reihe von Jugendbewegungen, wie etwa Colimau 2000 oder die Sagrada Familia, deren Ideologien quasi-religiöse Züge tragen. Diese Gruppen verwenden dafür christliche und auch animistische Elemente und haben jeweils einige hundert bis einige tausend Mitglieder.[15]
siehe auch: Traditionelle Religion Timors
Frauen in Osttimor
Gerade bei den Frauen hat die indonesische Besatzungszeit viele Spuren hinterlassen. Neben den Gewaltverbrechen (systematische Vergewaltigungen, sexuelle Sklaverei) sind auch Zwangssterilisationen, Zwangsabtreibungen und Zwangsverhütung zur Bevölkerungskontrolle und Indonesierung zu nennen. Die Serious Crime Unit der UNTAET berichtete von sogenannten Rape Houses in Suai, Bobonaro, Lolotoe, Gleno und im Hauptsitz der Aitarak-Miliz in Dili. Wurden Frauen in der Besatzungszeit als Aktivisten oder Angehörige der Freiheitskämpfer Opfer sexueller Gewalt, so gelten sie heute als sozial gebrandmarkt. Ihre Familien fühlen sich beschämt, Ehemänner weisen sie zurück, Kindern aus diesen Vorfällen wird oft die katholische Taufe und der Kirchenbesuch verwehrt.
Allgemein ist häusliche Gewalt ein großes Problem. Die Gründe dafür sind mit in den traumatischen Erlebnissen der Einwohner zu suchen. Die erste osttimoresische Frauenkonferenz im Juni 2001 kritisierte fehlende Gesetze zum Schutz der Opfer. Im Jahr 2000 wurden 169 Fälle häuslicher Gewalt angezeigt, was 40 Prozent aller begangenen Verbrechen ausmacht. [16]
In letzter Zeit wurden wiederholt illegal eingewanderte Frauen aus Südost- und Ostasien aufgegriffen, die in Osttimor der Prostitution nachgingen. Auch Menschenschmuggler wurden in diesen Zusammenhang festgenommen.[17]
Im Januar 2007 wurden drei Frauen im Distrikt Liquiçá beschuldigt, Hexen zu sein. Die Frauen im Alter von 25, 50 und 70 Jahren wurden ermordet und ihr Haus angezündet. Drei Verdächtige wurden von der UN-Polizei verhaftet. Es ist der erste und bisher einzige Fall dieser Art im mehrheitlich katholischen Osttimor.[18]
Die Rolle der Frau verändert sich mit Erlangung der Unabhängigkeit langsam. Die FRETILIN und die meisten anderen Parteien setzen sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein, die auch in der Verfassung festgeschrieben ist. Bei den ersten kommunalen Wahlen wurden erstmals Frauen zu Chefs in sieben Sucos und mehreren Dörfern gewählt, im Kabinett Ramos-Hortas gab es vier weibliche Minister und im ersten Nationalparlament Osttimors waren 25,3 % der Abgeordneten Frauen. Bei den Neuwahlen am 30. Juni 2007 wurde vorgeschrieben, dass 25 % der Kandidaten auf den Parteilisten weiblich sein mussten. In das neue, kleinere Parlament zogen 18 Frauen ein, darunter die Parteivorsitzende der Partido Unidade Nacional PUN Fernanda Borges. Der Frauenanteil im Parlament beträgt nun 27,7 %.
Kirsty Sword Gusmão, die Ehefrau des ehemaligen Staatspräsidenten Gusmão, ist die Gründerin und Vorsitzende der Alola Foundation [19], die sich für die Frauen in Osttimor einsetzt. Alola unterstützt vielfältige Projekte im ganzen Land. Der 3. November wird in Osttimor offiziell als Nationaler Tag der Frau begangen.
Gesundheit
Die medizinische Versorgung ist immer noch mangelhaft. Es gibt 218 medizinische Einrichtungen, darunter neun Krankenhäuser, die zwei größten in Dili und Baucau (Stand 2003). Die Bevölkerung erhält hier kostenlose Behandlung. Vor allem einheimische Ärzte fehlen. Von 40 Ärzten in den Hauptkrankenhäusern von Dili und Baucau waren 2003 nur 10 Osttimoresen. Dank einer Kooperation zwischen Dili und Havanna sind 90 % der Ärzte in Osttimor Kubaner, insgesamt 300. 700 Timoresen studieren in Kuba Medizin.[20][21] Die Vielfalt der Sprachen im Land führt oft zu Problemen bei der Verständigung zwischen Arzt und Patient.
