Frankfurter Zeitung

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Die Jubiläumsausgabe anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Frankfurter Zeitung 1906

Die Frankfurter Zeitung wurde 1856 als „Frankfurter Geschäftsbericht“ von Leopold Sonnemann und Heinrich Bernhard Rosenthal[1] in Frankfurt am Main gegründet und hatte zuletzt ihren Sitz in der Großen Eschenheimer Straße 81–87. Seit 1860 firmierte das Unternehmen als Frankfurter Societäts-Druckerei, in der dann von 1866 bis 1943 die „Frankfurter Zeitung“ erschien, die in Klammern auch mit „Frankfurter Handelszeitung“ und „Neue Frankfurter Zeitung“ ergänzt wurde. Ihre Redakteure sahen sich der Schaffung einer liberalen, demokratisch-sozialen Gesellschaft verpflichtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis zur Reichsgründung[Bearbeiten]

Gegründet als Frankfurter Geschäftsbericht änderte das Blatt noch im selben Jahr (1856) seinen Titel in Frankfurter Handelszeitung. 1859 nannte der Bankier Leopold Sonnemann das Blatt Neue Frankfurter Zeitung, nachdem er kurz zuvor einen politischen Teil hinzugefügt hatte. Pro Woche erschien die Zeitung 19 mal (drei mal pro Werktag, einmal am Sonntag) und vertrat eine Liberalisierung des Kapitalverkehrs und eine Reform des Aktienrechts, damit sich Handel und Industrie leichter finanzieren ließen. Seit dem 1. Januar 1860 hieß Sonnemanns Unternehmen Frankfurter Societäts-Druckerei.

Nach der Besetzung Frankfurts durch Preußen wurde die Zeitung von Juli 1866 an verboten. Sonnemann wich nach Stuttgart aus und belieferte seine Kunden drei Monate lang mit der Neuen Deutschen Zeitung. Am 16. November 1866 konnte das Blatt wieder als Frankfurter Zeitung und Handelsblatt erscheinen.

Dem Liberalismus verpflichtet[Bearbeiten]

Das Festmenü im Palmengarten anlässlich 50 Jahre Frankfurter Zeitung, 1906

Nach der Reichsgründung 1871 entwickelte sich die Frankfurter Zeitung zu einem wichtigen Forum der außerparlamentarischen, liberal-bürgerlichen Opposition. Diese Haltung sollte sich auch in den Strukturen der Zeitung zeigen; so wurde die Chefredaktion abgeschafft und durch eine ständige Redaktionskonferenz ersetzt. Alle Redaktionsmitglieder waren gleichberechtigt, der Vorsitzende (nach dem Tod Leopold Sonnemanns bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung sein Enkel Heinrich Simon) leitete die Sitzung, hatte jedoch keine Entscheidungsbefugnis. Der Leitartikel gab die Meinung des Redaktionsgremiums wieder und wurde deshalb nicht signiert.

Da sich die Redakteure immer wieder standhaft weigerten, Ermittlungsbehörden die Informanten brisanter Artikel zu verraten, wurden sie von 1871 bis 1879 häufig zu Zwangshaft wegen Zeugnisverweigerung verurteilt.

Von den etablierten Parteien stand die Frankfurter Zeitung der linksliberalen Süddeutschen Volkspartei am nächsten.[2] Nach der Jahrhundertwende unterstützte das Blatt die Einigungsbestrebungen zur Überwindung der parteienpolitischen Zersplitterung im deutschen Linksliberalismus.[3] Bereits vor 1914 und dann während des Ersten Weltkrieges trat die Frankfurter Zeitung für den Frieden in Europa ein.

Weimarer Republik[Bearbeiten]

In der Zeit der Weimarer Republik zog die Frankfurter Zeitung Anfeindungen seitens nationalistischer Kreise auf sich, da sie sich 1918 für die Annahme des Versailler Vertrages ausgesprochen hatte. Sie stand nicht mehr in Opposition zur Regierung und unterstützte die Versöhnungspolitik Gustav Stresemanns.

