Rektusdiastase

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassifikation nach ICD-10
M62.08 Muskeldiastase: Sonstige
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Als Rektusdiastase (altgr. διἀστασις diástasis „Zwischenraum“, „Abstand“) wird das Auseinanderstehen der geraden Bauchmuskeln (Mm. recti abdominis) im Bereich der Linea alba beschrieben. Sie kann als angeborene Anomalie beobachtet werden oder erworben sein. Derzeit gilt in Deutschland eine Rektusdiastase über zwei Zentimeter als krankhafter Befund.

Ausprägung und Ursachen[Bearbeiten]

Eine Rektusdiastase ist meist zwischen 2 und 10 cm breit und zwischen 12 und 15 cm lang;[1] im Extremfall ist aber auch eine Breite von bis zu 30 cm beobachtet worden.[2] Der Spalt ist meist im Bereich des Nabels am stärksten ausgeprägt.[3] Da ab der Linea arcuata die Rektusscheide nurmehr aus dem vorderen Blatt besteht, kommt es oberhalb des Nabels häufiger zum Auftreten einer Rektusdiastase.

Betroffen sind vor allem Frauen; oft ist die Rektusdiastase eine Folge von Schwangerschaft und Geburt, insbesondere auch nach mehreren Geburten. Mögliche Ursachen für die erworbene Form sind beispielsweise Übergewicht (Adipositas) oder starkes Pressen wie etwa während einer Geburt oder chronischer Obstipation (Verstopfung).

Eine physiologische Rektusdiastase wird auch durch eine normale Schwangerschaft etwa ab dem fünften Schwangerschaftsmonat verursacht, dann kann sich die Spalte wieder allmählich zurückbilden, meist innerhalb einiger Monate nach der Geburt. Bis dahin sollte auf direkte Anstrengung verzichtet werden. Frauen wird geraten, unter Anleitung im Wochenbett und in der darauf anschließenden Zeit zur Prävention Übungen der Rückbildungsgymnastik durchzuführen, bei denen zunächst die queren und auch die schrägen Bauchmuskeln und erst später die langen Bauchmuskeln gekräftigt werden.[1]

Symptome[Bearbeiten]

Die Muskulatur der Abdominalwand wird bei Vergrößerung der Rektusdiastase zunehmend insuffizient, da zum einen der Hebelarm der Mm. recti abdominis bei stärkerem Auseinanderweichen zunehmend ungünstiger wird und zum anderen die schräge laterale Bauchmuskulatur ihre notwendige Vorspannung verliert. Durch die Insuffizienz der Bauchwand kommt es zu einer Verschlechterung der Bauchpresse, da der notwendige intraabdominale Druck nicht mehr aufgebaut werden kann.

Die Rektusdiastase prädisponiert darüber hinaus zu Bauchwandbrüchen. Insbesondere nach chirurgischen Eingriffen im Bauch ist das Vorkommen von Narbenbrüchen erhöht.

Diagnose[Bearbeiten]

Die Rektusdiastase kann im Liegen ertastet werden, wenn der auf dem Rücken liegende Patient den Kopf hebt. Beim Heben des Oberkörpers stülpen sich zudem die Eingeweide nach vorne.[3][2] Tendenziell kann auch im Stehen eine Vertiefung der Nabelregion erkennbar sein. Bei schlanken Personen wird eine Rektusdiastase bei der Bauchpresse als Vorwölbung des Bauches in diesem Bereich sichtbar.

Die Rektusdiastase muss von einem Bauchwandbruch unterschieden werden. Zur Diagnostik kommen neben der klinischen Untersuchung vor allem die Sonographie, CT und MRT in Betracht.

Behandlung[Bearbeiten]

Eine Rektusdiastase kann in ihren Symptomen evtl. durch physiotherapeutische Übungen gebessert werden („Übungen nach Angela Heller“[4]).

Eine Operationsindikation (zur „Raffung der Rektusscheide“) besteht bei fortdauernden Beschwerden, die durch die Erschlaffung der insuffizienten Abdominalmuskulatur hervorgerufen werden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Bauchmuskeln. Abgerufen am 10. Juli 2013.
  2. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAngela Heller: Nach der Geburt: Wochenbett und Rückbildung. Georg Thieme Verlag, Januar 2002, abgerufen am 10. Juli 2013 (Seite 136).
  3. a b Edvin Turkof, Elis Sonnleitner: Kapitel "Rektusdiastase",. Abgerufen am 10. Juli 2013 (PDF; 416 kB, Band 8, Seite 30-32).
  4. Rektusdiastase nach der Schwangerschaft. Abgerufen am 10. Juli 2013.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel bietet einen allgemeinen Überblick zu einem Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!