Die Ausgaben für das Gesundheitswesen betragen 9,6 % des BIP von 2003. 49 % der Einwohner haben kein sauberes Trinkwasser und 67 % keinen Zugang zu Sanitäreinrichtungen (Stand 2002). Pro 100.000 Lebendgeburten starben 2004 800 Mütter. 2008 lobte die UNICEF Osttimor, da es seit 1990 die Kindersterblichkeit um 40 % gesenkt habe.[22] Die Kindersterblichkeit lag 1990 bei 177, 2004 bei 80 und 2005 bei 61. Die Säuglingssterblichkeit lag 1974 bi 50 %, 1990 bei 133 von 1.000 Geburten, 2004 bei 64 und 2005 bei 52. Die Geburtenrate lag 2005 bei 49 Geburten auf 1.000 Einwohner, die Sterberate 2004 bei 18 Sterbefällen auf 1.000 Einwohner.[12] Aufgrund der Zwangssterilisationen während der indonesischen Besatzungszeit haben gerade Frauen ein erhöhtes Misstrauen gegenüber staatlichen, medizinischen Einrichtungen, was besonders die Versorgung von Schwangeren erschwert.
Ein weiteres großes Problem ist die Malaria, die während der Regenzeit auftritt. Reisenden wird dringend empfohlen, Malariaprophylaxen einzunehmen. Daneben sind weitere Krankheiten, wie das Denguefieber und die japanische Encephalitis weit verbreitet. Daher sollte man sich gerade in der Regenzeit vor Mücken schützen.
HIV spielt noch eine geringe Rolle, auch wenn die meisten Osttimoresen nichts über das AIDS-Risiko oder seine Verhütung wissen. 2002 gab es nur einen Todesfall durch HIV in Osttimor. Die Anwesenheit der vielen ausländischen Truppen und Polizeikräfte vergrößert allerdings die Gefahr enorm.
Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte Osttimors
Kleine Reiche und Fremdherrschaft
Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung wurden 2006 in der Kalksteinhöhle Jerimalai nahe Tutuala im äußersten Osten Timors gemacht. Sie sind mindestens 42.000 Jahre alt. Neben Steinwerkzeugen und Muschelschalen, die als Schmuck verwendet wurden, fand man die Überreste von Schildkröten, Thunfischen und Riesenratten, die den Höhlenbewohnern als Nahrung gedient hatten. Diese Funde erhärten die Theorie, dass die Besiedlung Australiens über die Kleinen Sundainseln erfolgte. Von dieser Besiedlungswelle scheinen keine Spuren mehr in der heutigen Bevölkerung Timors zu existieren.
Timor wurde ab 40.000 v. Chr. in mindestens drei Wellen von Austronesen, Melanesiern und Proto-Malaien besiedelt. Die Insel teilte sich nach Berichten der Portugiesen in drei lose Herrschaftsgebiete, die sich wiederum in mehrere kleine Königreiche teilten. Heirat- und Bündnispolitik bildete ein Netzwerk das praktisch die gesamte Insel miteinander verband. Im 16. Jahrhundert gründeten die Portugiesen ihre Kolonie Portugiesisch-Timor, deren endgültige Grenzen zum holländischen Teil der Insel erst 1916 festgelegt wurden. Beide Kolonialmächte waren lange Zeit noch auf die traditionellen Herrschaftsstrukturen angewiesen, um ihre Territorien zu verwalten. Ständig kam es zu Aufständen gegen die Europäer. Japanische Truppen besetzten die gesamte Insel von 1942 bis 1945, obwohl Portugal im Zweiten Weltkrieg ein neutrales Land war. Die Folge war ein Guerillakrieg, den alliierte Truppen gegen die Japaner auf der Insel führten, der als die Schlacht um Timor bekannt wurde. Auf beiden Seiten kämpften auch Timoresen mit. Allein in Portugiesisch-Timor starben zwischen 40.000 und 70.000 Menschen. Während Westtimor als Teil Indonesiens nach dem Weltkrieg in die Unabhängigkeit entlassen wurde, blieb Osttimor weiter eine portugiesische Überseeprovinz.