Sie war eines der wenigen demokratischen Blätter dieser Zeit. Berühmt war sie vor allem für ihr Feuilleton, in dem fast alle Geistesgrößen der Weimarer Republik Texte publizierten.

Die wirtschaftliche Lage wurde für das Blatt jedoch deutlich schlechter. Die FZ musste Anfang der 30er Jahre von Carl Bosch, Vorstandsvorsitzendem der I.G. Farben, heimlich über die Imprimatur GmbH mit erheblichen Geldmitteln unterstützt werden, um nicht pleitezugehen.

Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 mussten zahlreiche jüdische Mitarbeiter die Frankfurter Zeitung verlassen, darunter so berühmte wie Siegfried Kracauer und Walter Benjamin. Betroffen war auch der jüdische Herausgeber Heinrich Simon, der aufgrund des Schriftleitergesetzes den Besitz zugunsten der Imprimatur GmbH aufgeben musste. Die Zeitung wurde von Propagandaminister Joseph Goebbels zunächst protegiert, da sie ihm für Propaganda im Ausland nützlich war, indem sie mit ihren zum Teil kritischen Artikeln für eine angebliche Freiheit in Deutschland stehen sollte.

Am 17. Juni 1934 druckte das Blatt in seiner Abendausgabe als einziges Medium in Deutschland die am selben Tag gehaltene Marburger Rede von Vizekanzler Franz von Papen ab, die im Ausland Aufsehen erregt hatte und deren Text der Redaktion vorher zugespielt worden war. Die Ausgabe wurde beschlagnahmt, die Veröffentlichung der Rede verboten.

In dieser Zeit musste sich die Zeitung der Waffe des leise ausgesprochenen Widerstandes bedienen, um die Gleichschaltung der Presse zu überleben. Doch auch der in dieser Zeit für die Zeitung tätige liberale Journalist und Schriftsteller Herbert Kranz (1891–1973) musste noch vor dem Verbot die Feder weglegen. Im Mai 1943 wurde die Herausgabe der Frankfurter Zeitung jedoch von Adolf Hitler wegen eines Artikels vom 23. März 1943 über Dietrich Eckart verboten, und der Autor Herbert Küsel entging einer Gefängnisstrafe nur durch Antritt des Wehrdienstes. Die letzte Ausgabe erschien am 31. August 1943.[4][5]

Zitate:

  • „Nur wer die Grabesstille des Dritten Reiches am eigenen Leib verspürt hat, wird ermessen können, was eine Gegenposition in der Öffentlichkeit für die geistigen Menschen in Deutschland bedeutet hat. Als die ‚Frankfurter Zeitung‘ in Deutschland eingestellt wurde, war es, als würde in einem halbdunklen Raum die letzte Kerze ausgeblasen.“ (Benno Reifenberg an Willy Bretscher)
  • „Die Bemühung, sich der geistigen Gleichschaltung zu entziehen, läßt sich nirgends besser ablesen als an der Geschichte der ‚Frankfurter Zeitung‘, die bis zum Ende ihr besonderes Gesicht und ihren ‚Geist des Hauses‘ zu bewahren trachtete.“ (Peter de Mendelssohn)

Versuche einer Wiederbegründung[Bearbeiten]

Nach Kriegsende sammelten sich in Freiburg im Breisgau ehemalige Redakteure der Frankfurter Zeitung, mit dem Ziel, zusammen mit dem früheren Verlagsleiter Wendelin Hecht das traditionsreiche Blatt wiederzubegründen. Die Besatzungsmächte hatten jedoch die Wiederherausgabe von Zeitungen untersagt, die während der NS-Zeit erschienen waren, sodass dieser Plan verschoben werden musste. Hecht versuchte zudem eine Neugründung in seiner ebenfalls zur französischen Besatzungszone gehörenden oberschwäbischen Heimat (vgl. Schwäbische Zeitung). Schließlich gründeten die Redakteure am 24. Dezember 1945 die Zeitschrift Die Gegenwart mit französischer Lizenz. Die Zeitschrift erschien später bei der Frankfurter Societät, die die Rechte an der Frankfurter Zeitung hielt.

