Rollenspielsystem

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Ein Rollenspielsystem (im Kontext auch häufig einfach System genannt) ist ein Regelwerk für ein Rollenspiel. Es ist die Aufgabe des Rollenspielsystems, den Spielern einen Rahmen für einen geregelten Ablauf zu geben.

Die meisten Systeme nutzen Spielwürfel und/oder Spielkarten als Zufallskomponente bei der Auswertung, ob eine Aktion gelungen oder missglückt ist und welchen Effekt die Aktion hat. Häufig kommt noch ein Vergleich mit einer oder mehreren, situationsabhängigen Tabellen hinzu, welche die Zufallskomponente für die jeweilige Situation interpretieren. Andere Systeme beschränken sich ausschließlich auf die rhetorische Beweisführung und Kreativität der Mitspieler.

Entstehung[Bearbeiten]

Die Regelwerke entwickelten sich aus der Simulation historischer Schlachten, bei denen nach Wegen gesucht wurde, Eigenschaften der beteiligten Soldaten (z. B. Erfahrung, Spezialkenntnisse, Ermüdung) zu simulieren. Später wurden diese Systeme ausgebaut und vor allem in Fantasywelten übertragen, um den Mitspielern (Rollenspielern) zu ermöglichen, Eigenschaften ihrer Charaktere zu bestimmen und darzustellen.(siehe: Pen-&-Paper-Rollenspiel:Geschichte)

Während die Rollenspielsysteme in ihren Anfängen ausschließlich und bis heute hauptsächlich für die direkte Interaktion von Mitspielern entwickelt wurden (siehe Pen-&-Paper-Rollenspiel, Live-Rollenspiel), wurden sie später auch für sogenannte Soloabenteuer oder Computer-Rollenspiele angepasst.

Inhalte[Bearbeiten]

Rollenspielsysteme sind häufig sehr umfangreich und können mehrere Bücher umfassen. Sie müssen vor allem vom Spielleiter beherrscht werden, da es seine Aufgabe ist, die korrekte Umsetzung des Regelwerks zu gewährleisten.

Charaktererschaffung[Bearbeiten]

Ein Rollenspielcharakter (auch Spielercharakter oder kurz SC) ist die Figur die von einem Spieler während eines Rollenspiels dargestellt wird. Diese Figuren verfügen üblicherweise über Eigenschaften (angeborene und erlernte). Es gibt dabei verschiedene Ansätze zur Regelung wie die Spielfiguren für das weitere Spiel erstellt werden:

  • Zufallsprinzip - hierbei werden die Eigenschaften der Figur anhand von Würfeln und/oder Karten unter zuhilfenahme von Tabellen zufällig bestimmt
  • Punkteverteilung - hierbei erhält der Spieler eine vorgegebene Anzahl an Punkten, die anhand der Regeln auf die verschiedenen Eigenschaften verteilt werden und dann mittels Tabellen in Werte umgerechnet werden.

Viele Rollenspielsysteme verwenden auch eine Mischung aus beiden Möglichkeiten indem bestimmte Eigenschaften dem Zufallsprinzip unterliegen, während andere durch Punkteverteilung bestimmt werden.

Die Charaktererschaffung beinhaltet üblicherweise eine Anzahl an weitgehend angeborenen Fähigkeiten (häufig im Spielkontext Attribute genannt), und eine Anzahl von erlernten Fertigkeiten. Angeborene Fähigkeiten sind häufig einige wenige grundlegende körperliche und geistige Eigenschaften (meist 4 bis 10 verschiedene, z. B. Stärke, Geschick, Intelligenz usw.), während die Fertigkeiten meist eine große Anzahl an mehr oder weniger leicht erlernbaren Eigenschaften enthält.

Die Auswahl an Attributen und Fertigkeiten wird meist durch verschiedene Wahlmöglichkeiten beeinflusst, wie z.B. Rassen-, Volks-, Klassen- oder Kastenzugehörigkeit. Das Rollenspielsystem definiert nun, wie diese verschiedenen Eigenschaften voneinander abhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Je nach System bedingt die Wahl einer bestimmten Eigenschaft die Wahlmöglichkeiten für eine oder mehrere andere.