Erst 1974 änderte die Nelkenrevolution in Portugal die Verhältnisse. 1975 sollte die Kolonie für die Unabhängigkeit vorbereitet werden, doch es kam zu einem Bürgerkrieg um die Macht zwischen den beiden größten Parteien FRETILIN und UDT, aus dem die FRETILIN als Sieger hervorging. Sie rief am 28. November 1975 die Unabhängigkeit aus, doch nur neun Tage später annektierte Indonesien das Land und machte es trotz internationaler Verurteilung zu seiner 27. Provinz Timor Timur. Infolge der 24 Jahre indonesischer Besatzung starben bis zu 183.000 der 800.000 Einwohner. Nach einem Referendum im Jahre 1999, das zu Gunsten einer Unabhängigkeit ausging und weitere Gewalt durch pro-indonesische Milizen und der indonesische Armee zur Folge hatte, entsandten die Vereinten Nationen unter australischer Führung die Friedenstruppe INTERFET. Osttimor kam unter Verwaltung der UNTAET, bis es schließlich am 20. Mai 2002 endgültig unabhängig wurde. Am 27. September 2002 wurde Osttimor als 191. Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen.
Die Unruhen von 2006 und ihre Folgen
→ Hauptartikel: Unruhen in Osttimor 2006
Zwischen Ende April und Ende Mai 2006 erlebte Osttimor die schwersten Unruhen seit seiner Unabhängigkeit. 37 Menschen starben, 155.000 waren auf der Flucht. Ausgangspunkt dafür war die Entlassung von etwa 40 % der Armeeangehörigen, die aus Protest gegen Missstände bei den Verteidigungskräften Osttimors Anfang des Jahres desertierten. Über 3.000 Soldaten (Internationale Stabilisierungstruppe ISF) wurden aus verschiedenen Ländern nach Osttimor geschickt um die Situation wieder zu stabilisieren. Premierminister Marí Bin Amude Alkatiri sah sich am 26. Juni gezwungen zurückzutreten. Seit dem 13. September soll die UNMIT (UN Integrated Mission in Timor-Leste) zusammen mit den ausländischen Truppen für Ordnung im Lande sorgen, beim wirtschaftlichen Aufbau helfen und den friedlichen Verlauf der Wahlen 2007 sichern. Ihr Mandat wurde bis zum 26. Februar 2009 verlängert.
Die ISF unter Führung Australiens und die UN-Polizei blieb weiter im Land, um die Sicherheitslage weiter zu stabilisieren und sicherte die Wahlen, die 2007 stattfanden. Australien hat derzeit 1000 Soldaten in Osttimor stationiert, Neuseeland 170 Mann. Staatspräsident Ramos-Horta hat den Wunsch geäußert, dass die ISF bis Ende 2008 und die UN bis 2012 bleibt. Seit den Unruhen von 2006 lebten allein in Dili 30.000 Menschen in Flüchtlingslagern, weitere 70.000 in anderen Distrikten des Landes. Seitdem Anfang 2008 die Regierung die Lebensmittelhilfen für die Flüchtlinge eingestellt hat und jeder rückkehrenden Familie 1.500 bis 4.500 US-$ anbot, nimmt ihre Zahl langsam ab. Die Regierung rechnet damit, dass Ende 2008 auch die letzten Flüchtlinge die Lager verlassen haben. Seit Ende 2007 funktioniert die Stromversorgung der Hauptstadt wieder verhältnismäßig reibungslos.
