Rudolf Jung (Historiker)

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Rudolf Jung, um 1910

Jakob Ernst Rudolf Jung (* 24. März 1859 in Frankfurt am Main; † 26. April 1922 ebenda) war ein deutscher Archivar und Historiker.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Jung war ein Sohn des Konsistorialrates Philipp Jung (1828–1902). Er besuchte von 1866 bis 1872 die Musterschule und von 1872 bis 1879 das Städtische Gymnasium in Frankfurt am Main. Nach dem Studium in Leipzig, Freiburg, Berlin und Marburg leistete er seinen Militärdienst in Frankfurt ab.

1884 bis 1886 wirkte Jung an der Herausgabe der Reichstagsakten mit, die von der Historischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften betreut wurde.

Seit 1883 gehörte Jung dem Freien Deutschen Hochstift an, zu dessen Bibliothekar und Verwaltungsschreiber er 1884 berufen wurde. 1888 wurde er Nachfolger von Hermann Grotefend als Leiter des Frankfurter Stadtarchives. Er schuf eine systematische Ordnung der Archivalien, welche die Sammlung für die Allgemeinheit nutzbar machen sollte und im Grundsatz bis heute Bestand hat. Unter seiner Leitung, die er bis zu seinem Tod und somit fast 34 Jahre ausübte, wurde das Frankfurter Stadtarchiv zum am besten eingerichteten und strukturierten Archiv Deutschlands.

Seit 1883 gehörte er dem Frankfurter Verein für Geschichte und Altertumskunde an, dessen erster Vorsitzender er von 1883 bis 1913 war und dessen Archiv und Bibliothek er seit 1888 verwaltete. Als Herausgeber betreute er die Publikationen des Vereins, unter anderem das Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, die Vierteljahresschrift Alt-Frankfurt und die Mitteilungen über Römische Funde in Heddernheim. Er war auch Mitbegründer des Vereins für das Historische Museum und der Historischen Kommission der Stadt Frankfurt am Main.

Jung war Mitarbeiter zahlreicher Fachpublikationen und Freier Mitarbeiter von Frankfurter Tageszeitungen, darunter der Frankfurter Zeitung, Frankfurter Nachrichten und der Didaskalia. Zu seinen bedeutenden Werken gehören die Baudenkmäler in Frankfurt am Main (mit Carl Wolff und Julius Hülsen), erschienen in drei Bänden: Kirchenbauten (1896), Weltliche Bauten (1898) und Privatbauten (1914). Der von ihm verfasste zweite Band der Quellen zur Frankfurter Geschichte, Frankfurter Chroniken und annalistische Aufzeichnungen der Reformationszeit (1888) ist bis heute das Standardwerk über die Belagerung der Stadt im Jahr 1552.

Nach Jung wurde die Jungstraße in Frankfurt-Bockenheim benannt. Sein Grab befindet sich auf dem Hauptfriedhof Frankfurt.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Rudolf Jung – Quellen und Volltexte