Interaktion mit der Spielwelt[Bearbeiten]

Weiterhin gibt das Rollenspielsystem vor wie die Figuren mit ihrer Umwelt (der Spielwelt) interagieren können, z.B. durch Kampf, Verhandlung, körperliche oder geistige Anstrengung, ob es möglich ist Magie zu wirken, bestimmte technische Apparaturen zu verwenden oder selbst zu entwickeln, usw.

Bei jeder dieser Interaktionen (meist einfach als Aktion oder Handlung bezeichnet) muss bestimmt werden, welche Konsequenz die Handlung hat. Je nach System gibt es auch hier Ansätze zur zufälligen, erzählten oder errechneten Bestimmung - häufig eine Mischung dieser Ansätze. Auch hier kommen Würfel oder Karten und Tabellen bei einer vollständig oder teilweise zufälligen Bestimmung zum Einsatz.

Weiterentwicklung von Figuren[Bearbeiten]

In den allermeisten Fällen geben Rollenspielsysteme auch vor unter welchen Bedingungen es erlaubt ist die Fähigkeiten und/oder Fertigkeiten von Charakteren zu verändern (üblicherweise zu verbessern), worin ein Teil der Belohnung für ein erfolgreiches Spiel gesehen wird. Auch hier gibt es Ansätze mit Zufallsfaktor (z.B. Call of Cthulhu (Rollenspiel)), aber die meisten Systeme geben hier ein Schema zur Punkteverteilung oder einfach eine Tabelle für die angesammelten Punkte vor.

Anhand der Regeln wird dann bestimmt um wieviel sich welche Eigenschaften ändern.

Die Spielwelt[Bearbeiten]

In den meisten Fällen enthält das Rollenspielsystem auch die Spielwelt (Naturgesetze, Bevölkerung, Länder, verfügbare Technik, Magie, Götter, etc.). In diesen Fällen sind Spielwelt und System eng miteinander verknüpft und nicht klar zu trennen. In den allerwenigsten Fällen werden aber im System konkrete Orte und Handlungsstränge (Kampagnen) vorgeschlagen. Daneben gibt es auch sogenannte Universelle Systeme, die auf verschiedene Spielwelten anwendbar sind und damit per definition keine Vorgabe für die Spielwelt machen.

Regelschwerpunkte in Rollenspielsystemen[Bearbeiten]

Verschiedene Systeme gewichten verschiedene Aspekte des Spiels in unterschiedlicher Weise, was sich über die Regeln zu diesen Aspekten manifestiert. In den meisten Fällen sind die Bereiche eines Rollenspielregelwerks am feinsten ausgearbeitet, auf die während des Spiels am meisten Wert gelegt wird. Häufig heißt das, dass in diesen Bereichen die Reglementierung am strengsten oder am Umfangreichsten ist.

Bekannte Rollenspielsysteme[Bearbeiten]

Hauptartikel: Liste der Pen-&-Paper-Rollenspiele

Eigene Rollenspielsysteme[Bearbeiten]

In vielen Spielgruppen werden die Regeln eines Systems den Erfordernissen der Gruppe angepasst. Dies geschieht zum Teil durch Auslegung der Regeln durch den Spielleiter, andererseits durch Absprache neuer oder veränderter Regeln.[1] Aus dieser Praxis können sich im Laufe der Zeit vollkommen eigene Rollenspielsysteme entwickeln, die sich sowohl in Bezug auf die Regeln als auch auf die Spielwelt vom Ausgangsspiel wesentlich unterscheiden. Manche dieser Systeme werden schließlich veröffentlicht und bilden neue Standards für weitere Spielergruppen. Eine Sammlung freier Rollenspiele, die beinahe alle auf diese Art entstanden sind, bietet das Projekt Odyssee.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Peter Kathe: Struktur und Funktion von Fantasy-Rollenspielen. Diplomarbeit im Fachbereich Sozialwesen. Fachhochschule Bielefeld, 1986, ISBN 978-3925358012, Raum 3.3 - Was in den Regeln steht, könnt Ihr vergessen!, DNB 910850518 (Club für Fantasy- und Simulationsspiele 1991, HTML, abgerufen am 20. Juli 2011).:
    "Meine Umfrage ergab, daß 43 % aller FR-Spieler in wenigstens einer Gruppe spielen, die die Originalregeln gekürzt und mit eigenen Erweiterungen versehen hat."