Am 29. November 1946 gründete das ehemalige Redaktionsmitglied Erich Dombrowski mit französischer Lizenz in Mainz die Allgemeine Zeitung, die mit einer überregionalen Ausgabe die Nachfolge der Frankfurter Zeitung antreten sollte. Deutsche Emigranten sorgten in Paris für eine entsprechende Lizenz, die den Vertrieb in der gesamten französischen Zone gestattete. Diese Hauptausgabe trug den Titel Allgemeine Zeitung mit Wirtschaftsblatt.

Sichtbares Zeichen für die Wiederaufnahme der FZ-Tradition war der Titel in Fraktur-Schrift. Zu den Redakteuren zählte auch der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der Frankfurter Zeitung, Erich Welter.

Am 23. September 1949 wurden mit Generallizenz Nr. 3 alle alliierten Beschränkungen für die Presse aufgehoben. Am 31. Oktober 1949 teilte die Allgemeine Zeitung mit Wirtschaftsblatt ihren Lesern mit, dass sie mitsamt ihrer Redaktion in der neu gegründeten Frankfurter Allgemeinen Zeitung aufgehen werde. Die Allgemeine Zeitung (Mainz) besteht als Regionalzeitung bis heute weiter.

Am 1. November 1949 erschien die erste Probenummer der Zeitung für Deutschland. Nachdem Die Gegenwart im Dezember 1958 eingestellt worden war, erhielt die FAZ 1959 das Recht, den alten Titel Frankfurter Zeitung im Impressum zu führen.[6]

Bekannte Redakteure, regelmäßige freie Mitarbeiter und Autoren[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Apfel: In den zwanziger Jahren. Erinnerungen an die Frankfurter Zeitung, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 55 (1976), S. 235-253.
  • Frankfurter Historische Kommission (Hrsg.): Frankfurt am Main. Die Geschichte der Stadt in neun Beiträgen. Thorbecke, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-4158-6, (Veröffentlichungen der Frankfurter Historischen Kommission 17).
  • Alfred Estermann (Hrsg.): Zeitungsstadt Frankfurt am Main. Zur Geschichte der Frankfurter Presse in fünf Jahrhunderten. Herausgegeben im Auftrag der Frankfurter Sparkasse. Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-89282-028-7.
  • Günther Gillessen: Auf verlorenem Posten. Die Frankfurter Zeitung im Dritten Reich. Siedler Verlag, Berlin 1986, ISBN 3-88680-223-X, (2. überarbeitete Auflage: ebenda, 1987).
  • Kurt Paupié: Die Frankfurter Zeitung. In: Heinz-Dietrich Fischer (Hrsg.): Deutsche Zeitungen des 17. bis 20. Jahrhunderts. Verlag Dokumentation, Pullach 1972, ISBN 3-7940-3602-6, (Publizistik-historische Beiträge 2), S. 241–256.
  • Geschichte der Frankfurter Zeitung 1856 bis 1906. Frankfurt am Main 1906 (archive.org).
  • Wolfgang Schivelbusch: Intellektuellendämmerung: Zur Lage der Frankfurter Intelligenz in den zwanziger Jahren. Insel, Frankfurt am Main 1982. Taschenbuch: Suhrkamp-TB 1121, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-518-37621-7, darin: Die Frankfurter Zeitung, Seite 53–76.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinrich Bernhard Rosenthal, 1829 – 1876
  2. Vgl. Konstanze Wegner: Theodor Barth und die Freisinnige Vereinigung. Studien zur Geschichte des Linksliberalismus im wilhelminischen Deutschland (= Tübinger Studien zur Geschichte und Politik. Band 24). Mohr Siebeck, DNB 458590355, Tübingen 1968, S. 12.
  3. Vgl. Wegner 1968, S. 104–110.
  4. Vgl. Elisabeth Noelle: Die letzte Kerze. Das Verbot der Frankfurter Zeitung im August 1943. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. Juni 2002, S. 8.
  5. Vgl. Franz Taucher: Das Ende der „Frankfurter Zeitung“. In: Arbeiter-Zeitung. 20. April 1952, S. 8.
  6. Die Mayflower, Der Spiegel, 25. Februar 1959, S. 27