Ryan-Bericht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Ryan-Bericht ist das Ergebnis der öffentlichen Untersuchung in Irland zum Missbrauchsskandal der katholischen Kirche in Irland der irischen Kommission zur Aufklärung von Kindesmissbrauch unter Richter Seán Ryan. In Irland ist er bekannt als „Ryan-Report“, (früher „die Laffoy Kommission“) bzw. Commission to Inquire into Child Abuse (CICA) (englisch). Er gehört zu einer Reihe von Maßnahmen, die die irische Regierung einführte, um das Ausmaß und die Auswirkungen des Missbrauchs von Kindern ab 1936 zu untersuchen.

Die Kommission begann 1999 unter der Leitung von Richterin Mary Laffoy und veröffentlichte ihre Ergebnisse am 20. Mai 2009. Seán Ryan übernahm die Leitung 2003, nachdem Mary Laffoy aus Protest gegen die unzureichende Finanzierung und gegen die ihrer Meinung systematische Blockade durch das Erziehungsministerium zurückgetreten war.[1]

Die Aufgabe der Kommission war, alle Formen des Kindesmissbrauchs in irischen Einrichtungen für Kinder zu untersuchen. Die Mehrheit der beschuldigten Institutionen, die untersucht wurden, gehörten zu den 60 „Reformatory and Industrial Schools“, die unter der Aufsicht des irischen Bildungsministeriums von der katholischen Kirche betrieben und finanziert wurden.[2]

Der Bericht der Kommission weist nach, dass das gesamte System Kinder mehr als Gefängnisinsassen und Sklaven, denn als Menschen mit Rechten und menschlichem Potential behandelte. Schläge waren religiöses Ritual, von Beamten gedeckt und konsequent abgeschirmt. Eine Kultur der Geheimhaltung verhinderte die Aufdeckung. Auch die Kontrolleure der Regierung stoppten die Missbräuche nicht.[3][4][5]

Die schwerwiegendsten Missbrauchsvorwürfe sind unter anderem: Schläge, öffentliche Schläge, erzwungene Nacktheit in der Öffentlichkeit, Schläge nach Vergewaltigungsversuchen, Vergewaltigung, Schläge mit Vergewaltigung, erzwungener Oralsex. Der Missbrauch wurde von einigen Medien als der Holocaust Irlands beschrieben.[6][7] Der Missbrauch wird für Institutionen für Jungen als endemisch beschrieben. Die Zeitung The Guardian beschrieb den Missbrauch als „Stoff, aus dem Albträume sind“ und bezog sich ausdrücklich auf die im Bericht verwendeten Adjektive: „systematisch, tiefgreifend, chronisch, übermäßig, willkürlich, endemisch“.[8]

Die Schlussfolgerungen des Berichts (Band 4, Kapitel 6) bestätigen den allgemeinen Tenor der Vorwürfe ohne Ausnahme.[9]

Im Bericht wurden Aussagen aus einem Zeitraum von 9 Jahren (2000–2008) gesammelt. Der Aussagenzeitraum umfasste dabei die Jahre von 1914 bis zum Arbeitsbeginn der Kommission.[10] Die Anhörungen fanden in Irland, im Vereinigten Königreich und an anderen Orten statt. Von den ca. 25.000 Menschen, die eine der in Rede stehenden Einrichtungen besucht hatten, trugen etwa 1.500 Anschuldigung bei der Kommission vor. [10] Darunter waren 474 Vorwürfe wegen physischer Misshandlung und 253 wegen sexuellen Missbrauchs, die von männlichen Personen erhoben wurden. [11] Von Frauen hingegen wurden insgesamt 383 Vorwürfe physischer Misshandlung und 128 Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs vorgetragen. Dabei ging es um alle Arten von Missbrauch und die Vorwürfe richteten sich sowohl gegen Priester und Ordensangehörige, als auch Laien. Die Mehrzahl der Vorwürfe sexuellen Missbrauchs durch Frauen richtete sich vor allem gegen Angestellte, über die durch die kirchlichen Institutionen die Dienstaufsicht hätte ausgeübt werden müssen. [12]

Der Ryan-Bericht wirft dadurch einen Blick auf die Verhältnisse in kirchlichen Einrichtungen, gegenüber denen sowohl Staat als auch kirchliche Institutionen nicht ausreichend ihren Aufsichtspflichten nachgekommen sind. Andererseits zeigt sich anhand dieses Berichts, wie problematisch der Umgang mit den Ermittlungsergebnissen staatlicher Kommissionen in den Medien sein kann.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.rirb.ie/ryanreport.asp Der Report im Original
  2. Commission Report Vol 1 Ch. 1. The Commission to Inquire into Child Abuse. Abgerufen am 22. Juli 2009.
  3. Irish church knew abuse 'endemic', BBC News. 20. Mai 2009. 
  4. http://www.childabusecommission.ie
  5. http://www.childabusecommission.com/rpt/
  6. Ireland contemplates its 'holocaust of abuse', and decades of denial. National Post. 21. Mai 2009. Abgerufen am 23. Mai 2009.
  7. Child abuse scandal was Ireland’s nightmare from hell. The Belfast Telegraph. 23. Mai 2009. Abgerufen am 23. Mai 2009.
  8. http://www.guardian.co.uk/commentisfree/belief/2009/may/21/catholic-abuse-ireland-ryan
  9. Commission Report Vol 4 Ch. 6. The Commission to Inquire into Child Abuse. Abgerufen am 26. Juli 2009.
  10. a b Commission Report Vol 3 Ch. 2. The Commission to Inquire into Child Abuse. Abgerufen am 22. Juli 2009.
  11. Commission Report Vol 3 Ch. 7. The Commission to Inquire into Child Abuse. Abgerufen am 22. Juli 2009.
  12. Commission Report Vol 3 Ch. 9. The Commission to Inquire into Child Abuse. Abgerufen am 22. Juli 2009.