Machtwechsel 2007
siehe auch Kapitel Exekutive und Legislative
Die ersten Neuwahlen nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit brachten eine Machtverlust für die FRETILIN. Der parteilose José Ramos-Horta setzte sich in der Stichwahl gegen den FRETILIN-Kandidaten durch und eine Vier-Parteien-Koalition gelang es die Mehrheit im Parlament zu gewinnen und Xanana Gusmão als Premierminister einzusetzen. Die FRETILIN ist zwar die stärkste Partei im Parlament, konnte aber keine Koalitionspartner finden. Dass sie als stärkste Kraft nicht die Regierung führt, sieht die FRETILIN als Verfassungsbruch, kam aber von anfänglichen Drohungen ab das Parlament zu boykottieren oder vor das Oberste Gericht zu ziehen. Sympathisanten der FRETILIN begannen nach Bekanntgabe der neuen Regierung mit gewaltsamen Ausschreitungen. Vor allem in den östlichen Hochburgen der FRETILIN, den Distrikten Viqueque und Baucau wurden Häuser angezündet und Menschen angegriffen. 6.000 neue Flüchtlinge waren die Folge. Die schlimmsten Vorfälle waren der Überfall auf ein Konvent und Waisenhaus der Salesianer in Baguia, bei der minderjährige Mädchen vergewaltigt wurden und ein Überfall auf einen UN-Konvoi in Viqueque. Neuen Zündstoff brachten drei Vorfälle, bei denen australische Truppen die Flagge der FRETILIN verunglimpft und gestohlen haben sollen. Der australische Kommandeur, Brigadier John Hutcheson gab persönlich eine der Flaggen zurück und bedauerte den Vorfall. Die zwei anderen Flaggen wurden über andere Behörden zurück gegeben. FRETILIN-Generalsekretär Alkatiri forderte daraufhin den Abzug der Australier, da sie nicht mehr neutral seien.
Mordanschlag auf Präsident und Premierminister 2008
→ Hauptartikel: Attentat vom 11. Februar 2008 in Dili
Der Anführer der 2006 meuternden Soldaten Alfredo Reinado war noch im selben Jahr zusammen mit 56 Getreuen aus einem Gefängnis ausgebrochen, in dem sie wegen unerlaubten Waffenbesitzes und und dem Verdacht des Mordes im Laufe der Maiunruhen einsaßen. 2007 eskalierte die Lage um die Flüchtigen, die sich in den Bergen von Manufahi und Distrikt Ermera versteckten. Man schreibt ihnen den Überfall auf zwei Posten der Grenzpolizei zu, bei denen 23 teilweise schwere Waffen gestohlen wurden. Präsident Gusmão ermächtigte die ISF zur Verhaftung von Reinado und bat auch Indonesien um Unterstützung. Ein Zugriffsversuch durch australische Spezialeinheiten im März 2007 scheiterte. Danach wurde mehrmals versucht das Problem durch Verhandlungen zu lösen. Unter anderem trafen sich Präsident Ramos-Horta und Reinado Mitte August zu direkten Gesprächen.[23] Mehrfach drohte Reinado der Regierung mit Bürgerkrieg und Angriffen auf Dili.
Am 11. Februar 2008 kam es im Wohnhaus von Präsident Ramos-Horta zu einen Schusswechsel zwischen Reinado, einigen seiner Männer und den Sicherheitskräften. Ramos-Horta und einer seiner Leibwächter wurden dabei schwer verletzt, Reinado und ein weiterer Rebell kamen dabei ums Leben. Premierminister Gusmão entkam unverletzt der Attacke, die kurz darauf ihm galt. Er erklärte den versuchten Staatsstreich für gescheitert. Präsident Ramos-Horta übernahm im April wieder die Amtsgeschäfte, nachdem er in Darwin medizinisch behandelt worden war.
Politik
Die Verfassung Osttimors wurde nach portugiesischem Vorbild entwickelt.
Exekutive
Der Präsident von Osttimor wird alle fünf Jahre gewählt und hat eher symbolische Befugnisse; er besitzt aber ein Vetorecht bei der Gesetzgebung. Ihm steht der Staatsrat beratend zur Seite. Bei den ersten Präsidentenwahlen seit der Unabhängigkeit Osttimors von Indonesien am 20. Mai 2002 setzte sich der bisherige Premierminister und Friedensnobelpreisträger José Ramos-Horta gegen den Parlamentspräsidenten Francisco Guterres (Lu-Olo ) von der dominierenden Partei FRETILIN in einer Stichwahl durch. José Ramos-Horta wurde am 20. Mai 2007 vereidigt und löste damit seinen charismatischen Amtsvorgänger Xanana Gusmão ab. Der frühere Chef der FRETILIN und des Conselho Nacional de Resistência Timorense CNRT, der als Volksheld verehrt wird, hatte schon vor der Präsidentenwahl angekündigt, er werde bei den Parlamentswahlen am 30. Juni 2007 als Kandidat für das Amt des Premierministers antreten.
