Rahewin

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Rahewin (* unbekannt; † vor 1177) war Schreiber und Notar des Bischofs Otto von Freising und ist vor allem für seine Fortsetzung von Ottos Taten Friedrichs bekannt.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Über seine Herkunft und Jugend ist nicht viel bekannt, möglicherweise stammte er aus Freising, das er patria mea nennt.[1] 1144 wird er erstmals als cartularius (Urkundenschreiber) des Bischofs Otto von Freising erwähnt. Weitere Dokumente nennen ihn capellanus und notarius, ab 1156 auch canonicus (Domherr) der Freisinger Domkirche. Er wird in zahlreichen Urkunden als Schreiber oder Zeuge erwähnt, wobei die unterschiedlichsten Schreibweisen seines Namens vorkommen: Ragewinus, Radevicus, Reguinus, Rachwynus und viele andere.

Nach dem Diktat Ottos von Freising schrieb Rahewin die Chronica sive Historia de duabus civitatibus nieder und überreichte sie gemeinsam mit Abt Rapoto von Weihenstephan 1157 dem Kaiser Friedrich Barbarossa.[2] Er begleitete Otto von Freising auf Reisen und war auch bei seinem Tod in der Zisterzienserabtei Morimond im September 1158 anwesend. Otto beauftragte Rahewin, sein unvollendetes Werk über die Taten Kaiser Friedrichs, die Gesta Friderici seu Cronica, zu beenden. Vermutlich überbrachte Rahewin dem Kaiser die Nachricht vom Tode Ottos, wobei der Kaiser den Auftrag bestätigte.[3]

Rahewin schrieb Buch III und IV der Taten Friedrichs, die er 1160 vollendete. Er schildert Ereignisse im Zeitraum von August 1157 (Feldzug Friedrichs gegen Polen) bis Februar 1160 (Synode in Pavia, in der das Schisma zwischen Papst Alexander III. und Gegenpapst Viktor IV. beigelegt werden sollte).

Er verfasste auch lateinische Gedichte, darunter eine mehrere Hundert Verse umfassende Version der prosaischen Theophilus-Legende des Paulus Diaconus in gereimten Hexametern und ein Flosculus Rahewini ad H. praepositum. Zwei Grabinschriften für Otto sind in den Taten Friedrichs enthalten, eine davon in Vagantenstrophen und die andere in gereimten Hexametern.

Nach 1160 gibt es nur mehr spärliche Nachrichten über Rahewin. Zwei Urkunden für das Kloster Schäftlarn von 1168 und 1170 nennen ihn Propst von St. Veit. 1177 ist ein Konrad als Propst von St. Veit überliefert, so dass Rahewin wohl vorher verstorben war.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Wattenbach: Rahewin. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 27, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 166 f.
  • Roman Deutinger: Rahewin von Freising. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 111 f. (Digitalisat).
  • Franz-Josef Schmale: Einleitung zu den „Taten Friedrichs“. In: Bischof Otto von Freising und Rahewin: Die Taten Friedrichs oder richtiger Chronica. Übersetzt von Adolf Schmidt, herausgegeben von Franz-Josef Schmale. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1965.
  • Hans-Werner Goetz: Rahewin. In: Wolfgang Stammler/Karl Langosch (Hrsg.): Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, Bd. 7, Berlin, New York 1989, Sp. 976-982.
  • Georg Waitz und Bernhard von Simson (Hrsg.): Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi 46: Ottonis et Rahewini Gesta Friderici I. imperatoris. Hannover 1912 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)
  • Dietrich Becker: Die Belagerung von Crema bei Rahewin, im Ligurinus und im Carmen de gestis Frederici I. imperatoris in Lombardia. Untersuchungen zur literarischen Form staufischer Geschichtsschreibung. Würzburg, Univ., Diss., 1975.
  • Roman Deutinger: Rahewin von Freising. Ein Gelehrter des 12. Jahrhunderts (Monumenta Germaniae Historica, Schriften 47), Hannover 1999 [= Dissertation Tübingen 1998] ISBN 3-7752-5447-1.
  • Ulrike Götz (Hrsg.): Otto von Freising, Rahewin, Conradus sacrista. Geschichtsschreiber des 12. Jahrhunderts in Freising. Beiträge zum 850. Todesjahr Bischof Ottos von Freising 2008. Freising 2010, ISBN 978-3-00-031024-9.
  • Thomas Haye: Rahewin als Dichter. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 54 (1998), S. 533-566.
  • Klaus Oesterle: Studien zu Rahewin. Heidelberg, Univ., Diss., 1962.
  • Jürgen Petersohn: Rahewin IV 49: seu de recipiendo prefecto. Zur Rolle der Präfektur bei den kaiserlich-römischen Verhandlungen von 1159. In: Karl Hauck/Hubert Mordek (Hrsg.): Geschichtsschreibung und geistiges Leben im Mittelalter, Köln, Wien 1978, S. 397-409.
  • Sonja Reisner: Form und Funktion der Imitatio bei Rahewin. Die Verwendung antiker Vorbilder in seinem Anteil an den Gesta Friderici I. imperatoris. In: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 104 (1996), S. 266-285.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Gesta Fredereci seu Cronica IV, 13.
  2. Schreiben Ottos an Kaiser Friedrich, in Chronica sive historia de duabus civitatibus I.
  3. Brief Rahewins an Kanzler Ulrich und Notar Heinrich, in Gesta Fredereci seu Cronica III.