Nach den Parlamentswahlen bestimmt der Präsident einen Premierminister, der die Mehrheit einer Partei oder Koalition im Parlament hinter sich hat. Als Kopf der Regierung sitzt er dem Kabinett vor. Erster Premierminister nach der indonesischen Besatzung war bis zu seinem Rücktritt am 26. Juni 2006 Marí Alkatiri von der FRETILIN. Zu seinem Nachfolger wurde am 8. Juli der parteilose bisherige Außenminister José Ramos-Horta ernannt und am 10. Juli vereidigt. Ihm folgte ein Tag vor dessen Vereidigung zum Präsidenten einer der beiden stellvertretenden Premierminister, der Landwirtschaftsminister Estanislau da Silva (FRETILIN), der die Regierung bis zum Antritt der Neuen nach den Parlamentswahlen am 30. Juni 2007 führte. Xanana Gusmão wurde am 8. August 2007 als vierter Premierminister seit 2002 vereidigt.
siehe auch: Kabinett Osttimors
Legislative
Das Parlament (Parlamento Nacional) besteht aus nur einer Kammer. Seine Mitglieder werden alle fünf Jahre in freien Wahlen bestimmt. Laut Verfassung kann die Anzahl der Sitze zwischen 52 und 65 variieren. Während der ersten Wahlperiode wurden ausnahmsweise die 88 Sitze der Verfassungsgebenden Versammlung beibehalten. Die FRETILIN errang bei der Wahl am 30. August 2001 mit 55 Sitzen zwar eine überragende Mehrheit, war aber intern in verschiedene Gruppen zersplittert.
Am 30. Juni 2007 fanden die ersten Parlamentsneuwahlen seit der Unabhängigkeit statt. Die Auszählung ergab hohe Verluste für die FRETILIN, die nun nur noch 21 der 65 Sitze inne hat, weiterhin aber stärkste Kraft im Parlament bleibt. Die FRETILIN kündigte zunächst an entweder eine Minderheitsregierung oder eine Regierung der nationalen Einheit zusammen mit den anderen Parteien bilden zu wollen, doch dagegen stellte sich mit 37 Sitzen die nach der Wahl geschlossene Aliança da Maioria Parlamentar AMP (Allianz der Parlamentarischen Mehrheit) aus Congresso Nacional da Reconstrução Timorense CNRT, Partido Democrático PD und der Coligação ASDT/PSD.
Staatspräsident Ramos-Horta zog die Idee einer Einheitsregierung vor musste aber am 24. Juli das endgültige Scheitern der Koalitionsgespräche bekannt geben, da die Parteien keine Einigung erzielen konnten. Schließlich wurde der Chef des CNRT und ehemalige Staatspräsident Xanana Gusmão mit der Regierungsbildung beauftragt und zum neuen Premierminister gewählt. Neuer Parlamentspräsident ist Fernando de Araújo von der PD.
Die FRETILIN hat von ihrem anfänglichen Vorhaben gegen die Regierungsbildung vor dem höchsten Gericht Osttimors zu klagen abgesehen, nennt die Allianzregierung aber weiterhin illegitim und verfassungswidrig.
Sechs Parteien, die an der Drei-Prozent-Hürde gescheitert waren, organisierten sich nach der Wahl in der Liga Democrática Progressiva LDP (Progressiven Demokratischen Liga). Ihr Sprecher ist Ermenegildo Lopes von der Partido Milénio Democrático PMD. Die Liga hat die Regierung der Allianz als legal und verfassungsgemäß anerkannt.
Anfang Mai unterzeichnete die ASDT eine Bündniserklärung mit der FRETILIN. Allerdings verließ sie nicht die Regierungskoalition, sondern plant mit der FRETILIN bei den nächsten Wahlen zusammen zu arbeiten. Beide Parteien forderten daher für das Frühjahr 2009 Neuwahlen. Auslöser der Spannungen in der Regierungskoalition war die Weigerung Premierminister Gusmãos zwei der Korruption beschuldigte ASDT-Angehörige des Kabinetts zu entlassen, wie es die Partei gefordert hatte. Korruption wird mehreren Regierungsmitgliedern vorgeworfen, ebenso eine zu große Nähe zu Indonesien. Die PSD, enger Partner der ASDT, plant zunächst trotz Unzufriedenheiten in den eigenen Reihen in der Koalition mit dem CNRT, der Partei von Premierminister Gusmão zu bleiben.
Am 13. Mai 2008 schloss sich die UNDERTIM der Regierungskoalition an. Mit ihren beiden Abgeordneten hätte die AMP auch dann noch die absolute Mehrheit im Parlament, wenn die ASDT mit ihren fünf aus der Koalition ausscheiden würde.[24]
Judikative
Das Tribunal de Recursos (Berufungsgericht) ist das höchste Gericht Osttimors. Gegen dessen Urteile kann nicht in Berufung gegangen werden. Den Vorsitz führt der Gerichtspräsident, der durch den Präsidenten der Republik für vier Jahre ernannt wird. Das Amt hat seit dem 12. Juni 2007 Cláudio de Jesus Ximenes in seiner nun dritten Amtszeit inne.[25] Das Nationalparlament wählt ein Mitglied des Obersten Gerichts, die anderen Mitglieder werden durch den Oberen Judikativen Rat bestimmt. Generalstaatsanwalt ist Longuinhos Monteiro.
Die Todesstrafe und lebenslängliche Gefängnisstrafe sind in Osttimor abgeschafft. Die zulässige Höchststrafe liegt bei 25 Jahren Gefängnis.
Außenpolitik
Außenminister Osttimors ist Zacarias Albano da Costa von der PSD. Osttimor gehört seit dem 24. Februar 2003 zur Bewegung der blockfreien Staaten. Außerdem ist es Mitglied bei der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder. Als Beobachter nahm Osttimor am 3. Gipfel der AKP-Staaten im Juli 2002 und seit August 2002 an den jährlichen Treffen der Staats- und Regierungschefs des Pacific Islands Forum teil. Nach der Aufnahme in das ASEAN Regional Forum (ARF) im Juli 2005 strebt Osttimor mittelfristig auch die Mitgliedschaft in der ASEAN an. Der Antrag wurde am 28. Juli 2006 in Kuala Lumpur gestellt. Man rechnet mit einer Wartezeit von fünf Jahren. Während Indonesien Osttimor bei seinem Wunsch auf Vollmitgliedschaft unterstützt, werden hinter vorgehaltener Hand Bedenken geäußert, die ASEAN hätte bereits mit Myanmar genug Probleme. In Vorbereitung zum Beitritt hat Osttimor am 14. Januar 2007 einen Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit mit den ASEAN-Staaten unterzeichnet. Im August 2007 erklärten die ASEAN-Staaten ihre grundsätzliche Bereitschaft Osttimor aufzunehmen.
Zur ehemaligen Kolonialmacht Portugal bestehen enge Beziehungen. Portugal leistet Entwicklungshilfe (2007-2010 60 Millionen Euro) und ist der wichtigste Geldgeber im Erziehungs- und Justizsektor. Deutschland engagiert sich bei der ländlichen Entwicklung, dem maritimen Transport mit der Finanzierung der Fähren zwischen den Landesteilen und Krisenpräventation und Konfliktberatung. Schweden hat Osttimor als eines der Kernländer für seine Entwicklungshilfe ausgewählt, ebenso wie Irland, das Osttimor zwischen 2003 und 2007 bereits mit 20 Millionen Euro für Entwicklungshilfe unterstützte. Außerdem entsandte Irland 2008 einen Sonderbotschafter, der mit der osttimoresischen Regierung die Erfahrungen mit dem Friedensprozess in Nordirland teilen soll. Die Europäische Union hat für 2008 15 Millionen Euro für die ländliche Entwicklung zugesagt.
Auch zu Australien gibt es enge Bindungen aufgrund der geographischen Nähe und der jüngsten Geschichte, in der Australien das Land auf dem Weg zur Unabhängigkeit unterstützte und unterstützt. Der Streit über die Erdöl- und Erdgasvorkommen in der Timorsee ist durch den CMATS-Vertrag beigelegt. Australien hat für 2007 bis 2011 ein Hilfspaket von 200 Millionen Australischen Dollar angekündigt.
Indonesien ist Osttimors größter Handelspartner. Als Staatsoberhaupt und nun als Regierungschef hat Xanana Gusmão sich vor allem dem Versöhnungsgedanken verschrieben. Nur eine Normalisierung der Beziehungen zur früheren Besatzungsmacht Indonesien und ein gewisser Schlussstrich unter die Vergangenheit, so seine Überzeugung, können das bitterarme und durch die lange Fremdherrschaft rückständige Land in die Zukunft führen. Die Teilnahme der damaligen indonesischen Präsidentin Megawati Sukarnoputri an der Unabhängigkeitsfeier 2002 in Dili zeugt von dem Willen Indonesiens, die Unabhängigkeit Osttimors nunmehr endgültig zu akzeptieren. Anfang 2005 empfing er den im Vorjahr neugewählten indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono zu einem Staatsbesuch. Das Treffen der beiden Männer verlief außergewöhnlich herzlich und wurde als Neuanfang in den bilateralen Beziehungen gewertet. Die osttimoresische Regierung hält trotz der Kritik von Menschenrechtsorganisationen und der Katholischen Kirche an dieser Versöhnungspolitik fest. Eine vom UN-Generalsekretär eingesetzte dreiköpfige unabhängige internationale „Commission of Experts“ hat in ihrem am 27. Juni 2005 vorgelegten Abschlussbericht festgestellt, dass die juristische Aufarbeitung der 1999 in Osttimor begangenen Menschenrechtsverletzungen in Indonesien „völlig unzureichend“ ist. Auch die Arbeit der gemeinsamen Wahrheits- und Freundschaftskommission CTF steht in der Kritik von Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen, da sie Amnestie auch für schwere Verbrechen gewährt. UN-Personal wurde die Zusammenarbeit mit der CTF untersagt. Im Oktober 2007 vereinbarten die beiden Außenminister eine engere Zusammenarbeit. So sollen osttimoresische Diplomaten in Indonesien ausgebildet werden.
Die USA sind der drittgrößte Geber von Entwicklungshilfe für Osttimor. Unter Premierminister Alkatiri wurde die Zusammenarbeit mit der Volksrepublik China sowohl im militärischen, als auch im wirtschaftlichen Bereich verstärkt, was auch nach seinem Rücktritt Bestand hat. So lieferte China Uniformen für die timoresischen Streitkräfte, bildet Bauern, Beamte, Soldaten und Polizisten aus, entsendet medizinische Teams und Sicherheitskräfte, lädt timoresische Studenten ein und finanziert den Bau des Präsidentenpalastes und des Außenministeriums in Dili,[26] sowie vom F-FDTL-Hauptquartier in Metinaro und Hunderten Häusern für Kriegsveteranen.
Mit dem zweiten katholischen Land in Asien, den Philippinen, entwickelten sich seit der Unabhängigkeit Osttimors gute Beziehungen. Diese erstrecken sich über den wirtschaftlichen, den kulturellen und den Bildungssektor.
Deutschland, Österreich und die Schweiz haben keine Botschaften in Osttimor. Zuständig sind die Botschaften der Länder in Jakarta/Indonesien. In dringenden Fällen können sich deutsche Staatsbürger an die Botschaft Portugals oder der Vertretung der Europäischen Union in Dili wenden. Außerdem haben folgende Länder Botschaften in Dili: Australien, Brasilien, Volksrepublik China, Frankreich, Indonesien, Irland, Japan, Kuba, Malaysia, Neuseeland, Norwegen, Philippinen, Südkorea, Thailand, Großbritannien und die USA.[27]
Die für Mitteleuropa zuständige Botschaft Osttimors befindet sich in Brüssel. Sie ist auch die offizielle Vertretung Osttimors bei der Europäischen Union. Der Brüsseler Botschaft ist zudem die ständige Vertretung Osttimors bei den Vereinten Nationen in Genf untergeordnet. Darüber hinaus unterhält Osttimor Botschaften in Bangkok, Canberra, Havanna, Jakarta, Kuala Lumpur, Lissabon, Manila, Maputo, Peking, Tokyo, beim Vatikan und in Washington, D. C., sowie eine Mission bei den Vereinten Nationen in New York. In Denpasar, Kupang und Sydney befinden sich Generalkonsulate. Honorarkonsule gibt es in Beirut, Cebu, Dublin, Evora, Genf, Manila und auf Tasmanien, Eine weitere Botschaft in Seoul soll bald folgen.[28]
Militär
→ Hauptartikel: Verteidigungskräfte Osttimors
